Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Freitag, 16. 11 12

16.11.12, 14:46 | 'Night after night'
"Deaktivierung erfolgt" steht in der Mail, und dann blinkt es rot und das Display wird dunkel.

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Reifen platt, knapp in der Zeit. Geld alle, Akku fast leer. Und dann lasse ich den Schlüssel im Büro liegen. Gibt ja so Tage, also reißen wir in der Bahn zuerst eins auf und lachen.

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Vielleicht ein Freund, irgendwann.

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Kaum ist das Büffet abgeräumt, tanzen sie schon. Ich brauche dann noch eine halbe Stunde, und es ist tatsächlich Zufall, daß ich zum "Highway to hell" auftanze.

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Manche sehen sehr bemüht aus. Sie bilden Trauben, sie schauen und warten, sie zucken und warten wieder. Sie nähern sich einem Ohr, und dann werden sie schon abgewunken.

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Ich lächle freundlich und schwenke die Flasche, als ich von hinten angeschoben werde. Ich schiebe ein wenig zurück, dann weiche ich aus. Ich bin schon einige Meter weit gekommen, als ich mich umsehe und die Grinsenden mir zeigen, daß versucht wird, mit mir zu tanzen. Mir ist, als würde ich von einer Straßenwalze angeschoben, aber für solch schweres Gerät ist sie doch arg zierlich. Ich muß dann doch lachen.

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Ich sinniere, als mich jemand am Hemd zupft. Sie redet schon, als ich aufgewacht bin, und ich verstehe nur Rammstein. Das sagt sie tatsächlich, merke ich irgendwann, und da sind wir schon in einer Konzertdebatte und beim Rauchen. Ich rauche nicht. Von den Konzerten kommen wir überallhin, und vom Rauchen an die Bar. Ich trinke auch nicht. Und überallhin mag ich auch nicht, sage ich irgendwann. Sie gibt mir eine Visitenkarte, und ich schaue sie an und weiß nicht recht, ob sie oder ich von weit weit her kommen.

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Dann bin ich eben ein Weltenbummler. Ich kann das dort und jenes hier, und beides nicht so recht und richtig. Und daran, daß man etwas gesehen haben muß, glaube ich sowieso nicht.

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Wir sitzen dann noch und sinnieren vom Gin. Es ist spät geworden, und ich bin noch wach oder träume vielleicht schon.
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Montag, 1. 10 12

01.10.12, 10:21 | 'Night after night'
Viel Kommunikation, und dann wird mir ja immer schnell alles zuviel. So fahre ich also nicht in die Berge und auch nicht an den Heimatberg zum Klettern.
Stattdessen ein erwartetes Paket. Drin ist ein Trikot statt einer Regenhose. Jetzt habe ich eine Woche gewartet, da hat es Aldi. Den Kauf in Auftrag gegeben (Notiz und Geld in der Küche liegen gelassen), Paket zurückgeschickt, am Arsch na, Versandhandel.
Radeln und Reden. Wir sitzen in den Fenstern der Ruine, bis die Sonne weg ist. Das bringt uns nicht weiter, hilft aber trotzdem. Manche Fehler muß man machen, glaube ich.
Stall. Ich atme die ganze Zeit tief ein, wenn ich da bin. Als müsste ich den Duft speichern. Die Hände riechen mindestens bis Dienstag.
Ein Achtzehnter. So ein bißchen bin ich wieder sechzehn, weil ich am liebsten mit wenigen zu wenigen gehe. Kein Abenteuer. Die Mädchen tragen Dirndl, und ich verliebe mich zig mal. Weil ich nichts tun will, nichts tun muß, nichts tun kann, bin ich frei. Herrlich, denke ich, lächle dem Mädchen mit den bekannten Zügen und den roten Wangen zu und falle schon wieder.
Neue Beläge. Nur Schieben ist billiger.

Der Vetter und die beiden Cousinen bei Oma. Wir finden uns schon.Technik und Leben und Lernen und Wohnen, und so sollen all unsere Treffen sein.
Auf dem Hof dirigiere ich Lastwagenfahrer und Helfer, und so mag ich das. Meine Stiefel klatschen beim Rennen an die Schenkel, und irgendwie läuft schon alles. Mein Schädel ist stark parallelisiert, denke ich, stolpere und liege dann auch schon auf dem Boden der Tatsachen. Ein Lastwagen hängt an der Dachrinne, und irgendwie kann ich noch lachen.
Abends sitzen wir da, mit Mädchen in kurzen Röcken, und spielen Brettspiele. Wir trinken, rufen und lachen, und unsere Scherze sind von hier. Der Name der Hübschen aus dem Dorf als Joker im Spiel.
Am Sonntagmorgen warte ich, bis der Nebel die Wiesen freigibt.

Dann starte ich zur Eislese. Ready.

Go.

Spät in der Nacht steige ich ab, antworte den blinkenden Nachrichten des Tages und fahre los, in die große Stadt, wo ich mich am Morgen nicht recht aus dem Bett reißen will. Daheim hält mich nichts unter den Decken. Nun.
# |  Rauchfrei | Gas geben

Sonntag, 30. 05 10

30.05.10, 12:39 | 'Night after night'
Daß immer noch was geht.

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Aufmerksam beobachte ich mich und versuche, herauszufinden, wann ich schwergängig werde. Es ist nicht die erste Nacht, in der ich nicht einmal ein Radio habe, und es ist auch nicht die zweite. Sie verfliegt geradezu, weil wir beide sehr konstant fahren, sehr gleichmäßig. Ich beobachte die Kühe im Stall nebenan. Sie lassen sich von mir nicht stören.
Am dritten Tag ist mir übel. Ich habe zuviel Kaffee getrunken und zu wenig gegessen. Außerdem wechsle ich den Hof, und das rüttelt immer sehr an mir, wenn ich irgendwo fertig bin und gleich darauf neu beginnen muß. Glücklicherweise treibt es mich auch, aber Emotionen habe ich irgendwo abgeschaltet. Ich bin immer noch fokussiert, auch wenn die Augen das nicht mehr ständig mitmachen. Aber das nächtliche Abschweifen der Gedanken, das hat der Tag vertrieben. Ich sehe auch nicht mehr jede Minute zur Uhr in der Kabinensäule. Nachts leuchten die Bälkchen hell und kantig, und ich kann den Blick an ihnen ausrichten. Wieder eine Minute. Und die Gewißheit, daß alles vorübergeht. Die Sonne geht unter, der Mond geht auf, Wolken ziehen. Taktgemäß kommen die Wägen, brüllt der Stufenlose an mir vorbei, ziehe ich mich vom Haufen zurück. Ich schreibe jede Nacht an eine, die auch mit der Nacht kämpft. Daß ich vor allem mit den Tagen dazwischen kämpfe, schreibe ich ihr nicht.
Der Haufen wächst, aber nachts kenne ich keine Angst. Ich sehe ja nicht die Brocken hinunterkullern, das Gras nicht aus dem Haufen brechen, als ich hart an der Kante vorbeifahre. Ich versuche, ein Video zu drehen, aber man kann nichts erkennen. Wieder stelle ich meine Augen an der Uhr scharf.
Der Mond geht unter, es wird sehr dunkel. So dunkel, daß das Tageslicht mir gar nicht auffällt. Dann kann ich auch schon wieder die Lichter ausschalten.
Die Ladewagenfahrer wechseln die Schicht. Ich bin müde. Ich wechsle nicht.
Gegen Ende gibt es Durcheinander, weil ich den Ladewagen übers Silo ziehen muß. Weil der neue Fahrer eben nicht der alte ist. Am ersten Tag hätte mich das noch aufgeregt, denke ich, aber jetzt grinse ich nur noch müde über mich selbst.

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Keine fünf Minuten, nachdem ich in den Hof gestaubt bin, liege ich auf den Spalten im Schmutz. Eine der Betonspalten ist gebrochen und liegt samt der halben Kuh im Güllekanal. Wir zerren die Dame heraus, dann den Beton. Neue Spalten einsetzen. Zu dritt kann man sie so eben tragen, das weiß ich, und ruhig gebe ich meine Anweisungen. Den Diplomhektiker schicke ich weg, und Wunder! er folgt mir. Seine Frau trägt eine Taschenlampe und rudert damit hilflos durch die Luft. Ich schicke auch sie weg.
Mein Geruchssinn hat nachgelassen, merke ich, als ich mich im Melkstand abspritze. Mein Hemd lege ich auf den Boden und brause es ab, winde es aus und ziehe es wieder an. Es ist nass und kalt, und was könnte es bei heißem Wetter Besseres geben, wenn man nichts riecht?
Bevor ich zum Mähen gehe, höre ich mir den Plan an. Stolz trägt er ihn vor, und ich zerpflücke ihn mit spitzen Fingern. Ich muß die Augen schließen, mir ist schwindlig. Und immer noch übel. Ich werde am Graben beginnen zu Mähen, beschließe ich, dort kann ich kurz anhalten und - nun ja. Zuerst brauchen wir einen Plan. Ich wische die Einwände weg und steige auf. Als ich aus dem Hof rausche, schwirrt der Turbolader, singt die Hydraulik. Ich telefoniere ein, zwei, drei Mal. Das Gras ist zu trocken, zu früh gemäht worden, sage ich. Ich sehe Sterne und falsche Farben, aber die Kontraste sind noch ausreichend, um weiterzufahren. Die Gelassenheit ist dahin, jetzt ist es mein Plan, der Vetter kommt heute nacht, ich habe ein Zeitfenster. Die Erregung trifft sich mit der Übelkeit, und jetzt halte ich doch an. Nebenan ein Spaziergänger, als ich über den untersten Tritt speie. Ist ja verzinkt, denke ich.
Die Grenzen sind leicht zu finden, aber das Gras trägt immer noch seltsame Farben. Ich hoffe auf die Nacht, da wird ja doch alles grau. Mähen, schwitzen. Trinken. Das Essen verweigere ich. Geräte abbauen, den Schlepper wieder flottmachen. Kühler reinigen, mein Wohnzimmer säubern, und die Fenster. Verteiler anbauen, Gewicht anbauen. Ich stelle mich eben im Melkhaus unter die Dusche, als der Vetter in den Hof fährt. Ich erkläre ihm die Wiesen und den Plan, und dann habe ich eine halbe Stunde, um mich wieder anzuziehen und mich walzfertig zu machen.
Die Nacht beginnt. Sie quält mich. Aber geht. Muß gehen. Es kann ja nur gerade so schwer werden, daß es nicht unerträglich wird, sonst wäre es ja nicht zu ertragen. Und ich ertrage ja noch, also kanns so schlimm noch nicht sein. Gegen drei habe ich den Keil im Silo hochgezogen und kann sitzenbleiben. Ich muß nicht mehr jeden Wagen einweisen. Das ist schön. Ich trinke isotonische Sportgetränke, weil kein Wasser mehr da ist. Deren Nachteil ist, daß sie sehr kleben, wenn man sie sich über den Kopf gießt. Um fünf verabschiedet sich der Vetter, er wird abgelöst. Meine Ablösung kommt um halb sieben, und ich torkle nach hause. Koffer packen, wir treffen uns um halb neun zur Radfreizeit.
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Donnerstag, 20. 05 10

20.05.10, 08:44 | 'Night after night'
Ein Roman übers Prügeln.
Ein Roman übers Fahren.
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Samstag, 15. 05 10

15.05.10, 20:38 | 'Night after night'
Ich höre Murmeln, als ich eintrete, und stumm bitte ich darum, daß nicht auch noch dieses enden möge, wo doch schon so vieles enden muß in diesen Tagen.
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Donnerstag, 29. 04 10

29.04.10, 06:30 | 'Night after night'
Der Handwerker mit dem großen Schwanz, dem man das nicht einmal vorwerfen kann. [Aufgew.]

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Selbstbildnis als Pizzamann.
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Sonntag, 31. 01 10

31.01.10, 18:43 | 'Night after night'
Ich grüße freundlich, lächle und werde ignoriert.
Unbeeindrucktes Tänzeln. Das übliche Geplänkel mit Bekannten und Neuen, denen man sich präsentiert und die man abschätzt.
Dann Arbeit. Ich komme zu nichts. Trinke Wasser, um mich vor dem Vorjahr zu schützen.
Irgendwann sprichst Du mich an, über die hohe Theke hinweg. Du kennst sie noch, die empfindlichen Stellen, und Du springst sie alle an. Ich wehre nicht ab, ich kämpfe nicht, und es scheint, das Trampeln verliere den Reiz für Dich.
Am Ende Tränen und ich weit weg vom Bitten.

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Armdrücken mit links, und wie sie auf mich setzen. Drei Bier auf ihn, und da reißt irgendwas sich los. Fauchend aus dem Handgelenk, wie in alten Zeiten, und dem Gelenk folgt der Arm. Ins Fleisch verkrallte Nägel, ein dumpfer Schlag auf der Platte.

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Die geleerte Geldkassette, und die plötzliche Sinnlosigkeit. Des Arbeitens, des Streitens, des Bezahlens.
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Montag, 23. 11 09

23.11.09, 12:57 | 'Night after night'
Man hasst ja auch dafür, daß man einst geliebt hat, und das ängstigt mich wirklich.
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Sonntag, 17. 05 09

17.05.09, 14:59 | 'Night after night'
Wie die beiden Mädchen ohne ihre Begleiter dastehen, leicht gebeugt und mit hochgezogenen Schultern. Sie stehen an der Bar, die ihnen nicht Nahrung gibt, sondern die sie abtrennt, die sie schützen soll vor dem Tosen, vor den Menschen, und sie lächeln sich verschüchtert an, halten die Gläser und die Strohhalme darin fest, und morgen werden sie von diesem wunderschönen Abend berichten.
Müde stehe ich da, die Arme verschränkt, an die Wand gelehnt, und lasse mich treiben. Mal grüßt einer, mal kommt eine auf ein paar Worte vorbei. Ich schließe die Augen und höre den beiden zu.
Rosen, sagt die eine schmachtend, und deutet auf einen, der sich durch die Menge drückt, mit einem Strauß in der Hand, suchend, ein Verkäufer.
Als er den lauten, verrauchten Raum verlässt, stoße ich mich von der Wand ab und folge ihm. Zwei Stück, bitte. Ja, rote. Danke.
Ich nähere mich den beiden unbemerkt und überreiche ihnen die Rosen. Sie bedanken sich lachend und sind sofort dabei, der Kellnerin ein Glas Wasser als Vase abzuschwatzen, das sie mit den beiden langstieligen Rosen vor sich auf der Theke abstellen.
Ich lehne wieder an der Wand und sehe, wie sie sich nicht überwinden können, ihre schützende Theke loszulassen. Sie giggeln herüber zu mir, und ich schließe wieder die Augen. Die Musik wiegt mich.
Als ich gehe, kommen die beiden auf mich zu und bedanken sich, die Stiele vorsichtig in den Händen. Es sind keine Dornen daran. Rosen statt Bier, denke ich noch, als ich im Rückspiegel meine beiden Leichen auf der Rückbank betrachte. Ich halte im Hof und warte, bis sie im Haus sind, bevor ich wegfahre.
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Montag, 20. 04 09

20.04.09, 11:33 | 'Night after night'
Und wie ich da so liege, in der grauen Nacht, da bilde ich mir ein, es bequem zu haben und schlafen zu können. Hatten wir ja schon lange nicht mehr, dieses Schlafen.
Aber die Nase ist zu, die Müdigkeit ausgegangen, und ich wälze mich hin und her. Die Nase ist richtig zu, und sowas von dicht, daß ich nicht einmal mehr schlucken kann, ans Atmen denke ich ja schon gar nicht mehr. Dafür an das völlig wirkungslose Meerwasserzeug, das sie mir immer wieder andrehen wollen, und das ich nachts vor lauter Ärger an die Wand pfeffere, daß es die billige Flasche zerreißt. Für solch einen Wutausbruch bin ich einmal verlacht worden von einer, die selig neben mir schlafen konnte, während ich meinem Ärger stumm Herr zu werden versuchte, um nicht zu stören, so lang, bis es mich fast verrissen hätte vor Wut, und dann doch lieber so eine blöde Flasche, denke ich, und einmal laut Scheiße schreien, und dann noch ein zweites Mal, zur Sicherheit. Jetzt rege ich mich wieder auf, weil ich doch nur einmal früh zu Bett gehen wollte, nach den ganzen Nächten, und dann kommt der Schnupfen und die Schlaflosigkeit, und morgen werde ich wieder Halsschmerzen haben und unausgeschlafen sein, und das auch noch unschuldig. Teufel auch, das regt mich auf, und da kann ich noch weniger schlafen.
Dann, wie immer, der Umschwung. Ich lache mich aus, wie ich da stumm vor mich hinlamentiere und -schimpfe, als wäre ich das Opfer des Elends der Welt. Wenigstens, denke ich, hält mir das die Nachtdämonen vom Leib, und im nächsten Moment möchte ich gern viel mehr an die Wand knallen als Fläschchen mit Meerwasser, am besten mich selbst, mit dem Kopf voran. Zum Schnupfen noch die Dämonen wecken. Tolle Idee. Idiot. Wenigstens wärmt mich der Ärger, denke ich nach dem ersten aus der Reihe, und ich würde gerne seufzen, und bringe doch nur ein Röcheln zustande. Alles nur der Nase wegen. Teufel auch.
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