Dieseldunst
In den Gelben Seiten unter Träumer.
Samstag, 3. 10 26

03.10.26, 15:39
Bei der Diskussion um Erbschaften fielen mir zwei grundsätzlich gegenläufige Ansichten auf, von denen nur eine wirklich angesprochen wird. Derzeit geht es ja vereinfacht darum, dass Menschen, die selbst kein Erbe zu erwarten haben, irgendwie unzufrieden sind und entschädigt oder beteiligt werden möchten. Bezahlt von denjenigen, die schon ein Erbe erhalten haben oder eines erwarten können. Deren Sichtweise wird doch etwas verflacht und verfemt als Gierde beschrieben, was die Intention des Behaltenwollens nicht ganz trifft. Abgesehen davon, daß es mir schwer fällt, im Behalten und Bewahren des Eigenen etwas Schlechtes zu sehen, gehört zu dieser Sichtweise noch ein Aspekt, der sie zum Gegenspieler des Beteiligtwerdens macht: Das Vererbenwollen. Alle mir bekannten einigermaßen wohlhabenden Menschen machen sich Gedanken darüber, wie sie ihren Nachkommen etwas hinterlassen können. Ich selbst habe mir diese Gedanken beim Erwerb eines Waldstücks gemacht. Zum einen bin ich stolz darauf, dieses hinterlassen zu können, und arbeite und verdiene und verzichte gern dafür. Genau diese Tätigkeiten - arbeiten, verdienen, verzichten - werden von der anderen Gruppe gern als unmöglich dargestellt. Begründet wird dies durch zu pflegende Angehörige, fehlende Arbeitsplätze oder allgemein hohe Kosten. Doch zurück zum Wald und meinen Gedanken: Möchten die Nachkommen dieses mit so viel Arbeit verbundene Stück Erde, und wird es ihnen und der Gesellschaft noch etwas wert sein? Enteignung trifft ja nicht nur Konzerne, sondern durch gesellschaftliche Ansprüche auch Privatleute. Beim Wald sind dies Vorgaben, die seine Nutzung vielleicht einschränken oder Betretungsrechte und Sicherungspflichten erweitern und damit das Erbe zur Last machen können. Ganz zu schweigen davon, daß man auf Arbeit schon auch Lust haben muß, um sie nicht nur als Last zu empfinden. Und damit finde ich von meinem Vererben vielleicht zurück zu den Gegensätzen zwischen Verteilen und Vererben. Ich halte es für sinnvoller, die Debatte dahin zu führen, wie die Möglichkeiten zum Aufbau und Vererben verbessert werden können, anstatt immer neue Gründe und Ansprüche auf eine Beteiligung am Erbe anderer Leute herauszudeklinieren. Vererben ist doch Hoffnung auf eine bessere Zukunft, und es ist für die Erblasser doch völlig in Ordnung, wenn diese bessere Zukunft ihre Erben beglückt. Und zum Vererben gehört nicht nur die Möglichkeit zum Aufbau eines Erbes, sondern auch die Möglichkeit, überhaupt einen Erben haben zu können. Aber bevor ich noch die Sozialdemokratie erfinde, höre ich lieber auf und kümmere mich um die Arbeit, die einst meinen Erben zugute kommen soll.
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