Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.

21.05.11, 23:09 | 'Der Vollstaendigkeit halber'
Ein wildes Verlangen nach Musik, nach all den wundervollen Liedern, die ich auswendig kenne, gleichzeitig.

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Und wie mein Spiel der Musik so sehr hinterherhinkt, daß es mich selbst schmerzt, mich spielen zu hören. Genauso sehr, wie es mich erregt, zu spielen.

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Manchmal bin ich froh, daß ich an euren Leben nicht teilnehmen muß. Es sind Dramen, es sind Actionfilme, es sind Komödien und ihr steckt da so tief drin, daß ihr euch euer Schauspiel selber glaubt.

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In Köln erwische ich den einzigen Taxifahrer, der das Unternehmen nicht kennt, in dem halb Köln arbeitet. Und das Werkstor vierundfünfzig auch nicht. Zur Torstrasse? bietet er an, und die Bordelle und Discotheken kennt er alle in Köln, wie er sagt. Sonst fährt er nur Nachtschicht. Du eilig? fragt er noch, und alsbald navigiere ich fleißig durch die Großstadt, während er seinen Daimler durch den Verkehr scheucht.

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"Blinker Spiegel Service"

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"Da habe ich schon Schönere quietschen hören!"

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Und dann sitze ich auf dieser Terrasse und rede von Systemen und von meinem Mitwirken und der Unfähigkeit, auszubrechen. Lächerlich klingt das, denn ein Ausbruch ist es nicht. Es muß eine Erfindung sein. Ein Leben muß man erfinden, oder eben nicht. Und dann das Öl und das Geld und die Pläne und die Angst, daß neunundsechzig nicht zu ertragen ist.

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Um nicht allzu lang arbeiten zu müssen, muß man sehr viel arbeiten.

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Überhaupt Köln. Stellen Sie sich ein Abenteuer vor, und dann lassen Sie sich erzählen, daß ich bereits einmal mit einem Schnellzug und noch nie freien Willens mit einem Taxi gefahren bin.

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Es ist nicht gut, wenn ich mich in die Enge getrieben fühle. Drohungen bewirken Widerstand.

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Es dauert eine Zeit, in der die Beine kurbeln müssen und der Schweiß auf das glänzende Rohr tropft, in der ich den Wald atmen höre und den Boden spüre, der in großen Brocken aufgerissen und umhergeschleudert wird. Es dauert einige Zeit, bevor ich zu der Frage gerate, warum ich denn überhaupt widerstrebe. Und da verblasst das Gewäsch von Würde und der Selbstachtung. Das ist der Punkt. Und dort muß die Argumentation beginnen, oder eben nicht. Warum will ich denn nicht, und was will ich dann?

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Jetzt weiß ich, warum Vertreter die großen Wägen mit den vier Ringen fahren - hundertachtzig ist eine angenehme Reisegeschwindigkeit mit einem solchen Fahrzeug.

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Im Schnellzug bin ich der einzige, der keine E-Mails schreibt. Und manchmal glaube ich, sie schauen neidisch auf mein schlichtes Buch, das ich in den Händen halte. Dabei bin ich ebenso geschäftlich unterwegs wie sie, nur wüsste ich nicht, wem ich etwas schreiben sollte.

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Das ist Engineering! sagen sie, während ich meine Bastelei vorführe. Ist es nicht, sage ich laut. Ingenieursarbeit ist es, Fehler nicht zu machen, aber das sage ich leise, denn das verlange ich vor allem von mir.

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Anderer Leute Unternehmungen erscheinen mir stets so federleicht.

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Der Praktikant ist vierzehn und liest konzentriert in einer Partitur. Sie schicken die Kinder schon früh in solche Praktika, die ihnen ungeheuer sein müssen. Niemand hat Zeit, niemand erklärt, und die Tage enden ja doch nie, obwohl man kommt, während alle schon mit gesenkten Köpfen dasitzen und wieder geht, ein leises Tschüss in den Raum wirft, das unbeantwortet bleibt, weil da immer noch alle sitzen und die Köpfe gesenkt halten. So würde ich auch nicht lernen wollen.

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Wie genau ich die Verletzung analysiere, die mir ein Ausschluss zufügt. Und wie man sich darin suhlen kann, und darüber alles andere vergisst. Pfui.

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Abends den Bewegungsmelder der Außenlaterne am Haus einstellen, mit Freunden und Flaschenbier.

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In diesem Wohngebiet haben meine Freunde gebaut. Sie werden neben einander wohnen, ihre Kinder großziehen, miteinander leben. Und plötzlich überkommt mich, überstürzt und hektisch, ebenfalls der Wunsch nach einem Haus. Es gibt keine Kinder großzuziehen, es gilt zuerst noch andere Dinge zu tun. Zusammenleben beispielsweise. Geld verdienen. Gemach, gemach, murmle ich mir zu, und doch komme ich mir vor, als wäre ich mir selbst hinterher.

Rauchzeichen




croco   |   22.05.2011, 21:34   |  
Na dann.
Das hört sich doch schon schön an, das Leben.

froschfilm   |   23.05.2011, 06:54   |  
Köln ist ja noch eine der netten Großstädte. Zufälligerweise weilte ich am Wochenende auch dort.

texas-jim   |   24.05.2011, 17:25   |  
Croco, ist es auch. Aber man muß das ein bißchen wollen, glaube ich. Das scheint der Trick zu sein.

Froschfilm, ich war abends bereits wieder zuhause, wo ich hingehöre.
Mitrauchen