Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Freitag, 1. 04 16

01.04.16, 10:41 | 'Welt als Wille und Vorstellung'
Kopf oder Bauch, hast Du gefragt, an diesem kleinen Tisch voller Flaschen, ich auf einem alten Drehstuhl mit gebrochener Lehne, im Hemd von einem Termin gekommen, den Rucksack an den Tresen gelehnt, nach drei Stunden entspannt und müde, der Barkeeper als lachender, fröhlicher alter Freund hinter mir, und: Kopf oder Bauch, wiederhole ich und denke nach, wie ich immer nachdenke, immer Kopf, und dann sage ich Bauch, weil es dann doch immer der Bauch wieder richtet, was der Kopf zerdenkt. Bauch, sage ich also, aber leicht tut er sich nicht mit meinem dicken Kopf. Und ich denke an die Nachrichten der letzten Tage, zwischen den Sätzen das Zwinkern, Lockerheit simulierend, in denen der Bauch und der Kopf auch schon vorkamen, und wie ich dasaß und nicht mehr wußte, was denn nun Bauch und was Kopf ist bei Dir, und warum sich die beiden streiten, und welcher Teil denn nun mein Fürsprecher sein soll, und ob ich Dir das nicht nehmen müßte, meinen Hut nehmen quasi und mein Angebot zurückziehen, damit sich Dein Bauch und Dein Kopf nicht immer streiten müssen, weil ein solcher Streit ja nicht das Schöne ist, das ich Dir sein will, ja vielleicht schon Entscheidung genug ist; Aber da sind mein Kopf und mein Bauch wieder im Zwist, und vielleicht ist das ja einfach so in uns, und ach.
Ich tippe einen Gruß ins Telefon und in den französischen Regen, weil man ja immer irgendwo hinschauen muß, auch wenn man nur mal kurz in sich hineinschauen will, und dann bin ich abgelenkt, weil so viel zurückkommt, und Du legst eine Hand auf das Telefon, sagst Finger weg, und ich schaue auf und frage: Und Du?
Bauch, sagst Du, ganz klar, und dann spült das Gespräch den Moment weg, wir lassen uns neue Flaschen empfehlen, mit Bussen drauf, mit Männlichkeit drin oder mit Zitrone, und ich lasse irgendwann das alte Wolfsgeheul los, wie kam nun das, und ich schaue an mir hinunter, wie unsere Knie sich warm berühren, wahrscheinlich schon zwei Stunden so, als ob wir das nicht bemerkt hätten, wir zwei Ignorierspiegelfechtmeister, und dann stehen wir draußen, die letzte Bahn, und ich nehme das hin, Dich nicht nach Hause zu bringen, weil letzte Bahn, ich sage mir das immer wieder, dem Kopf und dem Bauch werden die Flausen ausgetrieben durch die Umstände - ach, Freiheit - und Dein Lächeln kommt aus dem Bauch auf diesem nächtlichen Platz mitten in der Stadt, und dann der Kuss, war ich das etwa, oder warst Du das, oder sind es wir beide, noch ein Kuss, und ich lasse Dich los, und dann bin ich in der Bahn, die quasi an Deiner Tür vorbeifährt, und Du stehst dort, und zwischen uns fliegen noch zwei, drei Worte, Kopf, Bauch, Umstände und Telefone, und dann laufe ich durch den nächtlichen Nebel und meinen inneren Nebel, der für einen Moment die Streithähne trennt, aber vielleicht schweigt der Kopf auch einfach so, wenn er denn mal geküsst wird.
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01.04.16, 10:36 | 'Heller als tausend Sonnen'
And then you kissed me.
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