Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Freitag, 26. 07 19

26.07.19, 08:24 | 'Was zu tun ist'
Oh it's healing bang bang bang
I can hear your canons call
You've been aiming at my land
Your hungry hammer's falling
And if you want me, I'm your country
Ich hatte dieses Lied nicht nur verdrängt, ich hatte es unter Wasser gehalten, um die Hammerschläge nicht mehr ertragen, dem Anprall des Sturms nicht mehr ertragen zu müssen. Ich habe es schlußendlich fast vergessen, um nicht umgeworfen zu werden.
Gestern dann, auf einem Handtuch am Steg sitzend, die Beine baumeln, die Luft fast körperwarm und leicht, der Sternenhimmel wie ein Schirm über uns, in der Ferne Stimmen und schwaches Licht, gestern abend also am Wasser erscholl das Lied vom Sturm von neuem.
I need some wind to get me sailing
So it's the storm that I believe in
You feel my heart you keep my breathing
'Cause you're the storm that I believe in
Worte, die im Sturm ankommen wollen, müssen aus voller Brust gesungen werden. Und ich habe gesungen und gehört und die Wellen gespürt, Gänsehaut im Wasser, überhaupt Wasser, das den Schall so gut trägt, den Kontakt herstellt, daß ich aus der Ferne einen zweiten Herzschlag zu spüren glaube. You're the storm that I believe in, klingt es in mir noch einmal, als ich mit geschlossenen Augen im Auto sitze. Ja, sage ich, und ich möchte auch Dein Sturm sein.
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Samstag, 6. 04 19

06.04.19, 23:03 | 'Was zu tun ist'
Sehr früh aufgestanden heute. Auf den Hof gefahren, vor fünf fahre auch ich die vier Kilometer mit dem Auto. Frost, auf einem Silo finde ich Eisplatten. Sie machen die Folien schwer und rutschig. Ich kann nicht mehr genau rekapitulieren, was ich getan habe und in welcher Reihenfolge, und daran zeigt sich, glaube ich, auf welcher Ebene ich Stallarbeit kann. Ich sehe die Arbeiten, ich erledige sie, ich taktiere, indem ich Werkzeug von einem Fleck zum anderen trage oder noch schnell auf dem Weg wohin etwas anderes nebenbei tue, aber ich habe keine Strategie. Das ist alles nicht nichts, keinesfalls, sonst wäre ich nicht hier auf einem Spitzenbetrieb zur Vertretung, sonst würde man mich das nicht tun lassen. Ich weiß nicht, ob es nur die Routine ist oder ein tieferes Wissen, das mir fehlt, um vor mir selbst einen weniger gescheuchten Auftritt zu machen. Nach der Stallzeit Kaffee, dann decke ich Silos auf, dann Mittag, dann füttere ich. Der Vetter hat allen Ernstes gemeint, ein Betrieb dieser Größe ließe sich allein führen. Er war lang nicht draußen, denke ich, auf den Feldern, hat lang nicht die Stunden auf dem Hof und auf dem Feld gezählt. Ich denke an die Worte meines Bauern, der einst erzählte, wie er sich zu Beginn immer viel zu viel vorgenommen hatte, wie die Tage zu kurz für die Arbeiten waren, und wie er gelernt hat, mit dem Unfertigen zu leben. Ich werde noch sehr lang darüber nachdenken müssen, denn darin steckt mehr Weisheit, als ich bisher erfassen kann. Immerhin habe ich nicht vergessen, was man mir erzählt hat, und auch das ist ja schon was. Post vom Amtsgericht, und vor Gerichten habe ich nun wirklich Mores. Ich will nicht eingesperrt werden, wenn ich auch nicht wüßte, wofür. Das Füttern geht nahtlos wieder in die Stallzeit über, und statt Vorderwasser zu haben, bastle ich an der Anlage, beobachte kurz die Goldfische im Tränkebecken, trage Wassereimer und melke eine kranke Kuh von Hand. Und schaufle Mist. Viel Mist. Ich glaube, um das zu vermeiden, hätte ich so gut wie jede Baumaßnahme getroffen. Einstreuen noch, damit die Damen glücklich in ihren Strohbetten wühlen können. Auch wenn es frustrierend ist, daß ihr größtes Glück darin zu bestehen scheint, das schöne Stroh hinaus auf den Laufgang zu befördern. Den Sohn des Vetters habe ich im Mischwagen auf dem Schoß und auf dem Radlader. Welch Kindheit, denke ich, welch Abenteuer voll Lärm und Maschinen und Tieren und Bewegung. Mir ist davon die Wurstdose geblieben, in der das Milchgeld war, und davon ein Kreuzerle und der Weg über den Hof, an Nußbaum und Miste vorbei, zum Hintereingang der Krone gegenüber, eine alte Frau und ein ausgesuchtes Eis, auf der Mistenmauer neben einer riesigen Silberdistel gegessen, daß es nur so schmatzt. Was ihm bleiben wird? Ich werde es nicht erfahren, ich werde siebzig sein, wenn er mein Alter hat. Zwei Mal lassen wir heute eine Kuh fliegen, und ich überlege kurz, was wohl ein ahnungsloser Tierfreund zu einer solchen Maßnahme sagen würde, empfohlen vom Tierarzt und lang erprobt. Der Umgang erscheint grob mit diesen großen Tieren, die gleichzeitig so zäh und so verspielt sein können, mit ihren ganz eigenen großen Köpfen. Ich weiß, daß sie stehen muß, um zu leben, und deshalb stellen wir sie auf, wieder und wieder, bis sie stehenbleibt, schwer schnaufend und mit bebenden Flanken. Als sie sich gefangen hat, frisst sie schon, und ich freue mich über jeden Zungenschlag, mit dem sie das Heu im Maul faltet und knickt, um es kauen zu können. Vesper dann, und nach zehn bin ich hier, wo ich zu Hause sein soll und vor fünf schon gegangen bin. Ich erinnere mich an die Lehre vom Unfertigen, ich trinke noch eins und gehe dann zu Bett.
# |  Rauchfrei | Gas geben

Mittwoch, 11. 04 18

11.04.18, 14:42 | 'Was zu tun ist'
Zum Telefonieren in der Sonne stehen und merken, daß man in einer Stunde raus und aufs Rad darf, wonach man feststellt, daß man die ganze Woche schon eine kurze Radhose im Rucksack durch die Gegend trägt, die nun zum Einsatz kommen soll. Man freut sich auf die Schulglocke, die zwar keine solche ist, aber das Gefühl am besten hervorruft, schellend, schallend, lachend.
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Mittwoch, 30. 09 15

30.09.15, 12:31 | 'Was zu tun ist'
Wie übt man Mut?
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Freitag, 17. 07 15

17.07.15, 22:27 | 'Was zu tun ist'
Und heute nachmittag der Moment, an dem ich wieder zu singen begann, Bruchstücke von Texten, Lalala, unterm Helm in der Hitze des Nachmittags auf den leeren Nebensträßchen des Schwäbischen Waldes, den Hinterreifen auf der Kante, die Hände spielerisch am Lenker schwenkend. Ich erschrak mich vor meiner eigenen Stimme. Wie lang ich stumm gewesen sein muß.
# |  1 RauchzeichenGas geben

Donnerstag, 8. 01 15

08.01.15, 08:17 | 'Was zu tun ist'
Den Optimismus wiederfinden und konservieren.
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