Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Montag, 5. 06 17

05.06.17, 22:49 | 'Heller als tausend Sonnen'
Ich habe gepackt, früh wie selten, lasse dieses Jahr den Rucksack und die Regenjacke frech daheim. Morgen früh noch schnell zu den Kühen, dann wie jedes Jahr an den See. Achtundfünfzig Kinder, so geht die Sage. Ich freue mich sehr.
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Sonntag, 14. 05 17

14.05.17, 22:19 | 'Heller als tausend Sonnen'
Das Schreiben habe ich mir ja wieder vorgenommen. Aber dann war da ein Dienstag, an dem ich früh mit der Arbeit beginnen musste, um ebenso früh verschwinden zu können und anderswo zu arbeiten. Dort habe ich früher mal gearbeitet und helfe heute nur noch aus. Ich sitze also in einer Nische, wo früher andere saßen, schaue in mein altes Büro und denke daran, wie ich hier angefangen habe. Es war heiß in diesem Gebäude, und zuerst saß ich anderswo im Dachgeschoß, dann hier, wo ich löslichen Kaffee trank und auf den Parkplatz schaute, abends durch die Altstadt ging und unter einer alten Fahrradfelge schlief. Die große Liebe, sie weinte dort einmal, und ein ander Mal sahen wir uns ein Theaterstück an, von dem ich heute noch erzähle. Von ihr erzähle ich nicht mehr so oft wie ich an sie denke, denn kurz darauf suchte ich mir für die gleiche Arbeit einen anderen Platz, eine kleine Wohnung für den Übergang, in der ich heute auch sitze und schreibe, und die Liebe verließ mich und überließ mich der Stadt und der Dunkelheit. Jedenfalls parliere ich heute flüssig und freundlich mit dem Herrn Professor mit dem schlohweißen Haar, der mich zwischendurch fragt, ob ich denn zurechtkomme mit den Kollegen, denn einen eigenen Kopf hätte ich nun doch gehabt. Ja, denke ich, den habe ich noch, und doch zähmt mich das Alter, ganz langsam zieht es die Zügel an, auf daß ich nicht mehr bocken und ausschlagen möge, sondern stetig und fleißig im Geschirr gehe. Daher telefoniere ich auch geschäftlich und höre mir dabei selbst irgendwie von außen zu. Ich halte also die Vorlesung vor wenigen, während die Abendsonne ausgesperrt bleiben muß, damit meine Bilder an der Wand leuchten können. Am Ende bedanke ich mich für die Jahre, fünf sind es nun fast, und meine es auch. Ich stapfe noch einmal durch die Stadt, ein Brot noch und eine kurze Autofahrt, dann habe ich das vergessene Telefon wieder am Ohr. Elf neue Nachrichten, so schlecht ist das nicht für einen wie mich. Am Abend ein Streit, ich weiß den Grund schon nicht mehr, er hat sich angebahnt, er wird vergehen, wenn wir beide müde sind. Ob wir das schaffen, weiß ich nicht, nicht einmal, ob es was zu schaffen gäbe. Daß wir das Wollen zeigt unser Beharren, unser Sitzenbleiben, unsere Situationskomik, wenn ich unruhig den Argumenten folge, statt endlich, endlich zur Toilette zu gehen.
Ich arbeite nicht am nächsten Tag, oder anders, bin also früh am Morgen schon an der elterlichen Kaffeemaschine, dann auf dem ach so heimatlich gebliebenen Hof, wo der Bauer zum Mähen geht, während ich noch einiges zu Pflügen habe. Sattes Gras verschwindet in den Furchen, und an wenigen Stellen sickert Wasser in kleine Pfützen. Ein verrücktes Jahr, so spät waren wir selten. Du hast immer Zeit, lacht der Bauer, und ganz ernsthaft sage ich, daß ich mir diese Zeit immer nehmen will. Zwanzig Jahre bin ich nun hier, das muß eine Ehe erst mal schaffen. Am späten Abend will ich noch etwas tun, erwische die falschen Kugeln und muß noch einmal zurück zum Hof, weil ich die Egge nicht angehängt bekomme. Das Telefon schellt, komm rauf, ein Bier, und ich gebe nach und gebe zu, daß ich auch gern sitze und gern Bier trinke und hier und überhaupt. Wohlig wird mir, und darüber denke ich die halbe Nacht lang nach. Die andere verschlafe ich, und irgendwie ergeben diese Hälften dann doch keine Ruhe, also wische ich mir Wasser durchs Gesicht und stelle den treuen Diesel bald in den Schuppen, wo ich aus einer Laune heraus sogar die Türen schließe. Man sieht ihn kaum, und Minuten später bin ich schon vom Hof, mit den rechten Kugeln diesmal, mit der Egge wenige Minuten später, um tapfer über die frischen Furchen zu holpern, um sie einzuebnen. Das schüttelt und rüttelt mich über die Maßen, und die Zäune der Nachbarn tun ihr übriges an meiner Laune. Weit jenseits von Gesetzen und Grenzen sind sie aufgestellt, hindern mich am Wenden und an der Arbeit und versperren die dünnen Spuren im Gras, auf denen ich als Kind das Fahren gelernt habe, während der Opa vor der Hütte auf der Holzbank saß, eine Zigarette rauchte, Stuywesant vom Automaten am Haus gegenüber dem Hof, wo der Metzger wohnt, wohin man von hinten um die Ecke das Vieh brachte zum Schlachten. Um zwölf fahre ich zum Hof, wie besprochen, denke ich, fülle die Reifen wieder mit Luft und spüre mein Blut und Leben rauschen. Das Fahren und die Furchen, die sind mir was. Ich schreibe der Freundin und der großen Liebe, und an solchen Tagen kann ich das. Ich schwitze wieder in der Sonne, als der junge Arbeiter kommt und nach der Essenszeit fragt. Er lacht verständnislos, als ich auch lache ob der Frage, wie kann einer heute nur ans Essen denken! Silieren, sage ich, Silagefieber, wer wollte da Hunger haben? Die Bäurin kommt mit Paketen in Alufolie, damit ich mit meinen Dreckpfoten auch abbeißen kann, was ich halb nur auspacke. Der Arbeiter hat das Lachen verloren, sinniert in die Alufolie und fragt sich, wie einer sich daran noch freuen kann. Ich fahre los, den großen Kipper am Haken, über die Wiesen, an den nassen Stellen vorbei zum Häcksler. Alt und klein kommt er mir heute vor, weil ich neu und groß gewohnt worden bin. Ich winke dem alten Chef und denke an die vielen Stunden, die Nächte, die ich mit ihm gefahren bin. Heute trage ich den Namen eines anderen auf meinem Hemd, wir lachen trotzdem, wollen uns nichts Böses. Fahren also, wie in alten Zeiten, und einen der Jungen, der bös durch eine Pfütze fährt, stauche ich zusammen, daß es eine Freude ist. Hat uns auch nicht geschadet, und natürlich ist das Blödsinn. Es fuchst mich immer noch unglaublich, wenn nich das beste Fahren das Ziel ist, und der Chef winkt mir zu, mich nicht aufzuregen, doch das Blut, das Blut, das Leben. Irgendwann wechseln wir, ich weise einen der Junioren ein und fange wieder an, über Furchen zu holpern. Es schauert. Es scheint. Es schauert noch einmal. Dann regnet es, ich bin fertig, fahre zurück und habe schon das Walzen im Sinn. Die Handgriffe sind alt und bekannt, und so bin ich kaum bis zur Haut durchnässt, als ich umgehängt habe und im Silo bin. Wenige Wägen noch, dann legen wir Folien, Netze und Sandsäcke, lachen viel und unterweisen die Jugend, wie Folien zu ziehen sind. Ein Bier im leeren Heizraum, eine schnelle Dusche, eine lange Fahrt und eine ganz ganz kurze Nacht später sitze ich im Büro, entsinne mich meiner Aufgaben und sitze dann gleich im Auto, einen Rechner auf dem Schoß, und so ganz genau weiß ich nun auch nicht, was ich tue. Später jedenfalls scheint die Sonne, ich fahre aus dem Werk und freue mich an dem Blatt Papier, das mir dieses schöne Auto zugesteht. Mit dem fahren wir sofort los, ganz nach anderswo, aber das ist eine andere Geschichte, denn man hat zum Schreiben ja keine Zeit, wenn man von anderswo am Sonntagabend zurückkehrt und noch einen Berg Folien vor sich liegen hat. Andere nun, aber auch die werden gelegt und gefüllt und decken eine Arbeit zu, die mich nun schon Jahre umtreibt. Man wird sehen.
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Mittwoch, 8. 02 17

08.02.17, 20:00 | 'Heller als tausend Sonnen'
Einen Vortrag vor einer Hundertschaft von Schülern gehalten, die vom vorhergehenden Mathematikwettbewerb völlig erschöpft in den Stühlen hängen. Die sich Mühe geben, die Augen offen und den Kopf bei der Sache zu halten. Weil es etwas Besonderes ist, wenn einer aus einer Weltfirma kommt und von seiner Arbeit erzählt, einer industriellen Tätigkeit, die sie noch gar nicht kennen können, zu der alle morgens verschwinden und von der am Abend alle wieder zurückkehren, und vielleicht, so hoffe ich, weil sie jemand ernst nimmt, der sie nicht kennt, der kein Lehrer ist und ihnen nichts beibringen muß, der einfach gern ein wenig erzählt, weil es thematisch ganz gut zum Wettbewerb passt, weil er vor fünfzehn Jahren genau hier in dieser alten Halle sein Abiturszeugnis verliehen bekam, und weil er völlig unverhofft genau den drei Lehrern begegnet ist, die ihn geprägt haben, die ihm etwas bedeutet haben, weil er gern mit jungen Menschen beisammen ist und weil er tatsächlich glaubt, etwas zu erzählen zu haben. Der Rektor bedankt sich erfreut, und der alte Lehrer mit der Vorliebe für violett schenkt mir eine Flasche Wein, die sicher ebenso grandios wie an einen Banausen wie mich verschwendet ist.

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Weiter, dem Senior einen Gruß ins Büro zurufen.

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Ich kann nicht liegen, wenn es hell ist, und raffe mich auf.

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Melken. Einfach so. Ich marschiere in den Melkstand, ich habe die Schuhe an und die Hosen, ich massiere Euter und hänge Melkzeuge an und unterhalte mich nebenbei ganz wunderbar. Und dann sage ich zu einem, er solle doch die zweite Gruppe holen, und der lacht nur und sagt, das war sie schon. Hach, sage ich, ich hätte noch eine Runde gewollt, und ich meine das so ernst und so lachend, daß er nur noch den Kopf schütteln kann. Dann füttere ich die Anlage mit drei Schaufeln Mist, laufe durchs Motorenhäuschen und notiere Temperaturen und Kilowattstunden. Ich schließe ab und deponiere den Schlüssel, und weil mich die Stille schreckt, kontrollieren wir noch die Spülung. Wie oft noch, wir beiden, frage ich mich still, und ihm sehe ich an, daß er sich das auch fragt. Nicht meine Entscheidung, nicht mein Bier, nicht mein Hof, und genau deshalb darf ich einfach so schade finden, was vielleicht für alle besser ist, was andere für sich und richtig entschieden haben. Durch den Jungviehstall marschiere ich mit meiner neuen, starken Taschenlampe, als Geschenk erhalten vom Lohnunternehmer bei der Weihnachtsfeier, bei der wie jedes Jahr eine Lampe leiden mußte. Auch Glasbruch kann ja eine schöne Tradition sein. Ich kontrolliere die Tränkebecken und schiebe das Futter in die Tröge.

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Auf dem Rückweg in die große Stadt rieche ich ab und zu dem köstlichen Stallduft nach.
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Dienstag, 2. 08 16

02.08.16, 09:41 | 'Heller als tausend Sonnen'
Die Doktorin entführt mich übers Geburtstagswochenende auf eine Mittelmeerinsel. Bring Dein Seil mit, schreibt sie, und falls Sie jetzt an Fesselspiele denken: völlig verkehrt. Klettern bei knapp über dreißig Grad. Nachts am Strand sitzen. Den Sonnenaufgang am Meer bewundern.
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Mittwoch, 27. 07 16

27.07.16, 16:33 | 'Heller als tausend Sonnen'
Ich frage mich, murmelst Du so leise, daß ich mehr Deinen Atem auf meiner Brust spüre als ich Deine Stimme hören kann, ich frage mich, wie ich nur ohne Dich schlafen kann, und ich streiche Dir das Haar aus der Stirn und sage, daß Du das ja überhaupt nicht mehr können mußt.
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Montag, 30. 05 16

30.05.16, 12:58 | 'Heller als tausend Sonnen'
Was gut und richtig ist: Da ist eine gewisse Gelassenheit zwischen uns. Da ist ein Band, das uns verbindet, das wir beide mittlerweile geprüft haben und als stark empfinden, das aber auch lang genug ist, damit wir uns nicht angebunden fühlen. So kommt es also, daß Du mich nach Konzerten fragst, und nach einer Dusche nach der langen Reise, daß Du Dich auf mich freust wie ich mich auf Dich. So kommt es, daß wir Wochenenden planen und uns Nachrichten schicken, daß wir uns Bilder zeigen und Erlebnisse erzählen. So kommt es, daß Du Dich bei mir wohlfühlst, daß ich die Panik loswerde. Und so liegen wir dann auf der Couch, und in einem Moment hast Du noch konzentriert in den Fernseher geschaut, wo ein Kommissar und ein Professor sich durch eine Ermittlung blödeln, und im nächsten Moment wird Dein Kopf schwer auf meiner Brust, Deine Hand, die mit meiner gespielt hat, erschlafft und gleitet langsam an Deine Seite, Dein Atem fühlt sich anders an, langsam und flach jetzt, und Deine Wimpern sehe ich bewegungslos, die Vene an Deinem Hals pocht langsam und gleichmäßig, Dein Kopf dreht sich zur Seite, die Spannung weicht aus Deinem Körper, der sich nun anschmiegt und die Wärme zwischen uns sucht und aufnimmt. Erst in diesem Wechsel bemerke ich den Unterschied zwischen Wachen und Schlafen, die Spannung und die Arbeit, die Wachen uns bedeuten. Ich streiche Dir leicht über die Schulter, ziehe die Decke eng um Dich, von der ich immer noch als Teppich denke, grinsend dann aber Zudecke sage, weil Deine Teppiche nur auf dem Boden liegen können, und dann freue ich mich einfach an einem Sonntagabend, der jemanden wie Dich so weit entspannt, daß Du an mich gelehnt schlafen kannst, und darüber verliere ich den Handlungsfaden des Films, bin nur noch warm und bequem und der, auf dem Du ruhen kannst.
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Mittwoch, 11. 05 16

11.05.16, 08:53 | 'Heller als tausend Sonnen'
"Manchmal muß man ans Meer fahren", hat die Königin der Dreikaiserberge einmal zu mir gesagt, und so fahre ich auch in diesem hektischen Frühjahr ungeachtet aller Arbeit wieder mit dem Rad ans Meer der Schwaben.
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Montag, 18. 04 16

18.04.16, 12:15 | 'Heller als tausend Sonnen'
Meine Abneigung gegenüber Etablissements, in denen Menschen dafür bezahlt werden, sich zu entkleiden. Das ist keine Koketterie und wird doch stets so verstanden. Dabei ist es überhaupt nicht die Nacktheit, die mich stört, sondern die Professionalität. Die Beliebigkeit der Personen, die sich nur dem Geldbeutel zuneigt. Mag sein, daß mich mein fortgeschrittenes Schwabentum hindert, doch an was? Nacktheit an sich hat mir nichts Erotisches, nichts Anziehendes, gibt mir einfach nichts. Am liebsten, sage ich, würde ich mittanzen, mich bewegen, statt einfach nur in rotem Kunstleder zu lungern und nicht zu wissen, ob ich in nackte Gestalten oder in ebenso nackte Blicke hineinschauen soll. Es ist die Freude an der Freude, die Gegenseitigkeit, die mich anzieht, und weil ich das nicht mehr formulieren kann und nicht glaube, daß mir das etwas anderes einbrächte, als noch einen dieser Spielgeldscheine zugesteckt zu bekommen und vorsichtig unterm Tisch entsorgen zu müssen, damit keine der Damen sie sehen und wie an der Schnur gezogen reagieren zu müssen, um dem allen zu entgehen und meinem Protest Ausdruck zu verleihen, schlafe ich ein.

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Ich trinke gern Bier mit euch im Zug, ich unterhalte mich gern mit den beiden Damen, die so herrlich bayrisch reden, daß auch mein R wieder zu rollen beginnt, die gerade von Kuba zurückkommen und aufgekratzt sind mit uns jungen Herren, die Bier trinken und sich trotzdem benehmen können. Ich gehe gern mit euch zum Essen, wo ich unter großem Hallo für den ganzen Tisch die Getränke einschenken darf und von der mütterlichen Kellnerin geherzt werde. Ich gehe gern mit euch in die Pubs, wo es dunkle Getränke gibt, die ich heute allesamt und rücksichtslos in mich hineinschütte, weil es Tage gibt, die man ganz austrinken muß, und weil es Tage gibt, an denen mich die Hilflosigkeit unbesiegbar macht. Ich gehe gern an die Theke und lasse mich bescheißen, weil ich einfach schon nicht mehr murren mag, sondern nur noch lachen und tanzen, auf dieser mit Riffelblech verkleideten Kiste, mit einer jungen Dame im kleinen Schwarzen, die sich anschmiegt und wieder abwendet. Ich stehe dann auch gern mit euch im Schnellimbiss in der Schlange und lerne, daß man neuerdings an einem Bildschirm bestellen und bezahlen kann, und daß man anschließend trotzdem warten muß, das macht mir überhaupt nichts, denn ich warte ja sozusagen meta, nur auf euch, nicht auf das Essen, denn dort esse ich nicht, so betrunken kann ich gar nie sein. Aber doch ziemlich, und so schlafe ich nach wenigen Minuten im Zug schon wieder, stehe dann gerädert und reichlich volltrunken an der Bahn nach Hause, einmal umsteigen noch, und das an einer Haltestelle, an der ich am liebsten ausgestiegen bin, weil Du dort wohnst, und da setze ich mich dann auf eine Bank und lasse Bahn um Bahn an mir vorbeiziehen, weil mir die Kraft fehlt, um Kraft zu sammeln, weil mir die Energie fehlt, um meine Energie zu leiten, und es ist längst heller Tag, als ich auf irgendeine Weise in der Bahn lande, dann auf dem Fahrrad und schlußendlich höchst unelegant absteige und die paar Meter am Schutzmann auf der Brücke vorbeischiebe, denn ich kann mich an keine Grenzen mehr erinnern, weiß aber, daß es sie gibt und daß ich sie heute nacht alle reißen würde. Der Schutzmann wiederum schaut nur von der Brücke hinunter auf die Autobahn und telefoniert oder funkt nach unten, wo Blaulicht flackert und irgendjemand Hütchen einsammelt. Ich stelle mich kurz dazu und schaue ebenfalls, bis er mir ebenso freundlich wie bestimmt sagt, ich solle mich nach Hause scheren, und üblicherweise würden gerade die Leute, die ihm quasi vor die Nase und vom Fahrrad fallen, etwas eindringlicher begutachtet. Es ist irgendwas an diesen Nächten, das mich schützt, und so danke ich, steige auf und radle davon, bringe das Rad in den Keller und mich ins Bett, auch wenn ich im Hellen nicht schlafen kann und meinen Rausch aussitzen, -stehen und laufen muß.

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Wie Du mir Glück bringst, Glück bedeutest. Wie ich unter den Schlägen taumle, die ich mir selbst verpasse, irgendwie, und wie Dein Trost sie dämpft und den Schmerz auflöst. Du bist super, schreibe ich irgendwann nur noch, weil ich gar nichts mehr, gar nicht mehr sagen kann, und wir versprechen uns den nächsten Tatort und das nächste gemeinsame Abendessen, weil das unser Ritual ist, weil damit alles begann. Das Glück in den Alltag tragen, hast Du gesagt, von der Leiter herunter, mit den Fingern voller Farbe und dem Gesicht voller Lachen, und ebendas tun wir jetzt, stellen uns die Küche vor und das Sofa, den Tatort und die Gitarre, das Badezimmer und uns selbst in diesen Räumen, unsere Dinge in den Schränken, Du und ich und Wir, Herrgottnochmal, das muß doch. Alles wird gut, sage ich meinen Refrain auf, meinen Deal mit dem Universum für dieses Jahr, und Du lächelst ein Versprechen.
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Freitag, 15. 04 16

15.04.16, 09:58 | 'Heller als tausend Sonnen'
Am ersten Abend ein Kuss vor dem Auto.
Am zweiten Abend ein Kuss an Deiner neuen Haustür.
Am dritten Abend stehen wir im Schlafzimmer, frisch gestrichen und geputzt, und ich nehme Dich in den Arm, Du lehnst Dich an mich, legst Deinen Kopf auf meiner Schulter ab. Wir schauen uns in die Augen und küssen uns. Ich war jetzt, sage ich, länger in Deinem Schlafzimmer als jeder andere Mann.
Wir haben überhaupt viel gelacht in den letzten Tagen.
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Freitag, 1. 04 16

01.04.16, 10:36 | 'Heller als tausend Sonnen'
And then you kissed me.
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