Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Mittwoch, 29. 01 14

29.01.14, 11:54 | 'Night after night'
"Du hast ausgesehen wie ein schlafender Hund", sagt sie, und daß sie sich wohlfühle. Das gefällt mir, aber es ist dann doch sehr weit weg. Es passt nicht in die Bürotage und in die Traktorennächte, in die Stallsamstage und in die Bastelsonntage, und plötzlich ist so ein Leben ja sehr voll und man fragt sich, was man denn nun eigentlich gesucht hat und wofür, für welche Gelegenheit, für welche Stimmung, und wenn man versuchen muß, andere in die eigenen Zeiten zu pressen, wenn man Menschentetris spielt, dann kann es doch gar nicht richtig sein, glaube ich und weiß schon, daß ich wieder scheitern werde, mit dem Wissen diesmal, daß der Drang weg ist, daß das Verlangen nicht ausreicht, und mit genügend Strategien gegen Einsamkeit und Unglück, auch wenn das heißt, daß ich noch viele Räder kaufen werde und das Lesen zu zweit nicht bleiben wird.
# |  Rauchfrei | Gas geben


29.01.14, 08:52 | 'Ansatzlos'
Am Sonntagabend auf dem Ecksofa, jeder auf einer Seite, die Köpfe beieinander. Ich schaue vom Buch hoch und aus dem Fenster, über die Stadt hinweg. Muß man ja auch erst einunddreißig werden, um zu begreifen, wofür andere Menschen Wohnungen mieten und ausstatten, daß sie mehr sind als Schlafhöhlen.

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Nur noch Fahrradteile kaufen, die leichter sind. Warum? Warum nicht? Es ist irgendein Gefühl des Standards, den man mit dem Rahmen, mit der Arbeit, mit dem Wickeln des Lenkerbandes setzt. Und dann denkt man ernsthaft über die Preise von Pedalen nach, anstatt die zu nehmen, die sich schon bewährt haben. Meine Eigenbauten laufen wunderbar leicht, und dank einiger Feilarbeit dürften sie auch ebenso leichtgewichtig sein. Mal sehen.

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Und die verdickten Stellen oben sind Absicht! Nicht, daß mir Lenkerband übriggeblieben wäre, das ich dann schwäbisch-sparsam halt noch verbauen wollte. (Aber schon ein wenig gefreut hab ich mich trotzdem, daß ich nur einen kurzen, schrägen Streifen abschneiden musste. Und der kommt als Rahmenschutz an ein anderes Rad, das an der Stelle zufällig auch schwarz ist. Hach, ich bin Schwabe, und so gelacht über mich selbst und meinen Spaß an der Sparsamkeit habe ich ja selten wie an den letzten beiden Sonntagnachmittagen.) Nein, das neue Rad hat einen an dieser Stelle etwas verdickten Lenker, und daß meine großen Hände da wundervoll drauf und drumherum passen, hat mir so gefallen, daß ich das nachempfunden habe. Memo an mich nach einiger Auf- und Abwickelei: Der mittige Klebestreifen sitzt neben dem Lenkerband, dann wird die Wicklung schön. Der mittige Klebestreifen sitzt gerade noch so auf dem Band, dann wird die Wicklung dick. Und außerdem reicht das Lenkerband dann so exakt aus, daß es eine Freude ist!

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Zähneknirschend gebe ich fünf Euro für eine M8-Mutter aus.

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Jetzt kann ich anfangen, Teile zu "rutschen". Am alten Rennrad ist der Sattel hinüber, die Decke hat sich aufgelöst, das Polster sieht aus wie von meinem Gesäß angenagt. Ich kaufe einen neuen, gebrauchten, schönen, und der kommt an das Trek und spart dort hundert Gramm, und der vom Trek kommt an das alte Rennrad und spart dort ebenfalls hundert Gramm. Wie schön! Und zumindest beim zu tauschenden Sattel weiß ich schon, daß er mir passt. Beim neuen weiß ich nur Gewicht und Farbe. Aber er sieht schmal aus, und das wollen Sie sicher alles gar nicht wissen.

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Sehr eng sind die Wochenenden gerade. Und sehr atemlos. Verschwitzt und mit langen, müden Armen an den Abenden, und völlig zerkratzten Händen vom Gestrüpp.

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Und daß ich am liebsten allein dort hochfahre, lang durch den Wald, wo ich irgendwo in eine unscheinbare Fuhre abbiege und dort den Schlepper stehenlasse, mit den schweren Stiefeln, der weiten Hose und den Kanistern die letzten paar Meter laufe, und dann sägend den Tag verbringe, gedämpft durch den Helm und vibrierend vor Konzentration, wenn einer der alten Riesen auf den Boden kracht. Sägen am Hang, wenn es schlitzt und Stämme unvorhergesehene Hüpfer machen, wenn man schlechten Stand hat und auch mal die Säge weg und sich selbst hinter den nächsten Baum wirft. Lieber einmal zu oft Angst zeigen als einmal doof unterm Baum liegen, aber meistens schaue ich dann doch fasziniert ins Geäst nach oben, wie ich das nie gelernt habe, wo plötzliche eine Lücke klafft und die Äste einander zum Abschied winken.

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Plötzlich ein Tag, der läuft. So müssen sich Menschen fühlen, die jeden Tag ihr Pensum erreichen. Ich wäre ja gern so.

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Ein DI-Typ, sagt der Test. Ein SG-Typ, sagen die anderen Teilnehmer. Über Kongruenz sagt keiner was, und dann bin ich auch schon der einzige, der kommunikativen Kaffee mit unkollegialen Kollegen anzweifelt.

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Viel Whisky habe ich ja nicht getrunken. Aber die Frucht noch in der Nase. Leider trotz der Kleinstmenge auch den Dunst noch im Kopf, und deshalb lasse ich das lieber bleiben.

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Als sie irgendwann die Klammer öffnet, sich mit den Händen durch die Haare fährt, den Kopf schüttelt und dann auf die Schulter ihres Mannes lehnt, als dann beide in das Lächeln kommen, das nach innen geht und nur für sie beide ist, da sind sie wieder das schönste Paar der Welt für mich.

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Ich erzähle von der Wechselhaftigkeit, als wäre das erstrebenswert. Daß ich eben lerne, "Nein, danke" zu sagen, daß ich eben lerne, kein Vielleicht mehr zu akzeptieren und keinem "Wirdschonnoch" mehr zu glauben, sage ich nicht.

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Und dann sitze ich da, an einem Montagmorgen, an dem ich längst bei der Arbeit sein sollte, und könnte heulen. Alles okay und nichts gut.
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