21.05.26, 06:38
Gestern Abend, nach einem kurzen Dialog per Textnachrichten, der mich wieder einmal sehr sehnsüchtig gemacht hatte, dann doch aufs Rad gestiegen und die Berge suchen gefahren. Weit ist es nicht, aber meine Beine sind schwach, und ich finde den Weg an der Stadt vorbei nicht. Stehe also an Ampeln und Ampeln und Ampeln, bis endlich die Luft rein wird, das Grün grün und der Weg zwitschernd ruhig. Ich kreuze dann mehrfach meine Route ohne sie zu finden. Stattdessen finde ich Gehöfte, auf denen ich allesamt leben könnte. Denke über die Ausschreibung zum Parkranger nach, die ich kürzlich gesehen habe. Vermutlich wird es auch dort Menschen geben, seufze ich, radle bergauf und bergab und sehe die Berge doch nicht. Dann, endlich, wo ich mir den Umkehrpunkt gedacht hatte, bin ich auf der richtigen Höhe mit freiem Blick nach Süden, und ich halte auf dem Weg an und schaue die großen Steine an, die mich so ruhig machen. Schon die zweite dicke Hummel liegt erschöpft auf dem Asphalt, und hier ist zuviel Verkehr zum Überleben, also klaube ich einen Geldschein heraus, schiebe ihn unter den Hummelhintern und setze sie ins Gras. Mehr hab ich nicht, sage ich ihr, die fünf Euro noch in der Hand, und dann denke ich mir, dass ich dich irgendwie kompatibler werden wollte zu den Menschen, und wie das schon fehlgeschlagen ist in dieser Woche. Und in den vorigen, ich kann gar nicht mehr sagen, wie lang das schon so ist. Ausgerechnet ein seelenloser Chatbot hat hierzu neulich einen guten Gedanken geliefert, und vielleicht braucht es für gute Gedanken gar keine Seele. Dann radle ich weiter, die Jugendlichen auf dem nahen Sportplatz haben schon kurz her geschaut nach dem, der da auf dem Weg steht und in die Berge stiert, die doch immer da sind. Zurück ins Tal wird die Luft dicker, wärmer, stickiger, und wie mir das passieren konnte, ich werde es wohl nie verstehen.