Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Dienstag, 19. 08 14

19.08.14, 19:09 | 'Raufundrunter'

Sonnensonntag mit Freunden, mit Fels, mit Bier und Buch.
# |  Rauchfrei | Gas geben


19.08.14, 18:27 | 'Umanandastand'n ond rearn'
Mein Auto, das plötzlich unsinnig weit hinten, unsinnig exakt zwischen zwei beliebigen weißen Strichen geparkt aus der Dämmerung auftaucht, während ich schräg durch das leere Parkhaus laufe. Ich steige ein und fahre ebenso schräg über all die leeren Parkplätze, die unsinnigen Streifen auf dem Boden zur Ausfahrt. Auf der langen zweispurigen Straße packt mich schon die Wehmut. Ich will hier nicht fahren. Ich will nicht selbst im Sommer nur den Abendhimmel sehen.
Ich gehe tanken, wie es alle montags tun, erwische die Säule, an der es nur den Superduperdiesel gibt, aber da ich noch Gutscheine von anderer Leute Winterreifen verprassen muß und das Auto so mit den Bremsen geplagt habe, lasse ich vollaufen und bekomme dafür sogar noch irgendwas aus Lego. Ich überlege kurz, wem ich das denn schenken kann, und erst jetzt komme ich darauf, es selbst aufzubauen. Habe ich nicht gern mit Lego gespielt?
Geld abheben, einkaufen. In den Supermarkt führt nur ein Rollband. Keine Treppe, kein Vorbeikommen. Ich stehe eingezwängt hinter meinem Wagen und lasse mich transportieren. Wenigstens habe ich gearbeitet, denke ich, zumindest einen Teil meiner Bürozeit, und ich freue mich an dem Zettel vor der Tastatur, auf dem meine Aufgaben stehen, wie ich sie mir abgerungen habe. Dann sehe ich eine gebeugte Frau, die meinem Wagen angestrengt mit ihrer Putzmaschine ausweicht. Der Supermarkt spielt Sheryl Crow, oder vielleicht ist das auch nur mein Innenohr. Nach innen höre ich ja noch ganz passabel, glaube ich. Aber an meiner Arbeit freuen kann ich mich nicht mehr. Ich muß mich nicht bücken, und ich darf zumindest durch ein Fenster Tageslicht sehen. Vielleicht glaube ich auch einfach, daß ältere Menschen nicht mehr abends arbeiten sollten. Oder nicht putzen. Ich weiß es nicht. Und die Genugtuung meiner eigenen Arbeit finde ich auch nicht mehr.
Weiter vorn bückt sich eine Frau in ein Regal, um Waren einzuräumen. Ein Kind zerrt an ihr, und ich hoffe, daß es in seinen Ferien nicht den ganzen Tag in dem Laden spielen muß, wo die Mutter arbeitet. Oder den Laden wenigstens ordentlich zerlegt. Anarchismus kommt mir auch sinnlos vor, und in meinem Wagen ist alles in Plastik. Nur die Bananen kann ich retten, indem ich den Wiegezettel direkt aufklebe. Das ist doch kein Leben, denke ich. Alles Plastik.
In der Schlange reißt eine nicht ganz hüfthohe große Schwester ihre kleine Schwester zur Seite, um mir Platz zu machen. Die Mutter dreht sich um, und ich lächle beschwichtigend.
An der Kasse muß ich warten, weil der neue Bräter keinen Preisaufkleber hat. Ich bezahle also und warte hinter der Kasse. Das stört mich nicht, und um das zu zeigen, setze ich die Lächelmaske auf. Ein Mann kauft fünf Bier und eine Stange Wurst. Montag. All das stopft er in seinen Rucksack und geht beschwingt, sein Bierbauch schwingt mit. Ich werde ihn später langsam auf dem Fahrrad an mir vorbeifahren sehen.
Eine junge Frau hat den Preis im Regal kontrolliert, und unter Entschuldigungen bekomme ich den Bräter. Später dann einen Parkplatz vor dem Haus. Nur der Bräter, der passt dann mitsamt dem Auflauf nicht in meinen kleinen Ofen. Dann eben offen.
Den Spiegel hast Du geputzt, als ich eingezogen bin. Ich spiele ein wenig auf der Gitarre. Keine neuen Nachrichten. Es wird dunkel, ich esse, zum joggen war ich vorher zu hungrig und jetzt schmeckt es mir zu gut. Ich packe die Gitarre weg und hoffe, daß die Blume mir die Trockenheit verzeihen wird.
Im Bett lese ich einen schlimmen, billigen Krimi, zweite Wahl steht drauf, und der passt recht gut zu diesem Arbeitstag. Ich denke noch an die Mail, die ich Dir schreiben wollte. Ich werde es nicht tun. Ich tue es nie, wenn ich es nicht sofort anfange. Ich kann mir nicht mehr einreden, daß das eine Chance wäre. Wecker halb sieben, ich lösche das Licht.
In der Nacht schrecke ich hoch. Der Melkstand ist leergeräumt, in der Grube liegt Stroh. Der Bauer kommt mir entgegen. Es ist nicht gut gelaufen, sagt er. Es hat nicht gereicht. Und dann sind da andere, die ich kenne, und die sind jetzt Chef. Ich drehe mich um und suche nach den Spuren meiner Arbeit, die ich als Sinn durchgehen lassen könnte. Ich finde sie nicht, und dann wache ich auf und bleibe wach liegen. Oft träume ich ja nicht. Ein Glück.
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