Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Mittwoch, 2. 11 11

02.11.11, 14:57 | '10000 lightyears from home'
Sehnsucht nach irgendwas. Nach dem Blick auf die beiden großen Türme vielleicht. Nach dem Innenhof und der Zeit und den kurzen Wegen. Nach den Freunden, links und rechts. Nach der Sehnsucht, die mich von dort wegtrieb. Vielleicht muß man sich nach irgendwas sehnen.
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Donnerstag, 6. 10 11

06.10.11, 20:34 | '10000 lightyears from home'
Einmal im Jahr sollte man Randy Pauschs letzte Vorlesung hören. Viel mehr muß nicht.
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Sonntag, 31. 07 11

31.07.11, 12:47 | '10000 lightyears from home'
Manchmal, da möchte ich mich auch schön anziehen.
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Mittwoch, 20. 07 11

20.07.11, 00:12 | '10000 lightyears from home'
Und dann ist es abends zehn, es regnet kräftig, dunkel ist es schon wieder und die letzte Baustelle schließt, der Stall ist verrammelt, die Schlepper stehen dunkel und kalt da, es sind alle Kabel gelegt und alle Tapeten von den Wänden gerissen, und dann radle ich langsam durchs Dorf und werde langsam naß und nässer, von den Dächern prasselt der Regen, plätschert in den Rinnsteinen und klimpert unter den Dohlendeckeln. Und da denke ich wieder, daß ich mich orientieren muß. Daß ich tun muß, was mir Freude macht. Daß ich es aufladen muß mit Müssen, wie ich alles auflade, was mir Freude macht. Daß ich gern arbeite, meinen Händen zusehe, daß ich gern erschöpft bin, daß ich gern viel mehr tun würde, daß ich irgend etwas tun muß.
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Mittwoch, 27. 04 11

27.04.11, 22:37 | '10000 lightyears from home'
Und an manchen Abenden fragt man sich, wo sie jetzt wohl alle sein mögen. Es soll euch gut gehen, wo auch immer ihr sein mögt.
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27.04.11, 20:42 | '10000 lightyears from home'
Und dann quält man sich aus dem Bett, ohne zu denken, man torkelt ins Bad und verflucht die letzte Nacht und die letzten geschwenkten Gläser, und dann sitzt man auch schon im Sattel und schaut dem beginnenden Tag zu, das Gebläse surrt bis in die Zahnwurzeln, der Vierzylinder knattert sein Lied, und der Mais muß rein, auch wenn Ostersonntag ist.

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Bei sowas könnte die Scheibe verecken, denke ich, und dann geht es doch noch drei Stunden gut. Das Platzen ist kein schlimmes Geräusch, und ich habe gelernt, Augen und Mund zu schließen und kurz innezuhalten, bevor ich zu fluchen anfange. Sonst hat man die Scherben ja wirklich überall.

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Auf bewellplastikten Hinterhofterrassen einschlafen.

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Wie unwürdig sich die kleinen Beträge ausnehmen, die man sich angespart hat. Heute kaufe ich eine Thermostasse für den Kaffee im Auto. Ach nein, ich weiß doch nicht.

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Von Autos leben. Oder von Sicherheit.
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Freitag, 11. 02 11

11.02.11, 02:33 | '10000 lightyears from home'
Und dann sitzen wir da und reden von den Vätern. Von der Familie, nach der ich nie gefragt habe. Von den letzten Tagen, als der alte Mann seinen Krieg noch einmal führen mußte. Von den Sommern in der Stadt, von den Wintern, in denen drei Kinder in der Stube schliefen. "Wir sind alle Flüchtlinge", sagt er, und das nimmt mir so viel Last. Nicht allein damit zu sein, daß ich die Feiern meide, daß ich die unvermeidlichen Tage - den eigenen Geburtstag und den viel zu beladenen Heiligabend - so gern in Ställen und Werkstätten verbringe. Ich ertrage das Gutmeinen und quäle mich, denn schließlich kann keiner einfach so zufrieden sein. Das Ringelreihen ist Pflicht, und als ich nachts hinaus in den Schnee kam, da war ich schneller im Dunkel verschwunden als die Hunde, und wie ich das noch Jahrzehnte machen soll, das weiß ich nicht. Sie lassen einen ja nicht einmal mehr kauzig sein und ölverschmiert und mit den Rindviechern allein.
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Freitag, 4. 02 11

04.02.11, 10:48 | '10000 lightyears from home'
Und auf dem Weg zur Arbeit fast ins Lenkrad gebissen vor Lachen, als im Radio ein keuchender Pflanzenschützer erklärte, warum so ein Baum unbedingt an eine große Straßenkreuzung gehört. Er war schon immer da. Und der ganze Staub! Aha. Die Intention fällt eben mit der Argumentation.
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Samstag, 4. 12 10

04.12.10, 13:51 | '10000 lightyears from home'


Ausgerechnet!
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Sonntag, 25. 07 10

25.07.10, 13:14 | '10000 lightyears from home'
Ich pendle. Ich brauche diese Brüche, diese kurzen Reisen.

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Ich möchte jetzt nicht über das Brauchen disputieren.

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Man könnte das Pendeln, das langsamere, auch an meiner Telefonrechnung festmachen, denke ich, als ich wieder einmal das Telefon in der Hand halte. Nach Minuten erlischt das Leuchten, ein Schloß erscheint, und die Zahlen verglimmen langsam. Ich weiß nicht, wem, ich weiß nicht, was. Ich brauche die wenigen Minuten und die wenigen Zeichen, die ich bezahle, kaum mehr.
Dann der Bruch. Lang geplant, und man sollte früh genug wissen, wann man diesen Bruch wieder nötig hat. Oder einfach oft genug, mit schöner Regelmäßigkeit, denke ich, aber daran muß ein Haken sein. Denn die Regelmäßigkeit, die ist es ja.
Ich bin ein wenig nervös und schlenkere meine auffällig gefärbte Sporttasche. Sie haben alle Koffer in gedeckten Farben, mit Rollen und ausziehbaren Griffen.
Ich habe das Telefon schon wieder in der Hand.
Ich gehe, schreibe ich.
Ich fahre vorbei und winke, schreibe ich.
Ich komme, schreibe ich.
Und bin plötzlich wieder erwartend, lächelnd, hoffend.

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Im Bus ist es angenehm kühl, und ich wache erst nach der Grenze wieder auf. Ich habe weder einen Ausweis noch einen Rappen dabei.

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In der Kantine hängen riesige Lautsprecher und eine Discokugel. Die Fenster sind dunkelrot, und auch hier ist es kühl. Abends wird die Kantine zur Bar, sagt man mir, aber da käme ich ja nie mehr nach hause!

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Ich quittiere die streikende Technik mit einem Achselzucken. Von anderen wird sie als schlechte Vorbereitung vernichtet. Standpunkte, herrjeh.

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Im Werk sind Ferien. Nur die Fenster werden geputzt, und ein Elektriker seufzt über dicken Kabeln. Es ist still und sehr heiß.

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Heute kommen sie aus der Gruppe zu mir und fragen, ob ich ein Zimmer teilen möchte. Daß ich mir darüber einmal so viele Sorgen gemacht habe, denke ich, und so überheblich wollte ich selbst in meinen Gedanken nicht klingen.

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Das Mädchen an der Theke spricht ein wundervolles Schwyzerdütsch, weiß aber nicht, wie viele Kantone die Schweiz hat. Die Kneipe ist eng, stickig und niedrig, und ich frage mich, wie lange sie schon hier arbeitet. Sie ist, wenn man ehrlich ist, auch lange schon kein Mädchen mehr, aber an diesen Nachlässigkeiten erkenne ich meine gelöste Stimmung.

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Anderntags ein Milliardenprojekt. Und ich, der ich ja immer in den Details knie. Bade, ich bade darin! Die Laufschaufeln, die Seilbahn, die Wassermassen, die Lawinen, und wie fährt eigentlich eine Tunnelbohrmaschine um die Kurven? Sie haben sich hier ein kleines Hotel an die Baustelle gebaut, und das zittert alle paar Minuten ein wenig, wenn weiter oben gesprengt wird.

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Zweihundert Bilder, und das Schönste lasse ich aus. Mit Absicht. Ich fotografiere sowieso lieber Maschinen. Sicheres Terrain und so.

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Zwischendurch der Gedanke, hier zu arbeiten. Es erschreckt mich, daß es mich nicht mehr schreckt. Nein. Es erschreckt mich, daß ich das nicht mehr kategorisch ablehne. Wo sind meine Standpunkte geblieben? Es muß die Höhenluft sein.

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Ich kriege die Bahn und bin plötzlich allein. Wilder Hagel, entlaubte Bäume, ich komme zu spät. Irgendwo in Biberbrugg, und welch wundervoller Name! frage ich nach dem Gleis, im besten Hochdeutsch, das ich zustande bringe. Dann versuche ich eben mein Glück, es sind nur zwei Gleise. Immer noch habe ich kein Geld und keinen Ausweis. Und keine Idee, ob ich die Fahrkarte irgendwie entwerten müsste.

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Am Hauptbahnhof suche ich die Uhr, erkundige mich und erfinde eine wilde Geschichte von mir.

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Ich lasse mich führen, von dem Mädchen mit den wasserblauen Augen und dem schwarzen Haar. Ich lasse mir die Stadt zeigen, ich lasse mich einladen, ich lasse mich chauffieren, ich lasse mir wieder und wieder erzählen.

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Es war eine Flucht. Ich flüchte nicht. Ich fliehe immer, aber ich flüchte nicht. Eine Flucht mit Ziel, denke ich, als sie von dieser Stadt erzählt. Eine Flucht mit Glück.
Und so laufen wir das Ufer entlang, während der See nachtschwer schwappt und ein Motorboot draußen entlangkreischt, und ich denke über Mut nach. Beharren allein mag mutig sein, klug ist es vielleicht nicht. Das Beharren braucht kein Ziel, denke ich, das Marschieren schon. Und plötzlich ist das gar keine Flucht mehr, auch wenn ich während der Fahrt noch genug anderes höre. Ich werde wütend dabei, wie immer, wenn ich hilflos bin, und das kommt nicht annähernd an das heran, was sie spüren muß.
Es regnet jetzt in Strömen, und wir werden immer wieder umgeleitet. Meine Bahn steht schon da, und ich hechte über den Bahnsteig, und so ist das eben, wenn man die letzte kriegen muß.
Ich danke und stehe da, mit einem Haufen Räppli, und Du kommst ja wieder, sagt sie, die Hand streift meinen Arm. Das Beharren und Aushalten, das Marschieren und Kurshalten, das dient doch nur einem Zweck, denke ich. Darf doch nie Zweck sein, darf doch nur dienen. Wer den Zweck findet, weiß auch den Weg.

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Dieser kleine Unterschlupf.

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Immer wieder der unausgesprochene Gedanke, daß man wartet, auf das, was noch kommt. Nichts verpassen, sich nicht zu früh festlegen. Mehr sehen, mehr erwarten. Maximierung, Zeichen einer Generation. Ob man Glück kumulieren, integrieren kann? Ob die Summe des kleinen Glücks über Jahre das lange Suchen nach dem großen aufwiegt? Ob man überhaupt glücklich ist, so lange man sucht?

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Spät in der Nacht auf der Terrasse des Hotels. Wir kühlen Bierflaschen im Hagel. Der große alte Mann der Wasserkraft auf seiner letzten Reise. Er trägt immer diesen kleinen Speicher an einer Kette um den Hals. Er trinkt mit uns, er raucht, und immer wieder kommt er ins Erzählen. Seiner knarrenden Stimme lausche ich gern, in Gedanken noch in der großen Stadt. Er holt mich zurück, er erzählt von Turbinen. Francis, seine Leidenschaft. Er kann diese Turbinen lesen, er kann diese verwundenen Schaufeln erklären, er kann das Wasser sehen und die Strömungen.
Es ist unsere letzte Reise, denke ich, und sehe ihn an. Ich bin froh, sage ich plötzlich laut, Sie kennengelernt zu haben. Wollen Sie wissen, wie ich hier herkomme? Ich wußte nicht recht, damals, und habe mich einmal dazu gesetzt. Technische Strömungslehre. Und Sie haben mich für all das interessiert. Ich will diesem Mann länger zuhören, und dann kam das Hauptfach und die Studienarbeit, und jetzt bin ich hier.

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Ob das alles nötig ist, denke ich oft. Milliarden, die im Kreis gepumpt werden. Diese unfassbaren Mengen, Zement und Stahl, und die genauso unfassbaren Kräfte. Eintausend Megawatt Turbinenleistung.
Was ein modernes Leben braucht. Strom wird gebraucht. Kraftwerke werden gebraucht. Bauwerke werden gebraucht. Pläne werden gebraucht. Und umgekehrt braucht all das: modernes Leben. Modernes Leben braucht und wird gebraucht, bedingt sich selbst.

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Vor mir wieder der ruhige alte Mann mit der Sense auf der Schulter, der sich seinen Weg durch die abgesperrte Baustelle bahnte. Durch unsere Gruppe, voller orangeroter Helme und Westen. Durch die Lastwagen, die Bagger, die Umspannwerke. Ich weiß nicht, wohin er verschwand.

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Tauche nicht zu tief ein, denke ich. Du verlierst den Überblick, den Du nicht hast. Verlierst vielleicht, und das ist das Schlimmste, die Frage nach dem Sinn. Auch wenn Du keine Antwort findest, wäre es das Schlimmste, die Frage zu verlieren.

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Klettern. Von oben sieht man mehr Dinge, aber von den Dingen weniger. Klettern.

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Sie sehen alle sehr müde aus an diesem Tisch.

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Dach decken. Füttern. Das hat mir gefehlt. Meine Arme sehen von den Blechplatten aus, als hätte ich mit einer großen Katze gespielt. Und trotzdem: Zu wenig. Zu früh. Die Erdgänge fehlen, und weder die Bremsen noch der Sitz interessieren. Ich mag Pflege und ich mag Wartung, und darüber könnte ich mich auch aufregen.

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Wenn ich weg bin, bin ich weg. Es klingelt selten, und ich frage mich, ob man weiß, daß ich weg bin, oder ob ich aus dem Sinn bin. Jedenfalls klingelt es auf dem Heimweg, und ich verspreche mein Kommen. Es klingelt erneut, und ich bin eine Kiste Bier los, mit Bild im Bauernblatt erschienen. Ich freue mich, eingeladen zu sein. Ich freue mich, erkannt zu werden. Ich bin wieder da.
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