Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Freitag, 29. 04 16

29.04.16, 08:32 | 'Maschinen bauen, Mensch bleiben'
Ich bastle Prozente. Nehmen wir mal eine Zahl aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung: 21% mehr verdienen die Männer in Deutschland als die Frauen. Nehmen wir nun noch eine zweite Zahl: 23% weniger verdienen die Frauen in einem Experiment, das die Diskriminierung von Geschlechtern ausschließen soll. Ob man das Experiment und die Realmessung nun glaubt oder nicht, das sieht erst mal nicht nach einem großen Unterschied aus. Ist es aber. Die Basis wird nämlich gewechselt, einmal sind es die Frauen, beim anderen Mal die Männer. Das ist im Prinzip beliebig, aber für einen Vergleich muß es eben durchgängig sein. Das ist wiederum kein Problem der verlinkten Zeitungsartikel, die haben nichts miteinander zu tun bis auf die gleiche Autorin. Aber zum Verständnis:
Bei gleicher Basis (zunächst Frau) entsteht ein Verhältnis von
100 zu 121 aus dem ersten Artikel, und ein Verhältnis von
100 130 aus dem zweiten Artikel. Die Unterschiede sind also deutlich größer.
Der Clou ist nun, daß das Experiment einen von mehreren vermuteten Faktoren des Einkommensunterschiedes, die Diskriminierung, weitgehend auszuschließen versucht. Und dabei steigt der Unterschied sogar noch an.
Nun. Keine Ahnung. Man kann die beiden Zahlen jede für sich oder miteinander anzweifeln. Oder man kann das Experiment in Bausch und Bogen für untauglich erklären. Nimmt man die Zahlen aber mal so hin, ergeben sich andere Schlüsse. Es wurde nur ein fiktives Angestelltenverhältnis betrachtet, keine Freiberufe. Außerdem lässt sich, wie auch der Artikel beschreibt, eine vorhergehende Diskriminierung nicht zwingend durch die neutralen Bedingungen des Experiments gänzlich wettmachen. Dies spräche allerdings dafür, daß unter Einschluss der Diskriminierung die Lücke noch größer werden müsste. Sie schrumpft im Gegenteil, was wiederum den Schluss einer gegenteiligen Diskriminierung in der Realität nahelegt. Im Experiment ist zudem der Faktor unterschiedlicher Lohnberufe nicht eingegangen. Auch hier könnte ein struktureller Unterschied erzeugt werden. Dieser Unterschied, eine beispielhafte Neigung oder Eignung zur gestellten Aufgabe, die ein Geschlecht begünstigen würde, wird aber gerade bei solchen unkörperlichen Aufgaben abgelehnt.
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