Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Donnerstag, 7. 02 13

07.02.13, 12:12 | 'In Fetzen gerissen'


Ich radle durch das Schneetreiben nach Hause. Im Supermarkt fülle ich noch schnell meinen Rucksack, und an der Kasse versuche ich trotz meiner nassen Plastikkleidung so auszusehen, als wäre nicht ich die nach Schweiß riechende Gestalt hinter mir in der Schlage. Die Frau vor mir glaubt mir nicht und sieht mich pikiert an.
Schnell ein Hefeteig. Schnell die Sauce auf den Herd. Zwiebeln schneiden. Kein Platz in dieser Küche, ich weiche mit dem Wellholz auf den Esstisch aus. Das Telefon singt, und ich öffne die Tür und begrüße. Die Türklingel summt, und ich gebe dem Hausmeister die Erlaubnis, meine Wohnung zu betreten, während ich nicht da bin. Ich mag nicht Dein Kumpel sein, denke ich, also ist es mir lieber, Du machst das, wenn ich weg bin. Es klingelt wieder, und da kommt einer mit zwei Stühlen unter dem Arm. Ich freue mich, öffne drei Bier und hole die erste Pizza aus dem Ofen.
Da wird einer Vater und erzählt davon. Da wird einer Doktor und erzählt. Und ich schaue meinen Freunden zu, wie wir die heiße Pizza vom Brett essen und das kalte Bier vom Balkon trinken. Immer wieder schaue ich in der Küche nach dem Ofen, reibe Gewürze und präsentiere ein frisches Blech. Ich denke daran, welcher Zufall uns zusammentreffen ließ. Aus unterschiedlichen Bundesländern, aus so unterschiedlichen Familien. Ein gelernter Schlosser, ein Bauerntölpel, ein Fußballer, dem es fast zum Profi gereicht hätte. Wie wir uns fanden, der mit dem dröhnenden, lachenden Bass. Der mit dem ruhigen Arbeitseifer und dem genialen Konstrukteurskopf mit dem gelassenen Jo mei. Und ich bin dankbar für diese Zufälle. Für diese Freunde. Für die Wege, die uns zusammengeführt haben, und die uns nun wieder trennen. Da sitzt er und sagt, daß es jetzt reicht, daß er seinen Resturlaub nimmt und dann abgeben wird. Und dann? Metropole oder Heimat, auf jeden Fall verwurzelnd. Die Wanderjahre sind vorbei, sagt er. Das Wochenendpendeln zu allem, was ihm wichtig ist. Wir werden uns nicht mehr so oft sehen, denke ich. Nicht mehr abends in einer Kneipe, in einem Wohnzimmer, auf ein Schnelles. Es wird eine lange Fahrt werden, eingeplant in zwei Leben, wenn wir uns wiedersehen wollen. Ich schaue mir den anderen an. Seine Ruhe, seine bedachte Art und sein ausgelassenes Lachen. Er wird viel zu tun haben, denke ich, und wenig Zeit. Da sitzen wir drei ein letztes Mal. Einer, der sein Glück hier gefunden hat und es jetzt mehrt. Einer, der sein Glück in der Heimat gefunden hat und es jetzt mitnimmt. Und ich, mit meinem Glück, das ich hier verloren habe. Einmal und ein zweites Mal. Und als die beiden gehen, einer auf die Autobahn nach Hause, in die Heimat, um sich noch einmal anzustrengen. Einer in diese Wohnung, die sie eben vorbereiten für einen Dritten, zu seiner Frau, die ihn am Morgen wie gewohnt aus dem Bett werfen wird. Als die beiden weg sind, spüle ich ab und höre mehr von der Musik, die den Abend über im Hintergrund lief, trinke mein Bier aus und denke daran, daß ich mir immer versprochen habe, Menschen gehen zu lassen. Wenn ich Menschen gehen lasse, schmerzt mich das Gehen nicht, dachte ich. Es ist schlimmer, wenn einem entgleitet, was man festhalten will, als freundlich zu winken. Das ist es nicht, das weiß ich jetzt. Ich proste dem Idioten im großen Spiegel zu und lächle ihn an, als ich zu Bett gehe.
# |  6 RauchzeichenGas geben


07.02.13, 09:46 | 'Maschinen bauen, Mensch bleiben'
Schaukelt man die Milch morgens im Rucksack zum Büro, dann bekommt der erste Kaffee des Tages Milchschaum gratis und der Tassenträger neidische Blicke.
# |  Rauchfrei | Gas geben