Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Sonntag, 11. 10 20

11.10.20, 10:51 | 'Ansatzlos'
Bilder von langen Fernreisen, dabei Baustellenstaub im Haar. Im Radio ein kurzer Satz davon, daß Geben seliger ist als Nehmen, und vielleicht erklärt das einen Teil meiner Freude und lässt mich annehmen, was mir Freude macht.
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Sonntag, 4. 10 20

04.10.20, 17:16 | 'Ansatzlos'
Kaum etwas, das mich mehr befriedigt als Basteleien. Aus einem alten Schreibtischstuhl, etwas Rohr und Holz ist nun ein fahrbarer Tisch für das Fahrzeugdiagnosegerät geworden. Es brauchte nur das Befürfnis, die Idee, ein wenig Reife und einen regnerischen Samstag dafür. Und Schweißdraht.

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Versehentlich in einen Feiertag geraten, der meinen Einkauf unterbindet. Nun denn. Es ist ein gutes Gefühl, genug im Kühlschrank und in der Speis zu haben, um mehr als Reste essen zu können.

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Es bleibt tatsächlich das Fernsehen, wenn nichts mehr stattfindet. Also einen Film gesehen. Immerhin nebenbei abgespült, die Blumen gegossen, im Internet gelesen. Filme fangen mich nicht mehr.

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Erstes Klettern seit Monaten. Es hat mir gefehlt. Es zeigt mir außerdem, wie wenig Fingerkraft noch da ist. Herrjeh.
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Samstag, 3. 10 20

03.10.20, 12:08 | 'Ansatzlos'
Die Ruhe allein im Haus wirkt sehr unterschiedlich auf mich. Tagesform vermutlich, oder auch der unterschwellige Wunsch, genau hier oder ganz woanders zu sein.

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Lebensziel Souveränität. Nicht auf mich beziehen, was nicht auf mich bezogen ist. Mich auch von Bezügen nicht treffen, nicht beirren zu lassen.

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Schöne Bilder machen, die ich mir nie wieder ansehen werde. Vielleicht hält die Prozedur des Festhaltens einen Moment besser fest als das Festgehaltene selbst.

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Immer wieder aufräumen. Und abarbeiten.

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Was tun mit der Sehnsucht?

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Konsum. Dachzelt und Elektrorad. Ein innerer Kampf, den ich durch Reden befriede. Den Druck senken.

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Es bleibt, das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, in die Arbeit zu tragen.

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Was drängt. Mais und Beton vor Schlaf und Dusche. Man müsste sich selbst vorn und von vorn sehen können. Aber vielleicht macht man das ja unbewusst, indem man macht, was einen drängt.

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Zunächst also Vorlesung. Dann vielleicht Socken anziehen.

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Wie ich gestern nacht über den kalten Beton lief, der noch nachzuzittern schien von den vielen schweren Reifen, die er ertragen hat in den letzten Stunden, spüre ich schmerzhaft den Körper, das Genick, die Hüfte, das Knie. Ein schneidiger Wind, der uns auslacht und von den stillstehenden Wolken ausgelacht wird. Altern ist Gewöhnungssache, und es trifft mich doch, daß es nicht einfach wieder besser werden mag. Die Wahrnehmung muß weg vom Körperlichen, damit auch anderes noch Platz hat. Bier in der warmen Werkstatt. Kommst Du morgen wieder? Ich weiß noch nicht, sage ich müde und höre einem Ergrauten zu, der aufgebracht ist und mit dem Finger deutet. Eins sag ich Dir, sagt er immer wieder, und ich mühe mich wirklich, zuzuhören. Auf dem Heimweg habe ich die Augen zu.

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Die modernen Fotografen haben mir ausgetrieben, meine Knipsereien hier zu zeigen. Mit den Autos verfolgen sie uns, mit Drohnen überfliegen sie uns, mit riesigen Objektiven fangen sie uns ein. Fahren tun sie nicht, aber die besseren Bilder machen sie zweifellos. Ich knipse nach wie vor mit dem Telefon aus dem Handgelenk, während der Fahrt, während der Arbeit. Verwackelt, verdunkelt, werwinkelt. Ich mag meine Bilder immer noch, nur mag ich sie hier nicht mehr zeigen.
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Montag, 7. 09 20

07.09.20, 21:32 | 'Ansatzlos'
In dem kleinen Dorf auf der Alb bremse ich leicht, bevor mir die Straße nach links davonläuft. Biege ab in die Steige, auf meinen Heimweg, seit je und immer schon. Auf der Alb war es dämmrig, hier zwischen den Bäumen ist es dunkel. Der Seitenstreifen hellgrau, der Fahrtwind pfeift durch die Speichen, als ich mich über den Lenker beuge, den viel zu festen Griff lockere. Bremsen auf, Antritt. Der Wind wird laut. Ein paar Kiesel, vom letzten Regen auf die Straße geschwemmt, knirschen und lassen den Lenker erzittern. Als dem Wald wie eine Zahnlücke ein paar Bäume fehlen, hebe ich den Blick und sehe ins Tal, und an den Lichtern kann ich meine Stimmung messen. Je mehr Lichter ich glaube, gemütlichen Heimaten zuordnen zu können, und heute fühlt sich jedes Licht an wie ein Lagerfeuer, auf das ich zufahre. Ich rufe etwas in den Wald, an der gleichen Stelle immer schon, und dann nehme ich die nächste Kurve. Lichter tasten sich die Straße entlang auf mich zu, er wird mich schon rechtzeitig sehen, und für ein helles Auto und ein dunkles Rad hat noch jedes Sträßchen gereicht. Es kommt mir in diesem Moment völlig akzeptabel vor, in Bewegung zu sterben, obwohl mir das Sterben insgesamt nicht als eine akzeptable Lösung schmackhaft werden mag, und obwohl es natürlich auch in diesem Moment völlig außer Frage steht, jemals sterben zu können. Nur wenn, es wäre so akzeptabel. Dann sind die Scheinwerfer vorbei, hinter einer Scheibe meint man einen Zeigefinger an eine Stirn geführt zu sehen, aber ich meine ja immer mehr als ich sehen kann. Blitzer, Kirche, am Bach entlang, abbiegen auf den Todesstreifen, das neueste Symbol einer Verkehrspolitik, die sich andere Bedürfnisse als die eigenen weder vorstellen kann noch möchte. Die kurzen Streifen flitzen unter mir, als ich zu treten beginne, rund und kraftvoll, und an den ganz guten Tagen glaube ich für die besten Momente, das hätte gar nichts mit dem perfekten leichten Gefälle zu tun, das mich ins Nachbardorf schiebt und trägt, in dem ich gleich nach der Ortstafel abbiege, um über ein Brücklein und einen nächtlichen Spielplatz zu holpern. Am Fenster mein ewiges Licht. Ich bin da. Erst noch der Mais, dann sehen wir weiter.
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Mittwoch, 29. 07 20

29.07.20, 14:50 | 'Ansatzlos'
Hoffnung macht Zittern. Kaffee aber auch.
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Samstag, 2. 05 20

02.05.20, 09:40 | 'Ansatzlos'
Nur mehr mir selbst erklären.

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Dem Freund im Norden alle guten Wünsche. Ich sehe ihn noch rauchend auf der Bierbank vor dem Haus sitzen, Kaffeetasse und das Telefon vor sich. Bald sind es wieder zwei Jahre, daß wir uns gesehen haben. Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, denn wir haben da noch eine Gegeneinladung offen.
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Donnerstag, 27. 02 20

27.02.20, 08:58 | 'Ansatzlos'
Nach der Arbeit statt zum Einkauf direkt zur Geldbeutelwäsche. Sollen die anderen hamstern, denke ich und beiße in einen Lachswecken.

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Fasching weniger exzessiv als im letzten Jahr. Weniger motiviert auch. Mehr anderes in den Händen und im Kopf.

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Riesige Schneeflocken.

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Ich baue den Schrank auf und wische die Spiegeltüren ab.

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Ich koche. Nudelauflauf, viel Zitrone in der Sauce.

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Ich überarbeite noch eine Bewerbung.

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Auf dem Weg ins Bett stecke ich den Melder in die Ladeschale.

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Der Handgriff, mit dem ich das Licht im Flur lösche, das Telefon noch in der Hand, ist schon Gewohnheit.

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Was wäre ich zu geben bereit?

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Zu den verschiedensten Arbeiten, die ich tun kann, gehören verschiedene Arten von Druck. Passt der Druck nicht zur Tätigkeit, dann kann ich nicht arbeiten. Nicht zufrieden sein.

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It's a crack, I'm back
Yeah, I'm standing on the rooftops
Shouting out "Baby I am ready to go"
I'm back I'm ready to go
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Aufgewacht mit oder vom schmerzenden Knie.

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Zielstrebig bis brüsk. Harmonie zweitrangig. Kämpfertyp. Trottel.
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Montag, 9. 12 19

09.12.19, 07:25 | 'Ansatzlos'
Der Vater, der seinen Siebenunddreißigsten im Probenraum feiert, im Keller einer Tankstelle, vor der Tür teure Geschäftsautos der Gäste, karierte Hemden und Lederwesten der Cowboyfraktion, sein achtjähriger Sohn am Schlagzeug, der Vater an der elektrischen Gitarre, die kleine Tochter sitzt auf einem Barhocker vor ihm und hält das Mikrofon, während sie wie wir alle begeistert zusieht, wie die beiden Wonderwall vortragen. Wie er seinen Sohn mit den Augen lenkt, wie sich zwischen den beiden eine Verbindung aufbaut, wie durch ein Seil verbunden synchronisieren sie die Bewegungen, und man kann nur sehen, wie sich der Vater im Takt immer wieder anpasst, ein Zehntelchen auslässt oder verlängert, und dabei immer und immer wieder singt.
I don't believe that anybody
Feels the way I do about you now
And all the roads we have to walk are winding
And all the lights that lead us there are blinding
Und ich bin plötzlich sicher, daß dieses Lied genau für diesen Abend existiert, genau für diesen Vater und seinen Sohn. Ich weiß, daß sie sich erinnern werden, daß dies ihre Verbindung ist, die alles überdauern wird. Wir sind gleich alt, wir sind so verschieden. Was werde ich geben können, in acht oder zehn Jahren? Was wird mein Seil sein? Ich esse noch ein Stück Kuchen, damit ich für zehn Minuten nicht reden muß. Auf dem Heimweg sehe ich meine Hände am Lenkrad, die langen, krummen Finger, die vom vielen Greifen roten und faltigen Fingeransätze am Handrücken. Ich bin noch nicht ich, noch nicht ganz.
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Dienstag, 3. 12 19

03.12.19, 16:01 | 'Ansatzlos'
Über Mittag unter klarem Himmel über den Hof gelaufen. Im Bürokeller geduscht. Dann doch länger im Büro gewesen.

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Beworben. Wie immer gibt das ein gutes Gefühl. Denn die Luft hier wird dünn.

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Durch den Ausfall einer Vorlesung etwas Luft gewonnen.

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Mit dem Rad durch die Kälte zum Tanz. Die kleinen Schritte ernst nehmen.

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Blödeln und Lachen.
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Freitag, 6. 09 19

06.09.19, 08:01 | 'Ansatzlos'
Die Tage sind voll und schön. Trotz der Büroarbeit gerate ich an den ein oder anderen Sonnenstrahl, und selten habe ich die Sonne so genossen. Das denke ich mir immer im Herbst, und typisch für den Frühsommer ist meine Angst davor, die Sonne zu lang zu missachten, als selbstverständlich hinzunehmen und zuletzt einem verpasstem Sommer nachzujammern. Katzenjammer ist immer, wenn der Sommer vergeht, wenn die letzten Maispflanzen nur noch Stoppeln sind. Das Getreide stand lang in diesem Jahr, weil der August doch regnerisch war. Nun sind die letzten Äcker schon schwarz, die ersten lang wieder grün. Nur der Mais hält sich tapfer, und jeden Tag schaue ich den Kolben zu, den Lieschblättern, den wehenden Fahnen. Nein, verpasst habe ich nichts in diesem Sommer. Ich bin selten so viel geschwommen. Ich könnte noch mehr draußen sein, wenn ich weniger am Schreibtisch wäre, ich könnte mehr radeln, wenn ich weniger Schlepper fahren würde, und vielleicht irgendwie noch etwas effizienter sein. Vielleicht nicht unbedingt in dieser ersten Stunde des Tages zwischen den beiden Weckern. Aber sonst so. Mit langsameren Handgriffen schneller arbeiten, weniger Hast. Als Beispiel meine Mutter, deren Bewegung in der Küche kaum auf die Menge ihrer Arbeit schließen lässt und deren volle Schränke allein nicht zeigen können, daß hier nichts verdirbt. Daran arbeiten auch die scharrenden Hühner mit, und Ehre, wem hier Ehre gebührt. Vielleicht ein paar Bilder noch, vielleicht ein paar Klimmzüge, etwas Fels unter den Fingern, und vielleicht doch in den letzten Septemberwochen noch ein paar Radtage mit Aussicht. Es gibt immer etwas zu tunim Kleinen, und auch wenn die großen Dinge sich ändern oder im Argen liegen, gilt es, diese nicht zu vernachlässigen. Das Gleichgewicht finden heißt auch, die Aufgaben gewichten. Vielleicht muß auch, wer im Kleinen richtig ist, vor Großem nicht bangen. If you take care of the inches, the miles will take care of themselves habe ich einst gelesen, als ich noch viel gelesen und geschrieben habe. Dabei hinter allem die Frage, was im Großen zu tun sei.
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