06.09.26, 21:25
Die Altbäuerin auf einem der Höfe, immer mit Besen oder Gabel in den Händen, in Kittelschürze und sicher im Stall auch mit Kopftuch, von ihrem Leben derart gebeugt, das sie auf ihrem Buckel eine Tasse Kaffee transportieren könnte. Man kann sich die Mühsal, die sie derart krumm gedrückt hat, kaum mehr vorstellen.
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Die riesige, neue Maschinenhalle, an deren Tor wir stehen und in die hereinbrechende Nacht reden. Der Hof ist frisch geschottert, die Ruinen sind längst abgerissen und die Asche entsorgt. An der blechblanken Giebelwand hängt mittig ein Portrait des Sohnes neben einem Holzkreuz und mahnt die Überlebenden.
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Ein Traumort am Ursprung eines Baches, der irgendwo zum Fluß werden wird. Hinter Büschen, nah genug am Wald und fern genug der Straßen. Die Haustür ist zugewachsen, der Durchgang zum Stall behelfsmäßig überdacht. An manchen Fenstern sind die Rolläden heruntergebrochen und versperren schief die Sicht, hinter anderen sind Plastikflaschen auf den Fensterbänken zu sehen. Ein wackliger, morscher Stuhl vor einem Tisch. Über den Hof ziehen sich die Wege der regelmäßigen Gänge. Hinten am Silo tatsächlich ein offenes Loch im Boden, einfach so. Ich hatte schon immer Angst, auf einem solchen Loch unachtsam in einer Grube zu verschwinden, und heute hätte ich es fast geschafft. Ich befülle das Silo nur halbseitig, da nicht klar ist, wie breit die vorhandenen Folienreste sind, die ich unter Brennesseln habe liegen sehen. Ob hier noch jemand aufräumen wird, oder irgendwann abreißen, wird wohl die Erbfolge zeigen.
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Eine junge Mutter mit ihrem Sohn auf meinem Beifahrersitz. Sein Name ähnelt dem meines Sohnes, wie das Alter auch, und die beiden kommen vom See, an dem ich arbeite. Mit einem warmen Lachen steigt sie schließlich ab, und mir scheint, wir denken uns zum Abschied ganz kurz ein anderes Leben.
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Die Tochter in der blitzblanken Sonntags-Arbeitslatzhose, der Sohn wird sie wohl in ein bis zwei Jahren noch auftragen können. Die Mutter filmt mich staunend in meiner riesigen Maschine, wie wir uns brüllend winden in dem winzigen Silo unter den alten Bäumen. Hinter uns die Schweine im Auslauf, neugierig und doch leicht abgelenkt von diesem Altweibersommer. Ich zupfe an meinem schmutzigen Hemd herum, das ich heute morgen noch einmal angezogen habe, weil ich zum Duschen zu müde gewesen war, und schäme mich ein wenig für meine Rübenmühle mit ihren zehntausend Stunden, die ich so geprügelt und gescholten habe in den letzten Tagen. Hier ist sie das größte Fahrzeug, das sie im Jahr zu sehen bekommen, gerate ich in Demut. Schnell verfliegt diese wieder, denn im Display leuchtet ein Auftrag, und dafür müssen Mann und Maschine passen, fit sein und ohne Sensorfehler und schwitzende Hydraulikzylinder. Die Form folgt der Funktion, und doch wünscht man sich ja immer das schönste Maschinchen, so ist das nun mal.
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Silagetage.
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Die riesige, neue Maschinenhalle, an deren Tor wir stehen und in die hereinbrechende Nacht reden. Der Hof ist frisch geschottert, die Ruinen sind längst abgerissen und die Asche entsorgt. An der blechblanken Giebelwand hängt mittig ein Portrait des Sohnes neben einem Holzkreuz und mahnt die Überlebenden.
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Ein Traumort am Ursprung eines Baches, der irgendwo zum Fluß werden wird. Hinter Büschen, nah genug am Wald und fern genug der Straßen. Die Haustür ist zugewachsen, der Durchgang zum Stall behelfsmäßig überdacht. An manchen Fenstern sind die Rolläden heruntergebrochen und versperren schief die Sicht, hinter anderen sind Plastikflaschen auf den Fensterbänken zu sehen. Ein wackliger, morscher Stuhl vor einem Tisch. Über den Hof ziehen sich die Wege der regelmäßigen Gänge. Hinten am Silo tatsächlich ein offenes Loch im Boden, einfach so. Ich hatte schon immer Angst, auf einem solchen Loch unachtsam in einer Grube zu verschwinden, und heute hätte ich es fast geschafft. Ich befülle das Silo nur halbseitig, da nicht klar ist, wie breit die vorhandenen Folienreste sind, die ich unter Brennesseln habe liegen sehen. Ob hier noch jemand aufräumen wird, oder irgendwann abreißen, wird wohl die Erbfolge zeigen.
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Eine junge Mutter mit ihrem Sohn auf meinem Beifahrersitz. Sein Name ähnelt dem meines Sohnes, wie das Alter auch, und die beiden kommen vom See, an dem ich arbeite. Mit einem warmen Lachen steigt sie schließlich ab, und mir scheint, wir denken uns zum Abschied ganz kurz ein anderes Leben.
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Die Tochter in der blitzblanken Sonntags-Arbeitslatzhose, der Sohn wird sie wohl in ein bis zwei Jahren noch auftragen können. Die Mutter filmt mich staunend in meiner riesigen Maschine, wie wir uns brüllend winden in dem winzigen Silo unter den alten Bäumen. Hinter uns die Schweine im Auslauf, neugierig und doch leicht abgelenkt von diesem Altweibersommer. Ich zupfe an meinem schmutzigen Hemd herum, das ich heute morgen noch einmal angezogen habe, weil ich zum Duschen zu müde gewesen war, und schäme mich ein wenig für meine Rübenmühle mit ihren zehntausend Stunden, die ich so geprügelt und gescholten habe in den letzten Tagen. Hier ist sie das größte Fahrzeug, das sie im Jahr zu sehen bekommen, gerate ich in Demut. Schnell verfliegt diese wieder, denn im Display leuchtet ein Auftrag, und dafür müssen Mann und Maschine passen, fit sein und ohne Sensorfehler und schwitzende Hydraulikzylinder. Die Form folgt der Funktion, und doch wünscht man sich ja immer das schönste Maschinchen, so ist das nun mal.
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Silagetage.