Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Freitag, 5. 06 15

05.06.15, 16:30 | 'Maschinen bauen, Mensch bleiben'
Und nachdem ich das Schreiben ein wenig vor mir hergeschoben habe, aus Gründen der Themenfindung, und mich stattdessen aufgrund von Kleinigkeiten wie einem fehlenden Arbeitsvertrag bevorzugt bockig benommen habe, hat es dann am Vorabend des Feiertages geschnackelt. Das Thema liegt mir zwar am Herzen, weil ich da eine echte Neuerung gefunden habe, aber es liegt nicht so ganz direkt im Herzen meiner Arbeit, und nach der letzten Richtungsentscheidung liegt es sogar außerhalb ihres Körpers. So verharrte ich also im Dilemma der Themenfindung, bis es für ein neues zu spät war, denn Kurzinhalte abzugeben, ohne Inhalte zu haben, das mag ich gar nicht, das ist mir zu wackelig.
Dann also dieser Abend. Ich sitze an der offenen Balkontür in meiner kleinen Schreibstube, schreibe das Thema nieder und die wesentlichen Fragen dazu auf ein Blatt Papier. Bisherige Lösungsansätze in ein paar Zeilen, meine Lösungsansätze dazu, und das Ding ist rund. Tausend Zeichen, wie gewünscht. Ich lasse den Text liegen und spiele ein wenig Programmierer, auch wenn ich nur Skriptepfuscher bin, und als ich heute morgen den Text noch einmal lese, ist er immer noch rund. Ich schleife hier und da noch ein Wort, poliere einmal drüber und schicke es weg.
Ich lege mir einen Ordner an, in den alle Ergebnisse kommen sollen. Die nötigen Berechnung denke ich mir auf einem Blatt Papier aus, und auch dazu lege ich schon die nötigen Ordner an. Hui, denke ich, mit Ordnern muß man ja nicht sparsam sein. Und ordentlich sieht das auch aus.
Ich denke also nochmal nach, ob ich für die Ergebnisse noch etwas benötige. Die Rechenzeit sollte ich loggen, denke ich, sowas kommt immer gut, wenn man Rechenzeiten vergleicht. Dann noch ein Laufskript, und in jeden Ordner die Simulationen kopiert und angepasst, und am Montag muß ich nur noch einen Schalter umlegen und darf dann eine Woche auf Ergebnisse warten.
Es ist nun so, daß ich konzentriert arbeiten kann. Aber nicht im Büro. Und nicht einfach so. Für Konzentration brauche ich ein Ziel und einen Ort, und ich schaue gerade zwei Menschen zu, die ein wenig unkonzentriert und vielleicht ein wenig ziellos waren, wie wir es alle sind in der Forschung. Man weiß ja nie. Man macht halt mal. Jetzt haben sie noch vier Wochen, und jetzt ersetzen sie Systematik durch Panik. Freuen sich an den kleinen Systemen, die sie mal angelegt haben, wie zum Beispiel die Regel, Grafiken nur mit ihren zugrundeliegenden Skripten abzuspeichern, ärgern sich über andere Systeme, die ihnen fehlen und mehr Arbeit erfordern.
Ich würde gern eine Dissertation schreiben. Mehr noch, ich würde gern eine gute Dissertation schreiben. Ich habe ein Thema, ich habe innerhalb des Themas schon einige Fragestellungen abgearbeitet. Aber da fehlt noch was. Systematik. Rundheit. Eine große Fragestellung. Aber da sind, wie mir die Personalverwaltung jetzt mitgeteilt hat, auch noch zwölf Monate. Auch so eine Idee, einfach die Verwaltung zu fragen, wenn alle erklären, die Verwaltung hätte längst die nötigen Papiere beisammen. Aber Verwaltung mag ich nicht, auch wenn das nur an mir liegt.
Nun. Niemand wird mich also fragen, aber sie werden das Machwerk alle lesen und bewerten. Und ich möchte, daß es gut wird. Ich möchte ein guter Doktor-Ingenieur sein. Ich möchte gut arbeiten, und das kann ich nur, wenn ich weiß, was ich zu tun habe. Wenn ich strukturiert arbeite. Es wird Zeit für Systematik.
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