Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Montag, 14. 05 18

14.05.18, 21:41 | 'Keep on ploughing'
Ich glaube, so ganz freiwillig habe ich das Alleinsein dann doch nicht so ausgiebig gelernt.
# |  1 RauchzeichenGas geben

Freitag, 4. 03 16

04.03.16, 16:39 | 'Keep on ploughing'
Wir sind am Werkstor verabredet, und ich komme von einem frustrierenden Schreibtischtag voller ungewollter Infs und NaNs, mit der Gewißheit, daß es nicht reicht, daß ich nicht reiche, daß es Juni werden wird, auch wenn ich alle Nächte arbeite, und Du kommst von einem netten Gespräch mit einem, der wirklich was zu sagen und wirklich was zu erzählen hat. Sieht wie ein Traumjob aus, denke ich etwas neidisch, als wir im Auto durch die Stadt fahren. Aber daß es nur so aussieht, weiß ich natürlich.
Wir schauen uns Möbel an für Deine neue Wohnung, und ich wundere mich, wie lange ein Teppich braucht und wie wenig Zeit eine Couch. Ich kann nicht so gut mit Möbeln, glaube ich. Aber wir sind uns einig mit den Gartenmöbeln und mit der ramschigen Anmutung mancher Schränke.
Ich wundere mich selbst, wie ich mittlerweile ansprechen kann, was mich bewegt. Ich denke immer noch sehr lange nach, aber ich spreche auch. Nicht im Auto bitte, sagst Du, und ich nicke. Wir parken irgendwo im Parkverbot, laufen die stadttypischen Treppen hinunter in eine der Kneipen, die teuer und laut sind und sich allein dadurch gern für weltstädtisch ausgeben. Wir essen Salat und Couscous, und nach der Hälfte tauschen wir die Teller. Ich trinke ein Bier zum Essen, ich breche mein Fasten, ich werde die Watte im Kopf noch brauchen, fürchte ich. Wir reden und trinken noch eins. Du drückst Deine Hände zwischen die Rohre des Heizkörpers neben Dir. Irgendwann, ich denke gar nicht recht drüber nach, ich folge einfach dem Fluß des Gesprächs, frage ich noch einmal. Ich wiederhole, was ich mir denke: Daß ich verstanden werden will von denen, die ich mag. Daß ich gern nicht verstanden werde von denen, die mir egal sind. Daß ich umgekehrt auch verstehen will. Daß ich nicht mehr weiß, wo ich jetzt bin zwischen dem "Mach bitte weiter" und dem Gefühl, daß Du Dich entfernst. Deine Augen schimmern, Du blinzelst Tränen weg. Ich nehme eine Deiner Hände, der Heizkörper hat sie nur außen angewärmt, von innen drückt Kälte nach, und ich versuche, die Wärme zwischen unseren Händen einzuschließen. Dein Telefon blinkt, und einmal vibriert es. Ich kenne selbst die Namen schon, die auf dem Bildschirm erscheinen. Da war was, sagst Du. Da war jemand. Vor einem halben Jahr. Zehn Jahre lang. Und dieser nächtliche Kaffee neulich. Du bist nicht drüber weg, Du weißt nicht, ob es war oder noch ist.
Ich stecke das weg, ich weiß nicht, warum. Ich taumle nicht, ich schwanke nicht einmal sonderlich, als ich zur Toilette gehe. Nur nicht in den Spiegel sehen jetzt. Ich gehe zurück und atme tief ein. Ich breche mir jetzt selbst das Genick, sage ich, und so fühlt es sich auch an. Ich wußte nichts. Ich will Dir nicht wehtun. Ich will nicht, daß Du Dir wehtust.
Übersprungshandlung soll ich also keine sein. Verletzt soll ich nicht sein. Ich presse mir ein Lächeln ab, vielleicht ziehe ich es auch mit den Händen ins Gesicht. Ich muß ja den Kopf sowieso festhalten. Genickbruch. Nein, sage ich. Mach Dir keine Sorgen, ich verletze mich selbst. Ich weiß nicht mehr genau, was ich noch alles sage, aber es klingt sehr sinnvoll, denke ich. Ich kann mir fast selbst glauben, ich weiß nur nicht mehr, was ich sage. Ich beschwöre meine Zähigkeit, als wäre die irgendjemandem was wert.
Die Musik ist schon aus und die Gläser sind geputzt, als wir aufbrechen. Ich nehme Dich in den Arm, glaube ich. Mit gebrochenem Genick bestehe ich nur noch aus Glauben. Wir holen noch meinen Rucksack aus dem Auto, und vor Deiner Tür sehe ich auf mein Telefon. Die nächste Bahn fährt um fünf. Das wird ein langer Marsch, sage ich, und Du sagst nichts. Öffnest die Haustür, gehst die paar Stufen nach oben. Die Wohnungstür. Komm. Ich stehe im Flur. Ich kann auf dem Sofa schlafen, sage ich. Das steht unschuldig in der Ecke und ist voller Papiere. Bücher, Dokumente, Drucksachen. Dann steige ich die Leiter hinauf, Dich im Arm schlafe ich ein und wache von Deinem Wecker wieder auf, Dich im Arm. Ich streiche Dir über den Rücken, dann stehen wir auf. Das Bad ist besetzt, wir stellen uns an den Herd und schauen dem Kaffee zu. Dein Kopf an meiner Schulter, und wenn Du Dich anlehnst, dann hält plötzlich mein Genick den Kopf wieder hoch. Auf dem Sofa trinken wir Kaffee. Es ist still, Dein Kopf liegt an meiner Schulter. Ich muß, sage ich, als müsste ich.
Am Bahnsteig lese ich Deine Nachricht.
Ich antworte mit den Helden. Ich weiß um Deine Monster, schreibe ich. Ich trag Dich, so weit wie ich kann.
Kannst Du mein Monster halten, fragst Du.
Ich sang die ganze Zeit von Dir, antworte ich mit einer ganzen Strophe. Ja, ich kann, schreibe ich noch.
Dann sind wir still. Ab und an schwillt das Entsetzen in mir an, erdrückt mich von innen, presst mir das Herz an die Rippen, drückt mir den Kopf vom gebrochenen Genick. Mir wird übel vom Bier, vom leeren Magen, vom Ensetzen. Ich denke dann, daß Du noch nicht drüber weg bist, daß es noch nicht vorbei ist. Ich halte dann die Luft an und drücke gegen das Entsetzen an. Ich habe Dir den ganzen Weg versprochen, sage ich mir. Ich habe mir meine eigene Zähigkeit eingeredet. Und was ich ganz vergessen habe: Ich kann so furchtbar schlecht nachgeben. Dann mal los.
# |  2 RauchzeichenGas geben

Sonntag, 30. 08 15

30.08.15, 11:36 | 'Keep on ploughing'


Dieselliebe.

Und an irgendeinem Abend, da bricht etwas. Ich schweige nur noch. Und dann gehe ich. Wir entschuldigen uns, aber das richtet es nicht. Ich mache eines dieser Bilder, an denen mein Herz hängt, und lange halte ich den Finger über dem Telefon, aber ich schicke es Dir nicht. Es ist zerbrochen.
Ich habe Dich immer noch sehr gern, sage ich, und dann fehlen mir zu allem die Worte. Ich möchte Dir nicht mehr offenbar werden, nicht mehr verbindlich, nicht mehr begeistert.
Vielleicht ist das besser so, sagst Du. Ich schaue in den Vollmond dieser klaren Nacht, ich bin sehr müde und sehr erfüllt davon, wie aus den Befehlen meiner Finger, meiner Arme und Beine die Arbeit so wird, wie ich sie haben will. Ich habe die Sprache der Maschine nicht nur verstanden, ich beherrsche sie. Ich throne in der Kabine und erteile Befehle an Knöpfen und Hebeln.



Ich beherrsche eine Sprache, ich erledige eine Arbeit, ich freue mich an Abläufen. Ich schalte das Funkgerät ab an diesem Abend, und das Radio ganz leise. Nur das Rauschen der Lüftung, das Konzert des Motors, die Antworten des Getriebes.
Du sagst etwas, und ich sollte reagieren. Ich weiß auch, wie ich reagieren sollte. Allein, ich bin müde. Ich sortiere die Antworten durch, siebe die Freundlichkeit heraus, trockne und wische und poliere die Antwort, bis sie glänzend und leer ist.
Ja, sage ich. Und nein.
Es liegt nicht an Dir, denke ich. Ich bin falsch. Ich bin falsch an Dir, und ich möchte mich korrigieren.



Es ist Zeit für den Herbstnebel. Es ist Zeit für kleine Schritte. Zeit für Schritte, Zeit, um aufzustehen und zu gehen. Zeit, um lang zu schauen und kurz zu sehen.
Du stößt noch einmal zu und zielst auf den Punkt zwischen Machen und Mitmachen. Du kennst mich gut, denke ich. Ich weiche nicht aus. Ich mag verletzlich sein, aber verwundbar bin ich nicht. Es ist Respekt vor Dir, der mich nicht ausweichen lässt - Du sollst Deinen Schlag haben. Und es ist der Glaube an mich, der mich nicht ausweichen lässt. Ich kann das ertragen.
An der Tankstelle fülle ich Diesel nach. Stelle die Maschine in der Halle ab und ziehe das Tor zu. Es ist warm draußen. Ich mache einen Schritt. Ich antworte nicht mehr.
# |  Rauchfrei | Gas geben

Donnerstag, 26. 06 14

26.06.14, 10:24 | 'Keep on ploughing'
"Du gehst in jedem Geschirr," sagte der alte Bauer neulich, und bedankte sich für das Vergnügen, mit mir zu arbeiten.
In allen Geschirren zu gehen. Mein Stolz und mein Untergang. Meine ebenso katholischen wie calvinistischen Vorfahren, die ich in mir in eine ganz andere Welt trage. Ich wäre leichter ohne euch. Aber das wäre nicht ich.
# |  Rauchfrei | Gas geben

Sonntag, 20. 01 13

20.01.13, 16:50 | 'Keep on ploughing'

Samstags.


Ein Händchen für Maschinen.


Ackerparty. Schlepperdisco.
# |  Rauchfrei | Gas geben

Dienstag, 11. 12 12

11.12.12, 16:58 | 'Keep on ploughing'
Noch zehn Tage bis zur Sonnwende. Viel dunkler kann es also nicht mehr werden.
Außerdem: heute morgen erstmals die Heizung eingeschaltet. Muß also schon Winter sein.
Und: Internet über den schicken neuen Router und via Mobilfunk ist genauso lahm wie Internet übers Telefon via Mobilfunk. Wer hätte das gedacht? Die Wohnung bleibt also weiterhin internetfreie Zone, der Router befüllt in Zukunft Omas Bilderrahmen mit Internetanschluß. Heja Welt, olé.
Noch was: Ich werde am Freitagabend in einen Bus steigen, der voll mit den Leuten ist, mit denen ich am liebsten in einen Bus steige.
Dann: Stall, Hof und Forst, Weihnachten, Hochzeit, Neujahr. Wird Zeit. Aber sowas von.
# |  4 RauchzeichenGas geben

Sonntag, 9. 12 12

09.12.12, 15:45 | 'Keep on ploughing'

Der Dampf aus den Furchen.
# |  5 RauchzeichenGas geben

Donnerstag, 8. 11 12

08.11.12, 08:55 | 'Keep on ploughing'
Und dann sitzt man da und lässt sich Pädagogik erklären. Von Begeisterten höre ich mir ja alles an, und da ist jemand begeistert und erzählt von der Idee, der fehlenden, und der Leere und dem Herumirren, von all dem, was ich an mir so kenne, wenn ich tüftle und um ein Problem schleiche, weil ich nicht heranreiche, nicht durch das Gitter meiner Gedanken greifen kann; ein unangenehmes Gefühl, ein erniedrigendes, ein schlechtes, durch und durch; und plötzlich sehe ich die Pädagogen ganz anders, was ich bislang nur wusste, erfahre ich jetzt, fühle und denke mit und freue mich Heureka! über die Lösung, die mir stolz präsentiert wird, denn ich kenne den schweren Weg zu solch luftigen Lösungen, die mir oft genug nicht gelingen, wo doch Kompromisse das trockene Reisbrot des Ingenieurs sind, anstatt der verbindenden Lösungen, die wirklich lösen, Probleme, Zielkonflikte, alles; und ich strahle, weil ich das alles sehen kann und mich mitfreuen, mitsuchen, mitfiebern, wie andere Leute Krimis lese ich Probleme, und wenn dann der Jungstraum des Ritters alles löst, oder der Rechenbaum, der sich dem Können anpasst, dann ist das alles neu und groß für mich, und Ideen anzubeten, dazu bin ich ja immer gern bereit.
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Mittwoch, 17. 10 12

17.10.12, 11:10 | 'Keep on ploughing'
Und jetzt noch einmal das Drama des Fünfzehnjährigen. Auf die Zähne beißen. Noch einmal einen Hof auf die Schultern nehmen. Noch einmal Übermensch. Nur einmal noch, bitte.
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Donnerstag, 13. 09 12

13.09.12, 09:15 | 'Keep on ploughing'
Deiner, meiner, unserer.

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Der Hamburger mit aufs Hemd gesticktem "Hansi" in Krachlederner, der die Berge liebt und sie gern im Winter sehen möchte. Leider hat er keine Schneeketten, vertraut er uns und dem Rest der Gaststube beim Vesper an, und in mir streitet sich da immer einer, der Menschen mit Träumen und Unvollkommenheiten mag mit dem, der das Gesicht verzieht und durch den Mund schnauft.
Am nächsten Abend erzählt uns Hansi von seinem Wanderstock, an dem er noch nach Jahren wiedererkannt wird. Ich tippe auf einen Schäferstab und sehe irgendwann einen knotigen Stecken, dunkel geölt, mit zig aufgenagelten Plättchen und einem Handschutz wie ein Säbel, und all das in Gold.

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Auf den Wegen mit den anderen mag ich mich nicht. Ich muß da hin, wo das Schild "Für Radfahrer nicht geeignet" hängt, auch wenn wir dann eine Stunde über Bretter, Stöcke und Steine schieben. Oben eine Kapelle mit einem Gästebuch. Wer soll das lesen, denke ich blätternd, wenn sie hier alle von Gottes Schönheit salbadern? Aber wo ist denn der Unterschied zu Dir, fängt in mir schon wieder einer den Händel an.

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Was wir nie rechtzeitig tun: Knabberzeug und Kekse kaufen. Immer fahren wir dafür irgendwo hin, aber diesmal sehen wir immerhin einen DeLorean. Und alte Menschen, die einer Blaskapelle zuklatschen. Wir versuchen uns an einer Kategorisierung der Urlauber, hier und in der Welt, alt und jung, dumm und dämlich, und wissen doch, daß wir irgendwo dazugehören, auch wenn wir uns so trennen wollen. Da dürfen wir nicht so böse zu den Kategorien sein, und so verläuft die Einteilung in der Masse. Nicht einmal "Zu viele" darf ich sagen, bin ich doch schließlich auch da.

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Frühstück, blinzelnd.

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Hörnlepass. Riedberghorn. Burgberghörnle. Nusshörnle als Starthilfe.

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Am geschenkten Energiegel muß ich würgen. Grüner Apfel mit Koffein, Sie machen sich kein Bild!

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Wir fahren hinab ins Dorf, und mein Heimatherz mach Hüpfer. Wir essen ein Eis, denn ohne Eis kein Urlaub, und das Telefon brummt. In zehn Minuten bin ich da, sage ich und freue mich wirklich, wieder hier zu sein. Schön wars, schön ists.

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An dem Tag, an dem ich wieder in die große Stadt muß, bleibe ich wach liegen. Kann nicht aufstehen. Muß es dann doch. Denke an die Woche auf dem Hof. Aufstehen. Arbeit. Kaffee. Arbeit. Mittag. Arbeit. Sitzen. Lachen. Bett.

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Wie wenig man schafft, wenn man einen Schritt zurücktritt. Wieviel, wenn man hineinschaut.

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Der springende Mais unter der Schürfleiste des Schildes, als ich die Haufen eben ziehe. Ich könnte den ganzen Tag zuschauen und mache das auch.
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