Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Donnerstag, 22. 02 24

22.02.24, 17:32
Viele der technischen Artikel, die ich so gern lese, fangen mit dem lapidaren Satz an, It took me some time to figure this out, und das begründet schön, warum die Leute davon erzählen wollen. Es hat gedauert, es war anstrengend, ich muss mir das aufschreiben, mach nicht diesen und jenen Fehler. Schaut her, was ich gekonnt habe. Nun ist, was ich in den letzten drei Tagen "gekonnt" habe, von wenig allgemeinem Interesse, denn es dreht sich um Datenbanken. Und zwar um die der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Dort müssen alle oder fast alle Tankstellen ihre Preise melden. Ich weiß nicht genau, für welche Ausnahmen das nicht gilt, und ich weiß auch nicht genau, wie schnell eine solche Meldung erfolgen muss, tippe jedoch auf das behördengerechte "unverzüglich". Das passt dazu, dass die Behörde den Antrag, den man behördengerecht stellen muss, erst Monate nicht bearbeitet und dann verloren hat. Dann war übrigens Fasching, was tatsächlich nicht mich beeinträgtigt hat, sondern die Behörde selbst. Wer will schon jeden Tag arbeiten.

Nun ist diese Meldung also Pflicht, und so vermutet man ein einfaches Beispiel, dem man als mittelmäßig begabter Mensch folgen kann, um seine Pflicht zu tun. Doch nein, es gibt Datenschemata und Schnittstellenbeschreibungen, und hier und dort ein Wörtchen zur verwendeten Verschlüsselung. Mein erster Schritt bestand also darin, eine konforme XML-Datei aufzubauen, was abgesehen von einem peinlichen Tippfehler auch gelang. Anschließend versuchte ich, den Datenbankzugang mit curl herzustellen, weil mir schlicht nichts Besseres bekannt ist. Da die Datenbank nur einen HTTP 40x wirft, wenn sie mit dem curl-Kommando unzufrieden ist, dauerte das ein Weilchen. Dann muss man sich auf der Internetseite der Mobilithek noch zusammenreimen, dass Angebot und Publikation ein und das selbe sind oder zumindest die gleiche ID verwenden, und schon kann man nach der Log-Ausgabe auf das verschickte XML-File suchen. Warum es stets drei Logs für einen Versand sind, habe ich nicht verstanden, und die Begriffe "Organisation" und "Tankstelle" habe ich auch noch durcheinandergebracht. Herrjeh, ich bin nun mal kein Konzern. Ich bin ja nicht mal eine Tankstelle. Ich werde gefragt, ich baue etwas. Das ist meist schon alles.

In einigen Iterationen konnte ich nun also Tipp- und Denkfehler beseitigen. Dann ging es um die Automatisierung. Schließlich kann und will ich nicht den ganzen Tag damit verbringen, aus dem Fenster auf einen Preismast zu schauen, um dann von Hand Zahlen in eine Datei einzutragen und deren Versand wiederum von Hand anzustoßen. Vor allem ist mit der fehlerfreien Akzeptanz durch die Datenbank auch noch nicht bestätigt, daß die gemeldeten Daten richtig sind und richtig verarbeitet werden. Nur die innere Form der Datei stimmt schon mal. Ich bastle also hin und her, verbringe viel Zeit in Warteschleifen und sehe dann mehr durch Zufall in einer dieser Benzinpreis-Apps, dass die Tankstelle gelistet wird. Zwar parallel zu ihrem vorigen Eintrag, aber das war wohl nicht zu vermeiden. Und irgendwann stimmen auch die Preise. Ein erster Sieg. Die Automatisierung zieht sich, denn die Preise kommen aus einem Kassensystem, in dem ich auf keinen Fall herumbasteln möchte. Ich binde den Datenordner also von einem meiner dauerlaufenden Kleingeräte aus ein und schreibe an ein paar Funktionen: Extrahieren von Preisdaten und Änderungszeiten aus den Logfiles, Extrahieren von Preisdaten und Änderungszeiten aus der XML-Datei. Vergleich. Update bei Änderung. Und Versand. Das ist eigentlich alles, aber bis es dann stabil läuft und auf die meisten Kleinigkeiten reagieren kann, dauert es dann doch. So ein Netzlaufwerk muss schließlich immer mal wieder neu verbunden werden, wenn einer der beiden Rechner abgeschaltet war. Und Sommer- und Winterzeit sind auch zu beachten bei der Zeitmeldung. Außerdem bekomme ich den Versand sowieso nicht über einen Windows-PC hin, da curl unter Windows nicht das beliebte OpenSSL hinterlegt hat, sondern ein ranziges schannel, das mit der vorher wunderbar funktionierenden Syntax nichts zu tun haben möchte und immer wieder von irgendwelchen Zertifikatespeichern faselt, statt die Zertifikatsdatei zu fressen. Aber Windows braucht kein Mensch, und nach drei Tagen bin ich soweit, das Logging noch soweit zu reduzieren, daß ich Fehler auch wirklich finden kann, wenn denn welche auftreten. Dann gehen wir live, und ich will mich eben zurücklehnen und zuschauen, wie meine Arbeit arbeitet, da kommt eine Mail mit einer Anfrage für ein sehr interessantes Problem. Ich schließe also eine Menge Fenster, öffne einige andere, und was wollte ich noch gleich, wo bin ich hier, und warum dokumentiere ich meine Arbeit immer so miserabel?

Lustig an der Geschichte ist außerdem, daß es Firmen gibt, die mit dieser Dienstleistung Geld verdienen wollen. Üblicherweise im Abo, und üblicherweise nicht ganz günstig. Für die Konzerne kein Problem, die setzen eben einen Programmierer für einen Monat hin und haben das dann selbst im Griff. Aber für einen Handwerker ist das System typisch für unsere Bürokratie völlig überzogen und kaum bedienbar. Das treibt für die Kleinen die Kosten nach oben und spielt, wie es unsere Politik nur allzu gerne tut, den Konzernen in die Hände. Je mehr man lernt über die Schwierigkeiten, mit denen kleine Unternehmen kämpfen, umso mehr möchte man sie schütteln, die Großkopferten, aber nur ganz vorsichtig, wegen der "Delegitimierung".
# |  1 RauchzeichenGas geben

Dienstag, 20. 02 24

20.02.24, 22:51
Ich war dann doch mal wieder ein paar Tage krank. Und solange ich noch huste und Treppen als Hindernisse sehe, kann ich noch nicht wieder sagen, daß ich ja nie krank bin. Nur fast nie.
# |  Rauchfrei | Gas geben

Montag, 12. 02 24

12.02.24, 19:08
Da sind wir beide Ingenieure, Du als Architekt und ich für Maschinen, und haben doch nie ganz verstanden, dass man nicht unbedingt hart sein muß, um eine Stütze zu sein.

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Ich hege ja eine innige Liebe zur Band Wanda, und eine besondere zu ihrem Sänger Marco. Weil er sich hingibt, weil er über seine Lieder keine Botschaften klebt, sondern seine Geschichten erzählt. Weil er trinkt und raucht, und weil ich allzu gern trinke und andern beim Rauchen zusehe. Weil ich das Gefühl habe, daß er mit mir singt, wenn er für sich singt. Er tritt hier in einer kleinen Erzählung übers Trauern auf, die vermutlich in naher Zeit wieder verschwunden sein wird, wie alles in dieser Welt verschwinden muss. So kommt auch ein Herr drin vor, bei dem ich einst mitgelesen habe, bis er nicht mehr geschrieben hat. Er wird als Autor angekündigt, und vielleicht gehört sich das so, wenn man Bücher schreibt.

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Auch einer, bei dem ich mitgelesen habe, der jetzt Autor ist und nicht mehr schreibt. Nur noch Bücher. Und natürlich habe ich auch die gelesen, doch sind es andere Geschichten, und die Erzähler haben andere Stimmen in Büchern als in den Weblogs. Neulich las er vor, ganz in der Nähe, aus einem seiner Bücher, und ich hatte mir den Termin vermerkt und alles drum herum geplant, und dann hatte ich doch keine vernünftigen Hosen im Auto und musste einen wichtigen Termin schon in den roten, schmutzigen Hosen durchhalten, und wollte dann doch nicht auf einer Lesung darin erscheinen, und so las Bov Bjerg dann wohl ohne mich. Wegen keiner sauberen Hosen.

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Ich habe irgendwann aufgehört, meine letzten Briefe hierher zu schreiben. Überhaupt, sie aufzuschreiben. Dabei sollte ich das tun, denn ich werde sie einst noch einmal lesen wollen.

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Auf dem Crosstrainer zähle ich die Menschen, um die ich noch trauern werde müssen, wenn alles seinen Gang geht.

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Es sind dann doch dunkle Tage, die schwer in der Zeit versinken. Wie Steine trage ich sie am Ufer entlag.

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Was weich ist, bricht nicht so leicht.
# |  Rauchfrei | Gas geben


12.02.24, 18:29 | 'Tonales Hoeren'
Ich will vor dir gehn, denn ich könnt es nicht ertragen
Ich will nach dir gehn, denn sonst bleibst du doch allein
Ich will vor dir gehn, was mach sonst ich mit all den Fragen
Ich will nach dir gehn, denn du sollst nicht traurig sein
Ich will gar nicht gehn, will noch mehr Jahre, Tage, Stunden
Ich will niemals gehn, nur wenn jemand mir verspricht
Dass, auch wenn wir gehn, das Glück mir bleibt, das ich gefunden
Dann will ich mit dir gehn, dann will ich mit dir, mit dir gehn
# |  Rauchfrei | Gas geben


12.02.24, 11:38
Leider gehen mir die kleinen, die unterschwelligen Eindrücke doch allzu oft verloren. Als würde ich gerade oft und tief beeindruckt, doch passiert vielleicht auch das so unterschwellig, dass die Verdrängung zwar geschieht, ich sie aber nicht wahrnehmen kann. Warum ich dagegen angehe, ich weiß es nicht einmal.

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Es entfernt sich eine Gruppierung, und bei jeder dieser Entfernungszuckungen mache auch ich einen Hüpfer rückwärts und entferne mich mit. Ich lasse es geschehen, ich lasse mich einfach mal machen.

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Die Fahrt in den Süden, einige Telefonate. Auf ein, zwei Anrufe bekomme ich keine Antworten mehr. Und auch das lasse ich geschehen.

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Eine Sportbegeisterte, und wie sie mich sofort immer mitreißt.

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Wie klein der Teil eines Lebens ist, den man erzählen kann, und wie viel kleiner noch der Teil ist, den man erzählt bekommt. Was alles drinsteckt, was alles drum herum geschieht!

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Noch stehen die Ski im Treppenhaus, doch mein Glaube schwindet.

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Eine lange Fahrstunde, Autobahn, Stadt, Überland. Die Übungen sind mir das Kleinste, das Rangieren bin ich dann doch zu sehr gewohnt. Trotzdem bin ich matt nach den drei Stunden im ungewohnten Gefährt.

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Der Dienst macht mir Freude, und ich scheue mich nicht mehr, das zu sagen. Wozu die Überheblichkeit, wenn ich mich doch am Üben freue, an den blau blitzenden Lichtern, am Wasserdruck, der mich mit meinem Strahlrohr rückwärts treibt.

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Eine Dienstfahrt in einem dieser Einsatzfahrzeuge, und wenn man möchte, ist das ein Ausflug über die schöne, schöne Alb.

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Mit der Sonne steigen auch die Leistungswerte wieder. Doch noch decken wir unseren Verbrauch nicht wieder. Die Dunkelheit ist lang.

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Was man alles mitbekommt in so einem Büro.

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Die Wohnung wird zur Ruine, bis sie wieder zur neuen Wohnung werden kann. Ich vergesse dort meine noble, gepriesene Zahnbürste und kehre für einige Tage zurück zum Handschrubber, in eine Steinzeit, die ich mir kaum mehr vorstellen mag. Fortschritt, Komfort, diesdas. Ich nehme die Zahnbürste für mich wahr, wie ich sehe, dass andere über den Komfort in der Bedienung ihrer neuen Telefone berichten, mit denen sie noch viel länger auf der Toilette dummes Zeug anschauen können. Gleichzeitig wird erklärt, durch den Verzicht auf eine Klimaanlage könne so ein Traktor ja drei Prozent Diesel einsparen. Ich hatte im letzten Jahr einen Tag mit defekter Klimaanlage und kann die drei Prozent nicht bestätigen, aber so einen Zehnstundentag bei über sechzig Grad, im Lärm und Staub könnte ich dem Homeoffice-Schreiberling durchaus anbieten, um Notwendigkeiten vom Luxus zu sortieren.

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Was nicht alles Menschenrecht sein soll, denke ich mir beim Lesen, und dann fällt mir auf, dass hier eine Verwechslung mit Kostenfreiheit stattfindet. Auch und gerade Menschenrechte, will ich meinen, sind nie kostenlos. Drum dreht sich die Streitfrage ja meist darum, wer die Kosten trägt.

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Ich muss auch hier einen guten Ort erschaffen. Einen sauberen, hellen Ort für mich. Oder noch fünfundzwanzig Jahre ein Loch.

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Vom Bühnensitzer im Anzug verwandle ich mich an diesem Faschingsball in einen, der an einer Industriespülmaschine steht, ein Bier in der Hand, singend, ein Tanzschritt. Und der schönste Moment, als um mich ein Dutzend Tanzmädchen stehen, mit vollen Mündern kauend, mit mir untergehakt ein Küchentanz. Ich trage das Fest in mir.

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Korrektorat in Phasen. Ich löse meine Klausur noch einmal selbst und bin dann manches Mal erstaunt, wie man meine Fragen noch verstehen kann, und manches Mal, wie dreist man soviel Unsinn als möglich zu Papier bringt, in der Hoffnung auf irgendeinen Punkt für irgendetwas davon. Deprimierende Resultate.

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Pausenplanung, Pausenhoffnung.
# |  Rauchfrei | Gas geben