Dieseldunst
In den Gelben Seiten unter Träumer.
Sonntag, 17. 05 26

17.05.26, 11:04
Und stets, wenn ich in eine dieser einfachen Tätigkeiten eintauche, ob es nun das Abkehren der Wege mit einer Maschine oder das Festfahren von Futter im Silo ist, fällt mir das Nichts ein, das wir sehen. Wo wir nichts sehen und nichts wissen, vermuten wir nichts. Das Unbekannte halten wir fürs Nichts, tun es ab als einfach, unwichtig, quasi nicht vorhanden. Doch ist darin stets eine Welt, die weiter wird, je tiefer man hineingerät. Vielleicht schaffe ich es, beim nächsten Mal daran zu denken.
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17.05.26, 10:33
Immer, wenn ich Deinen Becher fülle, denke ich daran, was Du mir gezeigt hast: Es ist ein etwas besonderer Becher, denn Nuckel- oder Schnabeltassen hat man wohl heute nicht mehr. Stattdessen hat er eine oben am Rand umlaufende Dichtung, und wenn man daran saugt, kann man daraus trinken. Wenn man den Becher stramm genug wirft, kann man übrigens auch wunderbar damit spritzen. Damit das auch ohne Weitwurf klappt, ist der Becher perfekt rund und rollt damit, einmal umgeworfen, ziemlich sicher vom Tisch. Das ist also dieser Fortschritt, denke ich mal. Aber was ich gelernt habe: Für mich, und für alle bislang dazu Befragten ist klar, wie man einen Becher hält, um daraus zu trinken. Der Rand ist oben, der Becher leicht geneigt, ob nun Dichtung oder nicht. Du allerdings hast herausgefunden, daß es sich leichter trinken lässt, wenn man den Becher dazu umdreht. Dank der Dichtung kann er nicht auslaufen, und ich vermute, daß die Wassersäule im umgedrehten Becher das Saugen weniger anstrengend macht. Fast, als würden Milch und Honig von selbst fließen, aber Wasser bleibt es dann wohl doch. Ich hoffe nicht, daß Du der nächste wirst, der Wein draus machen kann. Den letzten haben sie nämlich gekreuzigt. Aber ich schweife ab, denn ich wollte vom Gelernten erzählen: Ein neuer Blick bringt Neues in die Welt. Wir sind gefangen im Gewohnten, und ich bin dankbar, daß Du neu bist.

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In einem eher seichten Kriminalfilm mit ebenso seichten komödiantischen Schlaglichtern, den ich während der letzten Trainingseinheiten häppchenweise sah, tauchte eine Signatur auf. Ein Kürzel nur, der erste Buchstabe des Vor- und ebenso der erste des Nachnamens. Und die beiden gefilmten Gesprächspartner waren sich einig, daß niemand sein Kind so nennen könnte, daß es mit der Signatur dessen durch die Welt laufen könnte, den sich die Deutschen einst selbst zum Führer ins Verderben gewählt hatten. Nun habe ich wie die Allermeisten keinerlei Bestreben zu dieser andeutenden Annäherung. Und habe doch im vergangenen Jahr intensiv nach einem Namen gesucht, mit allen klugen und mindestens ebenso vielen doofen Erwägungen, die man als Eltern eben trifft auf dieser Suche. Diese jedoch ist mir tatsächlich nicht eingefallen. Uns beiden nicht. Und, wie mir darauf siedigheiß einfällt, auch meinen Eltern nicht, die doch viel näher noch an dieser Zeit waren. Denn mein Name, nun ja. Tatsächlich hat mich in den letzten dreiundvierzig Jahren auch nicht ein Mensch danach gefragt, ob denn damit etwas angedeutet werden solle. Und wie ich nun schon völlig abgelenkt vom weiteren Geschehen des Films war, der sich auch überhaupt nicht um diese Zeit oder das Geschehen drehte, fielen mir nach kurzer Suche gut ein Dutzend Leute ein, deren Vor- und Nachnamen sie anhand der ersten Buchstaben in den Verdacht einer solchen Andeutung bringen könnten. Eine davon strich ich nach kurzem Nachdenken allerdings wieder - sie hat ihren Nachnamen mit der Heirat geändert. Zwei Namensgleichheiten konnte ich sogar entdecken. Was hätte man damit nicht alles unterstellen können, wenn nur einer dran gedacht hätte! Eher jedoch glaube ich, daß heute jeder ohne Arg geworfene Schatten an der Wand zum Dämon gemacht wird, und über die Gründe hierfür denke ich noch nach.
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