Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.

08.07.15, 09:11 | '10000 lightyears from home'
Lange Hosen und eine lediglich gekippte Balkontür fühlen sich seltsam an.

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Was ich alles besser machen möchte.

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Wie ich den Sommer verschiebe.

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Die Großzügigkeit im Kleinen.

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Der Fluch des verlorenen Fluchtpunktes.

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Wie das Leben abweicht von dem, was ich mir gedacht habe. Wie ich mir heute denke, daß ich gedacht haben sollte, aber doch genau dies nicht denken durfte - der Gedanke ans Verlassensein verbietet sich in einer Gesellschaft, die man ein Leben lang genießen will, durch das Vertrauen selbst - wie das Leben also unvorhersehbar, unplanbar bleibt und einen hinstellt wie ein trotziges Kind, das zwar weiß und immer schon wußte, was es sein und haben will, und wie es dann genauso erkennt, daß es das nicht sein und haben wird und auch noch selbst dafür verantwortlich ist, ohne etwas ändern zu können, ohne etwas geändert haben zu können. Da bleibt mir nicht einmal mehr das Hadern mit mir selbst. Denn hätte ich dran gedacht, hätte ich es nicht ändern können, und wäre es anders gekommen, ich wäre mit dem Drandenken nicht glücklich geworden, und zu anderen Zeiten nannte man das wohl eine Tragödie, unaufhaltsam und unerbittlich.

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Eine Nacht mit der Party neben der Party, und das kommt mir entgegen, denn in Gruppen fühle ich mich wohl, in Massen nicht, und von diesem Gebäude herabschauen zu können, macht mir Freude und macht mich trinken, und so radle ich trunken durch die heiße Nacht nach Hause und vergesse den Gedanken, ein Ziel verfehlt zu haben.

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Balkonschlaf.

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Zwei Räder, eine Menge Wasser, eine gute Hand voll Kilometer vor uns. Immer wieder halten wir, um Wasser zu kaufen, und ich sehe eine Eidechse sich vor einem Supermarkt sonnen. Wir baden im Fluß und in kleinen Tümpeln, wir schwitzen und brauchen lang, bis wir uns auf einen Takt einigen.
Am Berg dann, dem letzten unerwarteten, da plagt mich der Wahn, und wo der Kumpan ausklickt und absteigt und mir zuruft, ich solle singen statt schnaufen, da senke ich den Blick zur nächsten Kehre und komme in den Takt der Beine und des Pustens, der Schweiß vereinigt sich von Tropfen zu einem einzigen Bach, der mir vom Kinn rinnt, und an der Position des nassen Fleckens auf dem Oberrohr erkenne ich, wie steil es gerade bergan geht. Ich verfluche die krampfenden Waden und lasse nach, damit ich nicht auf der Straße liegen muß, aber nur eben so, daß ich noch fahren kann, an der Grenze dessen, was das schwächste Glied zu leisten vermag. Ich bin irgendwann oben, lehne das Rad an das Schild, das lapidar den "Berg" verkündet, und setze mich ins Gras daneben. Meine Stirn pulsiert, ich spüre die Brennesseln an den Beinen kaum, und langsam lässt das Brennen in den Augen nach, weil weniger Schweiß hinein als hinausrinnt. Ich sehe meine Waden zucken, unkontrolliert und unkontrollierbar, und mühsam trinke ich die Flasche aus, weil ich sonst ja nichts tun kann, außer zu warten.

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Nachts ist viel los in der heißen Stadt. Ich bin verschwitzt, verkrustet und stolz, schiebe das Rad durch den Bahnhof und trete langsam durch die Fußgängerzone zu den Freunden, die hier oben stehen und feiern. Ich trinke eines mit, und dann überfällt mich die Müdigkeit, aber noch gebe ich nicht auf, komme nach Hause und dusche sogar noch genußvoll kaltes Wasser, bevor ich umfalle.

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Samstagsarbeit, Samstagabendstall, Samstagabendeinsamkeit.

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Am Sonntagmorgen vergesse ich die Melone, sortiere die neulich schon vergessenen Kirschen noch einmal durch, und dann fahren wir an den See, den ich schon mit Supergirl und Hund durchschwommen habe. Wir liegen auf den Luftmatratzen, schwimmen nebeneinander, liegen wieder, einander zugewandt, und irgendwie reden wir doch immer. Dann ist es Abend, und ich weiß gar nicht, wie wir den Tag verbracht haben, und ich sage immer wieder zum Beifahrersitz hin, daß es mich wundert, wo denn der Tag hin ist, aber im Schatten geht es schon. Dann kochen wir und sehen den Tatort, aber ich finde den Faden nicht, wie immer beim Fernsehen, ich habe es längst aufgegeben, Personen oder Motive zu erkennen, und daher überrascht mich auch das Ende eher vom Zeitpunkt als von der Geschichte her. Das wäre doch was, denke ich, daß man dem Film, anders als dem Buch, sein nahendes Ende nicht ansieht, man müßte nur auf die Programmzeitschriften verzichten und die Angaben in Minuten, das wäre doch was, aber was, weiß ich nicht.
Wir sitzen dann draußen, sie raucht, wir trinken, und irgendwann fahre ich sie zum Bahnhof. Keine Pointe.

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So wenig ist das alles ja gar nicht.

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Ich radle los, auf dem neuen Arbeitsweg, auch wenn das gerade keiner weiß, ob das meiner ist. Nun ist er doppelt so lang und dreimal so tief, und als ich versehentlich auf eine Straße gerate, da hupt und winkt gleich einer, daß ich erschrecke und ihn anschreie, lautes Schreien gegen lautes Hupen, und wie er dann so verschreckt vor sich hinschaut und sein Lenkrad mit beiden Händen hält, da biege ich auch schon ab.

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Abends spät zurück, ich sage das Klettern ab, gehe Einkaufen und kehre zurück mit allerhand Verderblichem.

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Zweitausend Titel durchforstet nach dem, was ich brauchen könnte. Übrig bleiben einhundertunddreißig, und das alles an einem Tag. Trost durch Arbeit.

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Morgen Motorrad.

Rauchzeichen




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