Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Freitag, 20. 11 15

20.11.15, 23:15 | 'Nachdenken im Dativ'
"Was muß ich denken, um richtig zu verstehen, was ich fühle, wenn ich sehe, was passiert?"
# |  Rauchfrei | Gas geben


20.11.15, 22:41 | 'Nicht drueber nachdenken'
Wie viele Welten es doch gibt, zur gleichen Zeit! Wie ich mir in manchen richtig, in manchen falsch vorkomme, und wie ich in anderen nur als neugieriger Beobachter auftrete. Es gibt also dieses Nichtempfinden zwischen richtig und falsch, das auch kein Nichtachten ist. Unvoreingenommene Neugierde, vielleicht. Oder auch nur eine so große Distanz, daß ich die Welt nur von außen sehen kann, daß ich mir einen Zutritt nicht vorstellen kann.

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In einer übervollen, lauten Kneipe, wo ich unwohl mitten im Raum stehen muß.

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Zwei am Spielautomaten. Scheine fressend. Muster ins Haar rasiert. Rauchend.

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Beim Ausparken ein Auto gestreift. Bildnachricht reicht.

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Ein tonloses Fußballspiel, und ich wundere mich nicht einmal, daß so viele auf den Rasen laufen. Keine Freude, immer noch kein Ton. Wo sie doch gewonnen haben.

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Fremd bin ich hier nicht, aber stumm. Nach zehn Minuten gehe ich unauffällig.

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Am Bahnhof stehe ich in der Sonne und horche um mich. Verstehe kein Wort. Ob sie alle hier auch abgeholt werden?

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Plätzchen backen. Mit dem Hund spielen. Ich weiß nicht, ob sich diese Distanz überbrücken lässt. Wenn ja, wie. Will ich?

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Bauernurlaub, Bauernfieber. Wenn ich hier bin, immer die tausend Dinge der nächsten Tage, an denen ich unbedingt teilnehmen will.

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Wie lang der Motor hustet und stottert.

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Das Telefon, das beim Schweißen in der Brusttasche war, zeigt Symptome elektromagnetischer Strahlung, erholt sich aber wieder.

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Reitturnier. Wie gern ich mich mit Pferden umgebe. Wie gern ich noch reiten lernen möchte. Bald.

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Konsolidierung durch Zukunft.

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Spät in der Nacht fragt sie, ob wir uns wiedersehen. Nein, sage ich, und daß es nicht an mir liegt. Ich weiß gar nicht, ob es nur die Zurückweisung ist, die mich so aufbringt.

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Ich bin nicht kaputt, ich bin nur sehr stumpf. Ein taubes Gefühl, als hätte ich an einer Stelle so lang herumgedrückt, bis sie nichts mehr wahrnimmt.

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Neulich, da hat mich ein alter Freund angeschaut und gesagt, daß er es auch schade findet, wie selten wir uns sehen. Schrecklich und schön.

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Immer und sofort: Kann ich? Will ich? Vielleicht verkläre ich die Erinnerung, aber zu der Zeit, als es richtig war, habe ich nicht gefragt, glaube ich. Stattdessen jeden Tag die liebste Nachricht geschrieben, die ich in die wenigen Zeichen fassen konnte.

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Wie mich die Statik erschreckt. Was, wenn keine Konsolidierung erfolgt? Was, wenn alles so bleibt? Das Unerträgliche sich nicht ändert, weil ich mich nicht ändere?

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Ringen, vielleicht. Wortwörtlich.

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Schmerz im Kiefergelenk. Öfter mal die Klappe halten.

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Wie dringend ich eingeladen bin.

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Sie lernen Rainald Götz, hier. Vielleicht sind unsere Kinder noch nicht verloren. Es stimmt zwar kein Satz in dieser furchtbaren "Präsentation", aber das ist nun mal die Krankheit der Listen. Auch Stichworte haben Regeln, Kinder. Ich hole tief Luft und versuche dann, meine Begeisterung für die Bösartigkeit Götzens und für seine Ausweglosigkeit auszusprechen. Du bist halt ein Literat, sagt sie, und erklärt, ich solle vielleicht "einen Blog" schreiben.

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Es gab da einst eine lose Wette, einen Witz, eine fixe Idee, die mit ein paar Studenten und deren, nun ja, zwischenmenschliche Begegnungen in den diversen Wohnheimen zu tun hatte. Daß ich nun, so viel später, der Gewinner sein könnte, wo ich doch der Verlierer bin, weil ich daran noch denken muß, während anderswo an Häuser, Frauen, Kinder gedacht wird.

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Bewerbungen. Ich habe mal eine bekommen, in der jemand davon erzählte, daß sein erstes Wort "Auto" gewesen sei. Und ich wußte nicht, ob mich Wahrheit oder Lüge stärker entsetzen würde. Ich selbst versuche, die einzelnen Stellen meines Lebenslaufes passend zu machen für jede Stelle. Da muß ich poetisch genug sein, denke ich. Bisher mit mäßigem Erfolg.

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Ich kann mich vielleicht nur nicht mehr zur Begeisterung zwingen.

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Wie schnell mich die Arbeit verändert. Mein schwerer Schritt, mein ruhiges Sitzen, und auch meine innere Haltung wird müde und schwer, bärbeißig und einfach.

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Das Gefühl von Unerfahrenheit.

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Wie man ja doch immer gern ein besserer Mensch wäre. Und ob das falsch ist.
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20.11.15, 13:23 | 'Tonales Hoeren'
I'll shut up and carry on
The scream becomes a yawn
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