Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Freitag, 21. 03 14

21.03.14, 13:01 | 'Maschinen bauen, Mensch bleiben'
Idee, während ich durch die Nacht hinter einem Lastwagen herfahre: Warum nicht breitere Reifen? Warum nicht höhere Reifen? Mehr Aufstandsfläche macht ein wenig mehr Reibungsverluste, gut. Kostet also Kraftstoff. Dafür könnten die statischen Belastungen unserer Straßen gesenkt werden. Sinken damit auch die dynamischen Lasten? Ich glaube schon, denn Aufstandsfläche ist immer auch Dämpfungsfläche. Mehr Luftvolumen im Reifen ist mehr Dämpfung. Das würde unsere Straßen schonen. Berechnet habe ich da nichts.
Einführung wäre so eine Neufahrzeug-Regelung. Neue Fahrzeuge nur noch so und so. Neue Reifen vielleicht nur noch so und so ab da und da. Nebeneffekt: Auch ausländische Fahrzeuge müssen umrüsten, um hier fahren zu dürfen. Lobbyarbeit, irgendeiner?
# |  Rauchfrei | Gas geben


21.03.14, 09:47 | 'Buchstaben ueber dem Bett'
Jahrelang habe ich Bücher gekauft, gelesen und auf dem winzigen Regal verstaut. Zuerst in einer Reihe, dann in einer zweiten, dann in Stapeln. Immer wieder habe ich das eine oder andere in eine Kiste gepackt und im Speicher verstaut. Die neue Wohnung, die ja eine zusätzliche ist, hat den Zustand etwas entspannt, und auch weil mein Vater für seine neue Bibliothek die Kisten im Speicher ausgeräumt hat, habe ich schon länger keine Bücher mehr weggepackt. Nun ist vor einiger Zeit ein Stapel vom Regal gebrochen und hat ein gutes Dutzend Staubmäuse erschlagen. Und als ich neulich einen Tag kränkelnd im Bett verbrachte, kam mir die Idee, meine Bücher zu sortieren. Einfach mal so, nach dem Alphabet und in der Reihenfolge der Autorennamen. Ich habe die Idee dann eine Weile liegen gelassen, weil ich die Bücher zwar sortieren, aber in dieser Reihenfolge nur auf dem Boden stapeln kann. Ein sieben Meter langer Raum freut einen da sehr, ein nur einen Meter langes Regal dafür weniger. Deshalb sind die Fachbücher ja auch separat, aber ich schweife ab. Jedenfalls wachte ich neulich auf und beschloß, die Idee doch umzusetzen. Zur Not im Chaos wieder einräumen und sich freuen, daß man jedes Buch mal wieder in der Hand hatte.
Es war nun so, daß mein Senior damals, ich war eben in meiner Diplomarbeit, auch einige Bücher weggeworfen hat. Er ist reinlich, er dreht auch "unpassende" Bücher im Regal so, daß man den Rücken nicht lesen kann, und er beherrscht die Geste des "Weg damit". Ich stolperte also über eine Kiste mit wegzuwerfenden Büchern. Meinen Büchern. Es waren nur Schundromane, Groschenromane von Indianern und Cowboys, aber ich hatte sie gern gelesen, ich wußte, von wem ich sie geschenkt bekommen hatte, und ich wollte sie behalten. Sie flogen in den Müll, was in den Tagen zuvor schon weggeworfen worden war, konnte ich nicht mehr herausfinden, und ich erinnere mich noch an meine hilflose Wut, und den kleinen Zettel, der mich damals besänftigte, den habe ich noch heute in meinem Schrank hängen.



Nun ist es so, daß ich Bücher sehr gern habe. Manche Geschichten liebe ich, und manche Bücher erinnern mich einfach. Ich hatte eines in Frankreich dabei, und habe es während des langweiligsten Schüleraustausches der Welt ein Dutzend Mal gelesen. Daß ich währenddessen von der französischen Polizei festgenommen wurde, ist eine ganz andere Geschichte. Nun ist es auch so, daß ich schon viele Bücher gelesen habe. Und es ist so, daß mein Gedächtnis ganz seltsam funktioniert. Ich denke manchmal an ein Zelt und eine Ahnentafel, und dann muß ich unbedingt dieses Buch mit der Ahnentafel wieder lesen. Ganz einfach, weil ich sie im Zelt gelesen hatte. Das ist nicht immer ganz einfach, weil ich Titel vergesse, und bei den wenigen Fetzen, die nach fast zwanzig Jahren noch da sind, hilft auch keine Suchmaschine. Solange aber die Bücher noch da sind, sichtbar sind, greifbar sind, stöbere ich im Regal und weiß, daß ich sie wiederfinde und plötzlich wieder im Zelt bin. Oder ich finde beim Stöbern etwas anderes und bin plötzlich wieder in Frankreich auf einem Schlafsofa, neben mir das schönste Mädchen der Welt, und wir lesen, oder ich tue nur so und sehe ihr zu, wie sie alle paar Minuten das Haar hinters Ohr streicht. Diese Bücher bringen mir also nicht nur ihre Geschichten, sondern auch meine Geschichten. Und das funktioniert nur, solange sie in einem begrenzten Raum sind. Das funktioniert nicht mehr, wenn ich sie verleihe und vergesse, oder wenn sie jemand wegwirft, oder wenn jemand anderes sie verleiht und ein dritter sie dann wegwirft. Auch wenn ich ein ganz passables Gedächtnis habe - ich werde nicht vergessen, in welchem Regal jetzt meine R.E.M.-CD steht und wer diesen witzigen Krimi mit der Rothaarigen und dem Ganoven von mir ausgeliehen hat. Und dann hatte ich ja auch noch die gelben Klebezettel, auf denen Namen und Titel stehen, aber das bringt mir ja die Bücher nicht zurück, und die Zettel verbleichen, und die Tinte verblasst, und dann hält sie der Kleber nicht mehr am Regal und der Staubsauger erledigt den Rest.
Ich mag es nicht, wenn man mir so meine Geschichten wegnimmt. Ich mag es nicht, wenn mir nur der kleine Schlüssel zu einem großen Geschichtenraum fehlt. Ich mag mich erinnern. Deshalb bin ich ja auch so eigen mit meinen Büchern. Und deshalb habe ich jetzt die verbliebenen sortiert, und ich werde keines verkehrt ins Regal stellen, sondern ich werde zu Schundromanen und Philosophen stehen, zu Kinderbüchern und Fachgesülze, denn das ist mein Schatz, da steckt meine Zeit drin und meine Geschichte.
Und jetzt sortiere ich eben meine Bücher, versehe sie mit meinem Namen, und dann werde ich die Bibliothek meines Vaters durchforsten, und immer, wenn mir ein Buch einfällt, das ich mal hatte, oder eine Geschichte, zu der es passt, dann kaufe ich es noch einmal. Ohne zu zögern. So kann ich vielleicht nicht alles zurückholen, aber nichts mehr verlieren. Und da bin ich komisch, da bin ich so. Ich mag konservieren, ich rieche mehr als den Staub in alten Geschichten.
Was mir nun auffällt, da ich die ersten bestellt habe, an die ich mich sofort erinnert habe, weil mir ein Buch fehlte, das lose Blätter hatte und das man sehr vorsichtig lesen musste, und davon ausgehend habe ich es tatsächlich gefunden im Internet (Hach, Internet!), was mir nun also auffällt, ist eines: Ich habe (und hätte) mir nie einen Glattauer geschenkt. "Gut gegen Nordwind" finde ich flach und einfallslos, und wenn es mit dem "Wetter vor fünfzehn Jahren" in Berührung kommt, wird es sofort zu Staub zerfallen vor Ehrfurcht. Aber irgendjemand hat es mir geschenkt. Und noch jemand. Und noch einer. Ich besitze ein schlechtes Buch drei Mal. Ein Elend.
Was mir noch auffällt: die Sortierung nach dem Alphabet ist witzig. Da darf ein Kafka neben einem Kuhn liegen, und der "Lebenslauf der Liebe" neben der "Laktation des Rindes". Hihi, sehr schön.
Und noch eines, und erst hier kommen Sie ins Spiel: Das Alphabet hat sechsundzwanzig Buchstaben, und ich habe nur dreiundzwanzig Stapel. Ich habe kein Buch von einem Autoren, der mit "O" beginnt. Keines mit "Q", "V", "X" und "Y". Und die Stapel für "D", "L" und "N" sind nicht besonders hoch. Sagen Sie mal: Was gibt es da noch Nettes zu lesen?
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