Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Mittwoch, 26. 11 14

26.11.14, 14:47 | 'buying in just like a bunch of fools'

Was man halt so macht, um die eigene Wohnung erwachsener aussehen zu lassen. Bilder und Rahmen sind allerdings auch schon ein Jahr vorbereitet.

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Jetzt fühle ich mich alt und spießig, verkneife mir aber die Frage nach weniger Buntem, sondern kaufe nur nach Beratung und Laufanalyse. Und daß ich dabei die günstigsten erwischt habe, nehme ich als besonderes Glück hin.

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Überhaupt diese Laufanalyse. Wenn man morgens der erste im Laden und der Verkäufer noch voll unglaublicher Elan und Witz ist, kommt dabei doch einiges rum. Mein Oberkörper läuft ungleichmäßig. Das ist richtig, ich bin rechts deutlich stärker als links. Und das sieht man tatsächlich an den Armbewegungen. Außerdem sind meine Bänder ziemlich ausgeleiert. Das spüre ich ab und zu ganz deutlich, und während der Verkäufer noch Ursachen rät, verspreche ich mir insgeheim, mal wieder neue Arbeitsschuhe zu kaufen. Ansonsten laufe ich ganz still und leise auf dem Vorderfuß, und meine schicken Wadenmuskulatur hält das ganze trotz des Bändergewinsels rund und stabil.

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Interessant ist auch, daß mir die Schuhmarken - Brooks und Saucony - überhaupt nichts sagen. Wir verhandeln dann noch ein wenig mein Gewicht, was mich schlußendlich dazu verleitet, im ansonsten leeren Laden auch noch den dicken Winterpullover abzulegen, und schon sind wir in der Diskussion irgendwo bei Rennrädern und Strecken über die Alb. Dann fällt ihm noch ein Schuh ein, von der gleichen Marke wie mein Rennrad. Und so fühlt er sich auch an. Leicht und schnell. Nur leider nicht ebenso schwarz, aber was will man machen. Sogar die Schnürsenkel leuchten in vier Farben. Wenigstens ist keine davon pink und nur eine davon gelb. Na also. Ich bekomme noch einen Gutschein in die Hand gedrückt, und das war es dann.
Ich sehe übrigens doof aus auf dem Laufband, barfuß und mit nach oben gekrempelten Hosen und diesem riesigen Winterpullover.

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Jetzt bin ich hier, jetzt kaufe ich ein. Also bezwinge ich den Kaufhausfluchtreflex und suche mir noch eine schicke Hose aus. Die gibt es wenigstens in schwarz, und alle Größen sehen auch noch gleich aus. Nachdem ich dann allerdings fünf Mal vollbeladen und frisch umgezogen in Richtung Kabine gewandert bin, bleibt allerdings tatsächlich nur noch das Modell im Bild. L ist zu kurz, und XL noch mehr zu weit als L. Man hat es ja nicht leicht als Leichtgewicht. Ich vergewissere mich noch einmal, daß ich nicht versehentlich eine Damenhose geholt habe, aber in der Hinsicht haben die Ausstatter der Läden gelernt: Es steht über jedem Ständer in großer Schrift "Herren" oder "Damen". An der Farbe zumindest kann man die Dinger ja nicht mehr unterscheiden, also renne ich demnächst in grau-orangefarbenen Hosen durch die Gegend. Männer vom Bau, grinse ich, und packe die anderen Modelle wieder weg, die zwar schick schwarz sind, aber nicht über die Waden passen, unterm Knie schon enden oder mir bis unter die Brust reichen. Was will man machen.

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Dieses Bild kommt mir bekannt vor. Dieses Mal passt mir der linke Schuh besser, und ich fühle an der kleinen Wand auch, daß er besser auf kleinen Leisten tritt. Für Platten und Wände sind sie beide nix, aber der rechte wenigstens einen Tick weniger nix. Links trage ich übrigens zweiundvierzig, rechts aus schmerzhafter Erfahrung dreiundvierzig statt zweiundvierzigeinhalb. Es fühlt sich rechts mehr nach Schuh an, und ich mag das Gefühl der Festigkeit ja. Links ist eine steife und harte Zehenbox mit der ebenso steifen Fersenbox durch ein gefühltes Nichts verbunden. Sehr beweglich, aber auch sehr ungewohnt. Ich überlege hin und her und kaufe dann bloß das, was Kletterer immer kaufen: einen Karabiner. Es fühlt sich einfach komisch an, den gleichen Schuh noch einmal zu kaufen. Ach, ich weiß doch auch nicht.
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