27.09.10, 22:00 | 'Carry me Carrie'

Und auf dem Heimweg, auf dem man durchgefroren in die Pedale tritt, weil man viel zu lange im Schatten gestanden ist und geredet hat, über Nahost und die Welt und Probleme und Mut, ziellos geredet und ebenso zugehört, auf die Räder gelehnt, am Fuße des Bergs, nachdem man zuvor innerhalb von fünf Minuten alle Blicke der Welt auf sich hatte, während man so wartend dasaß, an der großen Kreuzung der kleinen Stadt auf einem Poller, das Fahrrad an die Knie gelehnt und den Helm in der Hand, in Radhosen, und Bekannte grüßte und hochgezogene Brauen, und dann ein Engel, der um die Ecke bog, und man spürte den Berg kaum in den Beinen, man lachte beim Absetzen in den engen Kehren, man rief sich die Wurzeln zu, oder nur ein "Huch!", wenn mal wieder ein Rad nicht dahin fährt, wohin es soll, und man sich wundert oder eigentlich doch nicht, wie der Engel über alles hinweg gleitet, mit dem eigenen Helm auf dem Kopf, weil ein Engelskopf ja so viel schützenswerter ist als so ein texanischer Holzschädel, und man immer wieder genau weiß, welcher Wert da vor einem fährt, welcher Schatz, und daran denkt man zurück, auf dem Heimweg, und die Pedale laufen leicht, die Muskeln bringen die Wärme zurück, und dann scheint die Sonne, und man singt es laut hinaus in den Abend, "I'd wait for you 'til kingdom come", und es war alles recht so und alles perfekt. Engel.