Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Dienstag, 21. 01 20

21.01.20, 09:11 | 'Heller als tausend Sonnen'
In liebender Erinnerung, mit liebevoller Erinnerung.

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Wir hatten unser eigenes kleines Stammcafé in Marrakesch mit WLAN.

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Das Wissen um Dein Wachsein im Dunkeln.

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Die Tafel im Keller Deiner Eltern.

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Unser Zimmer unter der Autobahn.
# |  Rauchfrei | Gas geben

Mittwoch, 1. 01 20

01.01.20, 17:38
Zugenommen oder abgenommen?
Der Sommer brachte durch Radeln und Schwimmen eine Form, die durch Büroarbeit und inneren Herbst wieder verlorenging. Ein Kilo draufgelegt.

Haare länger oder kürzer?
Fast das ganze Jahr über tapfer bei der Friseurin gewesen. Nun wäre es langsam wieder nötig, nicht einmal ein Scheitel will mir mehr gelingen.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Nur die Achse hat sich gedreht.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Höhere regelmäßige Kosten für die Wohnung, sonst alles im Rahmen - bis auf die Skiausrüstung.

Der hirnrissigste Plan?
Ich kann schon überall arbeiten, solange es nur daheim ist.

Mehr bewegt oder weniger?
Nach stotterndem Start fleißig ins Büro geradelt. Mehr geschwommen. Einiges an - und umgestoßen. Und nun laufe ich sogar dem Skilift davon.

Die gefährlichste Unternehmung?
Vermutlich das Büroradeln entlang der Straße. Auf dem Weg zur Arbeit sind alle bekloppt.

Der beste Sex?
Kopfsache.

Die teuerste Anschaffung?
Wenn eine Mietwohnung nicht als Anschaffung zählt, die Tourenskiausrüstung.

Das leckerste Essen?
Nach gemeinsamen Kochen mit Musik und Tanz.

Das beeindruckendste Buch?
Zwei Bücher vom Sterben.

Der ergreifendste Film?
Aufgrund der Umstände "König der Löwen." Dran vorbeigeradelt, geschwommen, wieder dran vorbeigeradelt.

Die beste CD?
Ja doch, die Sailorrats.

Das schönste Konzert?
Nicht einmal das Abschiedskonzert der Ersten Allgemeinen Verunsicherung ist mir wirklich geblieben - bis auf den Blick durch die Alleebäume vom Cabriorücksitz aus.

Die meiste Zeit verbracht mit...?
Wege aus der Misere zu suchen, in die ich mich selbst geschleift habe.

Die schönste Zeit verbracht mit...?
Steigeisen. Radschuhen. Badehandtüchern. Und nun Fellen auf gewachsten Ski.

Vorherrschendes Gefühl 2018?
Ach Du Scheiße, wird schon wieder, repeat.

2019 zum ersten Mal getan?
Den Lebensmittelpunkt verlegt. Um zwei Kilometer, aber immerhin. In Steigeisen auf fast fünftausend Meter getrottet. Felle auf Ski gezogen.

2019 nach langer Zeit wieder getan?
Körperlich gezaudert. Ohne Wissen einen Spaltkeil getrieben. Ein Paket vor einer bekannten Tür abgelegt.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die neue Arbeitsstelle, die selbstgebaute Zwickmühle, die Mühsal, mich wieder ins Hoffen zu treiben.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Daß es nicht geht, oder doch.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ein Schlüssel.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Ein Hörbuch. Geputzte Schuhe. Nähe. Briefchen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
"Nur Du."

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Hab keine Angst.

2019 war mit einem Wort...?
Unwiederbringlich.

Schlampig geführte Listen gibt es hier und da und dort. 2018, 2017 (ausgesetzt), 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008.
# |  Rauchfrei | Gas geben

Montag, 9. 12 19

09.12.19, 07:25 | 'Ansatzlos'
Der Vater, der seinen Siebenunddreißigsten im Probenraum feiert, im Keller einer Tankstelle, vor der Tür teure Geschäftsautos der Gäste, karierte Hemden und Lederwesten der Cowboyfraktion, sein achtjähriger Sohn am Schlagzeug, der Vater an der elektrischen Gitarre, die kleine Tochter sitzt auf einem Barhocker vor ihm und hält das Mikrofon, während sie wie wir alle begeistert zusieht, wie die beiden Wonderwall vortragen. Wie er seinen Sohn mit den Augen lenkt, wie sich zwischen den beiden eine Verbindung aufbaut, wie durch ein Seil verbunden synchronisieren sie die Bewegungen, und man kann nur sehen, wie sich der Vater im Takt immer wieder anpasst, ein Zehntelchen auslässt oder verlängert, und dabei immer und immer wieder singt.
I don't believe that anybody
Feels the way I do about you now
And all the roads we have to walk are winding
And all the lights that lead us there are blinding
Und ich bin plötzlich sicher, daß dieses Lied genau für diesen Abend existiert, genau für diesen Vater und seinen Sohn. Ich weiß, daß sie sich erinnern werden, daß dies ihre Verbindung ist, die alles überdauern wird. Wir sind gleich alt, wir sind so verschieden. Was werde ich geben können, in acht oder zehn Jahren? Was wird mein Seil sein? Ich esse noch ein Stück Kuchen, damit ich für zehn Minuten nicht reden muß. Auf dem Heimweg sehe ich meine Hände am Lenkrad, die langen, krummen Finger, die vom vielen Greifen roten und faltigen Fingeransätze am Handrücken. Ich bin noch nicht ich, noch nicht ganz.
# |  Rauchfrei | Gas geben