Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.

07.05.07, 18:43 | 'Minimaler Blauanteil'
Es fehlt so viel.
Irgendeine Freitagnacht. Kannst Du uns abholen? Ich packe die ganze Bagage in den Beemes, und wir sitzen bis sechs in der Wirtschaft, als Gäste der Tochter.
Maienstellen, Montagnacht. Bei der Gräfin, bei der Wirtin. Unsere Schnapsidee, gekonnt umgesetzt. Das möchte ich gern irgendwann hören über mich, daß er sich immer voll und ganz eingesetzt hat.
Das ausbetonierte Fass im Frontlader, der Baum im KG-Rohr. Der zweite Baum im Rohr für die Fahnenmasten. Und oben in der Stromleitung.
Nachts vorbeifahren, um das Loch auszumessen. Wir halten zwei Häuser weiter, laufen zurück. Ein Auto steht überm Loch. Wir lachen und kommen eine Nacht später nochmal.
Kränze binden. Entrinden. Ohne Hemd in der Sonne sitzend, wir beide; nur Dir würde ich sie gönnen, nur Dir.
Donnerstagnacht in Triesdorf, wir sitzen draußen auf einer Deichsel und rauchen, schwenken die Gläser. Wir lallen noch nicht, sind guter Hoffnung. "Sie will nicht - Deinetwegen. Sie meint, sie würde uns auseinanderbringen." Ich packe Deinen Arm, und es schießt durch meinen Kopf, Du mit den meterlangen Randsteinen, hundertachtzig Kilo, das Kreuz gerade, Hurra! - Du in unserer Mitte, schwankend und von der Wut des Sprechens beraubt, wie ich Dich halte und nach draußen ziehe - wir irgendwo auf einem Fest, die Arme erhoben, "Bauer, gatts!" - und ich verachte sie plötzlich dafür, daß sie nichts versteht. "Bist Du grantig?" steht sie vor mir, und schnaubend bahne ich mir einen Weg nach drinnen, an die Bar. Sie steht wieder vor mir; "Der bekommt nichts mehr!", weißglühend ersticke ich fast. Abwenden.
Schließlich schlafen wir im Auto, von vier bis sieben, weil ich nie länger als bis sieben schlafe. Daß ich im Auto bleibe, habe ich um zehn schon angeboten, daß Du dabei bleibst, bei mir zu bleiben passiert einfach so. Ich schiebe das Auto an, wir lachen. Kaffee in der Bäckerei, auf der Heimfahrt klingelt Dein Telefon.
Und zum ersten Mal seit Wochen zähle ich nicht mehr, vergleiche und werte ich nicht mehr, wen sie nun anruft, wer nun zum Essen und wer zum Arbeiten geladen wird.
Tage zuvor, am frühen Morgen. "Ich bekomme die Schaufel nicht weg." Ich fahre hin und finde eine Gräfin, den großen Hammer in der Hand. Hydraulische Geräteentrieglung sage ich, und nehme ihr das Werkzeug weg. Spätabends bin ich wieder da, sie steht mit offenem Haar im Bademantel da und sieht mir zu. "Bei uns geht niemand ungegessen", und schon sitze ich in der Küche. Ich murmle etwas von Arbeit und verdrücke mich wieder. "Feierabend ist für Dich doch erst, wenn sie Dich mit den Füßen voraus tragen." - Und hinten die Orgel spielt, vervollständige ich, und lasse den Caddy über den Schotter scharren, aus dem Hof in die erste Kurve. Du sollst meinen idiotischen Stolz nicht auch noch sehen können -.

Zu viel passiert.

"Wer weiß, wie lang 's no an Adler gibt?"

Zimmerer, best friend. Freitagmorgen vor der Berufsschule, Pizza und Kaffee.

Und ich erinnere mich an den Stich, als wir beide auf der Motorhaube saßen, und Du Deinen Baum bewundert hast, Dich ihm in den Arm geworfen hast. Als er mich an der Schulter packt, stehe ich schon oben an der Straße. Komm mit! und schüttelt mich. Komm trotzdem mit. Ich gebe auf, gebe Dich auf, und mich. Setze mich zu euch beiden, stumm und gebeugt. "Was ist?" Harte Nacht, grinse ich schief, den Teufel werd ich tun und mich Dir ergeben! Der Freund sitzt neben mir, ich gönne Dich niemand anderem.

"Wieso nicht die?" hast Du gefragt, und ich habe abgewinkt. Nicht irgendeine.
Sondern Du, das habe ich nie gesagt.

Und das Hochsteigern, das Pokern ist zuende, die Einsätze sind gemacht, vor mir liegen keine Chips mehr. Ich könnte aufstehen und gehen.
Ich stehe auf und gehe.

"Nimm mein Auto!" irgendwann Freitagnacht. Sie wissen alle nicht, was es heißt, ein Auto zu verleihen, und mit quietschenden Reifen presche ich den Weg entlang durch den Wald.
Auf dem Heimweg bleibt der Beifahrersitz leer. Fahr einen Umweg, sage ich, und Du fährst bis Wiesensteig, während ich mich mit ihrem Duft beneble.

Ausgangssperre! schreibe ich dem Vetter, und bleibe mit ihr auf dem Sofa.
Du lehnst Dich an mich und erzählst. Machst mich staunen, wieviel in diesem kleinen Mädchen schon steckt. Und als Du zu weinen beginnst, ist da kein Schluchzen, es sind einfach nur blinkende Tränen, die ganz langsam über Deine Wangen rinnen. Ich fange sie auf, halte Dich fest, wortloser Trost. Du bist bei mir, Mädel.
"Du bist so unbequem, ich hol mir jetzt ein Kissen." Sprachs, und ich betrachte lang Dein Gesicht im Kissen auf meinem Bauch. Jeder Atemzug hebt und senkt Dich, und Du kommst mir sehr zerbrechlich vor.
Ich bedecke Deine Hand mit meiner, und kann mich gar nicht sattsehen daran.
Du berührst mich, und ich zucke zurück.
"So kitzlig kann kein Mensch sein. Du hast Angst."
Mädchen, wie Du mich erkennst! Deine Augen brechen mich nicht auf, sie besitzen einen Schlüssel, den ich verloren geglaubt habe.
Doch statt zurückzuweichen, fasst Du nach mir. "Gewöhnungseffekt" grinst Du. Erst lange nach Dir merke ich selbst, wie Recht Du hast.
"Vor Dir habe ich keine Angst. Du könntest mich nicht halten. Ich könnte Dich vom Sofa werfen." Und ich kann nicht einmal etwas entgegnen - es gibt nichts mehr, was ich Dir noch sagen könnte, was Du nicht schon wüsstest. Und ich weiß, was mir gefehlt hat.

Rauchzeichen




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