Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Freitag, 3. 04 20

03.04.20, 10:23 | 'In Fetzen gerissen'
Es ist etwas zerbrochen. Und zwar der Glaube an das eigene Biegen. Es entlockt mir kaum mehr ein Lächeln, ein Zeichen mehr für den Bruch. Ein Auto kommt mir entgegen auf der ansonsten leeren, ruhigen Straße, auf der ich so vor mich hin radle. Wie früher, dachte ich noch einen Moment zuvor. Wie früher, als diese winzige Nebenstrecke geeignet für Radfahrer erschien. Bis der Verkehr wuchs und wuchs und sich staute und staute, bis sich der Verkehrsfluss überlaufend auf die kleinen Nebensträßchen ergoß. Kein Mittelstreifen. Viele, enge Kurven. Keine Bankette. Motoren heulen, Schotter spritzt. Im Graben alle Meter blitzend die Splitter von Spiegelgläsern. Es schien vorbei zu sein, die Ruhe war ja wieder da. Und vielleicht kämen auch die Radfahrer bald zurück. Mir kommt ein Auto entgegen. Der Fahrer trägt weiße Handschuhe, ich kann sehen, wie sie sich über den Knöcheln am Lenkrad spannen, als hielte er das Lenkrad sehr fest. Er trägt einen ebenfalls weißen Mundschutz, der seine Ohren ein wenig abstehen lässt. Und sein Gesicht verbirgt. Ich kann seine Augen sehen und wundere mich über die Fähigkeit, zu wissen, wann einen jemand ansieht. Taxiert. Dann, als könnte ich meine Sinne nur noch sequentiell erfassen, höre ich den Motor heulen. Den Schotter spritzen. Die Räder ziehen den Wagen aus dem Bankett, hin zur Straßenmitte. Das Kraftdreieck am Reifenlatsch meine ich sehen zu können. Der Wagen hält auf mich zu, während ich ins Bankett lenke. Der Motor heult. Was sich bog, bricht. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen, denke ich. Es gewinnt das Prinzip der Effektivität. Das höhere Ergebnis. Denn der Einsatz, der kümmert niemanden, der Gewinn rechtfertigt ihn im Nachhinein immer. Wer Schutz meint, muß ein großes Auto fahren, ein hohes, ein starkes, und er muß Handschuhe tragen und Mundschutz heutzutage. Schnell muß er fahren, um dahin zu kommen, wo er sein muß. Sein Ziel, seine Effektivität. Ich umkurve einen Leitpfosten. Da muß man Opfer bringen, zuckt die Effektivität die Achseln und meint dabei die Opfer der anderen. Man hat ja Ziele, die man erreichen muß.
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Mittwoch, 6. 04 16

06.04.16, 08:06 | 'In Fetzen gerissen'
Sadistisches Grinsen von einem, der es besser wissen und können sollte. Ich bin ja immer zu vorsichtig, täusche Schlag und Würgen nur an. Irgendwie motiviert heute, laufe ich beim Aufwärmen schon auf, ein Hetzer war ich schon immer, ein Wadenbeißer, ausdauernder Jäger. Beim Dreierkontakt trifft er mich am Kiefer, unvorbereitet, was meine Schuld ist, aber alle Zähne noch drin. Dann ich, siebenundsechzig im Moment und nicht in der schlechtesten Verfassung, wenn ich an meine schönen versetzten Klimmzüge denke, die mir das Schreiben versüßen sollen. Auf der Matte dann Bodenkampf, Umstoßen aus tiefer Lage, und ich winde mich, Körperspannung, Kamerad! und dann die Beinschere, schön eingehängt, er muß ausatmen und verliert die Spannung, ich drehe ihn und bin oben, Ippon, fuckyeah, und der Meister zeigt mir die Handschuhe, die ich kaufen soll und den Tiefschutz, und er freut sich auf die Kämpfe mit mir, sechs Monate noch, sagt er, Maschine. Ich brauche eine Gurtfarbe, das ist ja peinlich so. Hallo, Ehrgeiz, alter Freund.
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Montag, 13. 07 15

13.07.15, 12:39 | 'In Fetzen gerissen'
Das eigene Liebesbedürfnis.

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Die Reaktionen auf das Motorrad.

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Rund ums Auto.

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Radio und Rindfleisch.
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Mittwoch, 22. 10 14

22.10.14, 15:41 | 'In Fetzen gerissen'
Und dann sitze ich endlich im Büro und kann mich nicht daran erinnern, was ich hier eigentlich will.
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Freitag, 11. 04 14

11.04.14, 14:04 | 'In Fetzen gerissen'
Der Traum vom Duett.
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Mittwoch, 10. 07 13

10.07.13, 17:34 | 'In Fetzen gerissen'
Die halbe Nacht draußen sitzen.

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Warum werdet ihr nur alle krank?

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Sich beschimpfen lassen.

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Das Nichtverständnis des Optimierens. Das Beschreiben der Randbedingungen.

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Manchem Ärger kann man nicht ausweichen.

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Das unbedachte Wort.

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Wie begierig sie nach Wissen sind.

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Wir schlendern durch die Straßen, das weiße Kleid fließt um ihre Beine. Huch, sage ich, als sie erzählt, denn was sie alle zu wissen meinten, habe ich nie wahrgenommen. Ich bin ein Trampel, sage ich.

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Die Spione, die ich meide. Die, zu denen ich nichts sage. Und die, zu denen ich alles sage.

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Ich mache Gewichtsdiskussionen lächerlich und nehme noch ab. When I was sixty-four.

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Keine Antwort. Die lachenden Fotos so schal.

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Die Bissigkeit, vor der ich beschützen will.

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Dieses unglaublich große Herz, in dem ich mich verkriechen möchte.

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Ich zeige Sicherheit, ich zeige ein Lächeln, und als es laut wird, zeige ich Genervtheit. Sie glauben mir, dem Hochstapler des einen Jahres, und manchmal bekomme ich Angst vor mir selbst.

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Auf dem Heimweg fahre ich laut singend durch die Stadt, finde die richtigen Lieder, und alle anderen haben die Scheiben oben, sehe ich irgendwann und freue mich noch mehr an den Klimaanlagen der anderen.

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Warten auf grünes Licht.

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Tausendmal gelesen.

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Schwierigkeiten glaube ich ja nie. Aber Hässlichkeiten muß ich dann doch glauben.

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Der verbogene Schlüssel.

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"Vertrauensbasis."

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Die Endlichkeit des Glücks und sein Verteilen. Das muß man wohl lernen, irgendwann, auch wenn man so gar nicht will. Dann sind die Todunglücklichen der Beweis, daß es keine Unendlichkeit gibt. Nicht geben darf. Wenn etwas unendlich wäre, es wäre doch nicht zu ertragen, davon nicht genug haben zu dürfen. Und von der Nichtexistenz der Unerträglichkeit möchte ich nicht abrücken, niemals, ich könnte keinen Schritt mehr tun.

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Zwei oder drei Wochen?

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Jüdisches Neujahr.

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Nicht die Muskelberge, sondern die stählernen Stränge unter der Haut. Wie Wurzeln.

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Alles Fremde nachvollziehbar. Alles eigene ein unbezwingbarer Berg.

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Sie merken, ich bin hier nicht mehr recht zuhause. Nicht mehr für mich.

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Eine Etappe der Tour, und warum eigentlich nicht?

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Als Du geweint hast, da war ich verloren.
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Montag, 18. 03 13

18.03.13, 13:53 | 'In Fetzen gerissen'
Ich habe meinem Vater die neue CD von Eric Burdon gekauft. Die ist nicht natürlich nicht rechtzeitig geliefert worden, weil ich auch nicht recht und vor allem nicht rechtzeitig wusste. Nicht schlimm, sagt er, als ich ihm davon erzähle, und daß der noch Musik macht. Und vielleicht ist es das, wovon ich ihn überzeugen möchte, während er sich auf ein würdiges Altern einschießt: Unwürdig zu altern. Musik zu machen. Nicht zu alt zu sein für irgendwas. Vielleicht das einzige, was ich meinem Vater beibringen muß. Vielleicht ist das aber auch furchtbar falsch, alles.

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Und manchmal, wenn Du einen Namen fallenlässt, dann gebe ich den ein und finde ein Bild, und dann trifft mich wieder ein Schlag, eiskalt ätzendes, bitter vergälltes Wasser flutet mein Herz, weil die alle schön sind und alle das tun, und weil sie alle Dich sehen dürfen.
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Donnerstag, 7. 02 13

07.02.13, 12:12 | 'In Fetzen gerissen'


Ich radle durch das Schneetreiben nach Hause. Im Supermarkt fülle ich noch schnell meinen Rucksack, und an der Kasse versuche ich trotz meiner nassen Plastikkleidung so auszusehen, als wäre nicht ich die nach Schweiß riechende Gestalt hinter mir in der Schlage. Die Frau vor mir glaubt mir nicht und sieht mich pikiert an.
Schnell ein Hefeteig. Schnell die Sauce auf den Herd. Zwiebeln schneiden. Kein Platz in dieser Küche, ich weiche mit dem Wellholz auf den Esstisch aus. Das Telefon singt, und ich öffne die Tür und begrüße. Die Türklingel summt, und ich gebe dem Hausmeister die Erlaubnis, meine Wohnung zu betreten, während ich nicht da bin. Ich mag nicht Dein Kumpel sein, denke ich, also ist es mir lieber, Du machst das, wenn ich weg bin. Es klingelt wieder, und da kommt einer mit zwei Stühlen unter dem Arm. Ich freue mich, öffne drei Bier und hole die erste Pizza aus dem Ofen.
Da wird einer Vater und erzählt davon. Da wird einer Doktor und erzählt. Und ich schaue meinen Freunden zu, wie wir die heiße Pizza vom Brett essen und das kalte Bier vom Balkon trinken. Immer wieder schaue ich in der Küche nach dem Ofen, reibe Gewürze und präsentiere ein frisches Blech. Ich denke daran, welcher Zufall uns zusammentreffen ließ. Aus unterschiedlichen Bundesländern, aus so unterschiedlichen Familien. Ein gelernter Schlosser, ein Bauerntölpel, ein Fußballer, dem es fast zum Profi gereicht hätte. Wie wir uns fanden, der mit dem dröhnenden, lachenden Bass. Der mit dem ruhigen Arbeitseifer und dem genialen Konstrukteurskopf mit dem gelassenen Jo mei. Und ich bin dankbar für diese Zufälle. Für diese Freunde. Für die Wege, die uns zusammengeführt haben, und die uns nun wieder trennen. Da sitzt er und sagt, daß es jetzt reicht, daß er seinen Resturlaub nimmt und dann abgeben wird. Und dann? Metropole oder Heimat, auf jeden Fall verwurzelnd. Die Wanderjahre sind vorbei, sagt er. Das Wochenendpendeln zu allem, was ihm wichtig ist. Wir werden uns nicht mehr so oft sehen, denke ich. Nicht mehr abends in einer Kneipe, in einem Wohnzimmer, auf ein Schnelles. Es wird eine lange Fahrt werden, eingeplant in zwei Leben, wenn wir uns wiedersehen wollen. Ich schaue mir den anderen an. Seine Ruhe, seine bedachte Art und sein ausgelassenes Lachen. Er wird viel zu tun haben, denke ich, und wenig Zeit. Da sitzen wir drei ein letztes Mal. Einer, der sein Glück hier gefunden hat und es jetzt mehrt. Einer, der sein Glück in der Heimat gefunden hat und es jetzt mitnimmt. Und ich, mit meinem Glück, das ich hier verloren habe. Einmal und ein zweites Mal. Und als die beiden gehen, einer auf die Autobahn nach Hause, in die Heimat, um sich noch einmal anzustrengen. Einer in diese Wohnung, die sie eben vorbereiten für einen Dritten, zu seiner Frau, die ihn am Morgen wie gewohnt aus dem Bett werfen wird. Als die beiden weg sind, spüle ich ab und höre mehr von der Musik, die den Abend über im Hintergrund lief, trinke mein Bier aus und denke daran, daß ich mir immer versprochen habe, Menschen gehen zu lassen. Wenn ich Menschen gehen lasse, schmerzt mich das Gehen nicht, dachte ich. Es ist schlimmer, wenn einem entgleitet, was man festhalten will, als freundlich zu winken. Das ist es nicht, das weiß ich jetzt. Ich proste dem Idioten im großen Spiegel zu und lächle ihn an, als ich zu Bett gehe.
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Dienstag, 27. 11 12

27.11.12, 13:15 | 'In Fetzen gerissen'
Die Kerben.
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Freitag, 26. 10 12

26.10.12, 18:25 | 'In Fetzen gerissen'
Und dann spielen sie den Platz hundertvierundneunzig der Hitparade, es hallt von den gelben Wänden und ich sitze da, schaue auf die bunten Vorhänge, und das halb versalzene Gratin wird mir schal. Ich lege die Gabel vorsichtig auf den Teller und summe mit. Ganz leise. Dann schalte ich das Radio aus und gehe ins Bett. Den Teller werde ich morgen wegräumen.
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