Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Mittwoch, 14. 07 21

14.07.21, 20:52 | 'Heller als tausend Sonnen'
Vielleicht ist es ein Zeichen des Erwachsenwerdens, vielleicht ist es das Erwachsenwerden selbst, daß ich mich nicht mehr so oft fallenlasse, nicht mehr so oft suhle im Glück, daß ich mir verweigere, was mich aufwühlt und mich begeistert, und so formuliert klingt das völlig irre. Trotz allem sitze ich dann doch allzu oft in der Stille und arbeite vor mich hin, statt mich in Wasser zu werfen, über die Hügel zu radeln, Fels zu spüren, sitze still, statt zu hören, zu wippen oder zu singen. Es fällt mir dann wieder ein, daß es ein Glück ist, ein unschuldiges und in einer Mietwohnung nicht einmal ohrengefährdendes Glück, die Musik zu hören, die mich schon immer mitgenommen hat, die mich auf Wellen getragen und darunter begraben hat. Erwachsenwerden ist Sterben, denke ich dann, und Sterben ist Appetitlosigkeit am Leben. Mehr singen also, und irgendwie auch mehr arbeiten. Die Zeit füllen mit mehr Glück, als wäre sie ein Sieb, durch das die sandigen Minuten rinnen und das die goldenen Brocken der Momente bewahrt.
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Dienstag, 1. 12 20

01.12.20, 13:05 | 'Heller als tausend Sonnen'
Da ein Kollege Geburtstag hat und sich demnächst zurück in die Heimat verabschieden wird, war der Plan, zwei Bier mit ins Büro zu nehmen und die auf dem Parkplatz zum Feierabend gemeinsam zu trinken. Nun ist es aber so, daß ich mit Bier nicht Autofahren möchte, und außerdem war Schneechaos vorhergesagt. Zusammen gute Bedingungen für einen weiteren Büroradeltag über die Alb, für die erste weiße Line der Saison, wenn auch nicht auf den Tourenski, sondern auf deutlich zu schmalem schwarzen Gummi. Da sich nun in diesem Jahr mein Geschick beim Radfahren schon in mehreren zerfetzen Hosen, blutenden Wunden und schmerzenden Gelenken geäußert hat, hielt ich es für angebracht, auf Dosenbier auszuweichen. Ab und zu, so einmal im Jahr, habe ich darauf noch Lust und hoffe gleichzeitig, daß zwei jährliche Dosenbiere eher eines meiner größeren Umweltvergehen darstellen. Außerdem bricht eine Dose nicht gleich, wenn man sie im Rucksack trägt und samt Fahrrad darauf fällt. Fragen Sie nicht, woher ich das weiß, aber Flaschen brechen bei solchen Aktionen völlig grundlos und geben ihren Inhalt samt tausender Scherben an meine frische Unterwäsche ab. Um im Büro eine frische Unterhose tragen zu können, habe ich also Dosenbier gekauft. Kausalketten, so wichtig. Ob es eine richtig gute Idee war, daß zur Sicherheit der Kollege auch Bier gekauft hat, daß ich aus Lustgründen auf Bockbier ausgewichen bin und das alles bewußt in das erwähnte Schneechaos samt einem wilden Fahrradritt über die rauhe Alb zu kombinieren, wird sich heute abend noch zeigen. Man fällt ja doch eher weich im tiefen Schnee, denke ich, und mit zwei Bieren ist eine Schmerztablette ja quasi schon im Voraus eingepreist. Davon habe ich vor wenigen Wochen immerhin auch meine erste genommen, sorgsam halbiert und wegen möglicher Nebenwirkungen erst im Büro eingenommen, während ich auf der morgendlichen Fahrt noch mit dem Tempomaten fahren mußte, weil ich keinen Fuß auf ein Pedal bekommen hätte. Andere Geschichte. Jedenfalls also war ein zweiter Grund für den Besuch im Supermarkt der Auslauf, der mir abends etwas fehlt in diesen Zeiten voll sitzender Arbeiten, und ein fehlender Adventskalender, fragen Sie nicht. Dosenbier und ein Adventskalender also, und nach ersterem fahndete ich im neugestalteten Marktlabyrinth ganz erfolgreich, während ich zweiteres vergeblich suchte. Ob ein Grund statt im bereits erwähnten Labyrinth vielleicht in meiner eher ungünstigen Zeitplanung zu suchen wäre, darüber möchte ich gar nicht so genau nachdenken. Man kann schließlich nicht alles planen, und vom ersten Advent war ich tatsächlich und ehrlich völlig überrascht. Leider habe ich daraus nicht den üblichen Kalenderschluß gezogen, aber was will man machen, wenn in diesem Jahr die Dörfer nicht nach ausgekotztem Glühwein stinken, es ist ja alles anders als noch sonst. Der freundliche Verkäufer, den ich, Dosenbiere balancierend, befragte, schickte mich also zu einem Tisch, einem richtigen Wühltisch mit schweren Beinen und einem halbhohen Gitter, in das der geneigte Wühler zurückwerfen kann, was ihm dann doch nicht passen mag. Dort Kalender, davon mehrere bedruckt mit dem Logo eines Fußballvereines, was mir thematisch nicht ganz einleuchten mochte, und der falsche Fußballverein war es dann auch noch. Außerdem hätte man angesichts meiner Verachtung für den Profifußball und seine Werbemechanismen wirklich nur noch einen Panikkauf vermuten können - einen Tag vor Toresschluß erst draufgekommen, und wer eine solche Verzweiflungstat vermutet hätte, er hätte allzu richtig gelegen. Von einem anderen Kalender gab es noch mehrere Exemplare, groß und schwer und teuer lagen sie da, mit den Stirnseiten nach unten aufeinander, aber zumindest der Rücken zeigte sich weihnachtlich mit Schnee und Sternchen, und ich halte mich in solchen Dingen ja an den allgemeinen Marketingcodex, auch wenn ich gern wüten würde, daß längst ja kein Schnee mehr liegt. Ging aber nicht, denn Schneechaos. Also den Kalender mit schmerzendem Blick auf den horrend ausgezeichneten Preis aufgestellt und mitgenommen. Kurz vor der Kasse ein Blick auf die Front und großes Glück: Ein Adventskalender für Hunde, stand klein darauf zu lesen. Bei allem Humor und aller Liebe - nein. Es wäre gar zu peinlich geworden. So stand ich dann, hin- und hergestoßen zwischen Hundeplätzchen und Fußballvereinen, und habe ich heute schon über Kausalketten gesprochen? Also kein Kalender, stattdessen eine weihnachtlich verpackte Schokoladentafel, korrekt mit Schnee und Sternchen und für mich Idioten zum doppelten Preis einer normalen Tafel. Von mir aus, und so radelte ich also heute morgen bis zum Berg, den ich schiebend alsbald erklomm, rodelte samt Rad auf der anderen Seite hinab, und nun freue ich mich auf das Bier mit dem Kollegen, auf den Schnee auf der Zunge und nicht zuletzt darauf, herauszufinden, ob das alles nun wirklich eine gute Idee gewesen sein wird.
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Dienstag, 29. 09 20

29.09.20, 09:29 | 'Heller als tausend Sonnen'
Diese Änderung der Jahreszeit kam abrupt. Kalt und regnerisch ist es geworden, und es wird nicht nur schlimm früh dunkel, sondern auch schneller als im Sommer. Die Dämmerung hat sich verändert, und es wirkt, als könne die Sonne ihr Verschwinden kaum erwarten, und die Farben bekommen es einfach nicht mit. Noch eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang leuchtet ein Streifen Himmel wild orangefarben, der Rest in allen Blautönen, daß man das Weiß sogar für einen solchen Blauton halten möchte. Die Häuser leuchten noch hell, die Dächer etwas dunkler, und auch das Laub wird dunkelgrün, wo es nicht schon gelb und rot geworden ist. Vielleicht ist das nur eine Minute, aber in dieser Minute möchte ich draußen sein und mit offenem Mund schauen und mich schämen, daß ich die Schönheit dieses herbstabendlichen Farbenspiels nicht im Ansatz beschreiben kann. Welch Wunder, welch ein Grund, zu stehen, den Mund offen zu halten und zu schauen, mit dem verflochtenen Gefühl aus Glück und Demut vor so viel Erhabenheit und Teilhabe.
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Dienstag, 18. 08 20

18.08.20, 16:32 | 'Heller als tausend Sonnen'


Diesen Tag mitsamt seiner Schönheit, mitsamt seiner Qualen in Erinnerung behalten als den Urlaubstag des Jahres.
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Dienstag, 14. 04 20

14.04.20, 07:43 | 'Heller als tausend Sonnen'
In dem kleinen, piekfeinen Hinterhof mit Blick auf die Erdbeeren und das Gewächshaus, zwischen säuberlich aufgereihten Mülltonnen und geschützt von einem gläsernen Vordach, da hätte ich noch ewig stehen können um das Weidenkörbchen mit den braunen Flaschen, ab und zu eines der Kinder beobachtend, die lachend und rufend um die Häuser tobten, gemeinsam mit den Freunden die Lage der Welt im Allgemeinen und Besonderen besprechend, immer wieder leicht nickend dabei.
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Dienstag, 21. 01 20

21.01.20, 09:11 | 'Heller als tausend Sonnen'
In liebender Erinnerung, mit liebevoller Erinnerung.

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Wir hatten unser eigenes kleines Stammcafé in Marrakesch mit WLAN.

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Das Wissen um Dein Wachsein im Dunkeln.

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Die Tafel im Keller Deiner Eltern.

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Unser Zimmer unter der Autobahn.
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Dienstag, 19. 11 19

19.11.19, 09:38 | 'Heller als tausend Sonnen'
So ein Tag, an dem man das Haus verlässt, bevor die Heizung ihrer Aufgabe nachkommt, und es erst wieder betritt, nachdem sie längst in der Nachtruhe versunken ist. So ein Tag, an dem ich leise aufstehe und bei der Heimkehr vor dem erleuchteten Fenster meiner Wohnung stehenbleibe, während ich dem wohligen Glück nachspüre, das mir dieses Licht bedeutet.
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Montag, 21. 10 19

21.10.19, 08:25 | 'Heller als tausend Sonnen'
Zu Anfang Zögern. Dem Fernbleiben so nah. Und überhaupt habe ich zu tun.
Dann die düstere, stickige Hütte. Drinnen werden Stühle geräumt, um mir Platz zu schaffen, und plötzlich sitzt eine am Rand, bevor sie es recht mitbekommt. Mein Herz ein Tauchsieder, brüsk lehne ich ab. Mir soll niemand weichen müssen. Mit einem Teller setze ich mich draußen in die Sonne auf einen der großen Steine. Wie weit die Abstände zwischen den Felsen waren, wie viel Mut zum Sprung zwischen ihnen lag, als die Steine noch größer waren und ich kleiner. Eine Bande von Kindern umturnt mich, springt von Stein zu Stein mit wehenden Haaren und offenen Jacken in der frischen Oktoberluft. Wie immer wenden sie sich dem zu, der einfach da ist. Ich habe keinen Auftrag, werde keinen Sprung verbieten und keine Jacke zwangsverschließen. Rote Nasen, rote Wangen, Geschrei. Hübsche Kleidchen werden angehoben, gute Strumpfhosen reißen an den Knien, und gute Schuhe matschen durch den Dreck. Sie erzählen mir von den Pferden, den Kinderbüchern, dem Basteln. Und Weihnachten. Jetzt schon, frage ich, und Ja! rufen sie, denn nach diesem und jenen Geburtstag - man ist von mir unbemerkt neun geworden, welch Skandal am Rande - sei immer schon fast Weihnachten. Ich bin nicht mehr sicher, ob ich auch schon einen solchen Jahreslauf hatte: in meiner Erinnerung war ich jeden Tag aufs Neue überrascht von der Welt. Es war doch immer alles anders, alles neu. Irgendwann kein abendliches Futterholen mehr, dafür mehr Spielen auf dem Heuboden mit dem abschließenden Sprung in den großen Haufen Heu auf dem Futtertisch. Schnee und Dunkelheit.
Inmitten der Kinder löst sich die Spannung. Daß einer draußen auf einem Stein essen kann statt drinnen am Tisch, die Beine im Schneidersitz verknotet statt anständig unterm Stuhl, den Teller mit Brot auswischen! Ich blinzle und frage nach. Ob es im Buch denn auch eine Chefin gibt, ob das Pferd denn groß ist für ein Pony, und wie springt man überhaupt richtig?
Nach dem Essen die Erwachsenen. Nach und nach tröpfeln sie durch die Tür, ziehen die Jacken zu und die Krägen hoch. Ich kremple die Ärmel weiter auf, will auch eine rote Nase kriegen. Ich finde einen oder zwei, werde von anderen gefunden. Großmütter schimpfen mit ihren Kindern, weil die nicht mit ihren Kindern schimpfen. Vielleicht muß das so sein, denke ich, und immer wieder lugt der Gedanke ums Eck, wann es denn so sein soll.
Kaffee und Kuchen. Wir sitzen und erzählen uns Welten. Eines von vielen Leben, eine von vielen Möglichkeiten. Die eigene Prägung erkennen anhand der Varianz der anderen. Dazu stehen, daß man sich entschieden hat. Trotzdem gut finden, annehmen, vielleicht auch etwas abschauen. Von diesem Jahr keine Geschichte, die gehören alle noch mir. Ich erzähle vom letzten Jahr, vom Bad auf dem Friedhof und vom Zug auf der Brücke. Dafür bin ich nicht den Amazonas hinaufgefahren, und es ist gut. Vom Suchen und Finden, und wie man das eigene Fundament erschüttert und festigt. Ich gehöre zu den Letzten, pudelwohl. Nach Hause, schnellschnell, es gilt noch zu tun. Und dann, als das Licht schon gelöscht ist, ergibt sich Schönes: Reden im Dunkeln, daß ich die Wärme der Worte und den Hauch eines Atems spüren kann.
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Montag, 19. 08 19

19.08.19, 08:49 | 'Heller als tausend Sonnen'
Welchen Urlaub könntest Du Dir denn vorstellen, frage ich, als wir auf dem warmen, vom Regen dampfenden Teer durch den Wald fahren, wie man das eben so fragt in einem Gespräch, das von Interesse und Zuneigung geführt wird. In der Antwort tauchen Berge auf und Fahrräder, und in meinem Kopf himmlische Zeiten.

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"Eine Kopie der Promotionsurkunde bitte beilegen."

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Sie schaffen damit Tatsachen, sagt die Personalerin, und ich lache bitter: Tatsachen hat die Firma geschaffen.


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Sehr viel Rolling Stones heute. So ein Tag ist das.

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Aus irgendeinem Trotz heraus sehr tief in der Nacht noch einmal damit angefangen, das Solarmessgerät fertig zu programmieren. Es spricht nun mit Thingspeak, es misst und mittelt, und so langsam brauche ich wohl einen Projektplan für den Heizungsoptimierer, den ich im Sinn habe.

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Das Radeln nicht vergessen. Und das Schwimmen, das immer mehr zu einem wundervollen Gleiten im glitzernden Wasser wird. Überhaupt Wasser, in dem sich die Sonne spiegelt und bricht, immer glatt und nie ganz in Ruhe, und all die kleinen Plätscher, Spritzer und Wellen zerfließen sofort darin, tauchen unter und gehen wieder ein in diese Summe, so klar abgeschlossen und doch so aufnahmefähig, und ich müßte noch viel länger über Wasser nachdenken.

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Zuerst Kaffee.
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Sonntag, 23. 06 19

23.06.19, 12:10 | 'Heller als tausend Sonnen'


Bang ist mir gerade ab und zu. Es ist ein hoffendes Bangen. Eine Hoffnung, das Richtige getan zu haben und das Richtige zu tun. Zu einer Normalität wollte ich, und in ein jauchzendes Fliegen bin ich gestolpert.
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