Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Montag, 4. 02 19

04.02.19, 12:43 | 'Dying to say this to you'
Glück im Kuhstall. Die Gewohnheit des Fahrens mit dem Futtermischwagen scheint verschwunden, sie kehrt dann doch schnell zurück, im Kopf bilden sich schnell wieder Umriss und Wendekreis des unübersichtlichen Fahrzeugs auf der Landkarte der Hofstelle ab. Gefahrenpunkte rotleuchtend; dort die lädierte Dachrinne am Melkhaus, hier eine Stallecke mit tiefen Kratzern im Putz. Im Stechschritt über den betonierten Futtertisch, den Besen auf der Schulter. Der Duft auf Haut und Haaren. Mein Atem dampft in der kalten Luft.

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Es ist ein Warten, ein Hoffen wider aller Wahrscheinlichkeiten. Ein Lachen ersehne ich, bei dem ich alle Zähne blitzen sehe. Eine Antwort nur.

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Während ich tue, was ich kann und liebe, trifft es mich weniger. Doch treffen mich dabei andere Ereignisse mehr. Keine menschengemachte, keine unbeeinflussbaren, oder vielleicht auch nur Ereignisse, die ich im Griff zu haben glaube. Ich bin besser bei der Arbeit.

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Einblätter sollen auf meiner Fensterbank stehen, und Efeu soll sich ums Fenster winden. Kleine, erfüllbare Wünsche nur zu haben, das soll mein Ziel sein.
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Montag, 23. 04 18

23.04.18, 21:51 | 'Dying to say this to you'
Am Freitag spielten uns "Mainfelt" etwas vor. Folk Rock from South Tyrol stand auf ihrem Banner, über meinem Kopf hing eine Discokugel in Form eines Totenkopfes, und am Ende kaufte ich die CD. Zwischendurch spielten sie zum Andenken an Leonard Cohen dessen "Halleluja", und genau so gehört es gespielt. Spucke weg, Luft weg, ein Tränchen und ganz großes Mitsingen in meiner Brust. Wahrscheinlich muß man lange rauchen für eine solche Stimme, oder vielleicht doch mit sehr viel Whisky gurgeln, wer weiß das schon. Eine Dame, die es wissen könnte, ist "Cäthe", und daß sie ganz in meiner Nähe - quasi mit mir - aufgewachsen ist und ich sie vielleicht sogar einst bei einem ihrer ersten Konzerte gehört habe, kann ich zwar nicht mehr mit sicherer Erinnerung behaupten, aber ich erzähle es dann doch zu gern, um es hier auszulassen.

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Ein stiller Heimweg.

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Eine frühe Heimfahrt.

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Ein halb zerwarteter Tag. Erlösendes Traktorfahren. Es ist dies die eine Aufgabe, in der ich mich völlig auflösen kann. Ich bugsiere das Riesenfass über enge Straßen, an einer Hochzeit vorbei, über staubige Äcker.

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Biertrinken in der Halle. Große Männer.

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Auf dem Heimweg denke ich, leise lächelnd, an gar nichts, spüre nur meine Wärme.

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Bärlauch sammeln und eine große Radtour mit Eis. Feels like Familiensonntag. So könnte ich es aushalten.

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Die Sehnsucht nach einem ernstzunehmenden Haushalt. Im alten Geschichten fragen die Bäuerinnen die zugezogenen Damen noch, ob sie denn keinen Hof zu führen hätten. Und genau das möchte ich so langsam. Bärlauch in Pesto und Frischkäsecreme verwandeln, Kartoffeln im Garten ziehen und im Ofen backen. Heimkehr. Es wird kein Haben sein, es wird ein Arbeiten, und es wird ein Werden. Auch wenn mir manchmal bange wird.
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Mittwoch, 21. 02 18

21.02.18, 20:43 | 'Dying to say this to you'
Wieder schreiben lernen. Sofort die Hemmnisse. Ich möchte nicht, nicht mehr alles erzählen, oder anders: ich glaube, es nicht mehr zu können und dürfen. Doch was soll mir eigentlich passieren?

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"Feldversuch" steht in der Stellenanzeige, und genau darum geht es. Versuche auf Feldern. Mit Traktoren. Ach, ach, welch großer Schritt, statt mich auf den Heimweg zu machen in eine andere Region zu ziehen. Und doch habe ich neulich am Morgen schon die grünleuchtenden Verkehrsadern auf den Straßen dort mit dem tiefen Rot hier verglichen. Schließlich weiß ich, was ich nicht will.

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Überhaupt Morgen. Ich komme kaum aus dem Bett, lande erst gegen acht im Büro. Das ist ganz schön spät für mich, und meist schaffe ich dort auch erst gegen sieben wieder den Absprung.

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Zwei Tage jetzt mit schlechten Nachrichten zum Feierabend. Auf dem Heimweg denke ich halb rasend und formuliere wild hin und her. Und tatsächlich, abends hält mich die Arbeit noch lange wach. "Abschalten" ist ein Begriff, der mir durch den Kopf geht, aber der Kopf kreist unendlich und stößt sich an immer denselben Themen. Zuviel Identifikation, denke ich dann. Zu wenig Wissen, muß ich zähneknirschend zugeben. Zu wenig Wissen um die Abläufe, zuviel Wollen, zuviel Durchsetzenwollen auch noch. Da fehlt mir mein abendliches Korrektiv des Schreibens, und deshalb sitze ich hier.

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Ja, ein Korrektiv ist es wirklich, aber zunächst ein Ordnen der Gedanken. Ein Sortieren, Und wenn ich mir, was ich während des Schreibens ja vermeide, mein Geschreibsel erneut durchlese, schäme ich mich fast des Begriffs: Sortieren, Ordnen, das ist weit, weit überhöht. Es ist eher ein Kanalisieren, damit nicht mehr alle Gedanken gleichzeitig und ungehindert durch das Sieb strömen, das mein Gedächtnis ersetzt. Einer nach dem anderen, und Du und Du, ihr passt ganz schick zusammen, setzt euch da hin, ein Wort und noch eins, ein Dutzend Kommata, ohne die komme ich ja nie aus, und so gruppiere ich vor mich hin. Nicht munter, aber aufmunternd. Und zuletzt ergibt es eben doch das Korrektiv, das mich hoffentlich wieder schlafen lässt und ohne pochende Adern schlafen lässt. Ach, ließe man mich nur den ganzen Tag Daten auswerten, ich wäre ein glückliches Kind mit einer Matratze aus Spielwiesen, nein, einer Spielwiese aus Matrizen und bunten Diagrammen, die sinnig zu beschriften mir schon zu doof ist, bin ich doch längst beim nächsten. "Colormap cool", wähle ich manchmal, aber dann doch meist den "Jet", weil die Farben knalliger sind. Und cool kann ich ja immer noch nicht, das ist nun keine Neuigkeit, aber vielleicht hilft es dem Korrektiv, auch dies hier auszubreiten. Schonungslos ist das nun nicht, dazu schone ich neben anderem - siehe oben - auch mich selbst noch zu gern. Woher diese Angst kommt? Kann ich mich verletzen? Traue ich meinem guten Willen nicht?

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Überhaupt Wille. Dieser Absatz hätte ganz gut gepasst, hätte ich den vorigen nicht geschrieben. Und wenn ich noch mehr über mein Schreiben schreibend lamentiere, falle ich jeden Meta. Entschuldigung, es haben sich Wortwitze angesammelt in mir. Wie gesagt, Wille. Ich will die Fastenzeit wie in den letzten Jahren alkoholfrei halten, und gerade jetzt will ich aber auch ein Bier trinken. Da hilft mir nur, daß ich keines da habe, und so stützt mein Einkauf den Willen, als wäre ich ein braver Konsument. Dabei konsumiere ich ja eben nicht. Nun.

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Entdeckungen allenthalben. Anderer Leute Facebook scheint noch zu leben, entdecke ich, wogegen meines nur noch aus irgendwelchen Kanälen besteht, zu denen mir nichts einfällt. Tapfer schaue ich weiter täglich kurz hin, aber die Kürze wird Tag für Tag noch kürzer. Stattdessen habe ich nach diversen durchradelten Jahren und Wintern die Vorzüge der sportlichen Unterhemden entdeckt, die dereinst irgendjemand für mich angeschafft haben muß. So überstehe ich das Büroradeln, ohne zu schwitzen, und daß ich dafür erst fünf Winter aufbringen mußte!

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Schnell komme ich zum Schluß, daß ich statt meiner alten Unterhemden nur noch neue haben will. Also doch guter Konsument, mag sein, aber halbe Tage mit nassem Unterhemd im Büro zu stehen ist auch nicht angenehm. Ich schwitze ja, ganz Opposition, auch nur an kalten Tagen. Sonst würde ich mich vermutlich einfach im Büro umziehen. Jedenfalls, ich schweife ab, würde ich gern Unterhemden kaufen, und dies gern im Internet, weil ich ja eh schon mal da bin. Der große Versandhandel verarscht mich jedoch, bietet von zehn bis dreißig Euro an, und wenn ich Größe und Farbe ausgewählt habe, gibt es entweder kein Hemd oder vierzig Euro. Und dann die Größe! Bin ich M, weil zwar keine achtundsechzig, sondern mittlerweile siebzig Kilo schwer, oder bin ich L, weil dann doch deutlich über einsachtzig groß? Ach, was weiß denn ich mit meinen zerschlissenen zwei Pyjamas, die ich seit Jahren nicht zu ersetzen schaffe. Ich werde noch an Unterkühlung sterben, ohne Pyjama und ohne Unterhemd.

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Noch einmal kommt mir der "Feldversuch" in den Sinn. Wie schön der Klang, wie großartig die Aussicht. Aber was, denke ich, wenn ich mich auf ein Produkt festlege, und ich es nie mehr zurück in die Heimat schaffe, weil ich dort keine Arbeit mehr finden kann? Aber was, wenn? Und gibt man das auf, diesen Traum der schwäbischen Ingenieure? Darf man das?

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Nun, ich muß schließen, ich will einkaufen, und ich will ein Anschreiben erstellen, das für Traktoren glüht. Wir werden sehen, und es schadet mir sicher nicht, Pläne zu schmieden, solange ich schon hier sitzen muß.
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Montag, 9. 05 16

09.05.16, 09:53 | 'Dying to say this to you'
Ich komme an, zitternd vor Furcht und Aufregung. Und obwohl wir die ganze Nacht hindurch reden, widersprechen uns unsere Augen, unsere Hände, unsere Münder. Lass uns weiterholpern, sage ich, und sie nickt.

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Draußen dann ein Plattfuß. Drinnen geht das Licht im Wohnzimmer aus und im Badezimmer an. Ich mache mich auf den Weg, schiebe das Rad gut vierzehn Kilometer an der Stadt vorbei. Bei Nacht am Fernsehturm ist es ganz schön einsam, denke ich, und was mich immer antreibt, weiß ich ja selbst nicht.

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In der Bahn rede ich mit zwei jungen Damen über brennende Matratzen und ihr neues Buch. Wir wandern wenig, die anderen trinken viel. Ich sitze lieber in der Sonne und esse Äpfel. Zurück in der Stadt trinke auch ich. Aus irgendeinem dummen Grund bestelle ich noch und noch, und dann bin ich damit beschäftigt, aufrecht sitzen zu bleiben. Fünf ist eine runde Zahl, sage ich. Und trotz allem führen wir eine ernstzunehmende Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen, und zwischendurch stößt es mir sehr übel auf, daß keine Zeitung und kein Politiker bessere Argumente finden als vier Angetrunkene in der Nacht des Vatertags.

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Wo siehst Du Dich in siebzehn Jahren? Und meine Antwort reicht Dir nicht.

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Wir schlendern dann noch durch die Stadt, verabschieden uns lang, und dann kämpfe ich an der Haltestelle mit dem Schlaf. Im Bus schlafe ich dann, wache erst auf, als mich jemand rüttelt. Endstation, sagt er, und gehorsam steige ich aus. Ich hätte auch einfach noch eine Runde mitfahren können, fällt mir ein, als ich frierend die nächste Wanderung angehe. Fünf Kilometer, den letzten schon in der Sonne.

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Eine verkaterte Kletterrunde am Brückenpfeiler.

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Möbel aufbauen. Strafzettel kriegen. Am Abend noch schnell das Bett, und dann Party. Die einzelnen Zimmer sind thematisch dekoriert, die Gäste sind bärtig, ich habe die Hände in den Taschen meiner Arbeitshosen vergraben und gehe früh.

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Wenn Du denkst, dann denkst Du nur, Du denkst, ein Mädchen kann das nicht.

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Gras häckseln, und ich freue mich so an den wenigen Stunden, die ich damit verbringen darf.

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Axion! schreibe ich, und Action! antwortet er.

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Wie sie den Grill für uns vorheizen, wie sie am neuen Stall sitzen, die Jungen und die Alten, und wie sie arbeiten, Tag um Tag für ein Produkt, das der Markt gerade nicht will. Wieviel Wettbewerb um Lebensnotwendiges brauchen wir denn, frage ich mich, und am liebsten würde ich meine Arbeit verschenken.

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Daß so einer von meiner Arbeit beeindruckt ist. Einer von den Starken, den Unkaputtbaren.

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Zurück in die Stadt, unter die Dusche und an die Möbel. Schön, wie eine Baustelle zur Wohnung wird. Dann laufen wir zur Bahn, dann zum Festzelt.

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Als ich esse, fällt mir auf, daß ich das schon länger nicht mehr getan habe. Drei Tage vielleicht? Egal. Den Rest trinken wir dann eben.

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Die immer lacht.

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Du mußt nicht nach Hause fahren.

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Beim Rausschmeißer hätte ich gern mit Dir getanzt. Es ist nur Robbie Williams, es ist nur Angels, und doch.

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Armdrücken und Fingerhakeln, und irgendwo bleibt ein Unterschied zwischen siebzig und hundertzwanzig Kilo, auch wenn Du mich noch so in die Niederlage drängst.

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Ich bin unschlüssig, ich bin müde, und erst Deine Stimme am Telefon holt mich zurück. Leider ist das Riesenrad schon dunkel und still. Nächstes Jahr, sage ich. Dann laufen wir nach Hause. Stumm stehe ich im Flur, trete dann leise durch Deine Tür.

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Weil Du stolz bist, wenn Du wanst,
Und Di trotzdem zuwe lahnst.

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Morgensonne, ein Kopf auf meinem Arm, ein Hauch auf meinem Hals, ein Haar an meiner Nase. Duschen. Brezeln holen. Weißwürste essen im Park.

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Das ist also dieses Chillen, von dem immer alle reden, sage ich verwundert.

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Im Bad spüle ich ab. Fühlt sich an wie Camping, sage ich, und mit einem Lächeln überlebt man selbst noch ein paar Tage ohne Küche.

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Was ich noch vorhabe, fragst Du. Dich, will ich sagen. Dich hab ich vor mir, in jeder Hinsicht. Dann packen wir Kisten aus, ziehen Schrauben an und lesen Anleitungen. Unsere Aufteilung hat sich ergeben, ich nehme die Platten aus den Kisten, Du die Tüten mit den Schrauben, liest die Anleitung und gibst mir die richtigen Teile in die Hand. Wir leimen und stecken und schrauben gemeinsam, zwei Schrauber, vier Hände, und ich kann genau das sehr empfehlen. Unsere Pausen verbringen wir auf der Terrasse in der Sonne, und die letzte mit Pizza und dem Wein, den ich für einen Vortrag geschenkt bekommen habe.

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Was ich mitnehme und was ich hinterlasse.

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Wir werden wandern gehen.

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Alles wird gut.

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Ich radle durch die warme, dunkle Stadt, durch Straßen, die ich nicht kenne, an Plätzen vorbei, die ich nur von der anderen Seite gesehen habe, und so fügt sich die Stadt zusammen aus den Punkten, die man besucht. Ich freue mich an den Gebäuden, dem Theater, selbst am Landtag freue ich mich heute Nacht. Meine Stadt, nach mehr als zwölf Jahren.

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Ein Bild von mir, müde und mit gefalteten Händen, das Bubenlächeln, auf dem Sofa sitzend, mit großem Lob für die Arbeit.

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Arbeit, Arbeit. Freude, Freude. Weiterholpern.
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Dienstag, 19. 04 16

19.04.16, 08:48 | 'Dying to say this to you'
Und dann stehen wir nebeneinander und schauen die Wand hoch, jeder ein Seil in den Händen, und Du wünschst Dir einen Tag voller Nichts. Nichtstun, sagst Du, nicht aufstehen müssen, nur liegenbleiben und nichts. Ja, sage ich, den hast Du dringend nötig, diesen Tag, und wenn ich könnte, würde ich Dich einsperren, und die Tür nur öffnen, um Dir Kaffee ans Bett zu bringen. Das wäre aber langweilig, sagst Du, und in Deinen Augen sitzt der Schalk, in Deinem Lächeln scheint die Sonne, daß mir warm und wohl wird. Stimmt, gebe ich zu, und gebe hektisch und nestelnd ein wenig Seil durch das Sicherungsgerät aus, dann würde ich es anders machen. Ich würde die Tür nur öffnen, um Kaffee holen zu gehen. Du zwinkerst, und dann lässt Du Deinen Kletterer ab. Es wird noch ein Weilchen dauern, sagst Du, und ich nicke nur, während er vor uns auf dem Boden landet.
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Donnerstag, 17. 03 16

17.03.16, 15:23 | 'Dying to say this to you'

[Standing on the shoulders of giants]

Alles Gute zum Geburtstag, Papa. Und Krawattenknoten übe ich nochmal, versprochen.
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Donnerstag, 18. 02 16

18.02.16, 09:34 | 'Dying to say this to you'
Leichtigkeit fällt mir gerade verflucht schwer.
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Mittwoch, 9. 12 15

09.12.15, 11:15 | 'Dying to say this to you'
Wo auch immer das hinführt, ich will jeden Schritt gehen.
Wie auch immer das aussieht, ich will alles sehen.
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Montag, 22. 06 15

22.06.15, 10:24 | 'Dying to say this to you'
Und wie wir da so sitzen, in dieser Loggia mit Blick über die nächtliche Stadt, und wie Du schon müde warst, als ich kam, mit kleinen Augen und rotweinroten Wangen, und wie ich dann aufgetaut bin und viel gelacht habe, und mir die Wangen auch rotweinrot getrunken, von außen durch das Fenster in die Toilette gestiegen bin, da kommen wir irgendwie zu den Wundern, die wir sind, und ich sage, daß Du ein Wunder bist, nur im Moment ein ziemlich müdes Wunder, und dann lachen alle, weil mir da ein Scherz entflohen ist, bei dem, was mir zwar Spaß, aber kein Scherz ist, und ich schaue etwas verwirrt um mich zu den Lachenden und denke mir dann, daß es ja vielleicht auch gar nicht so schlimm ist, für einen Scherzbold gehalten zu werden.
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Dienstag, 24. 02 15

24.02.15, 07:29 | 'Dying to say this to you'
Ich war fiebrig und einsam hier. Und dann in bester Gesellschaft und bester Laune. Ich weiß nur noch keinen Weg, um diese Zustände herbeizuführen, immer noch nicht.

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Immer öfter über die Müdigkeitsgesellschaft nachdenken. Ein paar wirre Fetzen um diesen leuchtendklaren Kristall dessen legen, den ich beim Lesen immer über dem Kopf tragen möchte, und dabei "Ja, Ja, Ja!" schreiend durch die Straßen rennen.

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Was ich vermisse: Das "Weißt Du noch?" Ich stehe unter der Dusche, die plötzlich kalt wird, und ich denke daran, wie Du bei mir unter der Dusche standest, Dein kurzer Aufschrei, unser Lachen.

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Was ich vermisse: Jemandem erzählen zu können, um zu teilen. Ohne großes Erklären, gern mit großer Stille am anderen Ende des Telefons. Hey, möchte ich sagen können, ich stehe da auf dieser Brücke in dieser Stadt und weiß nicht einmal, wie dieser kleine Fluß heißen soll.

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Was ich vermisse: Anerkennung. Ich betreibe nun keine Raketenwissenschaft, ich bekomme auch keinen Nobelpreis oder werde Mister Schweiz. Aber ich sitze in einem noblen Restaurant, mit meinen Bergstiefeln, meinem kommoden Reisepullover und schiebe die Ärmel hoch, obwohl man dann das leuchtende Bändchen mit dem Aufdruck des Faschingsvereins sehen kann. Ich unterhalte mich da mit Menschen, die herausfinden wollen, wie in Zukunft Autos aussehen sollen, und ich arbeite da mit. Ich halte dort einen Vortrag, und wenn ich nicht so fiebrig wäre, hätte ich auch meine Laufschuhe dabei, und überhaupt kann ich den Handstand schon fast wieder halten, siehst Du mich, schau mir zu, bitte bitte bitte. Es ist ein Elend, es mag sehr niedrig sein, aber es ist mir ein Anliegen, jemandem zu gefallen. Nun, andere mögen Fußball.

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Was ich vermisse: Allein zu sein, aber nicht einsam.

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Was ich vermisse: Nackt nebeneinander zu schlafen, ineinander, umeinander. Ruhiges Atmen, die Hand, die nach mir greift, das Lächeln, das ich im Halbdunkel mehr ahne als sehe, und mir doch ganz sicher bin.

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Was ich vermisse: eine Hand zu halten. Hinabzuschauen zu meiner groben Pratze, die Wärme spüren und den leichten Druck, den sanften Zug, der zwei zusammenhält.

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Zurück zur Technik.
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