Dieseldunst
In den Gelben Seiten unter Träumer.
Montag, 26. 10 26

26.10.26, 20:49
Wahrscheinlich habe ich es übertrieben. Ich habe viel gearbeitet in den letzten Jahren, weil ich einiges musste, vieles wollte und manches genoß. Dann kam ein neuer Mensch in mein Leben und hat sich dort seinen Platz erstrampelt. Einen Platz, den ich ihm sehr gern einräume, und der anderes verdrängt. Ich lasse manchen Feuerwehreinsatz sein, denn Betreuung geht vor. Ich lasse manchen Schleppertag sein, und so manche andere Arbeitsfreude ist lang nicht so groß wie die, eine jubelnde Kraxe auf dem Rücken durch die Landschaft zu tragen. Und so manche freudig erwartete Erwerbung staubt vor sich hin, ohne zu einem Einsatz zu gelangen. So ist es nun schon einige Wochen her, daß ich sehnsüchtig eine Oberfräse erwartete, die überraschend schnell geliefert und seitdem nicht genutzt wurde. Wieder andere Arbeit verlegte ich in die Abendstunden, die sich in lange Nächte verwandelten. Dazu die beruflich bedingten Absenzen, die ich durch Kompression zu begrenzen versuchte. Das vorgesehene Pensum wurde dann durch einen Fehler andernorts um mehr als ein Viertel überschritten. Hinzu kam nun ein Mißverständnis, weil mich eine Nachricht nicht erreichte, und eine zweite mir keine Wahl mehr ließ. So bin ich denn, auch um das andere Elternteil zu entlasten, ab März in Teilzeit. Elternzeit in Teilzeit, welch Ungetüm. Und natürlich beginnt die Rechenarbeit damit erst. Denn was sich alles nicht verändert, sind die Kosten für wöchentliche Fahrten und Aufenthalte, sind die Kosten für Krankenversicherung und Vorsorge. Was sich aber doch verändert, ist das Einkommen. Ich tausche gegen Zeit, und es ist ein guter Tausch. Es muß reichen, und das wird es natürlich auch. Es soll auch weiterhin reichen, um als einer der Reichen zu gelten, die ihrem Nachwuchs mehr geben möchten als die zehn Euro, die dereinst der Staat hinzugeben möchte. Vor allem wird es reichen, daß ich das leise Schnaufen eines kleinen Körpers aus einem Ganzkörperschlafanzug hören darf, der kreuz und quer verbogen, aber selig in der Mitte schläft. So lang, bis dieser nicht mehr möchte. So habe ich vor Kurzem auch erklärt, als man mich nach dem Schmerz des Tragens fragte, daß ich noch ein Leben lang Zeit haben werde, daran zu denken, wenn niemand mehr von mir getragen werden möchte. In meiner unendlichen Zuversicht gehe ich ja stets davon aus, alles tragen zu können. An mir soll es also nicht liegen, doch das sage ich nicht. Klimpere stattdessen meine wenigen Akkorde auf der alten Gitarre, von der ich träume, daß sie auch dem Enkel, der mein Sohn ist, am Lagerfeuer noch dienlich sein wird. Ganz nebenbei übrigens spüre ich auch die Unsicherheit des nun endgültig schwächeren Partners. Teilzeit. Was wäre, wenn. Kein Beinbruch, bin ich doch als Spartaner geboren und neulich erst, so scheint es mir, zum Anspar-taner irgendwie geworden. Neulich auch erfuhr ich von der Freundin, die ihren guten Job einst kündigte, um in die Welt zu gehen, wo sie ein Kind bekam, für das sie einen anderen guten Job annahm, den sie nun erneut verlieren wird. Sie trägt es mit Fassung und ihr Kind hinaus in die Welt. Es geht immer weiter, denke ich, und auch mit flauem Magen kann der Bauch die richtige Entscheidung treffen. Was bleibt, ist Hoffnung. Und das flach auf dem Bauch liegende Bündel auf dem Sofa, das sichtlich den Atem anhält, um dann unversehens loszutoben und zu lachen, weil eine Minute Ruhe schon zuviel ist. Und ich darf teilnehmen, darf dabei sein, bin gewollt und gefragt, wie ich es immer sein wollte. Ich bin nun jemandem wichtig, und das ist der Grund für alles.
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26.10.26, 17:34
Da ich sie nach einem von Kinderhänden gebrochenen Titan-Nasenbügel nun von der Ersatz- wieder zur Hauptbrille hochstufen musste, verstehe ich nun wieder sehr gut, warum ich mich damals über die neue Brille so gefreut habe, und ich verstehe kaum mehr, wie ich zuvor Jahre mit der alten Brille ausgehalten habe. Nicht nur war sie auf einer Seite übel zerkratzt, sondern auch mit links und rechts vertauschten Werten ausgestattet. So zumindest deute ich den Nachfolge-Brillenpass. Dies ist auch mein Grund, für die nun kommen müssende Brille den Optiker zu wechseln. Der hat nur leider diese Woche Urlaub. Zwinkernd, seufzend, mit leichten Kopfschmerzen. Ihr Texaner.
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