Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Mittwoch, 3. 04 13

03.04.13, 16:54 | 'Night after night'
Ich besiege das Heimweh, das mich immer am letzten Werktag packt. Die Stadt ist ruhig an Gründonnerstag.

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Ich nenne Dich Supergirl, ist das in Ordnung so?

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Ganz andere Menschen. Die Einordnung anderer als Problem der Optimal Control Theory: Dinge, die gar nicht gehen als "Infeasibilities". Die unterschiedlichen Zustands- und Kontrollvariablen der Menschen: was mich abstößt, was mich nicht berührt, was mich nur im zeitlichen Verlauf interessiert.

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Spät in der Nacht tauche ich auf. Es wird geraucht und geredet und getrunken. Ich gratuliere und lasse mir vom Skifahren erzählen, von der Wohnung und vom Leben. Alt ist sie geworden, denke ich. Leicht kann das nicht gewesen sein. Und irgendwie bin ich froh, daß sie wieder da ist. Für sie, für ihn.

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"Verkehrst auch nicht mehr da?" fragt einer freundlich. Nein, sage ich leise. Und er erzählt mir, was man so hört, was so erzählt wird, und ich höre so gern von denen, die mir genommen wurden, daß ich um ein Haar nachgefragt hätte. Stattdessen trinke ich aus und verabschiede mich. Und daß ich zum großen Fest tags darauf nicht erscheinen werde, weiß ich jetzt schon, glaube ich.

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Noch später in der Nacht tauche ich auf. Lasse mich treiben, verscheuche die alte Furcht. Rede und lache, hier und dort. Tanze mit dem Kleinen, erzähle dem mit Bäuchlein und Brille, proste dem Vetter zu und winke dem Zimmerer zu. Ach, Freunde.

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Die Sportskanone und ich. Ich schicke ein Bild in die große Stadt, zur Versöhnung und als Lebenszeichen. Sei mir nicht böse, will ich sagen. Dann legen wir los, lachen über die Eigenheiten der Kasse, und vorbereitet sind wir as hell. Am Ende habe ich wohltuend schmerzende Ellenbogen.

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Die fliegende Frau und der Meckermohr. Man muß diesen Film nun wirklich nicht gesehen haben. Ich mag es nicht, wie ich ungewollt lachen muß. Wie ich nicht empört sein kann, und nicht boshaft. Wie mir Tarantino die üblichen Reaktionen verbaut, durch die Verortung und die Brutalität und die Lächerlichkeit.

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Wieviel Prozent liegen zwischen Pflicht und Erfüllung? Und wieviel davon macht die Sonne, lässt uns umherschleichen und die erforenenen Hände aufwärmen, lässt uns früh zum Mittagessen erscheinen und lange sitzen? Ich mag das haben, wenn es nicht so recht Winter werden mag. Wenn es naß und kühl ist statt klirrend kalt. Aber jetzt mag ich Sonne, ich mag Regen und trocknende Erde, und nicht diese Trübe, nicht das Suchen nach Sonnenflecken am Himmel und das Suchen nach windgeschützten Plätzchen auf dem Hof.

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Anna Tolle und die wahre Liebe. Kann man alles lesen. Und danach mal wieder die Smiths hören. Und Maike Rosa Vogel. Aber die kennen Sie ja schon von mir.

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Aufbaubier.

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Ich schaue ins Feuer, sitze im Dunkeln. Wann kann man das schon mal?

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Am Bahnhof fallen wir uns in die Arme. Sitzen dann lange und reden vom Leben und vom Glück. Es mag das Alter sein, denke ich erst, aber ich kann mich noch erinnern, daß wir einst in unserer kleinen Hütte saßen, bei Kerzenschein und Autoradio, und auch schon vom Leben und vom Glück redeten. Vielleicht sind das wir, vielleicht sind das die Freunde, und vielleicht ist das auch schon recht so.
Du bist schon recht so, sage ich. Du bist anders. Du bist in Ordnung. Du bist gut. Jetzt mußt Du nur noch glücklich sein.

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Ach, eins noch, denke ich und laufe der Osterhasenparty nach. Es ist mal wieder spät in der Nacht. Trinken. Tanzen. Es sind mehr Mädchen da als je zuvor, sage ich zu einem. Der lacht.
Der General stellt sich vor mir auf. Sie schwankt leicht, als sie salutiert, und ich nehme dieses drahtige Bündel Knochen in den Arm, schwinge sie durch die Luft und stelle sie wieder auf ihre eigenen Beine. Dann trinken wir, und dann sehe ich ihr beim Tanzen zu.

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Herrenrunde. The lonely shepherd. Painted by numbers. Es ist kurz nach drei, als ich über die Bauerntochter stolpere. Sie lacht. Das hätte ich mir doch auch nie träumen lassen.

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Wir sind noch zwei, dann wieder drei. Wir tanzen und trinken, und ganz laut rufen wir nach der Freiheit der Tanzfläche, unter der Lichtorgel, hinter den dicken Kissen, mit denen die Fenster abgedichtet sind. Und irgendwann wird mir was klar, und auf diesen Schreck suche ich mir ein Lied für mich und noch zwei Bier für uns. Auf einem Bein tanzen wir um uns herum, eine Hand erhoben, ein Daumen auf der Flasche.

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Beim Festessen mache ich eine recht klägliche Figur.

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Nächtliche Touren über gesperrte Straßen. Erkundungsfahrten. Der Imbiss ist dunkel, und amerikanisch mag keiner. Trotzdem.
Da stehen zwei, und ich könnte lachen, in den Forsthosen, den guten, und in schweren Stiefeln mit Schnee auf den Spitzen, und bestellen an der Theke.
Wir kochen dann doch lieber.
Um mich schlafen alle, als sich der Fernseher abschaltet. Ich schaue die Fernbedienung hilflos an. Dann mache ich das Licht an und rufe aus, daß es Zeit zu gehen sei.

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Noch ein Sonntag, und nach zwei Sonntagen lobe ich mir ja die Werktage.

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Ich sitze morgens vor der Kirche in der Sonne, weil ich Sonne viel lieber mag als Kirchen.

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Ich bin ja jetzt mehr bei Twitter. Ich schaue sowieso viel zu oft aufs Telefon.

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Zwischen Sektempfang und Essen passt ein Kaffee am Küchentisch, denke ich und treffe dort meinen Senior mit der gleichen Idee. Wir Flüchtlinge.

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Ich sitze am Kindertisch und lasse mir das Würfeln erklären. Lasse mir Pommes stehlen. Erzähle den beiden vom Hasenmarkt, und daß sie sich einen aussuchen dürfen. Ich lasse mich mit Eis füttern und freue mich, daß ich Kinder einfach so mögen darf.

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Sie möchte sich wegsetzen, nicht im Weg sein. Lass, sage ich bestimmt, und das Essen über unterhalte ich mich mit ihr. Einen Menschen glücklich machen.

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"Aber zum Kaffee seid ihr wieder hier!" Und das sind wir dann auch.

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Menschen, die einen zu selten anlächeln.

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Mädchen, fahr mit mir!

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Der alte Mann läuft wieder gerade, und das freut mich dann doch ganz heimlich.

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Nur eines im Heizraum, und dann stehen wir lang und im schweren Rauch, mit Anzug und Krawatte und dem geborgten Mantel, in dem es so zieht, daß man die Krawatte gern eng trägt.

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Til Schweiger mag ich ja nur, weil er keine Schals mag.

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Der Nuschelapparat.

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Bevor ich ins Bett falle, kann ich kaum mehr das Hemd loswerden. Um vier wache ich auf. Ruhig bleibe ich liegen. Man gewöhnt sich dran, hat mir einer gesagt, der das auch kennt.

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Heute werden es drei Jahre. Welch lange Zeit.
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