Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Donnerstag, 10. 08 17

10.08.17, 12:53 | 'Nicht drueber nachdenken'
Der Weg von der Verschrobenheit, die noch etwas Liebenswertes an sich hat, zur Kauzigkeit dessen, der alt und viel allein ist.

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Wie nimmt man der Welt ihren Schrecken?
# |  Rauchfrei | Gas geben


10.08.17, 11:23 | 'Ansatzlos'
Morgens spät und leicht verkatert aus dem Bett gekommen. Gewöhnt ist man ja nix mehr, aber an der leeren Flasche neben dem Bett stolpere ich trotzdem vorbei, ohne sie umzuwerfen. Verschrobenes Junggesellending, im Bett Bier zu trinken und danach einfach wegzuschlafen.

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Mit dem Auto ins Büro, weil im August kaum Verkehr ist, weil müde, weil spät, weil unwillig und irgendwie ausgelaugt. Schlechtes Gewissen, trotzdem. Man macht es sich ja nie zu leicht. Und neulich über tausend Kilometer für ein langes Wochenende gefahren, auch das noch.

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Traktorenvermissen. Wie konnte das nur passieren, daß einer wie ich in einem Büro vor drei Bildschirmen am Fenster sitzen muß? Faulheit, ganz klar. Und Feigheit.

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Lang an der Arbeit geblieben, eine Einladung aus zweiter Hand dann kurzerhand (sic!) abgesagt. "Hatte ich mir gedacht," antwortet es, und "Schade." Wie man mich eben kennt. Wieder die Feigheit, vielleicht.

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Auf die Empfehlung der Königin der Dreikaiserberge hin laufe ich zum Elektromarkt und setze mir einen speziellen Kopfhörer auf. Rauschunterdrückung ist etwas unglaublich Tolles. Gerade durch ihre Unvollständigkeit, gerade durch das leise Restgeräusch, dem man fein und immer feiner nachhören möchte.
Ich antworte nicht, sondern kaufe noch frische Äpfel und eingekochtes Gemüse.

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Über einige Staubfänger gewischt. Putzen fühlt sich nach Tätigkeit an. Hefeteig angesetzt, Brötchen mit Oliven und getrockneten Tomaten gebacken. Ein paar Änderungen noch an Bildern für den großen Text, im Fragebogen des Verlags lang an der Frage nach der jetzigen Tätigkeit hängengeblieben - "Studiert das Leben am Einzelfall" klang dann doch zu abenteuerlich, und den Arbeitgeber wollte ich dann doch nicht nennen, als ob der mein Ziel gewesen wäre! Leichtes Stechen, als ich dies notiere und daran denke, daß ich vor einem Jahr noch arbeitslos war und nichts lieber wollte als diesen Arbeitgeber.

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Es wird früher dunkel, aber noch nicht richtig dunkel. Irgendwann regnet es.

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Kurz nach zehn zu Bett, mal wieder einen Brenner gelesen. Ich mag die Dialoge mittlerweile, bei denen ich früher stets das Gefühl hatte, etwas nicht mitzubekommen. Den Rest der Geschichte um die grausligen Morde und Personen bekomme ich ja nach wie vor nicht mit. Wer das nun wieder war, kann ich mir nie merken, auch nicht ohne Buch drumrum.

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Der Widerspruch, sich Einladungen zu entziehen und sich trotzdem an der Stadt zu reiben, die mich allein sein lässt. Heimat als Ziel, weil ich da schon alle kenne und nicht mehr daran arbeiten muß. Das stimmt natürlich nicht, das ist natürlich Blödsinn, aber ich möchte so gern glauben, mir könnte Gemeinsamkeit irgendwie zufliegen.

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Gutenachtgrüße verschickt, und wie jeden Abend freue ich mich an der Automatik, die mich um elf vom Internet trennt. Licht aus. Licht nochmal an, Zähne putzen. Jetzt aber.
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