01.05.24, 10:37
Ein oder zwei Male im Jahr werden die Durchschnittslöhne durch die Medien gereicht. Und bevor wie üblich der Streit losgeht, wie schmal oder breit der Streifen zwischen bitterer Armut und obszönem Reichtum denn sein darf, wird in schöner Regelmäßigkeit auf die eingeschränkte Aussagekraft des Durchschnitts hingewiesen. Bis zum Median reicht der Wille zur Aufklärung meist noch, aber quadratische und geometrische Mittelwerte werden dann schon gar nicht mehr betrachtet. Derzeit geistern statt der Löhne die Arbeitszeiten durch die Medien, und dabei gehen die Medien, allen voran der ehemalige Kanzlerkandidat, noch einen Schritt weiter zurück und betrachten nur die Summe der geleisteten Arbeitsstunden. Man muß schon ein Weilchen graben, was den Vorteil hat, ebendiesen ehemaligen Kandidaten weit hinter sich lassen zu dürfen, um wenigstens den Hinweis zu finden, daß der Durchschnitt sinkt, auch wenn die Summe steigen mag, der einzelne im Durchschnitt also weniger Stunden leistet. Bis zum Median reicht es dann nicht mehr, und ein Schelm, wer mehr als den Willen zum allzu frühen Feierabend dahinter vermutet.