Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Montag, 10. 12 12

10.12.12, 12:13 | 'Das Auge des Betrachters'
Wie sie sich ärgert und aufregt. Und in all ihrem Ärger, unter dem Druck in ihr, den man so gut daran sehen kann, wenn sich ihr Körper spannt, wenn sie die Beine auf den Boden presst und durchstreckt, wenn sie ihre grandiose Figur in die Tanzschritte wirft, von elegant nach verrucht wechselnd aus der Hüfte schießt, wenn sie das Gesicht verzieht und irgendwann aus einer Pose herausbricht, den Kopf nach vorne wirft, daß der Pferdeschwanz sich überschlägt, und loslacht, schallend und ohne die Hand vor den Mund zu nehmen, ob unserer ganzen Blödelei und unserer ganzen Blödheit, wie wir die Schritte nicht hinbekommen, und die Sonne nicht, und dabei einen Riesenspaß haben, daran freue ich mich so.

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Ich sitze wieder hier beim Frühstück. Rechtzeitig angekommen, warmgeschafft. Die Wecken sind warm und die Brezgen auch. Meine Füße sind kalt, aber ich bin warm. Hier bin ich warm.
Gehen wir, frage ich geladen, und der Bauer seufzt theatralisch. Und dann gehen wir doch.

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Die gleißenden Schneekristalle in der Sonne.

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Meine Schultern dampfen durch den blauen Pelz, mein Kopf durch die Mütze und die Schlitze im Helm. Ich halte inne und horche in Richtung der Berge. Von weit her antworten schreiend die Sägen. Ich ziehe kurz am Seil, stapfe durch die Dornen, und dann sind wir wieder ein Chor.

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Es geht alles vorbei. Freude, Trauer, Leben. Trotzdem machen wir Pläne, und auflösbar ist das alles nicht. Nicht diskret, nicht rational, aber irgendwie schon machbar, und im Zweifel alles, was man halt so hat. Gelaber.

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Abends brauche ich noch den Tierarzt. Schon wieder, sagt sie, und ich stocke. Wieso schon wieder, und daß sie so gar nicht begreifen können, daß man reden muß. Daß ich nicht alles sehen kann, und erst recht nicht hellsehen, und dann bin ich wieder so wütend, aber es hilft ja nichts. Die sind halt so.

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Da steht einer auf dem Weihnachtsmarkt und lacht ins Telefon, und ich stehe im Stall und lache zurück. Zwei Welten, zweitausend Meter.

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Da erzählen die einen von den ersten Monaten zu dritt. Da erzählen andere von Mäusen und Schlangen und Dschungel. Da zeigt einer die Bilder seiner Hausbaustelle, und eine wiegt dazu das Kind. Da kommt einer spät, der nur mal schnell auf den Weihnachtsmarkt wollte. Da ist es dann auch schon vorbei.

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Der Nikolaus ist schon weg, und sie zeigen mir begeistert die Bilder. Dieses Jahr wäre ich sogar straflos davongekommen.

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Dann tanzen. Seltene und häufige Gäste. Paartanz und Indianertanz. Und immer wieder fallen wir uns in die Arme, weichen den beiden aus, die den Fliegenden Holländer üben, wie wir die Hebefigur getauft haben. Mit dem Schuh schiebe ich Scherben unter den Heizkörper. Ein Gürtel klatscht auf ein blankes Gesäß. Zwei diskutieren handfest aus, wer denn nun der beste Elektriker ist. Dancin' like Chicago. Einen verbinden wir auf dem Flur. Fliegende Locken. Ungläubig schaue ich auf die Uhr. Daß diese Zeiten wiederkommen. Kurz vor Stallzeit gehe ich.

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Wie sie eintrudeln, nach und nach, mit dem ins Gesicht gezeichneten Pegel.

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Du bist Eins, Mensch! Und Du Zwei! Und jetzt ChaChaCha, Drehung, Drei, Vier.

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Wie wir zu dritt in dem alten Auto sitzen, mit offenen Mündern und unbestimmten Lauten. Wie der Schnee spritzt, als wir rutschen. Wie der Motor abstirbt und wieder angeworfen wird. Gäuwinden. Ein Seil und Schwung. Schwänzelnd eingekesselt von Wänden aus Schnee. Nur wir hier. An einem Mast rumst es. Wir lachen und schieben rückwärts. Der Mast wackelt noch, als wir wieder losfahren. Sonntagabendcrossen, hell yeah.

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Was ich nicht hören will und was außer mir niemand sagt.

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Ich fahre vom Schnee in den Matsch. So sieht das aus.
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