Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Mittwoch, 5. 06 13

Huhu, hallo!
05.06.13, 11:05 | 'Von einem zum andern'
Ich radle gern. Ich rede gern. Ich sehe mich gern um. Und was ich sonst noch gern mache, davon lesen Sie hier ja genug. Ich bin außerdem genügsam, mit einer Dusche, einem Stück Brot und einem Plätzchen für meinen Schlafsack zufrieden.

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Ich würde Sie gern besuchen. Sie leben sicher irgendwo, wo es etwas zu sehen gibt. Wo ich hinradeln kann. Vielleicht möchten Sie mir ja etwas zeigen? Mit mir ein Bier trinken? Dann laden Sie mich doch ein!

Ich habe im August zwei Wochen frei. In diesen zwei Wochen würde ich gern durch Deutschland und das Umland radeln, vielleicht mal eine größere Strecke mit dem Zug überbrücken. Ich stelle mir einige Stationen vor, die ich ansteuern kann, eine Route von Menschen, die ich besuchen kann, und ich stelle mir vor, daß ich randvoll mit Sonne und Geschichten wieder zurückkomme. Ich würde mich freuen, Sie zu besuchen. Vielleicht klappt dieses Experiment ja. Es würde mich freuen.
# |  25 RauchzeichenGas geben


05.06.13, 10:03 | 'Night after night'

Nach den zwei Stunden an der Tafel vor Professoren und Studenten, eingekesselt und freigekämpft, mit dreißig Minuten Überziehung sitze ich mit schlackernden Hosen und einem Becher Kaffee auf dem Hof in der Sonne, wundere mich darüber, wie man nicht doch auch arbeiten kann, so ganz anders als anders, ich muß darüber mal nachdenken, aber zuvor denke ich mir Fragen aus und blinzle ein wenig, ein Eis wäre nicht schlecht, und das sind so Tage, an denen ist es grad egal, denn das ist Arbeit wie Urlaub, da darf man auch an Eis denken.

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Morgens auf dem Rad noch dem Mädchen mit dem Pferd begegnet. In der Bib ein Buch abgegeben und eines geholt, dem Mädchen begegnet, das sie Troublemaker nennen. Beim Warten dem Doktoranden begegnet, der fertig wird in diesen Wochen. Abends dann lang gesessen in der Stadt, und mir von Hunden und Wohnungssuche erzählen lassen, von Autounfällen und davon, wie sie in einen Hauseingang gedrängt wurde und um sich geschlagen hatte, davonrannte und weinte, und da bin ich atemlos und ziellos wütend, und weiß doch nichts zu sagen. Dann wieder Theater und Querschnittslähmung, und wohin so ein Gespräch nicht immer mäandert, denke ich, und dann lasse ich mir von einer wissenschaftlichen Arbeit erzählen, von der ich kein Wort verstehe, und mir gegenüber wechseln sie die Plätze, und die Sonne ist längst untergegangen und um uns wird es ruhiger, aber ich bin im Warmen, ich bin warm mit euch, und irgendwie will ich das sagen, aber ich stolpere ja doch immer, über Zusammenhänge und über meine Zunge, und als wir aufstehen zur Not auch über meinen Rucksack.
# |  Rauchfrei | Gas geben


05.06.13, 09:27 | 'Das Auge des Betrachters'
Wir sitzen dann lang in dieser Kneipe, und ich schaue immer wieder zu dem DJ hinter der Theke, der sich als einziger an seiner Musik zu freuen scheint. Dann laufen wir durch den Regen, warten auf die Busse und steigen schließlich ein. Ich sitze ganz hinten und schaue durch die Heckscheibe in Deinen Bus. Blöd, schreibst Du, und ich schiebe das Telefon wieder ein. Morgen werde ich mich mit einem leeren Akku herausreden.

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Ich bin nur ein paar Stunden im Bett, dann zwickt mich die Helligkeit in die Augenlider und ich fahre nach Hause. Es dauert dort immer einen Tag, bis ich dort wieder den richtigen Schlüssel greife. Und wieder einen Tag, bis ich hier wieder den anderen aus dem Mäppchen ziehe.

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Ein freier, verregneter Tag, und ich hätte gern mehr gearbeitet. Überhaupt wäre ich gern effizient und effektiv. Arbeitskraftmaschine.

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Wie oft ich es schaffe, mit der Bahn in die Stadt zu fahren. Und wie selten ich es zu´Hause schaffe, wo es keine Bahn gibt. Und das liegt nicht an der Bahn, sondern - ich weiß doch auch nicht, was das mit mir macht. Unruhig bin ich hier wie dort.

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Werkstattarbeit. Ich mag die Einteilung am morgendlichen Kaffeetisch. Ich mag es, einen Chef zu haben, der ansagt und der machen lässt. Richtung geben, laufen lassen, und das Lachen nicht vergessen.

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Aus eins mach zwei.


Und man glaubt gar nicht, wie man sich da verwinden muß, wenn die Scheibe nicht zwischen den Stegen durchpassen will, und dann nehme ich dann doch den kleinen Schleifer, mit einer unzulässig großen Scheibe und ganz unzulässig ohne Schutz und mit ganz unzulässigem Dauerschalter, und als ich eben so im Funkenregen stehe, marschiert der Bauer durch die Werkstatt, lacht und geht wieder.

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Schweißarbeit, und ich fotografiere auch mal misslungene Nähte.


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Stallarbeit, und als meine Runde draußen beendet ist, lege ich Schurz und Stulpen und Handschuhe an, und dann stehen wir da, ich im kurzen Hemd, der Vetter im Overall, sonst grün und blau uniform, und der Bauer kommt herein und lacht den beiden Melkern zu, die sich nur knapp abstimmen, ein Nicken für den Knopf, der die Damen wieder freigibt, und dann steigt einer nach draußen und treibt, während der andere vorn schon anfängt. Und er schaut sich dieses parallele, ineinandergreifende, fast wortlose Arbeiten an, lacht laut und verabschiedet sich mit knallender Tür. Irgendwann machen wir noch die Runde, die Lichter erlöschen, und dann nicken wir uns zu im Regen. Bis gleich. Bis gleich.

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Wir sitzen da ohne Theke und ohne frisches Bier, dafür mit Fußball, was es nicht viel besser macht, und es echauffiert sich eine, und ich würde ihr zu gern sagen, daß das hier so ist, daß die Vereine sich keine Konkurrenz machen, und daß man das sicher nicht verstehen kann, wenn man ein Anhänger dieses anderen Vereins ist, aber dann lasse ich es lieber, solange mir kein besserer Spruch einfällt, und das ist ja doch nie.

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Im Zelt ein Alleinunterhalter. Das ist nicht schlimm. An der Theke einer, der da mit seinem Sohn steht. Hinter der Theke einer, der sich gern mit einem schweren Motorrad zeigt. Der Vetter und ich drehen auf dem Absatz um, machen den Fuchs, wie man hier sagt, und auf dem Heimweg schaue ich in den Bach, der jetzt brüllt und rauscht und immer wieder an die Brücke schmettert.

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Meine Lehre zum familiären Hefezopfbäcker.

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Mein Auto verleihe ich schnell und nach kurzem Durchatmen. Wird schon nicht so schlimm sein.

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Und dann sitzen wir da, noch heiß von der Anstrengung und naß von der Dusche, und trinken noch eins und bitten an der Theke um Butter, und wir reden uns die Köpfe noch heißer über die Welt und das, was sie wohl von uns will, was wir selber wollen, und so geraten wir irgendwie zu Schönheitsoperationen, und mit solch Schönen lässt sich darüber so trefflich reden.

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Und sie schneidet sich ein Stück ab, als sie geht, wegen der Frühschicht und dem bißchen Schlaf, das auch ein Supergirl eben braucht, und dieses Stück ist größer als ihre Hand, und sie wird ein wenig rot, weil das so groß geraten ist, und sie zupft eine Faser ab und isst sie gleich, und daß es ihr so schmeckt, das freut mich sehr.

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Die Faltencreme und die Lachfalten.

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Wie aufmerksam sie ist. Wie sie sich Aussagen gemerkt hat. Wie sie reagiert. Wie offen sie ist, und was "direkt" eigentlich bedeutet, wenn einen diese dunklen Augen anfunkeln. Und wie es mich so gar nicht mehr stört, ihre Wärme durch unser beider Hosenstoff zu spüren, weil diese Wärme nicht mehr fremd ist, sondern vertraut und erwünscht, und manchmal würde ich das gern sagen können, ohne daß immer alle meine Gedanken lesen müssen. Wo die doch so verworren sind. Und dann zeige ich noch die Schweißnaht, weil ja doch nie einer versteht, was ich so mache, wenn ich nicht da bin, und dann sehen wir alle plötzlich die Nacktheit, gleichzeitig und lachend, und das nehme ich mit auf meine lange Nachtwanderung, mit großem Rucksack und großer Tasche und nur noch kleinen Resten vom Hefezopf.
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