Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Dienstag, 16. 07 19

16.07.19, 09:46 | 'Carry me Carrie'
Ich habe die stählerne Klammer um Dein Herz gespürt. Ich habe nicht bemerkt, wie stark ihr Druck war, wie diamanten Du darunter geworden bist. Ich habe sie nur wahrgenommen, wenn Du sie gelöst hast: beim angelehnten Einschlafen, wenn ich Deinen Herzschlag sehen kann, der Puls langsamer und weniger hart an Deinem Hals, der Griff Deiner Hände sanfter, die Augen weicher, bevor sie sich schließen, weniger Härte mit Dir selbst, weil niemand so mit sich sein kann, soll und darf, die sich lösenden Muskeln zucken nach, ein Seufzen entwischt den Lippen, aus dem Anlehnen wird Anschmiegen, zwischen uns fließt Wärme, sie trägt die Information des Daseins, der Gemeinsamkeit und der Sicherheit zum anderen, sie dämpft die Umgebung, als wären wir warm unter einer gemeinsamen Decke.
Nicht mit Gewalt. Du kannst die Klammer nicht sprengen, indem Du hart bist. Die Klammer ist ein Teil von Dir und wird mit Dir hart und härter, eng und enger. Weich werden, warm werden, gleiten, lösen. Mit dem Nachlassen Deiner Spannung weicht auch die Klammer auf, und irgendwann kann sie abfallen von Dir.
Ich freue mich, wenn ich spüre, wie der Druck nachlässt. Im Schlaf und in ganz wenigen besonderen Momenten. Daran freue ich mich. An Dir, wenn ich unter die Klammer sehen kann, und an mir, wenn ich Dich wärmen und erweichen kann. Druck aufnehmen, Druck abnehmen. Und ich schäme mich, daß ich die Stärke der Klammer nicht begreifen konnte, womöglich nicht einmal sehen wollte. Du bist gut, wenn Du diamanten bist. Du bist mir noch viel lieber, wenn Du weich wirst. Größer wirst Du dabei, stärker. Und das möchte ich sein, das sollst Du sein. Stark sein, indem wir weich werden.
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Dienstag, 17. 07 12

17.07.12, 21:12 | 'Carry me Carrie'
My blessing for you both is “patience”.

She told me about the tradition of the seven blessings and asked me to say some words about patience during our last mountain bike ride on Sunday. And I really had to try and not fall off my bike laughingly. I am really not the person to think of as patient, and she knows me long enough to be aware of that. I agreed and then I could not say anything more because we were riding down a hill and I had to struggle not letting her ride too far ahead.

When she told me about the other blessings and about the people she had chosen for them, I became more and more proud of this task. And when we rode upwards to the next mountain I had some time to think of patience. When I am riding upwards together with her, I have to be patient.

So I stood there with my bike in the sun, in the woods, on top of the mountains. Seeing my entire, beloved home. Like it has been for almost thirty years to me. Like it has been there for thousands of years. Me, thinking of the blessing of patience.

And it came to my mind that patience is like being a mountain: to withstand all conditions. And that patience is like being a tree: to keep on growing, striving towards the sun and the water, growing a year’s ring, twigs and leaves.

But, as you are neither trees nor mountains, what does patience mean to the both of you? Patience as a bless does not mean waiting. Patience as a bless means that you prefer to climb a mountain together, not reaching the summit in first place.

And what do you do when you prefer to climb this mountain together? You give shelter when you fix each other with a rope. You help each other. You share all the things that you are carrying up the mountain. You take your breaks together and enjoy the experience that you share.
So climbing a mountain together takes into account the joy that you feel when you cooperate, when you give and when you listen to each other.

Maybe after all it’s not mountains you have to climb together. Maybe it’s the life that you share. May you both always climb it together and may you both be always blessed with patience.
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Dienstag, 10. 07 12

10.07.12, 09:50 | 'Carry me Carrie'
Morgens regnet und stürmt es. Gegen Mittag klart es auf, und als wir zur Abschiedsfahrt starten, strahlt die Sonne auf die frischgewaschen glänzende Welt. Ich habe keinen Kloß im Hals, ich bin nicht wehmütig, das kommt erst danach. Ich freue mich nur, am Sonntag, an der Heimat, an der Sonne, am Radfahren und an Dir. Ich bin glücklich.
Wir fahren durch das Tal hoch. Den Weg, den Du immer lautstark verfluchst, weil er so steil ist. Das Licht malt helle Bilder in den Wald, und ab und zu halten wir an, für einen Schluck Wasser und einen Blick auf diese Bilder.
Und wir reden. Wie immer rede ich, wenn es bergauf geht, und Du, wenn es technisch wird. Mittlerweile steige ich längst ab, wo Du noch fährst. Du wartest unten und redest mir gut zu, als ich mich auf Treppenstufen plage. Du lachst von der Lichtung her, als ich Dich im Wald verliere.
Du sagst, was Du hier vermissen wirst. Und ich sage, daß ich Dich vermissen werde. Wir lachen. Dann verabschieden wir uns an der Eisdiele, mit Dreckspritzern im Gesicht.

Es wird sehr lange dauern bis zum nächsten Mal.
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Donnerstag, 7. 06 12

07.06.12, 21:22 | 'Carry me Carrie'
Und heute, drei Jahre danach, da sitze ich und bastle an der Hochzeitseinladung.
Wir diskutieren die Wegbeschreibung. Wir streiten uns über die Aufforderung, Geld zu schenken. Nur ein wenig.
Wir feiern Hochzeit und Aufbruch, überschreibe ich die Einladung.
Und wünsche den beiden dabei alles Gute.
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Sonntag, 2. 01 11

02.01.11, 18:25 | 'Carry me Carrie'

Ich laufe auf dem verschneiten Pfad zum Haus. Es ist noch früh, die Läden sind noch unten. Leise hänge ich das Päckchen an die Türklinke und trappe in meinen eigenen Spuren zurück. Sie werden mich verraten, meine Päckchen brauchen keinen Namen.
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Donnerstag, 16. 12 10

16.12.10, 23:04 | 'Carry me Carrie'
Jetzt bist Du gerade eine Woche wieder hier. Die Entfernung bringt uns näher, glaube ich. Das war früher schon so. Einmal, da bist Du nach Amerika gegangen, und ich habe Dir eine Geschichte über die Erdnuss-Stadt geschrieben.
Vor dem letzten Flug saßen wir hier und haben uns die Köpfe heißgeredet. Und ich habe hinuntergeschluckt, daß ich Dich nicht gehen lassen wollte. Wie ich nie einen meiner Freunde gehen lassen will. Ich habe durchgeatmet und mir alles angehört. Herausgehört, daß Du seinetwegen gehst, daß sich alles um ihn dreht, auch wenn Du ihn nicht erwähnst. Damals saßen wir hier, Du hattest Dich eben erst von einer ganz anderen Last befreit und warst seltsam ruhig. Hast zugehört. Es gab noch keinen Entschluß, und ich hätte mir nie angemaßt, Dich zu drängen. So habe ich nur gefragt. Und mir Sorgen gemacht, irgendwann, als mir die Zeitungen bewußt machen mußten, wo Du bist und wie fern.
Jetzt sitzen wir wieder hier. Du bist zurück, wir lachen, und das kurze Zögern vor der Umarmung, das passt so gut zu uns, daß es mittlerweile dazugehört. Wir lachen über die Laute dieser Sprache, über die Unterschiede, über all das, was Dir dort und mir hier passiert ist. Und zwischendurch immer wieder die Schwierigkeiten, die Unsicherheit, und dieses Glitzern, als sich Tränen in Deinen Augen sammeln. Und obwohl Du eben die Geradlinigkeit lobst, sind wir sehr sanft miteinander. Du Idiot, sagst Du, als ich von Dummheiten erzähle, und da funkeln Deine Augen wieder.
The farmer guy bin ich also, und ich finde das sehr schön, daß Du dort von mir erzählst. Wir stehen im Schnee, stapfen den Hang hinauf, und dieser feine kristallene Puder glitzert im Licht des einzelnen Scheinwerfers am Gipfel. Wir tragen unsere Bretter und die Stöcke, und ab und zu halten wir an, kommen zu Atem und reden. Kommst Du mich besuchen? fragst Du, als wir unvermittelt auf der Piste angehalten haben, auf die Stöcke gestützt im nächtlichen Schneetreiben. Selbstverständlich komme ich. Du hast Dich nicht verstellt, sagst Du. Und daß so viele gegangen sind. Abgerissene Fäden. Während unserer hält, irgendwie. Und die Trostlosigkeit des Hier, die Dich trifft, und der ich die ganze Schönheit meiner Heimat gegenüberstelle. Du sollst es hier mögen, auch wenn Du gehen mußt.
Und dann reden wir von Heimat, von der seltsamen Kraft, die an Dir zieht, ebenso wie an mir, nur Dich zieht sie fort und mich hält sie hier. Und das ist für uns beide richtig. Wir müssen beide suchen. Du mußt gehen und suchen, und ich muß hierbleiben und suchen. Wir suchen unser Glück, wir suchen unser Leben. Und beide sind wir sicher, einen ganzen Teil davon gefunden zu haben. Im selben Jahr sogar. Du mußt entdecken, und ich muß bewahren, und wir müssen uns zeigen und erzählen, und so werden wir nie fremd an uns.
Als ich Dich absetze, merke ich, daß dies hier Deine Abschiedstour ist. Die verschneiten Straßen. Das Auto vor der Garage. All die Freunde, die Du besuchst. Wie Du uns alle ins Herz schließt, bevor Du gehst. Du wirst uns nicht verlieren, denke ich, als ich weiterfahre und die Reifen durch den Schnee scharren. Ich werde auch Dich nicht verlieren. Und ich trage wieder ein bißchen mehr der Dinge, die Du tragen mußt. Ich trage mit Dir. Ich bin Dein Freund.
Mach es gut da unten, denke ich, und räume die Ski wieder an ihren Platz. Mach es gut. Ich wünsche Dir alles Glück und alle Heimat. Zeig sie mir, irgendwann. Ich freue mich auf Dich.
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Dienstag, 5. 10 10

05.10.10, 23:49 | 'Carry me Carrie'
Hier liegt noch ein Muffin auf dem Tisch und der Duft eines Engels in der Luft. Mach es gut, Engel. Auch wenn wir uns die Sorgen teilen, wie so oft, wenn Du mit Hintergedanken fragst und ich mich langsam und immer schneller in Rage rede, sind wir am Ende sehr ähnlich. Tu es, sage ich am Ende zu Dir, und komm gesund wieder. Und wenn Du dort glücklich bist, dann vergiss das Wiederkommen, aber das kann ich dann doch nicht sagen.
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Montag, 27. 09 10

27.09.10, 20:00 | 'Carry me Carrie'


Und auf dem Heimweg, auf dem man durchgefroren in die Pedale tritt, weil man viel zu lange im Schatten gestanden ist und geredet hat, über Nahost und die Welt und Probleme und Mut, ziellos geredet und ebenso zugehört, auf die Räder gelehnt, am Fuße des Bergs, nachdem man zuvor innerhalb von fünf Minuten alle Blicke der Welt auf sich hatte, während man so wartend dasaß, an der großen Kreuzung der kleinen Stadt auf einem Poller, das Fahrrad an die Knie gelehnt und den Helm in der Hand, in Radhosen, und Bekannte grüßte und hochgezogene Brauen, und dann ein Engel, der um die Ecke bog, und man spürte den Berg kaum in den Beinen, man lachte beim Absetzen in den engen Kehren, man rief sich die Wurzeln zu, oder nur ein "Huch!", wenn mal wieder ein Rad nicht dahin fährt, wohin es soll, und man sich wundert oder eigentlich doch nicht, wie der Engel über alles hinweg gleitet, mit dem eigenen Helm auf dem Kopf, weil ein Engelskopf ja so viel schützenswerter ist als so ein texanischer Holzschädel, und man immer wieder genau weiß, welcher Wert da vor einem fährt, welcher Schatz, und daran denkt man zurück, auf dem Heimweg, und die Pedale laufen leicht, die Muskeln bringen die Wärme zurück, und dann scheint die Sonne, und man singt es laut hinaus in den Abend, "I'd wait for you 'til kingdom come", und es war alles recht so und alles perfekt. Engel.
# |  7 RauchzeichenGas geben

Donnerstag, 20. 05 10

20.05.10, 22:22 | 'Carry me Carrie'
Und ich werde abends auf dem hölzernen Steg sitzen, der noch sonnenwarm sein wird, während die Kühle aus dem Wasser aufsteigt, und meine Beine werden baumeln, und das Mondlicht ist eine Landebahn aus Licht, tausendfach gebrochen, schimmernd und ruhig, und ich werde meine drei, vier Lieder in die Nacht hinausspielen, langsam und leise, und vielleicht weicht dann wieder von mir, was mich plagt.
Die dicken Dielen, deren Maserung vom Wasser so ausgewaschen und verwittert ist, daß sie ganz rauh und wellig sind, lassen mich ahnen. Sie geben nur leicht nach, als jemand den Steg betritt. Leichte, leise Schritte. Ganz sachte setzt sich jemand zu mir. Du wirst nichts sagen, und irgendwann werde ich verstummen. Dein Atem warm an meinem Hals, Dein Haar fällt lang und glänzend, und Du nimmst meine Hand. So bleiben wir sitzen, bis daß der Tod uns, hols der Teufel, Stechmücken, und mein Bier ist auch schon leer, die Harmonika klatscht ins Wasser, als ich mich erheben will, und von Dir habe ich auch wieder nur geträumt.
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Freitag, 5. 03 10

05.03.10, 11:24 | 'Carry me Carrie'
"Bis dann im April!"
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