01.03.16, 10:38 | 'Egalitaeten'
Aus einem augenzwinkernden "Lass es uns erst mal für uns behalten" wurde ein Zuwarten, daraus dann ein "Bitt gib mir noch ein wenig Zeit", und aus den Gutenmorgengrüßen und den Gutenachtküssen wurden wenige Nachrichten - "Ich bin da" und "Tut mir leid, daß ich mich nicht gemeldet habe." Wir sehen uns seltener, was nicht an mir liegt, und auch nicht unbedingt an Dir, sondern an den Umständen. Ich komme nicht klar durch meine Gedanken, ich kann überhaupt nicht denken gerade, zumindest keinen Gedanken bis zum Ende. Es ist der langsame Rückzug, der mich aufbringt, der mich nachzieht, bis ich zu weit gegangen bin, zu weit für mich, um mich zurückziehen zu können, weil ich ja genau das auch nicht will.
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Unausgegorenes Denken. Unausgegorenes Schreiben. Und das Offenlegen, das fällt mir auch nicht mehr so leicht.
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Zuversicht sollte es werden dieses Jahr. Stattdessen lese ich ein mehrschrittiges Programm zur emotionalen Stabilität. Unberührter zu werden.
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Gutes Radeln in der Kälte am Samstag. Kalt, aber sonnig, und ich bilde mir ja ein, daß meine rote Nasenspitze nur von der Sonne kommt. Hatschi.
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Daß mir auch alles zu Staub zerfallen muß, worüber ich rede. Und ich rede doch so gern.
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"Colonia Dignidad" hat mich sehr erschreckt. Der wahre Anteil daran, der im Film eben nur kurz auftaucht und gerade auf diese Weise unheimlich bedrückend wird. Der Abspann mit den Fotografien und den kurzen Texten. Bisher wurde noch kein Mitglied der Deutschen Botschaft dafür haftbar gemacht, schreiben sie da. Auch sehr erschreckend. Und in den letzten beiden Einstellungen macht der Film viel kaputt - mit Schreibfehlern. Ich habe beim Überfliegen einen gesehen, der kein Tippfehler sein kann, der ein Verständnisproblem anzeigt, und ich frage mich, wie das passieren kann. Liest das niemand durch? Kann denn überhaupt noch jemand lesen? Ich werde sehr kulturpessimistisch, wenn es ums Lesen geht. Sprache an sich ist doch schon so unzureichend, daß man nie beschreiben kann, was passiert, und daß man immer wieder baß erstaunt dasitzen kann, wenn einer mit der Sprache spielt, wenn einer Bilder erzählt und Treffer landet an Stellen, die man selbst nicht kannte. Vermitteln durch Sprache, Erklären, Lernen, Präzisieren, und in meinem Lamento sind wir schon am Parkplatz, steigen in das kalte Auto, und während ich unruhig auf dem kalten Leder hin und her rutsche, sagt die Dame auf dem Fahrersitz, übrigens mit Abitur und Studium und Promotion und einer überaus gutbürgerlichen Familie, daß das keiner mehr braucht, und sie sagt es so, als sei meine flammende Rede etwas Niedliches, als sei Sprache nur eine meiner kleinen Schrulligkeiten, und da verstumme ich dann. Ich weiß doch auch nicht, wer die Sprache kaputtgemacht hat, ich weiß doch auch nicht, warum sich keiner mehr kümmert, oder ob das nicht vielleicht ein Effekt dessen ist, daß jetzt alle schreiben, auch die, die vorher stumm waren, und vielleicht ist falsches Sprechen ja schon besser als stumm zu bleiben, und es tritt nur dadurch zutage, daß sie es nie gelernt haben, nie gezeigt bekommen vielleicht, und trotzdem würde ich gern jemanden dafür feste schütteln, damit der nur noch mit dem Kopf nicken und das wieder in Ordnung bringen kann.
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Sieh es als gut an, das ist ja immer das Credo. Aber das ist es eben nicht. Ich verstecke mich ungern, ich bin ungern in der Situation, den Arm so weit auszustrecken, daß ich nicht mehr stabil stehen kann, und gleichzeitig nicht zu wissen, ob man mir nicht die Hand entziehen wird. Wird sie nicht, soll ich sagen. Und vielleicht ist das richtig. Wie lang wartet man da? Vielleicht nähere ich mich ja auch nur, damit ich nicht so krumm und ausgestreckt und instabil dastehen muß? Wie begreift man Wackligkeit als Chance, wenn man doch beim Klettern stets um Halt bemüht ist, sich ohne Anstellung mit festen Bürozeiten unwohl fühlt, und beim Kampfsport zwei Mal wöchentlich lernt, daß ein sicherer Stand das ist, was einen, nun ja, absichert?
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Mehr mäandern vielleicht.
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Auch das Schreiben als Chance begreifen. Wenigstens das müsste klappen. Muß klappen, soll ich doch in wenigen Monaten ein ganzes Buch abgeben.
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Reifen kaufen. Hallelujah, so ein Fahrradreifen kostet ja ein Vermögen, und jedes Mal lese ich mich wieder fest in irgendwelchen Bewertungen. Zefix, Zeit!
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Ein Satz, ein Lächeln am späten Sonntagabend. Weißt Du, wie leicht Du mir Wärme machst?
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Ein paar Stunden bei Freunden verbringen. Ich speichere die Wärme dieser Familie in mir.
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Durch Nichtnachfragen habe ich mich in eine Situation gebracht, aus der ich mich durch Improvisation wieder herauswinden muß. Ein wenig Getriebelehre am Wochenende, ein wenig Wissen über die Firma, und doch nicht zu wissend wirken, auch wenn ich den Spitznamen des Geschäftsführers kenne.
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Unausgegorenes Denken. Unausgegorenes Schreiben. Und das Offenlegen, das fällt mir auch nicht mehr so leicht.
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Zuversicht sollte es werden dieses Jahr. Stattdessen lese ich ein mehrschrittiges Programm zur emotionalen Stabilität. Unberührter zu werden.
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Gutes Radeln in der Kälte am Samstag. Kalt, aber sonnig, und ich bilde mir ja ein, daß meine rote Nasenspitze nur von der Sonne kommt. Hatschi.
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Daß mir auch alles zu Staub zerfallen muß, worüber ich rede. Und ich rede doch so gern.
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"Colonia Dignidad" hat mich sehr erschreckt. Der wahre Anteil daran, der im Film eben nur kurz auftaucht und gerade auf diese Weise unheimlich bedrückend wird. Der Abspann mit den Fotografien und den kurzen Texten. Bisher wurde noch kein Mitglied der Deutschen Botschaft dafür haftbar gemacht, schreiben sie da. Auch sehr erschreckend. Und in den letzten beiden Einstellungen macht der Film viel kaputt - mit Schreibfehlern. Ich habe beim Überfliegen einen gesehen, der kein Tippfehler sein kann, der ein Verständnisproblem anzeigt, und ich frage mich, wie das passieren kann. Liest das niemand durch? Kann denn überhaupt noch jemand lesen? Ich werde sehr kulturpessimistisch, wenn es ums Lesen geht. Sprache an sich ist doch schon so unzureichend, daß man nie beschreiben kann, was passiert, und daß man immer wieder baß erstaunt dasitzen kann, wenn einer mit der Sprache spielt, wenn einer Bilder erzählt und Treffer landet an Stellen, die man selbst nicht kannte. Vermitteln durch Sprache, Erklären, Lernen, Präzisieren, und in meinem Lamento sind wir schon am Parkplatz, steigen in das kalte Auto, und während ich unruhig auf dem kalten Leder hin und her rutsche, sagt die Dame auf dem Fahrersitz, übrigens mit Abitur und Studium und Promotion und einer überaus gutbürgerlichen Familie, daß das keiner mehr braucht, und sie sagt es so, als sei meine flammende Rede etwas Niedliches, als sei Sprache nur eine meiner kleinen Schrulligkeiten, und da verstumme ich dann. Ich weiß doch auch nicht, wer die Sprache kaputtgemacht hat, ich weiß doch auch nicht, warum sich keiner mehr kümmert, oder ob das nicht vielleicht ein Effekt dessen ist, daß jetzt alle schreiben, auch die, die vorher stumm waren, und vielleicht ist falsches Sprechen ja schon besser als stumm zu bleiben, und es tritt nur dadurch zutage, daß sie es nie gelernt haben, nie gezeigt bekommen vielleicht, und trotzdem würde ich gern jemanden dafür feste schütteln, damit der nur noch mit dem Kopf nicken und das wieder in Ordnung bringen kann.
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Sieh es als gut an, das ist ja immer das Credo. Aber das ist es eben nicht. Ich verstecke mich ungern, ich bin ungern in der Situation, den Arm so weit auszustrecken, daß ich nicht mehr stabil stehen kann, und gleichzeitig nicht zu wissen, ob man mir nicht die Hand entziehen wird. Wird sie nicht, soll ich sagen. Und vielleicht ist das richtig. Wie lang wartet man da? Vielleicht nähere ich mich ja auch nur, damit ich nicht so krumm und ausgestreckt und instabil dastehen muß? Wie begreift man Wackligkeit als Chance, wenn man doch beim Klettern stets um Halt bemüht ist, sich ohne Anstellung mit festen Bürozeiten unwohl fühlt, und beim Kampfsport zwei Mal wöchentlich lernt, daß ein sicherer Stand das ist, was einen, nun ja, absichert?
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Mehr mäandern vielleicht.
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Auch das Schreiben als Chance begreifen. Wenigstens das müsste klappen. Muß klappen, soll ich doch in wenigen Monaten ein ganzes Buch abgeben.
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Reifen kaufen. Hallelujah, so ein Fahrradreifen kostet ja ein Vermögen, und jedes Mal lese ich mich wieder fest in irgendwelchen Bewertungen. Zefix, Zeit!
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Ein Satz, ein Lächeln am späten Sonntagabend. Weißt Du, wie leicht Du mir Wärme machst?
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Ein paar Stunden bei Freunden verbringen. Ich speichere die Wärme dieser Familie in mir.
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Durch Nichtnachfragen habe ich mich in eine Situation gebracht, aus der ich mich durch Improvisation wieder herauswinden muß. Ein wenig Getriebelehre am Wochenende, ein wenig Wissen über die Firma, und doch nicht zu wissend wirken, auch wenn ich den Spitznamen des Geschäftsführers kenne.