27.04.26, 15:29
Ein längerer Beitrag über die zumindest wahrgenommene Untätigkeit der Bundespolitik über das aufgeregte Tagesgerede hinaus brachte folgendes zutage: Im Frühjahr konnte man nix tun, weil irgendwo Landtage gewählt wurden. Dann mussten sichere Pöstchen gewahrt werden, genauer die Vorsitzende einer Gewerkschaft und der Vorsitzende einer Fraktion. Dann Sommerpause. Und im Herbst, da sind dann wieder diese Landtagswahlen. Dann ist Weihnachten. Ohne Arg wurden diese Gründe verkündet, ja geradezu als große Erklärungen vorgetragen. Und ich kam in meinen Gedanken so weit, daß ich keinen Kleinstbetrieb, nicht einmal einen kleinen Verein oder irgendeine Organisation kenne, in der ein solches Konglomerat aus Sorgen um die eigenen Pfründe jedwede eigentlich notwendige Arbeit über diesen Zeitraum hinweg verhindern könnte. Und keine diese mir bekannten Organisationen ist für annähernd so viele Menschen verantwortlich oder hat einen annähernd so schlechten Ruf. So ging ich also ins Wochenende, nach diesem langen Tag am Radio, an dem wir vereint ein Projekt vorantrieben bis in die Nacht hinein, das ausgerechnet von irgendwelchen fehlenden Genehmigungen über Jahre hinweg blockiert worden war. Ich ging denn also ins Wochenende, um ebenda meine eigenen Projekte voranzutreiben, und ich gewann auf diesem Weg die Erkenntnis, daß ich dieses Verhalten zwar über die Jahre hinweg als normal anzunehmen bereit geworden war, mich jedoch nicht bereitfinde, diese abgrundtief verachtenswerte Normalität auch noch gut zu finden. Faulenzer, elende, und Angsthasen noch dazu. Meine Verachtung, mit Verlaub.
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