18.06.26, 18:45
Natürlich "wissen" wir das alle, so begann ich heute einen meiner berüchtigten Exkurse, wir wissen das mit der Zerlegung von Kräften an der schiefen Ebene. Und die Geschichte mit der Reibung, die kennen wir schon lang. Und ich durfte gestern zu genau diesem Thema etwas lernen, das dieses Wissen zum Können verbindet. Wissen, das wir nicht können, ist totes Wissen, halten wir für unnützes Wissen und wird durch das Nichtkönnen zu ungenutztem und bald vergessenem Wissen. Vom Wissen zum Können ist es allerdings ein weiter Weg, daher können wir auch andersherum vorgehen: Wir lernen etwas kennen, lernen es noch besser können, und fragen uns dann nach dem Weshalb und damit nach dem Wissen.
Sie wissen alle, was Fliesen sind? Schon mal gesehen? Schon mal verlegt? Als Video gesehen? Könnten wir alle können? Könnten wir. Aus Geizesgründen ebenso wie aus dem Grund des Könnenwollens, für mich größte Gnade und größte Strafe des Menschseins zugleich, habe ich also Fliesen gelegt. Und damit mir dies in einer ehemaligen und zukünftigen Küche auch gelingt, habe ich es wie alle Laien gehalten, und Hilfsmittel gekauft, die kein Fachmann benutzt. Nun gut, einen Fliesenschneider wird auch der Meister nutzen, und Fliesenkleber sowieso. Den ebenso ambitionierten wie unkundigen Laien findet man übrigens in den Kommentaren unter irgendwelchen Videos, die einfache Werkzeuge auf überaufwendige Weise miteinander vergleichen. Man könnte einen Fliesenschneider um sechzig, siebzig Euro auch einfach in die Hand nehmen und sich überlegen, ob der sich an entscheidender Stelle scharf und an trennender Stelle steif genug anfühlt. Oder man liest die Kommentare, in denen jemand seine überaus positiven Erfahrungen mit Fliesenschneidern der Tausend-Euro-Klasse beschreibt, den er sich für einen Keller-Abstellraum mit zweieinhalb Quadratmetern beschafft hat. Aber der Fliesenschneider soll uns nicht beschäftigen, sondern das Plastikzeug. Heute kauft man Fliesenkreuzchen, wenn man Fliesen legen kann. Wenn man es nicht kann, kauft man ein Nivelliersystem. So hielt ich es auch, denn die Küche soll ja beim ersten Versuch schon eben werden. Dieses Nivelliersystem besteht nun aus kleinen Plastikplättchen, die man unter die Fliese in den Kleber schiebt. Daran hängt eine Lasche, die zum einen den Abstand zwischen den Fliesen und damit die Fuge bestimmen soll. Zum anderen kann man zwischen Fliesen und Lasche einen Plastikkeil klemmen, der beide Fliesen auf eine Höhe zwingt. Ein einfaches Prinzip eigentlich, und die zugehörige Zange um vierzig Euro sparte ich natürlich ein, denn eine weit verstellbare Rohrzange erfüllt den gleichen Zweck und ist im Haushalt schon vorhanden. Diese übrigens aus leidvoller und blutiger Erfahrung tatsächlich von der teuren Sorte, wie sie auch die Handwerker besitzen und benutzen. Laschen, Keile, Zange, kein Problem. Wir wissen, wie die Kräfte sich aufteilen, und dass der Schub auf den Keil in einen Hub der Fliese umgesetzt wird. Schiefe Ebene, kennen wir. Wer würde zu diesem allzu profanen Teil, das noch dazu horrend teuer verkauft wird, noch eine Bedienungsanleitung lesen? Niemand? Noch weniger, wenn diese Anleitung nicht einmal auf den Verpackungs-Eimer geklebt, sondern nur durch Suche im Internet zugänglich wird. Ich habe sie vor lauter Furcht vor dem Beginn der Arbeit doch gelesen. Aus Furcht, jaja, und auch deshalb, weil sie nur aus drei simplen Bildchen bestand. Fliesen schräg ansetzen, andrücken, nächste Laschen unterlegen, Keile ansetzen und erst per Hand, dann per Zange mit den Laschen verspannen. Und immer, wie durch Pfeile erklärt wurde, von der frisch verlegten zur bereits liegenden Fliese hin. Warum denn das? Ich hatte keine Ahnung, aber wissen will ich ja alles. Nach ein, zwei, drei hektisch verlegten Erstlingsfliesen wurde ich mutig und schob den Keil in die andere Richtung ein. Und siehe da: Das Kraftdreieck! Es hebt der Keil die Lasche, es drückt der Keil die Fliese. Es reibt aber auch der Keil auf der Fliese und schiebt ebendiese fiese. Arbeitet man nun von der frisch verlegten zur bereits liegenden, schiebt man so die neue an die bestehende Fliese heran. Aufgrund schon liegender Fliesen, die wiederum mit Keilen ihren Wandabstand einhalten, können diese nicht weichen, und die beiden Fliesen werden so zusammengeschoben, dass die Fugenbreite passt. Also richtig passt. Zwei Millimeter press sind zwei Millimeter, und nicht irgendwas zwischen zwei und sonstwo. Schiebt man den Keil zur neuen Fliese hin, schiebt man diese weg. Denn der Keil drückt auf die Fliese, Haftreibung, Gleitreibung, irgendwo dazwischen Stribeckreibung, und so findet wie jede Kraft auch diese ihre Gegenkraft. Auf einer Skizze hätten wir das allesamt gekonnt, nicht wahr? Doch auf dem Boden kniend kamen wir nicht drauf. Unser Wissen ist vereinzelt, kommt in kleinen Happen, und es ist das Können, das daraus eine Mahlzeit kocht. Das verbindende Element, das sinnstiftende Element. Natürlich, Wissen um des Wissens willen, aber göttlich Wissen um des Könnens willen! Es muß uns daher jedes Wissen sich im Können erst beweisen, und jedes Können soll uns anstiften, das unterlegte Wissen zu erforschen.
Sie wissen alle, was Fliesen sind? Schon mal gesehen? Schon mal verlegt? Als Video gesehen? Könnten wir alle können? Könnten wir. Aus Geizesgründen ebenso wie aus dem Grund des Könnenwollens, für mich größte Gnade und größte Strafe des Menschseins zugleich, habe ich also Fliesen gelegt. Und damit mir dies in einer ehemaligen und zukünftigen Küche auch gelingt, habe ich es wie alle Laien gehalten, und Hilfsmittel gekauft, die kein Fachmann benutzt. Nun gut, einen Fliesenschneider wird auch der Meister nutzen, und Fliesenkleber sowieso. Den ebenso ambitionierten wie unkundigen Laien findet man übrigens in den Kommentaren unter irgendwelchen Videos, die einfache Werkzeuge auf überaufwendige Weise miteinander vergleichen. Man könnte einen Fliesenschneider um sechzig, siebzig Euro auch einfach in die Hand nehmen und sich überlegen, ob der sich an entscheidender Stelle scharf und an trennender Stelle steif genug anfühlt. Oder man liest die Kommentare, in denen jemand seine überaus positiven Erfahrungen mit Fliesenschneidern der Tausend-Euro-Klasse beschreibt, den er sich für einen Keller-Abstellraum mit zweieinhalb Quadratmetern beschafft hat. Aber der Fliesenschneider soll uns nicht beschäftigen, sondern das Plastikzeug. Heute kauft man Fliesenkreuzchen, wenn man Fliesen legen kann. Wenn man es nicht kann, kauft man ein Nivelliersystem. So hielt ich es auch, denn die Küche soll ja beim ersten Versuch schon eben werden. Dieses Nivelliersystem besteht nun aus kleinen Plastikplättchen, die man unter die Fliese in den Kleber schiebt. Daran hängt eine Lasche, die zum einen den Abstand zwischen den Fliesen und damit die Fuge bestimmen soll. Zum anderen kann man zwischen Fliesen und Lasche einen Plastikkeil klemmen, der beide Fliesen auf eine Höhe zwingt. Ein einfaches Prinzip eigentlich, und die zugehörige Zange um vierzig Euro sparte ich natürlich ein, denn eine weit verstellbare Rohrzange erfüllt den gleichen Zweck und ist im Haushalt schon vorhanden. Diese übrigens aus leidvoller und blutiger Erfahrung tatsächlich von der teuren Sorte, wie sie auch die Handwerker besitzen und benutzen. Laschen, Keile, Zange, kein Problem. Wir wissen, wie die Kräfte sich aufteilen, und dass der Schub auf den Keil in einen Hub der Fliese umgesetzt wird. Schiefe Ebene, kennen wir. Wer würde zu diesem allzu profanen Teil, das noch dazu horrend teuer verkauft wird, noch eine Bedienungsanleitung lesen? Niemand? Noch weniger, wenn diese Anleitung nicht einmal auf den Verpackungs-Eimer geklebt, sondern nur durch Suche im Internet zugänglich wird. Ich habe sie vor lauter Furcht vor dem Beginn der Arbeit doch gelesen. Aus Furcht, jaja, und auch deshalb, weil sie nur aus drei simplen Bildchen bestand. Fliesen schräg ansetzen, andrücken, nächste Laschen unterlegen, Keile ansetzen und erst per Hand, dann per Zange mit den Laschen verspannen. Und immer, wie durch Pfeile erklärt wurde, von der frisch verlegten zur bereits liegenden Fliese hin. Warum denn das? Ich hatte keine Ahnung, aber wissen will ich ja alles. Nach ein, zwei, drei hektisch verlegten Erstlingsfliesen wurde ich mutig und schob den Keil in die andere Richtung ein. Und siehe da: Das Kraftdreieck! Es hebt der Keil die Lasche, es drückt der Keil die Fliese. Es reibt aber auch der Keil auf der Fliese und schiebt ebendiese fiese. Arbeitet man nun von der frisch verlegten zur bereits liegenden, schiebt man so die neue an die bestehende Fliese heran. Aufgrund schon liegender Fliesen, die wiederum mit Keilen ihren Wandabstand einhalten, können diese nicht weichen, und die beiden Fliesen werden so zusammengeschoben, dass die Fugenbreite passt. Also richtig passt. Zwei Millimeter press sind zwei Millimeter, und nicht irgendwas zwischen zwei und sonstwo. Schiebt man den Keil zur neuen Fliese hin, schiebt man diese weg. Denn der Keil drückt auf die Fliese, Haftreibung, Gleitreibung, irgendwo dazwischen Stribeckreibung, und so findet wie jede Kraft auch diese ihre Gegenkraft. Auf einer Skizze hätten wir das allesamt gekonnt, nicht wahr? Doch auf dem Boden kniend kamen wir nicht drauf. Unser Wissen ist vereinzelt, kommt in kleinen Happen, und es ist das Können, das daraus eine Mahlzeit kocht. Das verbindende Element, das sinnstiftende Element. Natürlich, Wissen um des Wissens willen, aber göttlich Wissen um des Könnens willen! Es muß uns daher jedes Wissen sich im Können erst beweisen, und jedes Können soll uns anstiften, das unterlegte Wissen zu erforschen.
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