Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Dienstag, 16. 04 19

16.04.19, 22:15 | 'Egalitaeten'
Aus Wissen wird Gewissheit: Einsamkeit liegt am Einsamen.
# |  Rauchfrei | Gas geben

Donnerstag, 1. 03 18

01.03.18, 22:26 | 'Egalitaeten'
Großes Lob für meinen Text bekommen. Das freut mich besonders. Schon die Förderung eines sozialen Projektes zu beantragen ist ein Projekt für sich. Und wenn jeder tut, was er kann, dann bleiben mir eben die Bettelbriefe statt der Kabel und Fliesen. Mir soll es recht sein, und wie alt bin ich geworden, daß mir das recht sein soll.

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Diskussionen um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In der Mediathek ein wunderbarer Beitrag über das Meer - und der stammt nicht mal vom Sender selbst. Ich glaube, die Frage nach Kosten und Nutzen wird man beantworten müssen.

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An manchen Tagen denke ich, ich sollte mir tauglichere Klamotten zulegen, wenn ich merke, an wie vielen Ecken es durch die alte Winterjacke zieht. Eben war sie noch neu, denke ich, und daß ich sie quasi zum Abschluß des Studiums - aber nun.

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Diese Woche fahre ich aufgrund des kleinen Sturzes vom letzten Freitag, der unwirtlichen Witterung, langer Arbeitstage und nicht zuletzt kostenlosen Nahverkehrs mit dem Bus zur Arbeit. Während der Feinstaubtage kann ich meinen Werksausweis als Ersatz fürs Billetle, wie der Schwabe es nennt, nutzen. Leider wird mir mit jedem Tag im Bus früher schlecht beim Lesen, sodaß ich das neue Gerät kaum mehr nutze.

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Überhaupt das neue Gerät, mein Bilderbuch. Welch Zaudern und Zagen, bis ich mich durchgerungen hatte! Gebraucht erworben, heiß ersehnt, und dann saß ich stolz und stotternd vor Begeisterung auf dem Frisierstuhl und mußte mich dann innerlich wie äußerlich sehr zusammenreißen, damit ich nicht zucke und kein Ohr der Schere zum Opfer fiele, denn die Friseurin, die hatte genau dieses Bilderbuch übrig, kaum genutzt und nicht mehr gebraucht. Das, denke ich mir im Stillen, hättest Du auch einfacher haben können, statt Dich zu informieren und mit unnützem Halbwissen vollzustopfen: Daß es das Bilderbuch in "Generationen" gab, und daß die Bezeichnungen verwirrend sind, weil sie das Gerät und die Software darauf betreffen, und daß eine Lederhülle bald den Wert der Elektronik übersteigt. So weit sind wir schon, denke ich.

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Auch das Lesen hat sich verändert - ich habe mehr angefangene Bücher als je zuvor. Manche auf Papier und manche als Datei im Bilderbuch. Und da ich nach wie vor um meinen ersten Kauf herumschleiche, trage ich allerhand Leseproben mit mir herum. Und die halbe Gutenberg-Bibliothek. Mit Jünger angefangen, bis ich mich taub fühlte von all den Granaten. Auf Fallada gestoßen, den ich mich noch nicht anzufassen getraue. Jack Londons "König Alkohol", welch grausiges, göttliches Buch. Und trotzdem habe ich noch eines auf Papier bestellt und wußte selbst nicht recht, wozu. Mangelt es mir doch am Platz und an der Kontinuität, oft da zu sein, wo meine Bücher sind.

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Ein langer, überlanger Arbeitstag. Die Skizze eines Schuhregals, das in mir schon Monate reift, auf den Bildschirm gebracht. Noch schrecken mich die Plattenpreise, und sowieso fehlt einem Fremdzuschnitt der Bastelcharakter. Aber vielleicht werde ich dereinst nur Möbel aus Multiplex-Platten haben, und womöglich soll es so sein.

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Wenn mir dieser elende Schlafanzug passt, kaufe ich fünf davon!

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Der Lieferdienst disst mein Dorf geflissentlich: "Der Ort war geschlossen" steht da. Dabei ist nur Winter.

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Laktose- und glutenfreies Kochen. Ich seufze tief und denke an meine eigene Unverträglichkeit: Katzenhaare. Was sind wir doch alle verweichlicht und schwach.

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Schwach im Geiste auch die Schmierer, die gerade durch die Pressebilder ziehen. Zweck, Mittel und steinigen oder so. Ach ne, heiligen war das. Dabei läge mir das andere gerade näher.

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Die Überstunden summieren sich auf einen freien Monat. Huch, denke ich, als mir die Zahl bewußt wird. Da war was in diesem Winter, da ist was passiert, und vielleicht knackt deshalb das Kreuz verräterisch, als wäre ich schon Mitte dreißig.
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Montag, 26. 02 18

26.02.18, 22:22 | 'Egalitaeten'
Ein Spaziergang, zu dem wir uns trafen. Die Sonne, der Treffpunkt, das schnell ausgesuchte Ziel.Wir starteten also, etwas unglücklich gewählt im Nordosten eines größeren Hügels, liefen also erst einige Zeit im Schatten durch Weinberge. Wenigstens bergauf, so wurde mir warm. Dann durch den Wald, umrauscht von Autos, die sich den Hügel zwar ansehen, jedoch nicht erarbeiten wollten. Ich sah die Kennzeichen und die bräsigen Insassen, an manchen Stellen saßen sie in ihren Autos bei laufendem Motor, drinnen Kaffee und Kuchen auf der Mittelkonsole. So ein Fahrverbot, dachte ich, wäre eine tolle Sache, wenn es nur all die Städter in die Stadt fesseln könnte. Wir entkamen ihnen, als wir am Ziel, einer Gastwirtschaft mit Ausblick auf einen großen Parkplatz vorbeikamen. Eine Schranke, und kurz davor zwei Autos, auf dem engen Weg hoffnungslos verkeilt über dem Eifer, möglichst viel gefahren und wenig gelaufen zu sein. Es ist längst, denke ich mir, die Bequemlichkeit, die uns alle treibt, und den Balken in meinem Auge sehe ich wohl, der macht es nur noch bitterer. Ich kann ja auch kein besserer Mensch sein, nur ein Bruddler. Und man erwirbt sich ja auch kein Recht durch Radeln, kein Karma, sondern nur ab und an auf einer haltlosen Eisplatte einen schmerzenden Knöchel und etwas Zorn. Wir marschieren also zum einen Denkmal, dann zum anderen, das ich noch gar nicht kannte: einem großen, steinernen Turm mit Blick über den wogenden, kahlen Wald. Abstieg dann gemeinsam mit einer Familie mit drei Kindern. Zwei rutschten auf einer Eispfütze aus, ihr Geheul gellte weit durch den Wald, bis sich der Vater aufraffte, mit ihnen durch den harschigen Schnee zu rennen, bis die Eiskristalle stoben und funkelten. Drei Jungs, dachte ich vergnügt, drei Jungs und ich, wir würden uns schon jeden Tag müde kriegen.

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Spät am Abend in die Wohnung bei zwölf Grad. Zwei Decken, angenehmer Schlaf. Rossnatur, Vereckling, lobe ich mich und stoße wohlige Atemwölkchen aus, bevor ich einschlafe.

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Ich müsste die Morgende besser nutzen, denke ich mir abends, und dann denke ich an meine Mutter, die stets gesagt hat, daß abends die Faulen fleißig würden. Nun, jedenfalls am Abend habe ich mir nichts vorzuwerfen - die Wohnung ist in einer guten Stunde geputzt, bevor ich mich nach kurzer Telefonrast aufmache, ein bißchen Salat zu jagen. Maultaschen sind im Angebot, ich nehme einige Päckchen mit für meinen Anteil am Abendessen in der nächsten Woche. Gluten- und laktosefrei darf es sein, und ich versuche ja seit einigen Wochen, mich nicht darüber aufzuregen, daß man durch die Lektüre einiger Artikel auf obskuren Seiten im Netz zum Experten wird, Diagnose und Therapie erarbeitet und ebenso selbstverständlich davon ausgeht, daß einem natürlich nie ein Arzt helfen kann, da es keine Experten gibt. Ob denn Ärzte die tollen Artikel nicht lesen könnten, wende ich ein und höre, sie wollten nicht, sie könnten ja eh nichts finden. Ich atme und atme, und irgendwann wird auch dieser Sturm an mir vorüberziehen.

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Über Mittag erst im Intranet einen Aufruf gelesen, die bösen Viren und Bakterien zu bekämpfen. Ich denke noch was vom Kapitalismus, der die Arbeitskraft erhalten will, lese dann die Kommentare und muß schon wieder atmen. Zwischen Suppen- und Salattheke wird ein Desinfektionsspender benötigt, und an jeder Tür selbstverständlich. Ein Beitrag beschreibt unter vielfachem Beifall, wie einfach es ist, zu warten, bis andere die Türen öffnen, damit man die Klinken nicht anfassen muß. Türklinken scheinen für manche die Hölle zu sein, die ich erst dahinter vermutet habe, aber nun. Desinfiziert euch nur fleißig, denke ich und befördere mit den Fingern ein paar Kekskrümel von meinem Schreibtisch in den Mund. So eine Grippe scheint ja die Hölle zu sein. Fast so schlimm wie Türklinken. Ich bin gespannt, wann der erste Beitrag Gasmasken fordert - aber das traut sich dann doch keiner, hier im Autokonzern.

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In einem Achtzylinder mitzufahren hat dann schon was.

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Die Kassiererin trägt eine tolle Frisur, unter der nur wenige graue Haare hervorspitzen. Müde sieht sie aus und abgespannt. Abends bin ich sehr mitleidig mit den Müden, und in diesem Supermarkt sowieso. Mich graust es beim Gedanken, hier kassieren zu müssen. Lieber zur Müllabfuhr, denke ich, und in Gedanken fahre ich stolz mein Müllauto, als vor mir Waren vom Band fallen. Von meinen Vorgängern nachlässig darauf gehäuft und gestapelt, haben sich irgendwelche Verpackungen am Eingang zum Scanner verkeilt und schieben den ganzen Wust nach hinten, während das Band, von einem Sensor gesteuert, munter nach vorne zieht. Die Kassiererin schaut auf, müde und langsam, und ich nehme die zweite Hand zur Hilfe, versuche, meine Lebensmittel vor der quetschenden Masse zu retten und gleichzeitig nichts auf den Boden fallen zu lassen. Endlich stoppt das Band. Ohne ein Wort zerrt die Frau an den Verpackungen, es piept wieder regelmäßig an der Kasse, und ich kann nach und nach alles wieder zurück auf das Band legen. Als ich dran bin, schaut sie in meine Tüte. Welches Brot? Ich weiß es nicht, muß ich zugeben, um diese Uhrzeit sind die Reste zu ergattern, und Glück bedeutet, nicht ein Kilo Brot kaufen zu müssen, dessen ich in den paar Tagen bis zu seiner Versteinerung niemals Herr werden könnte. Baguette? frage ich vorsichtig, nachdem ich ebenfalls in die Tüte geschaut habe. Walnussbrot, sagt sie emotionslos, und ich zucke die Schultern, packe das Baguette, Gemüse, Käse, Salat und Maultaschen ein und bezahle. Auf dem Heimweg überlege ich, ob mein Baguette nun teurer geworden ist und wie ein solcher Fehler auffallen könnte. Bei der Unordnung und dem Schwund rund um dieses Backwarenregal überhaupt nicht, beschließe ich irgendwann, werfe den Kassenzettel weg und räume zuhause meine Einkäufe weg. Ich schneide und würze, brate schnell noch etwas Speck. Und nun sitze ich da mit meinem Salat und meinem Walnussbrot und meiner Scham, daß ich den Lebensmitteln dann doch so wenig Aufmerksamkeit widme.
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Samstag, 24. 12 16

24.12.16, 17:00 | 'Egalitaeten'
Aufraffen. Zusammenreißen.
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Montag, 1. 08 16

01.08.16, 15:18 | 'Egalitaeten'
Unruhig, rastlos.

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Man lobt mich am Telefon, und gemeinsam übergehen wir dem Umstand, daß ich abgelehnt habe. Man habe sich leider anders entschieden, heißt es, und in solchen Momenten wirken auch große Unternehmen sehr menschlich.

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Auf dem Heimweg zum traditionellen Konzert, das den Beginn der Sommerferien begleitet, ein Anruf, und dann sitze ich wie immer auf irgendeinem Traktor und zwinge Gras in eine Form. Es wird spät, es wird wieder früh, und ich bin müde, schmutzig und verschwitzt. Es ist nicht, wonach es aussieht, denke ich später, als ich gefragt werde, sondern es ist ganz ganz großer Spaß. Es ist die Arbeit, die mich so ermüdet, wie ich es mag.

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Schnelles Vorbereiten. Kuchen, Gemüse, Kartoffeln in Folie.

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Kein Kuß zur Begrüßung, und ich merke langsam, wie mich das belastet.

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Schweigen.

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Ein kleines Boot, wir sind zu zweit, und einer muß ja Kapitän sein. Ich versuche, stumm zu genießen, und irgendwann versuche ich nur noch, stumm zu bleiben. Innere Emigration kann ich.

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Wir ziehen die Boote am Wehr vorbei. Ich bin der einzige, der das Ziehen gewöhnt ist, denke ich. Die Doktorin sitzt als Ausgleichsgewicht im Boot - Gewöhn Dich nicht dran, rufe ich ihr zu, und die Leute lachen.

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So verbringe ich den Abend.

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Den Sonntag verbringen wir zu zweit.

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Grillen auf dem Balkon. Wie ich mich an Gemeinsamkeit gewöhne. Nur ganz selten noch wird mir alles zuviel, und dann verziehe ich mich an den einzig stillen Ort.

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Zwei Folgen einer alten Serie. Später Schlaf.

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Wie dösig und verkuschelt ich am Morgen sein kann.

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Sich einschleichende Rituale: Ich reinige den Spiegel, weil ich hier nur eine Handzahnbürste habe und für die Schaumspritzer verantwortlich bin. Ich reinige die Terrasse und räume den Grill weg. Ich putze die Kaffeemaschine. Bevor ich gehe, schnappe ich mir die von ihr gewaschenen weil naß dort vergessenen Kletterhosen. Ich bin gespannt.
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Montag, 18. 07 16

18.07.16, 13:49 | 'Egalitaeten'
Wie wir auf der Terrasse saßen, zwischen uns süße Früchte und feuriger Wein, unsere sonnenheißen Arme berühren sich sacht, und im Dachfenster gegenüber spiegelt sich riesengroß der Mond, daß es mich fast blendet. Wie schnell er zieht! Ich folge ihm nicht mit dem Kopf, und bald schon ist er verschwunden, uns umfängt wieder Dunkelheit.
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Dienstag, 10. 05 16

10.05.16, 09:46 | 'Egalitaeten'
Und wie ich so durch die wunderbar späte und laue Dämmerung radle, fliegt über mir eine beleuchtete Drohne, meine Schulter schmerzt, meine Arbeit liegt weit hinter dem Zeitplan, eine neue Arbeit ist noch in der Ferne, und ich bin trotzdem zufrieden mit der Welt.
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Dienstag, 1. 03 16

01.03.16, 09:38 | 'Egalitaeten'
Aus einem augenzwinkernden "Lass es uns erst mal für uns behalten" wurde ein Zuwarten, daraus dann ein "Bitt gib mir noch ein wenig Zeit", und aus den Gutenmorgengrüßen und den Gutenachtküssen wurden wenige Nachrichten - "Ich bin da" und "Tut mir leid, daß ich mich nicht gemeldet habe." Wir sehen uns seltener, was nicht an mir liegt, und auch nicht unbedingt an Dir, sondern an den Umständen. Ich komme nicht klar durch meine Gedanken, ich kann überhaupt nicht denken gerade, zumindest keinen Gedanken bis zum Ende. Es ist der langsame Rückzug, der mich aufbringt, der mich nachzieht, bis ich zu weit gegangen bin, zu weit für mich, um mich zurückziehen zu können, weil ich ja genau das auch nicht will.

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Unausgegorenes Denken. Unausgegorenes Schreiben. Und das Offenlegen, das fällt mir auch nicht mehr so leicht.

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Zuversicht sollte es werden dieses Jahr. Stattdessen lese ich ein mehrschrittiges Programm zur emotionalen Stabilität. Unberührter zu werden.

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Gutes Radeln in der Kälte am Samstag. Kalt, aber sonnig, und ich bilde mir ja ein, daß meine rote Nasenspitze nur von der Sonne kommt. Hatschi.

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Daß mir auch alles zu Staub zerfallen muß, worüber ich rede. Und ich rede doch so gern.

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"Colonia Dignidad" hat mich sehr erschreckt. Der wahre Anteil daran, der im Film eben nur kurz auftaucht und gerade auf diese Weise unheimlich bedrückend wird. Der Abspann mit den Fotografien und den kurzen Texten. Bisher wurde noch kein Mitglied der Deutschen Botschaft dafür haftbar gemacht, schreiben sie da. Auch sehr erschreckend. Und in den letzten beiden Einstellungen macht der Film viel kaputt - mit Schreibfehlern. Ich habe beim Überfliegen einen gesehen, der kein Tippfehler sein kann, der ein Verständnisproblem anzeigt, und ich frage mich, wie das passieren kann. Liest das niemand durch? Kann denn überhaupt noch jemand lesen? Ich werde sehr kulturpessimistisch, wenn es ums Lesen geht. Sprache an sich ist doch schon so unzureichend, daß man nie beschreiben kann, was passiert, und daß man immer wieder baß erstaunt dasitzen kann, wenn einer mit der Sprache spielt, wenn einer Bilder erzählt und Treffer landet an Stellen, die man selbst nicht kannte. Vermitteln durch Sprache, Erklären, Lernen, Präzisieren, und in meinem Lamento sind wir schon am Parkplatz, steigen in das kalte Auto, und während ich unruhig auf dem kalten Leder hin und her rutsche, sagt die Dame auf dem Fahrersitz, übrigens mit Abitur und Studium und Promotion und einer überaus gutbürgerlichen Familie, daß das keiner mehr braucht, und sie sagt es so, als sei meine flammende Rede etwas Niedliches, als sei Sprache nur eine meiner kleinen Schrulligkeiten, und da verstumme ich dann. Ich weiß doch auch nicht, wer die Sprache kaputtgemacht hat, ich weiß doch auch nicht, warum sich keiner mehr kümmert, oder ob das nicht vielleicht ein Effekt dessen ist, daß jetzt alle schreiben, auch die, die vorher stumm waren, und vielleicht ist falsches Sprechen ja schon besser als stumm zu bleiben, und es tritt nur dadurch zutage, daß sie es nie gelernt haben, nie gezeigt bekommen vielleicht, und trotzdem würde ich gern jemanden dafür feste schütteln, damit der nur noch mit dem Kopf nicken und das wieder in Ordnung bringen kann.

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Sieh es als gut an, das ist ja immer das Credo. Aber das ist es eben nicht. Ich verstecke mich ungern, ich bin ungern in der Situation, den Arm so weit auszustrecken, daß ich nicht mehr stabil stehen kann, und gleichzeitig nicht zu wissen, ob man mir nicht die Hand entziehen wird. Wird sie nicht, soll ich sagen. Und vielleicht ist das richtig. Wie lang wartet man da? Vielleicht nähere ich mich ja auch nur, damit ich nicht so krumm und ausgestreckt und instabil dastehen muß? Wie begreift man Wackligkeit als Chance, wenn man doch beim Klettern stets um Halt bemüht ist, sich ohne Anstellung mit festen Bürozeiten unwohl fühlt, und beim Kampfsport zwei Mal wöchentlich lernt, daß ein sicherer Stand das ist, was einen, nun ja, absichert?

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Mehr mäandern vielleicht.

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Auch das Schreiben als Chance begreifen. Wenigstens das müsste klappen. Muß klappen, soll ich doch in wenigen Monaten ein ganzes Buch abgeben.

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Reifen kaufen. Hallelujah, so ein Fahrradreifen kostet ja ein Vermögen, und jedes Mal lese ich mich wieder fest in irgendwelchen Bewertungen. Zefix, Zeit!

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Ein Satz, ein Lächeln am späten Sonntagabend. Weißt Du, wie leicht Du mir Wärme machst?

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Ein paar Stunden bei Freunden verbringen. Ich speichere die Wärme dieser Familie in mir.

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Durch Nichtnachfragen habe ich mich in eine Situation gebracht, aus der ich mich durch Improvisation wieder herauswinden muß. Ein wenig Getriebelehre am Wochenende, ein wenig Wissen über die Firma, und doch nicht zu wissend wirken, auch wenn ich den Spitznamen des Geschäftsführers kenne.
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Montag, 1. 02 16

01.02.16, 13:18 | 'Egalitaeten'
Ein Wochenende in der Stadt. Premiere, will ich meinen.

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Klettern und Kämpfen an vier Abenden. Und der Kampf verdient noch eine nähere Betrachtung. Warum mir das so gefällt. Warum ich mich dazu überwunden habe. Wie ich das haben will.

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Dieser Moment vor Deiner Haustür, da hätte ich es ändern können. Sagen, daß Du alles gesagt hast, und daß keine Entscheidung eben auch eine Entscheidung ist. Da hätte ich mich retten können und habe es nicht getan. Wieder einmal nicht. Stattdessen gebe ich mich Dir in die Hand und sage wieder einmal die bittere Wahrheit, daß ich mich nur selbst verletzen kann, und daß es ohne dieses Risiko eben keinen Gewinn geben kann.

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Sag mir, wann ich aufgeben soll.

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Einige Abende später sitze ich da, in einer Gruppe von Städter, die meine Donauwelle loben. Die mir erzählen, was sie an backenden Männern finden. Es ist konsequent, sage ich da. Du kannst nicht immer alles geben. Es kann Dir nicht die ganze Welt gleich wichtig sein, sonst müsste Dir alles egal sein. Und mir ist ziemlich viel egal. Aber ein paar Dinge, die will ich richtig machen. Konsequent heißt eben auch, Konsequenzen zu ertragen. Du sitzt stumm daneben, ich verpacke all das in die Geschichte eines der Maien, die ich gesteckt habe, und ich weiß trotzdem, daß Du mich hörst.

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Trotzdem keine Herzchensmileys mehr.

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Eislaufen war ich ja ewig nicht mehr, und mit den Schnellen kann ich nicht mithalten. Immerhin, ich falle nicht, und Dir ist Eleganz ja in die Wiege gelegt worden. irgendwann setze ich die Füße in der Kurve übereinander und freue mich an der Bewegung. Irgendwann dann laufen wir Hand in Hand, ganz gleichmäßig, das Eis ist längst trüb und voller weißer Späne, nicht mehr glänzend und glatt.

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Bouldern und Pizza essen zu zweit.

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Ach, Studienfreund, ich muß Dir immer wieder erzählen, womit ich so gar nicht zurechtkomme, und es sind ja immer die gleichen Themen, alle zwei drei Monate erzählen wir uns die. Ich fände es schade, wenn ihr weggeht, sage ich, der ich ja immer weggegangen bin. Ein Witz, will ich sagen, wo es mir jetzt ums Bleiben geht!

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"Du machst zuviel!" sagt sie, das liegt doch an Dir. Es muß an mir liegen, das denke ich auch, aber Du denkst noch einen Schritt weiter - ich suche mir eben die aus, mit denen es so laufen muß. Ein spannender Gedanke, und ich würde gern herausdenken, was mich so fasziniert, daß ich mich nähere, und was euch gleichzeitig von mir entfernt.

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Einkaufen am Samstagmorgen, und ich mäandere wieder durch den Supermarkt. Mal was anderes kaufen, mal nicht dran denken, wie alles zusammenpassen könnte. Mal eine Basis haben, und mal mit dem Auto den kurzen Weg fahren, denn ich muß Kisten abgeben und Kisten kaufen, und sowieso habe ich Mehl und Zucker verbraucht. Welch Luxus, den Wagen füllen zu können, ohne nachzudenken, wie alles in den Rucksack passen soll, ohne zuviel und zerdrückt zu sein. Wie andere das tun mögen, die mehr Esser am Tisch haben? Denken Menschen, die Fahrverbote erlassen, an sowas? Oder sind sie nur Esser statt Einkäufer? Und doch, es sticht mich schon, daß meine zeitraubenden Versuche, Bus und Bahn und Rad zu verbinden und dann noch zum Einkaufen zu laufen, so wenig sind gegen all die, die am Samstagmorgen die vierhundert Meter bis zum Bäcker an der Ecke fahren. Verbessern statt verschlechtern, denke ich immer, und als ich meine Einkäufe in die Wohnung räume, rede ich mit dem Nachbarn über einen gemeinsamen Radanhänger für die Hausbewohner. Ein Zahlenschloß, und jeder kann ihn nutzen.

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Donauwelle, und in der Mitte bleibt mir der Pudding immer flüssig.

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Strömender Regen, ein Kuchenblech und eine Tasche mit Geschenk, und dann fahre ich doch mit dem Auto in die Stadt, statt zwei Kilometer zur Bahn zu laufen. Demut durch Autofahren.

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Irgendwann in der Nacht stellen wir mein Auto weg, damit es nicht im Parkverbot bleibt. Ein Kuss, eine Absage, und dann ein Bier. Auf einmal ist es Morgen, auf einmal gehen sie alle. Ich stehe und bekomme keinen Fahrplan aufs Telefon, und da geht der letzte, und ich schaue hilflos: Schau, das war kein Schauspiel, und dann geht es doch. Die letzte vor zehn Minuten, und genau hier klafft ein Loch von anderthalb Stunden. Wir sitzen dann vorm Bier und reden, Deine Füße in meinem Schoß, und Schau mich nicht so an, sage ich.

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Ich bekomme kaum mit, daß Du duschen warst, und überhaupt nicht, daß Du alles aufgeräumt hast. Nur meine frühen Wecker, die habe ich natürlich wieder vergessen.

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Aus dem Lauch wird eine Suppe, aus den Äpfeln ein Strudel, der sich nicht in den kleinen Ofen biegen lassen mag. Aus dem Fisch und dem Spinat wird Fisch auf Spinat, und fürs nächste Mal nehme ich mir vor, den Fisch in den Spinat zu legen, damit er nicht austrocknet. Honig, Paprika und Chili gehen übrigens ganz wunderbar. Ausprobieren statt Angst.

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Ich serviere, wir essen, und irgendwann schauen wir uns Bilder aus der Ferne an. Du mußt da nochmal hin, sagst Du, und ich sage Wir. Dann schauen wir uns Bilder vom Segeln an, und Doppelkabinen, herrjeh. Diese Woche noch buchen, was kostet die Welt.

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Paper abgegeben, Vortrag wartet. Die Diss auch, und wo ist eigentlich dieser Monat hin?

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Du Bündel, vergraben unter der Decke.

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Wieviel leichter ich rede, wenn niemand hört. Du hast die Augen zu, und ich mäandere von dem Buch auf meinem Bett hinfort und kehre erst zurück mit Deinem Atem auf meiner Schulter. Dabei schläfst Du gar nicht.

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Ich mache Kaffee, während Du duschst. Beim nächsten Mal früher aufstehen, schreibst Du aus dem Stau, und ich lese immer nur nächstes Mal.
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Montag, 11. 01 16

11.01.16, 09:24 | 'Egalitaeten'
Endlich wieder mein eigenes Bett. Ich weiß noch nicht, ob es das Bett ist, es ist die Gesamtheit der eigenen Wohnung, des eigenen Lebens, Kochens, Schlafens, alles. Ich werde das noch definieren. Aber: endlich. Hui.

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Ich kehre die Blätter von meinem Balkon, quatsche mit dem Hausmeister und der neuen Nachbarin.

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Ich sortiere Wäsche und räume den Kühlschrank um. Haushalt ist ein Genuß.

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Die riesige Kaffeemaschine wirkt erst hier so richtig riesig. Auf dem Tresen meiner Eltern war sie nicht so groß. Hier muß sie vorerst auf dem Boden schlafen, bis ein Möbelhaus und ich hier etwas Platz geschaffen haben.

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Die Ärztin und ich laufen eine Runde. Sie steht hier, schon umgezogen, die Haare eng hochgesteckt, und erinnert verblüffend an das Marathonmädchen. Warum lachst Du? Ich bin froh, sage ich, daß ich lachen kann.

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Wir waten und schwimmen so ganz langsam durch die Becken des Mineralbades. Es ist viel los, und ich verfluche meine kurzsichtigen Augen. Ich kann ja nicht einmal ein Schild lesen, die Begleiterin kaum erkennen.

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Sauna? Sauna. Ich stehe immer noch sehr kurzsichtig und mittlerweile sehr unentschlossen irgendwo herum. Sie zieht mich in eine Nische, entkleidet sich. Nun. Nun denn. Wir sitzen dann nackt nebeneinander auf unseren Handtüchern und schwitzen. Ich schaue immer wieder, wie die Tropfen auf meiner Haut wachsen. Ich mag das. Kalt duschen nicht so. Aber muß ja.

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Wie es mich entspannt, wieder Hosen tragen zu können. Das muß diese Kultur sein, von der man so wenig hört. Ich erinnere mich an das wundervolle Selbstportrait des krebskranken Ezra. Nackt und würdevoll, mit einem Schlauch aus der Hüfte kommend.

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Noch einmal einweichen im Bad. Peoplewatching, sagt sie lachend, deshalb geht man doch in die Sauna, und ich beschließe, mir doch noch in diesem Jahr die Augen reparieren zu lassen. The engineer's way: Nicht ohne festen Job. Nicht ohne eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Und weil Menschenfehler häufiger sind als Maschinenfehler, beide Augen auf einmal. Augen zu und durch, haha.

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Die Kartoffeln im Ofen, starte ich erstmals das MediaCenter hier. Netzwerk. Bild. Ton. Dann renne ich doch noch eine Runde durch dieses Internet, weil Linux und weil Kommandozeile und weil irgendwo eine Puffereinstellung den Film ruckeln lässt. Aber Twitter sagt, der Tatort sei prima. Nur freie Abende habe ich diese Woche nicht mehr.
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