Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.

12.05.16, 11:29 | 'Nachdenken im Dativ'
Ich bin zu einem fünften Geburtstag eingeladen, und weil draußen nur über schnelle Autos und teure Grills geredet wird, verziehe ich mich schnell nach drinnen, wo ich mit den Kindern Spielzeug ausprobiere und mir neue Möbel zeigen lasse. Dann gehe ich in die Küche, wo Salat geschnippelt wird, und grüße die Damen. Im Studium sind wir uns mal begegnet, da saßt Du in meiner Küche und hast gelernt, ich habe Dir Kaffee angeboten, und dann haben wir uns Jahre später als Gäste hier wiedergesehen. Die Welt ist klein, und ich merke nichts, wie ich nie etwas bemerke, als ich nach eurem Auto frage, das ein ganz Besonderes ist, und ich merke immer noch nichts, als Du erzählst, daß Du umgezogen bist, weil Umzüge gerade auch hier ein großes Thema sind, und Du sagst etwas von einer Wohngemeinschaft in der Stadt, und daß nur Du umgezogen bist, und dann schneidest Du sehr konzentriert die Zwiebeln, während ich ein paar Dinge murmle, und beim Essen setze ich mich zu Dir, mache ein paar Scherze, und Du lächelst und streifst mich, worauf ich abrücke und ein paar Worte im Plural verliere, und dann gehst Du sehr früh, während ich noch bleibe und Früchte in flüssige Schokolade tunke, die Kinder der Gastgeber zwischen uns, und als der Garten dunkel und ruhig wird, bekomme ich Deine Geschichte erzählt, lang und schmerzhaft und voller Niederschläge, und ich lehne mich zurück, ein Kind auf dem Schoß, dem ich die bloßen Füße mit meinen großen Hände wärme, und ich sehe mich in meiner kleinen Wohnung, mit so gar keiner Sicherheit gerade, und ich sehe euch mit eurem Haus, dem Hund, dem Garten, dem Pferd und dem dicken Grill, der sicher nicht in das ebenso dicke Auto passt, und ich sehe Dich, die zurückgeworfen wurde, gehe nicht über Los, begib Dich direkt dort hin, und irgendwie bin ich sehr wehmütig in dieser Nacht, auch wenn ich früh gehe, früh im Bett bin und lese, wie ich es zig Jahre getan habe. Es ist das Jetzt, denke ich, es ist das Hier, und es ist ganz sicher nicht das Warten, daß alles besser wird, verdammt noch mal. Ich schreibe einen Satz ins Telefon, der leuchten soll, doch nicht erwarten, und ich bekomme Weingläser zurück und Luftschlangen, und ich weiß, daß Deine Wangen gerade leuchten, Dein Lachen Menschen verzaubert, und daß Du morgen wieder hier sein wirst. Mehr weiß ich nicht, und vielleicht soll ich mehr auch gar nicht wissen, darf mehr nicht hoffen, muß mich nur daran freuen. Dann drücke ich auf die Taste mit dem Flugzeug, reibe meine wunde Schulter und schlafe fest durch meine Nacht.

Rauchzeichen




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