Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Montag, 18. 07 16

18.07.16, 14:40 | 'RaffRaff'
Viel Radio gehört in letzter Zeit. Wird man ja doof von.

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An einem Tag erzählt eine ehemalige Prostituierte, sie kenne keine einzige, die das freiwillig tun würde. Alle unter Zwang. Und dann führt sie aus: Die Miete! Das Essen!

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An einem anderen Tag rufen dutzende verheult hysterische Menschen bei einem Sender an, um zu erzählen, sie hätten sich heute nicht zur Arbeit getraut. Weil Nizza und die Lastwagen und so.

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Herrn Gysi, den hatten sie heute in einem "Gespräch", in einem "Interview", bei dem der Moderator keinen Satz kapiert hat, was seine depperten Gegenfragen und die seufzend langen Pausen Gysis deutlich gezeigt haben, und dann kam einfach Musik, Musik und noch ein Lied, weil Dancing Queen wollen die Leute ja hören, statt einem zuzuhören, der sich auskennt, der klug ist und gut reden kann, verständlich aber nicht simplifiziert, und Meinung kann er auch noch. Aber nö. Dancing Queen. Siebzehnsechzig im Monat, bitte, danke. Aber bloß keinen reden lassen, der nicht nur Betroffenheit mimt, sondern der nachdenkt und Gedanken ausspricht und selber zum Denken anregt. Wäre unser Fernsehturm nicht mit einer tollen Bar gesegnet, man müsste ihn umsägen für diese Torheit, die sich Berichterstattung nennt.

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Hate speech jetzt auch hier, ja. Weil kuschen tödlich ist. Weil Freiheit da aufhört, wo man sie nicht mehr wahrnimmt. Weil man eben nicht schweigen kann, nur weil es eben bequemer wäre. Aus diesem Grund an dieser Stelle.
# |  Rauchfrei | Gas geben


18.07.16, 13:53 | 'Single Trails'
Meine bittere Tirade an die drei Landkreise, die ich auf dem Heimweg zu den Eltern auf dem Rad durchquere. Da ist die große Stadt, für die es ausreichend scheint, daß da irgendwas geteert ist, das muß den Radlern schon ausreichen. Nicht zu vergessen die Radspur, die mitten auf einer großen Kreuzung plötzlich im Nichts endet, zwanzig Meter weiter dann ein Verbotsschild für Radfahrer, die Straße ist vierspurig, in der Mitte Bahngleise, kein Gehsteig, stattdessen eine hohe Mauer am rechten Rand. Und wenn er nicht gestorben ist, dann lacht er sicher noch heute. Auch ganz wichtig, die Radler stets auf die Hauptstraßen zu lotsen. Sind ja alles gesunde und kräftige Lungen, da passen schon ein paar Kilo Feinstaub rein. So löst man Probleme in der Autostadt. Und wenn im Zuge einer Großbaustelle mal eben eine komplette Brücke gesperrt wird, wer könnte denn böse sein über die Beschilderung, die es ja gar nicht gibt, oder darüber, daß auch der südwärts strebende Radler dann eben mal einige Kilometer in den Norden muß, um den Fluß zu überqueren und anschließend - man ahnt es schon - eine der großen Hauptstraßen der Stadt vorgeführt zu bekommen, deren winziger Gehsteig auch noch von eben jenem riesigen Kran blockiert wird, der zuvor die Brücke abgebaut hat. Oh, the irony.
Oder der angrenzende Landkreis, der stets im Schatten der großen Stadt versinkt. Wie gern würde er selbst einen Schatten werfen, und wenn der nur aus Abgasen bestünde. Wie gern er begehrt wäre, wie gern er nur mehr wäre als das hässliche Anhängsel, das riesige Schlafdorf für die, die sich die Stadt nicht mehr leisten können, und so selbstbezogen führt er die Radler in die Irre: die Schilder lauten Nord und Süd und Ost und West, und daß auch nur einer nicht in einen der vier ach so einfallsreich betitelten Stadtteile radeln wollte, sondern vielleicht in eine ganz andere Stadt, darauf kommt man vielleicht nicht in einem Landkreis, wo Schulen auch nur Backsteingebäude sind, in denen es im Herbst nicht regnet und im Winter warm ist und man deshalb ab und zu hingeht. Vielleicht sucht man auch nur händeringend neue Einwohner, man führt den Radler in die Irre und im Kreis und an der Nase herum, in irgendein "Zentrum", das keines ist und das keiner will, durch öde und trübselige Wohngebiete, in denen nur nachts Autos abgestellt werden und Menschen billig schlafen, um am nächsten Morgen wieder in ihre Autos zu steigen, in die Stadt zu fahren und neue Autos zu bauen, die sie ja brauchen, um wieder aus der Stadt in ihre Schlafdörfer zu fahren. Und irgendwann wird der Radler müde werden, vielleicht fragt er mal hier und dort nach einem Ausgang, vielleicht lernt er irgendwann das hiesige Idiom dabei, und wenn er dann völlig entkräftet und zerrüttet ist, wird er sich hier womöglich ein Häusle bauen, eine Schlafhöhle mit einer großen Garage davor, in der er dann sein Auto stehen hat, um morgens damit in die Stadt zu fahren und Autos zu bauen und abends wieder nach Hause, auf den einsamen Radler schimpfend, der vor ihm irrt und ebenso irrig der Annahme ist, er sei ein gleichwertiger Verkehrsteilnehmer, und immer so weiter, ad infinitum, ach weh.
Zuletzt mein Kreis, die Alb schon im Namen, hier sind sie noch stramm und braungebrannt, die Kerls, und das zeigen sie dem Radler gern, indem sie ihn auch stramm und braun werden lassen auf ihren zahllosen Aufstiegen zum Albtrauf, zu jedem Zeugenberg der Alb und sowieso und überhaupt. Da fließt ein Fluß im Tal, aber wieso sollte ein Radler denn dort bleiben wollen, schau an, sagt der Wegweiser, noch ein Berg, und es ist schön da oben, also husch husch nach oben, auch wenn Du nur am Fluß entlang möchtest. Das geht leider nicht, denn am Fluß, da sind schon eine alte Bundesstraße und eine neue Bundesstraße, und daneben wird jetzt eine noch neuere Bundesstraße gebaut, wie schön, schau nur von oben, wie klein die Autos sind, und wie viele und wie schnell, und dazwischen gar kein Platz für einen Radweg, leiderleider, und ein paar Radwege haben wir ja schon. Mag sein, daß sie steil sind. Mag sein, daß sie nicht ans Ziel führen. Mag auch sein, daß sie Schotterstraßen sind, oder falls geteert, von Einheimischen mit dem Auto genutzt werden, denen es dann doch zu wenige Bundesstraßen gibt. Aber Radwege, jaha.
Sie alle können ja nichts dafür, wie es ist, das mag ja sein, aber sie können etwas dafür, wenn es so bleibt. Und so gehen die heutigen Sonderpreise zum einen an den Herrn, der an einem sonnigen Sonntag seinem Sohn auf einem belebten Radweg das Radeln beibringen wollte und dafür dessen ganze Breite für sich beanspruchte, was er durch ausgestreckte Arme kundtat. Sollten wir uns noch einmal begegnen, dann schauen wir mal, wie das so läuft mit der Impulserhaltung. Sonderpreis angewandte Physik, in Blut getränkt. Der zweite Sonderpreis, diesmal in der Kategorie Slapstick & Prioritäten, geht an die junge Mutter mit dem großen Telefon, die ihrem gestolperten Kind aufhelfen wollte und dabei nicht das Telefon, dafür aber den Kinderwagen loslassen mußte, der wiederum die Gelegenheit nutzte und samt Zweitkind die Flucht ergriff, nur mühsam aufgehalten von einem entgegenkommenden Radler, dem Autor dieser Zeilen, der dafür reichlich rüde angeschnauzt wurde, er könne sich glücklich schätzen, nicht angezeigt zu werden. Dabei war dem Telefon ja gar nichts passiert.
# |  6 RauchzeichenGas geben


18.07.16, 13:49 | 'Egalitaeten'
Wie wir auf der Terrasse saßen, zwischen uns süße Früchte und feuriger Wein, unsere sonnenheißen Arme berühren sich sacht, und im Dachfenster gegenüber spiegelt sich riesengroß der Mond, daß es mich fast blendet. Wie schnell er zieht! Ich folge ihm nicht mit dem Kopf, und bald schon ist er verschwunden, uns umfängt wieder Dunkelheit.
# |  Rauchfrei | Gas geben