Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Mittwoch, 17. 06 20

17.06.20, 08:28 | 'Welt als Wille und Vorstellung'
Ein für mich sehr neuer Gedanke: Daß man auch überkonkretisieren kann. Daß man dadurch zwei Vorgänge anstößt: Zum einen das unbeabsichtigte Vergessen durch fehlende Generalität. Und zum zweiten, gerade bei sehr grundlegenden Dingen, daß man den Sinn durch den Buchstaben ersetzt und damit eine zwar sehr exakte aber vielleicht nicht immer sinnvolle Folgerung erlaubt. Es kann also sinnhaft sein, einen Begriff zu verwenden, der bei jeder Anwendung neu konkretisiert werden muß. Dadurch wird eine Arbeit nötig, die zum besseren Einblick in die Sachlage dient, und dadurch wird außerdem eine stets neue und konkrete Ausgestaltung des allgemein gehaltenen Begriffes möglich.

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Ansonsten große Anstrengung gehabt. Ab jetzt ein Weilchen nur noch mittlere, bitte.
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Freitag, 15. 05 20

15.05.20, 11:17 | '10000 lightyears from home'
Und wie ich so hin und her dachte, überlegte und argumentierte, kam mir auf einmal das Lied in den Sinn, dessen Text am Küchenschrank meiner Großmutter hing. Sie hatte ihn in wundervoller Schrift auf ein einfaches Blatt geschrieben und mit Klebeband befestigt. Die Ecken waren eingerissen und von vielen streifenden Berührungen eingerollt und vergilbt. Von guten Mächten wundervoll geborgen, stand da, und als ich stumm die wenigen Zeilen in mich hineinsang, ohne mich an die Melodie erinnert zu haben, da tauchten auch die Gesichter der Ahnen auf, mit dem weisen Lächeln ihrer vielen Jahre, ihrer harten Geschichten, und mit ihrer ganzen, lebensfrohen Zuversicht. Sich nicht zu sehr schonen, nicht zu lange warten. Milde waren sie, und meine völlig erfrorenen Füße wurden wieder warm. Mein altes Wirdschonwerden war auf einmal wieder da, und meine Vorfreude auf jeden neuen Tag, der Neues bringen darf und soll und muß. Zum Glück habe ich meinen Hesse nicht mehr zusammenbekommen, sonst hätte ich laut aufgelacht. Bereit zum Abschied und zum Neubeginn. Und mehr noch: zuversichtlich, daß beides gelingen möge. Neugierig, wo die nächste Stufe hinführt.
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Sonntag, 3. 05 20

03.05.20, 20:35 | 'Single Trails'
Mit krampfender Lunge trete ich in die Pedale, halte den Kurbeltrieb gerade noch so am Laufen. Kiesel knirschen unter den Reifen, der Kalk staubt leicht. Warum Menschen auf Gipfeln stehen wollen, frage ich mich, weit über den Lenker gebeugt, so daß die Schweißtropfen von meinem Kinn auf den Vorbau triefen. Sich selbst oben sehen? Über- oder Weitsicht? Mein Blick folgt den bekannten Wegen, sieht die durchfahrenen Kehren und verfluchten Steigungen von Weitem - von weiter oben und vor allem: von danach. Ich schaue weiter, zu Wegen, deren Verlauf ich aus der Nähe anders aufgenommen hatte. Von dort bin ich also gekommen, und da bin ich hingefahen. War die Kurve doch so eng, waren es doch mehr Kurven als gezählt, und die Route dann vielleicht doch so verschlungen, daß der Weg zum Umweg wurde. Und weiter hinten, neue Wege. Sie spannen mir schon den Fuß im Schuh, denn ich will nun auch die von Nahem sehen, die aus der Ferne ich entdeckte. Ich mag den Wechsel zwischen Fern und Nah, und ich mag die Entdeckungen aus beiden Sichten. Und zuletzt mag ich mich bewegen, mag keinen Tag ganz stille stehen. Drum muß ich los, die Hände an den Lenker. Die Pedale rasten ein, die Beine müssen sich wieder mühen. Es kommt ja immer noch ein Gipfel, und wenn ich nur alle irgendwie erklimmen kann, um mehr zu sehen, nach vorn eben wie nach hinten. Dann will ich alle Tage zufrieden sein.
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