Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Montag, 21. 09 15

21.09.15, 09:28 | 'Das Auge des Betrachters'


Groß und klein.

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Lachend reden sie von der Front und vom Kampf, und nach all den Tagen kommt es auch mir so vor. Und so schaue ich immer wieder überrascht hin, wenn sich die Welt auftut, außerhalb meines Glaskastens, und mir ein solches Schauspiel bietet. So sauge ich jeden Morgennebel in den Senken der Alb auf, so begrüße ich jeden Sonnenaufgang und verabschiede jeden Abend. Leben ist tätig, Leben ist Bewegung.

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Du warst jedermanns Freund, aber in Deinem Bett bist Du allein gestorben. Vor der Zeit, möchte ich sagen, aber auch mir Ungläubigem gelten die Worte, daß wir weder den Ort noch die Stunde kennen. Leben ist tätig, Leben ist Bewegung, und Leben ist endlich.
Mach es gut, Harry. Wherever you may roam.

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Leben ist Schönheit.

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Leben ist die Herbstaussaat und das Keimen. Leben ist Winter und Frühjahr. Leben ist der Antrieb durch die eigene Unsterblichkeit. Und Leben ist das Lachen über den Witz der eigenen Endlichkeit. Leben ist Wahrheit durch Willen.

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Wenn es am schönsten wird, dieses Leben, dann erhasche ich einen tröstenden Zipfel Unendlichkeit.

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Und dann glaube ich, daß auch schmale Straßen nicht ziellos enden.

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Mir ist, als würden die Lieschblätter zum Abschied winkend grüßen.

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Mit dem letzten Wagen fahre ich zum Silo, warte davor und beobachte im Spiegel das Walzfahrzeug. Es neigt sich an der Kante, es neigt sich kritisch und richtet sich nicht mehr auf. Schaufel runter, brülle ich ins Funkgerät, Und keinen Mucks! Und plötzlich schaufle ich mit einer Kraft, von der ich nicht weiß, wo sie herkommt, und werfe einen Schlupf über das Rad, das schon keine Last mehr trägt. Ich dirigiere den Radlader und schreie Zug! winke den beiden Fahrern, daß sie ihre Fahrzeuge im Gleichklang aufbrüllen lassen, ich stehe in der Mitte und halte das zum Bersten gespannte Gewebe mit dem Fuß unten, spüre die Kräfte und die Notwendigkeit, jetzt genau hier zu sein.
Und dann stehen wir vor dem Silo, zu dritt im Schein von Halogen, Xenon und LED, und das Leben pumpt einen Rausch durch meinen müden Körper, daß es mich schüttelt. Danke, sagt einer käseweiß, und an der Tür erwarten sie mich mit offenem Bier, und dann sitze ich still inmitten der Brandung des Gesprächs.

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Und ein einzelner Punkt im Rund nimmt den Gewinn. Was bleibt, ist der Umsatz, was bleibt, ist die Bewegung und die Tätigkeit, und was bleibt ist die Gewißheit, daß Wut nicht lohnt, sondern nur die Machtlosigkeit gegenüber der Schöpfung nicht anerkennen will.
# |  1 RauchzeichenGas geben