Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Montag, 18. 09 17

18.09.17, 07:29 | 'Rage within the machines'
Ich glaube, der Nachteil des privaten, modernen Laptops (und viel mehr noch der eines großen Streicheltelefons) liegt darin, daß beide im Gegensatz zu meinem alten Kloben von Computer einfach schnell zur Hand sind - deshalb werden sie genutzt, oder besser: deshalb nutze ich sie. Ich muß nicht mehr schreiben, nur noch auf die Druckerei warten, und daher brauche ich den Laptop übers Wochenende nicht mehr nach Hause mitzubringen. Und siehe da: den großen Computer schalte ich gar nicht erst an, lebe weitgehend dann vom Draußensein und dem Blick aufs Draußen, anstatt dem Blick in Computerfenster. Es sind also - banalerweise - die Verfügbarkeit und - Erkenntnis! - die Bequemlichkeit, die mich an den Wochenenden in Displays schauen lassen. Und so werde ich das also auch wieder los. Immerhin gab es in der Schlafhöhle lange Jahre, tatsächlich Jahre, nicht einmal einen Internetzugang, auch wenn mir das heute unvorstellbar scheint.
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Donnerstag, 20. 10 16

20.10.16, 17:54 | 'Rage within the machines'
Als Ingenieur, als Entwickler, als Techniker, da tue ich mir manchmal schon schwer damit, mich als guten Menschen zu sehen. Daß meine Arbeit, meine Entwicklung, meine Technik irgendwo, irgendwie, irgendwem helfen soll. Vielleicht auch nur gefallen, möchte ich noch abwiegeln, aber damit bin ich dann doch nicht zufrieden. Nutzen ist das Ziel, drunter mache ich es nicht. Meßbarer Nutzen vielleicht noch. Für die Rettung der Welt wird es nicht reichen, aber ich bin alt genug für Achselzucken und Abwinken, fürchte ich. Nicht alt genug, daß ich sie keine Ideen mehr dafür hätte, aber doch alt genug, daß ich mit der Wut der vielen Tage der Nichtweltrettung umgehen kann.
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Freitag, 14. 10 16

14.10.16, 22:12 | 'Rage within the machines'
Die zwei Definitionen der modernen Nächstenliebe: Auf der einen Seite der unbegrenzte Zwang zur Hilfe ohne Betrachtung möglicher Folgen für sich und andere. Auf der anderen Seite die eigenen Kinder, deren Erziehung man "Care-Arbeit" nennt und sich empört, dafür nicht selbstverständlich gut entlohnt zu werden. Hach ja.

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Ganz schlimmes Kopfschütteln auch immer, wenn mir einer die Zukunft der Mobilität erklären will. Derzeit die Apologeten der Batteriefahrzeuge und auf der anderen Seite ihre Kritiker. Weder die einen noch die anderen kommen auf die Idee, daß wir auf eine Vielzahl an Teillösungen stoßen werden, von denen keine allein die Welt retten wird, die aber jede für sich an irgendeinem Platz ihre Berechtigung haben mögen.

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Bemerknis am Rande: Keine deutsche Zeitung scheint in der Lage zu sein, einen Bundesratsbeschluß zu lesen. Daß die Zeitung die politische Einflußnahme einer Partei auf eine unabhängige Rundfunkanstalt weniger als ein Jahr später schon als heldenhaften Abwerkampf umschreibt. Daß die Zeitung, die ich nach Böll immer ZEITUNG schimpfen möchte, in der gleichen Ausgabe das "postfaktische" Zeitalter beklagt, das sie selbst mitverantwortet.

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Ich weiß gar nicht, was mich am meisten stört: Daß eine Grundschullehrerin einfache englische Begriffe falsch schreibt und sie somit den Kindern falsch beibringt? Daß sie keine Rechtschreibkorrektur benutzt? Daß sie meint, keine Rechtschreibkorrektur zu benötigen? Daß es am Ende nicht einen der Anwesenden kümmert? Ist doch nur ein Wort, höre ich. Fickt euch, denke ich, sind immerhin zwei Worte.

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Mit wachsendem Entsetzen und geradezu makabrer Lust lese ich die Chronologie der Ereignisse um die Ruine Fukushima nach. Ich weiß nicht, warum, verstehe ich doch nichts von Brennelementen und ihrer Sicherheit.

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Dank des Versandhandels wurde aus meinem Hirngespinst, so etwas zu wollen und meinem sorgenvollen Blick auf die schwache Binnenkonjunktur, für die der Schwabe bekanntlich schuldig zeichnet, da er ja nur spart und nie nix kauft außer überteuerten Berliner Wohnungen, ein Rasierhobel, mit dem ich jetzt ab und an größere Weltkriegsszenarien in meinem kleinen Badezimmer nachstelle.

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Ich sehe das Bild eines leicht mit Schnee überzuckerten Zeltes und bin unglaublich sehnsüchtig nach dem Draußen.

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Und dann kommen sie daher mit ihrer Gleichheit. Nun, wenigstens bemühen sie nicht mehr die arg gebeutelte Gerechtigkeit, allerhöchstens noch das Recht, das blinde Huhn mit der Goldwaage und der Rechenschwäche. Ich erzähle Ihnen mal was: Ich bin einsvierundachtzig, Sie nicht. Das ist nicht gleich, aber deshalb noch nicht ungerecht. Ein Kind bezahlt nur die Hälfte dessen, was ich für eine Bahnfahrt bezahle. Das ist nicht gleich, aber womöglich berechtigt. Und dann ist da ein Knirps, der für sein Leben gern mit der Achterbahn fahren würde, was er nicht darf, weil man dazu einsvierzig groß sein muß, um nicht unter den Sicherheitsbügeln durchzuflutschen. Ich mit meinen einsvierundachtzig darf, mag aber nicht. Das ist höchst ungerecht, aber vielleicht trotzdem ganz sinnvoll, sonst fällt mir, der ich lieber am Boden bleibe, am Ende noch ein Knirps aufs Hirn.
Also nochmal ganz langsam: Gleichheit wird durch Unterschiede definiert. Keine Unterschiede gleich gleich. Gleich aber nicht gleich gerecht, und ungleich auch nicht gleich ungerecht. Und Gerechtigkeit ist ja sowieso etwas Virtuelles, eine Funktion von Irgendwas, was sich schon daran zeigt, daß ich heute noch größer als Napoleon bin, ihm das aber zu seinen Lebzeiten sicher nicht hätte ins Gesicht sagen können, ohne so lange von den Haaren her gekürzt zu werden, bis ich nicht mehr recht gehabt hätte. Recht war mal anders. Recht wird anders. Recht kann man ändern. Oh, und dieses Ding mit dem Sinn, das auch.

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Eine einzige Motorradausfahrt in diesem Jahr, die wir gemeinsam gemacht haben. Schön, sowas.

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Jokerman war eines der Lieder, die mich gerettet haben. Vor allem davor, herauszufinden, wovor sie mich retten mußten. Hey Bob, schrie einer gellend auf dem einzigen Konzert, das ich mir von ihm angehört habe. Hey Bob, immer wieder, und heute schreie ich mit: Hey Bob!

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Ein Sportler erklärt, worüber wirklich in Umkleiden gesprochen wird. Ein Waschweib empört sich über dummes Gewäsch. Erbost spricht der Reeder über all das Gerede. Und ich bin mir nicht mehr sicher, ob ihr mich nun verarschen wollt oder das wirklich so meint. Meine Güte.

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So. Zusammenreißen, jetzt. Alle.
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Donnerstag, 28. 07 16

28.07.16, 15:40 | 'Rage within the machines'
Quervergleiche von heimtückisch Ermordeten mit der Anzahl von Verkehrstoten, mit der Zahl an Krebstoten durch das Rauchen. Zu denen, die vor Jahren in Winnenden ums Leben gekommen sind, hat doch auch keiner gesagt, sie wären immerhin nicht vom Bus überfahren worden. Was denkt ihr euch eigentlich mit solchen Vergleichen? Erzählt ihr den Opfern einer Vergewaltigung, die ja mit neuen Gesetzen erst besser geschützt werden sollen, auch, daß sie sich ja nicht so anstellen sollen, immerhin seien sie ja nicht im Straßenverkehr umgekommen? Da sterben ja auch Fußgänger und Radfahrer, weil sie eben nicht durch eine Armlänge Blech um sie herum geschützt werden. Und vermutlich gibt es dort auch mehr Verletzte als durch Vergewaltigungen, ich weiß es nicht. Also alles gut, kein Grund zu Veranlassung, nur ich könnte das Kotzen kriegen, wenn ich so eine herablassende und menschenverachtende Argumentation ausgerechnet von denen lesen muß, die sonst den Mund vor lauter Empathie und Menschlichkeit kaum mehr schließen können.
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Montag, 25. 07 16

25.07.16, 12:32 | 'Rage within the machines'
Es hat kurz und heftig geregnet, die Luft ist feuchtwarm und schwer. In der Fußgängerzone laufen die Menschen noch unter den Vordächern. Wir sind eine Gruppe aus drei Herren und einer Dame, schlendern lachend durch den Abend, die Regenjacken über die Arme gehängt. Von der Seite tritt ein junger Südländer auf uns zu, die rechte Hand ausgestreckt, in der linken hält er eine Flasche. "Money", fordert er. Wir weichen ihm aus, er tritt weiter vor, im Vorbeigehen streife ich seine Fingerspitzen. "I kill you", zischt er mich an. Ich sehe ihm in die Augen und antworte leise: "Try."
Sommer zweitausendundsechzehn.
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Montag, 14. 03 16

14.03.16, 09:48 | 'Rage within the machines'
Ich habe einige Jahre im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Wahlbefragungen durchgeführt. Das war immer ganz nett, man hatte meist interessante Partner und konnte eine Wahl den ganzen Tag über beobachten. Wer da so kam, wie die Auszählung funktionierte, und wie reguliert überhaupt so eine Wahl ist. Da wird an alles gedacht, und selbst die Anweisungen für uns mit unseren Fragebögen waren ellenlang. Ich habe leider keinen der Bögen aufbewahrt, aber alle Fragen drehten sich darum, den Wähler einzuordnen. Alter, Familienverhältnisse, das Abstimmungsverhalten bei der letzten Wahl, und es wurde ein Turnus vorgegeben, nach dem die Wähler befragt werden mussten. Alle halbe Stunde verschwand einer, um auszuzählen und die Ergebnisse am Telefon durchzugeben. Daraus wurden die Schätzungen aus irgendwelchen Modellen hochgerechnet und um Punkt sechs veröffentlicht. Ich blieb stets noch zur Auszählung und gab deren Ergebnis am Telefon durch. Das dauerte unterschiedlich lang. Bei kleinen Wahllokalen war in zwanzig Minuten gezählt, und dann wurden noch die Ergebnisse der anderen Lokale im Ort abgerufen. In größeren Städten haben wir auch mal zwei Stunden gewartet, bis überhaupt ausgezählt war. Und ich habe mich immer gefreut, wenn "meine" Hochrechnung um sechs das amtliche Ergebnis gut darstellen konnte. Bei den Europawahlen waren wir mal innerhalb einer Abweichung von 0,1%.
Seitdem beobachte ich Wahlen anders. Und gestern abend saß ich also vor dem Fernseher. Die erste Hochrechnung zeigte die AfD bei 10,8%, wenn ich mich recht erinnere. Das stieg über zwei Stunden hinweg einigermaßen konstant an, bis sie gegen acht an den 15% kratzte und kurz darunter stehenblieb. Heute zeigt die FAZ sogar 15,1% an.
Einen solchen Fehler in der Hochrechnung habe ich noch nie gesehen. Entweder haben also die Modelle bei einer neuen Partei dieser Größenordnung völlig versagt. Das kann durchaus sein, denn die Statistik muß ja bei einer Befragung von 10% bis 20% der Wähler (abhängig von der Wahl) in nur wenigen ausgewählten Lokalen einiges ausgleichen. Dazu werden die Begleitfragen verwendet, denke ich. Wenn also beispielsweise die Katholiken um die vierzig in einem Ort so und so wählen, wird das vielleicht auf andere Orte extrapoliert, je nachdem, wie viele Katholiken dort wohnen. Ich kann mir da viel vorstellen, ich weiß es aber nicht.
Ich kann mir bei einer Abweichung von fast 40% zur ersten Hochrechnung noch einen zweiten Grund vorstellen. Die Befragten haben nicht wahrheitsgemäß geantwortet. Die Befragung ist anonym, der Fragebogen wird vom Befragten allein ausgewertet, es steht ein kleiner Rückzugsraum zur Verfügung, überall steht der Name des Senders drauf, und meiner Erfahrung nach war die Offenheit der Wähler sehr groß, ebenso wie das allgemeine Interesse an einer solchen Befragung. So gab ich oft Befragungszettel an Interessierte aus, die den einfach mal sehen und mit nach Hause nehmen wollten. Lediglich ältere Frauen weigerten sich oft oder wollten, daß ihre Männer die Bögen ausfüllen sollten. Das mußten wir ablehnen, das Alter und Geschlecht der Verweigernden schätzen, und die Schätzung einwerfen. Ist die Abweichung zwischen Hochrechnung und Ergebnis speziell bei der AfD ein Zeichen dafür, daß die Befragten nicht wahrheitsgemäß geantwortet haben? Und ist dies wiederum ein generelles Mißtrauen gegenüber den Medien? Oder Ausdruck einer gefühlten Meinungsdiktatur - daß man aus irgendeinem Grund eben AfD wählt, es aber verheimlicht? Daß da eine Menge an Menschen ist, die ihre Ansichten überhaupt nicht mehr durch eine der bisherigen Parteien vertreten fühlen, sich aber nicht trauen, ebendiese Ansichten zu vertreten? Ich befürchte genau das, und ich halte genau das für die eigentliche Katastrophe dieser Wahl. Und wenn ich noch einen Schritt weitergehe, dann ist die AfD nicht der Grund der Katastrophe, sondern das Verunglimpfen und Verharmlosen von Ansichten und Ängsten durch Medien und Politik.
Wenn das einzige Argument gegen einen Landtagskandidaten die Kommentare "Du Hübscher" und "Du Süßer" unter seinem privaten Facebook-Profil sind, dann habt ihr wirklich keine inhaltliche Kritik gefunden. Wenn eure einzige Wahlwerbung nicht darin besteht, daß ihr eure bisherige Regierungspolitik erklärt und für gut befindet und dafür Unterstützung wollt, sondern nur darin, bloß nicht die "Bösen" zu wählen, dann ist das kein Argument für euch. Ihr seid also nicht nur schuld am Erstarken der AfD, ihr seid auch noch schuld am Verstummen des politischen Diskurses, an der Wut derer, die sich ungehört, unverstanden und unterdrückt fühlen. Die sind nicht das Pack. Ihr seid es. Und ich könnte kotzen vor euch.
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Montag, 18. 01 16

18.01.16, 09:58 | 'Rage within the machines'
Sind wir uns denn einig darüber, daß sich Politik und Verwaltung nicht nur Verordnungen ausdenken sollen, sondern daß diese Verordnungen ein Ziel haben sollen? Und daß man vielleicht darüber nachdenken sollte, wie eine Verordnung befolgt werden kann? Ja?
Dann ist die Verwaltung und die Politik in meiner Stadt entweder dumm, unfähig, bösartig oder gleichgültig.
Dumm, wenn sie überhaupt nicht daran denkt, wie der gerade geforderte Verzicht aufs Autofahren überhaupt bewerkstelligt werden soll.
Unfähig, wenn sie nicht in der Lage ist, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen Verzicht aufs Auto überhaupt ermöglichen. So fahren die vollmundig angekündigten Sonderzüge überhaupt nicht, die Bahnen haben die größtmöglichen Verspätungen (laut S-Bahn-Chaos.de haben derzeit die drei großen Linien mindestens zehn Minuten Verspätung. Bei einem angeblichen Takt von zehn Minuten), und die Geh- und Radwege sind genau die gleiche spiegelblanke Eisfläche wie einfach alle Nebenstraßen, sodaß mir an einem sonnigen Sonntagnachmittag auf einem Weg von zehn Kilometern durch die Stadt kein einziger Radfahrer entgegenkommt.
Bösartig, wenn sie genau das möchte: Schulterzuckend in einigen Monaten darauf verweisen, wie wenig der Aufruf bewirkt habe, und daß man jetzt andere Saiten aufziehen müsse. Dann ist das ein Lockangebot, Heuchlerei und böse Verarschung.
Gleichgültig, wenn die Parkplätze vor den Beamtenstuben genauso voll sind wie sonst immer. Denn Aufrufe gelten nur für die anderen. Sollen sie doch sehen, wie sie zur Arbeit kommen. Zum Arzt. Zum Einkaufen. Daß dabei ganz nebenbei das Geld erwirtschaftet wird, das in die Verwaltung fließt: gleichgültig, denn es wird weiterfließen, auch wenn mal drei Tage keiner aus dem Haus kann. Da muß man doch nicht gleich, nein nein, und so verbringt der gleichgültige Verwalter seinen Tag kopfschüttelnd ob der aufsässig autofahrenden Bürger und sitzt dann ebenso kopfschüttelnd auf dem Heimweg im Auto und vor dem warmen Kamin.

Will ich als Bürger eine dumme Verwaltung und Politik? Will ich eine unfähige? Eine gleichgültige? Oder gar eine bösartige, die sich gegen mich durchsetzt, anstatt sich für mich einzusetzen?
Ihr hattet Jahre lang Zeit, etwas zu tun. Politik ist, wenn ich verbessere, was ich bewirken will. Schlechte Politik ist repressiv, verschlechtert alles andere auf das Niveau des Schlechten, das gewünscht wird. Schnee und Feinstaub sollte man euch fressen lassen, bis ihr kotzt, ihr Bösen, ihr Gleichgültigen, ihr Dummen und Unfähigen. Ich will euch nicht.
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Donnerstag, 29. 10 15

29.10.15, 10:04 | 'Rage within the machines'
Steuererleichterungen, so sagt man. Mal abgesehen von der Idee, die Bauvorschriften zu ändern, zu der ich noch keine rechte Meinung habe, klingt das ja zunächst mal nett. Aber was bedeutet das? Erstens bedeutet es, daß der Bund nicht selbst bauen möchte, sondern andere bauen lassen wird. Investoren. Und um diese anzulocken, werden Steuern gesenkt. Das klingt alles erst einmal sinnvoll und simpel. Geld aus der Privatwirtschaft mobilisieren, Konjunkturprogramm, all das. Und weil das so simpel und so sinnvoll klingt, habe ich wenig Zweifel daran, daß es so laufen wird. Wem kommt das also zugute? Jemandem, der mal schnell eine oder ein paar Millionen locker machen kann. Investoren, die vor niedrigen Zinsen und einer stark schwankenden Wirtschaft fliehen. Die Rendite suchen, und Sicherheit. Und wer zieht dann ein? Nun, wer wird in Wohnungen ziehen, die nach schwächeren Vorschriften gebaut werden? Schnell, einfach und billig gebaut werden? Die Zeitungen sprechen von Sozialwohnungen, und vielleicht haben sie ja recht? Dann wird also der Bund die Mieten bezahlen. An die Investoren, die zuvor mit niedrigen Steuern angelockt wurden. Nun, da endet die Simplizität, wird zum Simplicissimus. Denn der Gedanke liegt ja nahe, daß sich der Bund diese Ausgaben wieder zurückholen wird wollen. Und dann stellt sich die Frage, welche Steuern dazu verwendet werden? Etwa die, die vorher gesenkt wurden? Oder vielleicht doch eine "allgemeine" Steuer? Die Lohnsteuer vielleicht? Die Mehrwertsteuer? Eine interessante Möglichkeit, einige zig Milliarden neu zu verteilen. Von unten nach oben, und das sehe ich so, weil ich gern schwarz sehe, weil ich mich einfach oft genug verarscht fühle, weil ich nicht nur an ein Geld-, sondern damit einhergehend auch an ein Machtgefälle glaube. Lobbyisten im Bundestag, anyone? Ach, man möchte Zyniker werden in diesen Zeiten. Und man möchte wissen, wie viele sichere Investitionen in Sozialwohnungen so ein Politiker tätigt, der für die eingangs erwähnten Steuersenkungen und die andererseits von mir angenommenen Steuererhöhungen stimmt.

Alternativvorschläge? Nun, da bin ich eigentlich nicht zuständig, dafür bezahle ich eigentlich den Politikbetrieb: Fürs Nachdenken, fürs Abschätzen von Folgen, für gute Lösungen. Einmal kurz gelacht und auf die Liste der Nebeneinkünfte geschaut. Ich glaube wirklich, daß ich Politiker nur noch dafür bezahle, daß sie unter meinem Schutz die Rüssel in den Trog halten können, den ich füllen soll. Ich glaube das wirklich, und das ist ein ziemliches Elend, dieser Glaube. Verarscht zu werden, ohne sich wehren zu können ist wie ausgeraubt werden, ohne den Täter festhalten zu können.
Aber gut: Alternativvorschläge. Gründung einer oder mehrerer Wohnbaugesellschaften durch den Bund. Wozu war noch gleich die KfW da? Nehmen wir doch die. Günstige Kredite unter Auflagen, also für Familien, für Eigenbezug, für Menschen, die noch kein Wohneigentum besitzen. Oder anders, für ebendiese Menschen: Eine Gesellschaft mit der Möglichkeit, sich Wohneigentum anzusparen. Du willst mal eine eigene Wohnung? Gib der KfW jetzt Deine Ersparnisse, die baut dann damit, Du sparst weiter und zahlst weiter ein, und die Erträge durch die Vermietung werden an Dich ausgeschüttet. Und wenn Du die Wohnung bezahlt hast, darfst Du sie beziehen. Oder an die Gesellschaft abgeben. Oder an den bisherigen Mieter. Andere Gesellschaften haben keinen Zugang, Besitzer von mehreren Immobilien haben keinen Zugang, Grundsteuer erst für die Zweitimmobilie oder erst ab einer gewissen Grundfläche, Denkung der Risiken durch den Bund und dadurch niedrige Raten, die auch mal eine kurze Arbeitslosigkeit überstehen. Da eine Immobilie ja nicht so ohne weiteres arbeitslos wird, ist das Risiko eines Totalausfalls ja gering. Mietausfall und Kreditausfall wechseln sich vielleicht mal ab, auch wenn eine Sozialwohnung wohl eher keinen Mietausfall haben wird. Keine Ahnung, ob so etwas geht. Aber es hätte zumindest die Richtung, die ich mir vorstelle. Es sollen ja die Menschen von unten nach oben, und nicht das Geld, 'zefix. Ich muß hier enden, ich werde schon wieder wütend.
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Freitag, 14. 08 15

14.08.15, 13:18 | 'Rage within the machines'
Ach ja, Eins und Eins diesmal. Ich arbeite ja jetzt viel von meinem eigenen Schreibtisch aus, und so ein bißchen Internet ab und zu, das tut schon ganz gut. Aber wie lange ich noch hier sein werde, weiß ich nicht, und wo es danach hingeht, auch nicht. Ich suche also einen Anbieter mit kurzen Vertragslaufzeiten. Eins und Eins bietet sich an.
Vierzehnneunundneunzig im Angebot, ich rufe also an und lasse mich beraten.
Da kommen dann noch drei Euro im Monat dazu, sagt mir der Mann am Telefon. Das ist die WLAN-Option mit dem Router mit eingebautem Modem.
Aha, sage ich und frage, ob ich den mieten müsse.
Sozusagen, windet er sich.
Und was, frage ich, wenn ich schon einen hätte? Das ginge nicht, sagt er, den müsse man nehmen, die eigenen seien schließlich die besten, und für Fremdprodukte keine Garantie. Soso.
Diese sogenannte "Option" lässt sich also nicht abwählen. Die meisten, sagt er mir, nehmen ja die bessere Option. Ein Homeserver, sagt er, und was der genau kann, will ich gar nicht so recht wissen. Nun ja. Dann also siebzehneunundneunzig, frage ich.
Neinnein, vierzehnneunundneunzig plus drei.
Ich verkneife mir die Frage, ob ich verarscht werden soll, denn das finde ich offensichtlich. Aber auch siebzehnneunundneunzig, Verzeihung, vierzehnneunundneunzig plus drei natürlich, sind auch noch in Ordnung. Also, sage ich. Dann mal zu den restlichen Kosten, bitte sagen Sie mir die alle.
Ja, sagt er, da kommt ein Techniker zur Installation, der kostet neununddreißigneunzig. Das finde ich voll in Ordnung und denke an den vollgestellten Kelleraufgang, unter dem die ganzen Anschlüsse sitzen. Der Ärmste, für den Preis. Ach, sagt der Mann am Telefon, ob ich denn ganz oben wohnen würde? Nein, sage ich, im Hochparterre, aber wir haben keinen Aufzug, und die Anschlüsse sind im Keller. Das reicht ihm schon, er winkt ab. In Ordnung. Dann kommt noch der Router dazu, neunundvierzigneunundneunzig.
Ach, sage ich. Der, den ich quasi für plus drei miete? Ja, sagt er, das sei ja nur sozusagen. Ich muß den also kaufen und mieten, sage ich, obwohl ich schon einen habe. Ja, sagt er, so einfach sei das nicht, das ginge nicht anders. Nun, sage ich, das kommt mir nun sehr teuer vor.
Aber denken Sie doch, sagt er zu mir, das Gerät ist ja viel mehr wert als neunundvierzigneunundneunzig. Oh, sage ich, da ist vielleicht was dran. Warum verkaufen Sie es dann so billig? Das weiß er nicht, und deshalb frage ich, wie lang denn die plus-drei-Miete laufen würde, denn so ein tolles, teures Gerät ist ja sicher schnell veraltet. Nun, die läuft einfach so weiter. Immer. Aha. Aber das Gerät gehört dann schon mir? frage ich. Ja, das tut es, sagt er, aber ich frage zur Sicherheit noch einmal. Ja, das Gerät, das ich kaufe und miete, gehört dann mir. Super.
Wir zählen dann zusammen, weil ich darum bitte: Sagen Sie mir bitte alle Kosten, sage ich. Neununddreißig, neunundvierzigneunzig, monatlich vierzehnneunundneunzig plus drei. Wir ziehen das Plus-Spiel jetzt durch.
Gut, sage ich. Noch was?
Die AGB, sagt er. Denen müsse ich zustimmen.
Ich frage nach, ob ich die denn lesen könne, und er fragt, wozu. Die lese doch niemand.
Es ist ein wenig still in der Leitung, und dann sagt er, die könne ich auf der Internetseite nachschlagen. Gut, sage ich, ich sitze am Rechner, ich klicke mal eben. Hui. Ganz schön viel. Gibt es darin etwas Wichtiges?
Nein, sagt er. Das liest doch keiner. Wichtig sei nur, daß keine Vertragslaufzeit bestehe. Nur eine Kündigungsfrist von drei Monaten.
Aha, sage ich und warte.
Außerdem, meint er, könne ich widerrufen. Dazu hätte ich ja vierzehn Tage Zeit.
Gut, sage ich, dann schicken Sie mir mal das Angebot. Wir basteln noch ein wenig an der Verfügbarkeit, weil meine Stadt drei Postleitzahlen hat, die ich ständig durcheinanderbringe. Dann bedanke ich mich und lege auf.

Ein paar Minuten bekomme ich eine Mail:


Und da reicht es mir dann endgültig, und ich storniere. Ich möchte etwas kaufen, nicht mich für dumm verkaufen lassen. Ich möchte nicht zig mal fragen, wie hoch meine Kosten sind, um dann noch irgendwelche Kosten zu bezahlen, die man mal eben so unter den Tisch hat fallen lassen. Ich möchte nicht verarscht werden mit Monatspreisen, die sich aus irgendwelchen Optionen zusammensetzen, die ich nicht weglassen kann. Ich möchte nicht ein Gerät kaufen, für das ich dann noch eine Miete bezahlen muß, die niemals enden wird. Ich möchte auch überhaupt nicht dazu gezwungen werden, mir ein Gerät zu kaufen, das ich mir nicht aussuchen kann. Ich möchte das nicht, ich möchte mit Unternehmen wie euch keine Geschäfte machen.
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Freitag, 17. 07 15

17.07.15, 07:54 | 'Rage within the machines'
Ich habe einen Rechner der Hochschule, den ich nur zum Rechnen benutze. Deshalb habe ich selbst ein minimalistisches Betriebssystem und eben das benötigte Rechenprogramm installiert. Der Rechner lief immer mal wieder einige Wochen anstandslos durch, rechnete schnell und problemlos.
Dann wollte ich Office, weil ich es brauche. Ja LaTeX, ja OpenOffice, aber nein. Nun ist alles an einer Hochschule bekannt schwierig, aber Office? Noch schwieriger. Ich muß also den Rechner abgeben. Der wird komplett neu installiert, weil das so sicherer sei. Aha. Jetzt habe ich also ein Standard-Windows, an dem Tür und Tor offen sind, tausend Hintergrunddienste, die gestartet werden und allerhand Fensterchen zeigen, und sonst nichts. Und Office. Mein Rechenprogramm startet derzeit nicht einmal mehr, und so kann man sich ja auch den Tag vertreiben.
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