Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Montag, 16. 11 20

16.11.20, 09:30 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Wer hätte gedacht, daß es mich einmal derart beglücken könnte, nach einem langen Sommer die alte Weste aus dem Schrank zu nehmen, die ich immer zum Melken trug. In der Brusttasche noch ein wenig Stroh zu finden. Mit der Nase am abgeschabten Cord entlangtasten, um einen Rest Stallduft einatmen zu können. Es riecht nach einer vergangenen Zeit, nach Wärme und Vermissen, und sicher ist bei allem nur, daß beides vergehen muß und vergehen wird.
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Mittwoch, 11. 11 20

11.11.20, 19:48 | 'Ansatzlos'
Bei Gelegenheit mal drüber nachdenken, ob es ein gutes Zeichen ist, daß ich mich an die Tage kaum mehr erinnern kann. Wenn ich an die Tage denke, die sich mir eingeprägt und eingebrannt haben, dann eher nicht. Es ist ein Talent, vielleicht, die guten Tage in leuchtender Erinnerung zu behalten.

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Immer wieder der Gedanke an die Straße, die sich vierspurig und auf Stelzen stehend gabelt. Die hohen Gebäude zur Linken, das Oval zur Rechten. In diesem Gedanken ist immer Halbdunkel, stets leichter Nebel.

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Vier Jahre sind es heute geworden, daß Du gestorben bist. Dein Haus sieht anders aus, Deine Familie hat sich verändert. Wie sich das Land verändert, wenn der Boden bearbeitet wird. Pflug und Saat und Ernte, das habe ich von Dir. Dafür mein unendlicher Dank, für das Mähen mit der Sense, fürs Dengeln und Wetzen, für die Gummistiefel und das rauhe Lachen, für Rauch und Kartenspiel.

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Was dieses Jahr zerrissen hat, war vielleicht schon brüchig. Was wir wieder richten können, werden unser Geschick und unsere Kraft zeigen. Demut.

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In Extremen denken.

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Morgens schmerzt der Rücken, daß mir nur noch saure Witze einfallen wollen über den Trottel, der einst die Zeit verlachen wollte und dem jetzt die Tränen kommen beim Versuch, die Schuhe zu binden. Ich kann sehr lang den Atem anhalten, stelle ich fest. Und schmerzfrei liegen, das habe ich vor lauter Müdigkeit auch zu wenig geschätzt. Es bringt die Zeit die Lehren, wie es aussieht.

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Es gibt sie doch, die Routine. Ein wenig Skript, ein Abend der Vorbereitung, sie reichen mir für anderthalb Stunden. Nur die Stimme, die reicht mir nie. Wie gern ich unterrichte.
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Sonntag, 11. 10 20

11.10.20, 10:51 | 'Ansatzlos'
Bilder von langen Fernreisen, dabei Baustellenstaub im Haar. Im Radio ein kurzer Satz davon, daß Geben seliger ist als Nehmen, und vielleicht erklärt das einen Teil meiner Freude und lässt mich annehmen, was mir Freude macht.
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