Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.

07.09.20, 21:32 | 'Ansatzlos'
In dem kleinen Dorf auf der Alb bremse ich leicht, bevor mir die Straße nach links davonläuft. Biege ab in die Steige, auf meinen Heimweg, seit je und immer schon. Auf der Alb war es dämmrig, hier zwischen den Bäumen ist es dunkel. Der Seitenstreifen hellgrau, der Fahrtwind pfeift durch die Speichen, als ich mich über den Lenker beuge, den viel zu festen Griff lockere. Bremsen auf, Antritt. Der Wind wird laut. Ein paar Kiesel, vom letzten Regen auf die Straße geschwemmt, knirschen und lassen den Lenker erzittern. Als dem Wald wie eine Zahnlücke ein paar Bäume fehlen, hebe ich den Blick und sehe ins Tal, und an den Lichtern kann ich meine Stimmung messen. Je mehr Lichter ich glaube, gemütlichen Heimaten zuordnen zu können, und heute fühlt sich jedes Licht an wie ein Lagerfeuer, auf das ich zufahre. Ich rufe etwas in den Wald, an der gleichen Stelle immer schon, und dann nehme ich die nächste Kurve. Lichter tasten sich die Straße entlang auf mich zu, er wird mich schon rechtzeitig sehen, und für ein helles Auto und ein dunkles Rad hat noch jedes Sträßchen gereicht. Es kommt mir in diesem Moment völlig akzeptabel vor, in Bewegung zu sterben, obwohl mir das Sterben insgesamt nicht als eine akzeptable Lösung schmackhaft werden mag, und obwohl es natürlich auch in diesem Moment völlig außer Frage steht, jemals sterben zu können. Nur wenn, es wäre so akzeptabel. Dann sind die Scheinwerfer vorbei, hinter einer Scheibe meint man einen Zeigefinger an eine Stirn geführt zu sehen, aber ich meine ja immer mehr als ich sehen kann. Blitzer, Kirche, am Bach entlang, abbiegen auf den Todesstreifen, das neueste Symbol einer Verkehrspolitik, die sich andere Bedürfnisse als die eigenen weder vorstellen kann noch möchte. Die kurzen Streifen flitzen unter mir, als ich zu treten beginne, rund und kraftvoll, und an den ganz guten Tagen glaube ich für die besten Momente, das hätte gar nichts mit dem perfekten leichten Gefälle zu tun, das mich ins Nachbardorf schiebt und trägt, in dem ich gleich nach der Ortstafel abbiege, um über ein Brücklein und einen nächtlichen Spielplatz zu holpern. Am Fenster mein ewiges Licht. Ich bin da. Erst noch der Mais, dann sehen wir weiter.

Rauchzeichen




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