Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Donnerstag, 31. 12 20

31.12.20, 17:24
Zugenommen oder abgenommen?
Trotz weniger Bewegung nicht zugenommen. Verloren ging allein die Form, so will mir scheinen. Weniger die äußere, die sich tapfer hält, als die innere - es fehlt ein Gefühl von Kraft, und von meiner Ausdauer war ich denn doch mehrmals überrascht.

Haare länger oder kürzer?
Ich bekomme Anweisungen von der Friseurin, denen ich folge und fühle mich daher nicht bemüßigt, darauf überhaupt noch zu achten. Unverantwortlich, wie schön.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Einige Wochen lang sehr schlecht sehend, nachdem die Brille in einem See ihr Grab fand. Immerhin die erste Brille überhaupt, die ich je verloren habe. So mußte die Vorvorgängerin noch einige Zeit herhalten und machte deutlich durch Undeutlichkeit, warum sie damals ausgemustert werden mußte.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Nach Totalschaden schon wieder ein Auto angeschafft, das aber großteils von der gegnerischen Versicherung bezahlt worden ist und mir einen tollen Regenradeltag und eine kleine Fangemeinde in einem fernen Autohaus beschert hat. Ansonsten viel Kleinkram angeschafft, der sich auch läppert. Und wie man derzeit sieht, geht ein Großteil dessen, was ich nicht für Lebensmittel ausgebe, nun ohne große Umwege nach China. Ich denke noch darüber nach. Ansonsten auch viel ausgegeben, fast all meine darniederliegende Barschaft möchte ich meinen. Da ein Haus im Heimatdorf sich umso weiter zu entfernen scheint, je mehr ich mich dem Dorf wieder nähere, habe ich anderweitig eingekauft, und ob das klug war, wird sich zeigen müssen. Eine bessere Idee hatte ich nicht und auch keine Hoffnung, durch Nachdenken allein eine solche zu finden. Dann fallen mir Entscheidungen doch deutlich leichter, als wenn ich glaube, durch mein Unvermögen oder einen fehlenden Gedanken einen Pfennig zu verjuxen. Ich scheine mir also in Gelddingen noch selbst zu trauen, und nicht einmal hierbei bin ich mir sicher, ob das ein gutes Zeichen ist. Zumindest ein Sinnbild für das Jahr dürfte es gewesen sein.

Der hirnrissigste Plan?
Im Regen radeln. In der Sonne radeln. Im Schnee radeln. Zumindest wenn man denen glaubt, die in ihrer Fortbewegung doch gedanklich sehr eingeschränkt sind. Oder vielleicht meinem stattlichen Muskelkater nach der beachtlichen Fahrt in die Berge. Aber meinem Körper habe ich ja noch nie geglaubt und wurde daher vielleicht in einem besonders hirnrissigen Plan überrascht. Als mich die völlig grundlosen Rückenschmerzen zwar krümmen, aber nicht weniger bockig machen konnten, wo sie doch so offensichtlich grundlos waren und mich darob nur wütend machen konnten, stieg ich in mein Auto und war dann sehr lang sehr stark davon überzeugt, für immer dort sitzenbleiben zu müssen. Doch der Hirnrisse nicht genug, gab es die Idee, als Notnagel zuerst für eine früh antizipierte Wirtschaftskrise, mich zum Lehrer machen zu lassen, was ich dann lang vor mir herschob und nach der hervorragenden Zulassungsprüfung endlich absagen konnte. Wer will schon in einem Verein sein, der mich nehmen würde? Berufungsvorträge habe ich gehalten, durch ein sehr fernes Städchen bin ich gelaufen, und immerhin hat man mir an einer der beiden Hochschulen die Fahrtkosten erstattet. Eine eigene Idee ist ja immer Hirnriss, irgendwie, doch diese zu verfolgen und - nach derzeitigem Stand - auch verkaufbar zu machen, während alle Welt die Zeit aus einem saugt, dürfte dann doch noch alles übertreffen. Mich nicht verlieren dabei, wie ich Platinen oder Gehäuse zeichne, Temperaturen messe oder stundenlang auf den Knien einem Roboterarm zuschaue. Immerhin der Rücken, der hat das ausgehalten.

Mehr bewegt oder weniger?
Im Frühjahr wenig ins Büro geradelt. Dann viel auf Berge geradelt. Wenig geklettert. Noch keine Skitour. Das Draußen fehlt mir, das Melken auch.

Die gefährlichste Unternehmung?
Es gab offene Knie, aber keine Gefahr.

Der beste Sex?
Bleibt Kopfsache.

Die teuerste Anschaffung?
Des weißen Autos zweiter Teil beziehungsweise Nachfolger.

Das leckerste Essen?
Grillwurst auf der Alb im Wald.

Das beeindruckendste Buch?
Auf eine sehr merkwürdige Art der Reisebericht von Helfgen. Ich kaue noch daran, wie man eine derartige Geschichte auf so vielen Ebenen verhunzen kann und ertrage nach diesem Buch sehr lang keine gedruckten Schreibfehler mehr.

Der ergreifendste Film?
Wenn mir auch nächstes Jahr nichts dazu einfällt, streiche ich die Frage.

Die beste CD?
Von Josef Hien.

Das schönste Konzert?
Hätte der Abschied einer meiner langjährigen Lieblingsbands sein können, doch im Frühjahr war mir schon mulmig, was noch erlaubt war und heute als unwiederbringlich vermisst wird. Da mal drüber nachdenken.

Die meiste Zeit verbracht mit...?
Allerlei Arbeit. Besser als Arbeitsallerlei, und auch das sollte mir zu denken geben.

Die schönste Zeit verbracht mit...?
Schweiß auf der Stirn und auf den Armen.

Vorherrschendes Gefühl 2020?
Irgendwas läuft hier falsch.

2020 zum ersten Mal getan?
Mich an mich selbst gehalten. Heiligabend nicht in meinem Dorf.

2020 nach langer Zeit wieder getan?
Stark vorgespanntes Holz gesägt. Mich an mein Wort gehalten.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Mein Wort. Mein Rücken, meine Hüfte, mein Alter. Unfälle und ihre Folgen.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Teil einer Gruppe zu sein (nicht erfolgreich).

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Mich selbst ernst genommen, weil mich jemand ernst nimmt.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Der Wille zur Nähe.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
"Schön, daß ich da bin."

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
"Schön, daß Du da bist."

2020 war mit einem Wort...?
Alterung

Schlampig geführte Listen gibt es hier und da und dort. 2019, 2018, 2017 (ausgesetzt), 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008.
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