Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Montag, 20. 07 15

20.07.15, 17:39 | 'buying in just like a bunch of fools'
Ich kann mir große Zahlen schlecht vorstellen. Daher rechne ich sie immer wieder in andere Einheiten um, mit denen ich mehr anfangen kann. Die heutige Spielzahl ist 42 Milliarden. 4,2*1010.

Der Listenpreis meines Motorrads beträgt 8490 Euro. Man könnte sich von 42 Milliarden etwa viereinhalb Millionen Motorräder kaufen. Laut eines Zeitungsberichtes gab es knapp vier Millionen zugelassene Motorräder insgesamt in Deutschland. Man könnte die also alle austauschen und hätte dann noch Geld genüg übrig, um für jedes dieser Motorräder 1340 Liter Benzin zum Preis von anderthalb Euro zu kaufen. Bei einem Verbrauch von fünf Litern je hundert Kilometer könnte also jedes dieser vier Millionen Motorräder noch knapp 27000 Kilometer weit fahren. Bloß die Wartungskosten, die muß dann jemand anderes übernehmen.

Im Artikel steckt noch eine große Zahl: Es gab vor gut zwei Jahren also 52,4 Millionen zugelassene Kraftfahrzeuge in Deutschland. Man könnte also jedes Kraftfahrezug mit 534 Litern Benzin zu einem Literpreis von anderthalb Euro versorgen. Bloß braucht nicht jedes Fahrzeg Benzin, und über alle Kraftfahrzeuge wage ich keinen Verbrauchsdurchschnitt. Aber eine neue Lackierung wäre sicher ganz schick. Der Goldpreis steht gerade bei etwa eintausend Euro je Feinunze. Eine Feinunze sind 31 Gramm. Man könnte also jedes in Deutschland derzeit zugelassene Fahrzeug mit etwa 25 Gramm Gold verzieren. Damit lässt sich sicher die eine oder andere kleine Delle auffüllen, Als einfaches Blattgold kann man aus 25 Gramm etwa 12 Quadratmeter herstellen. Bei den meisten Fahrzeugen könnte man also nicht nur die Karosserie, sondern auch die Scheiben mit Gold verzieren. Ach nee, wegen der Sicht wäre das eher ungünstig. Außerdem betragen die weltweiten Goldreserven nur um die dreißigtausend Tonnen. Und für unsere Vergoldungsaktion bräuchten wir schon rund eintausenddreihundert davon. Bei einer Ladekapazität von sechsundzwanzig Tonnen sind das übrigens ziemlich genau fünfzig große Lastwagen (Beladung je 26 Tonnen), die für den Transport nötig wären. Aber wenn wir all das Verzierungsgold kaufen, reicht es wieder nicht, um die Lastwagen zu betanken. Außerdem ist das Verzieren eine Menge Arbeit, und irgendwer muß ja auch noch die Lastwagen fahren. Also auch nix.

Aber Arbeit ist ein gutes Stichwort. Arbeit kann man ja bezahlen. Und manchmal muß man auch noch bezahlen, daß jemand nicht mehr für die Konkurrenz arbeitet. So wurde für den Fußballspieler Cristiano Ronaldo etwa die Summe von 94 Millionen Euro als Ablöse an seinen früheren Arbeitgeber bezahlt. Und wir rechnen wieder: die Spielzahl von oben reicht also für 447 solcher Transfers. Man könnte also vierzig Mannschaften mit diesem Spieler ausstatten, und sieben wären noch übrig, um irgendwas Sinnvolles zu tun. In der ersten und zweiten Bundesliga spielen zusammen 36 Mannschaften. Wir könnten also noch einige Ronaldos in der dritten Liga spielen lassen oder jeden Verein noch mit einigen Auswechselronaldos versehen. Ob das spannend wäre? Und außerdem möchte so ein Fußballspieler ja auch für seine Arbeit bezahlt werden, wie alle anderen auch.

Alle anderen? In Deutschland beträgt das Durchschnittsentgelt aller Rentenversicherten etwas mehr als zweiunddreißigtausend Euro. Diese Zahl ist allerdings schon fast drei Jahre alt, also runden wir auf 33000 auf, und außerdem habe ich ihre Berechnungsgrundlage sowieso nicht ganz verstanden. Mit der Spielzahl könnten wir also das Durchschnittsentgelt für 1,27 Millionen Jahre auszahlen. Als ob einer so lange arbeiten wollen würde! Aber zum Glück haben wir gerade 42,6 Millionen Erwerbstätige, sagt die Tagesschau. Dann verteilt sich die viele Arbeit ein wenig. Wir könnten also hergehen und jeden Erwerbstätigen in Deutschland mit 986 Euro bezahlen. Bei 220 Arbeitstagen mit dem Durchschnittsentgelt je Jahr ergibt das eine Arbeitszeit von sechseinhalb Tagen. Das wäre in einer Woche zu schaffen, wenn da nicht die Sache mit dem Sonntag wäre. Also auch nix.

Dann lieber an die Armen verteilen vielleicht? Mag ja sein, hinter der Sache mit dem Sonntag steht mehr als nur ein weltliches Gericht, und wenn man dann mal vor dem anderen stehen muß, kann man sich immerhin damit hinausreden, man hätte für die Armen den Sonntag geschunden. Nun denn. In den nächsten drei Jahren werden in der Europäischen Union etwa sechzigtausend Flüchtlinge erwartet, und Deutschland will davon zwölftausend aufnehmen und versorgen (Im Radio gehört, daher keine Quelle). Ich nehme also locker flockig und womöglich falsch an, so ein Flüchtling braucht eine Versorgung in Höhe des Arbeitslosengeldes II, dann braucht er ein Zimmerchen in etwa wie im Studentenwohnheim, dann haben wir noch eine Verwaltug, die ab und zu einen Euro verdampfen lässt, und so lande ich im ersten Überschlag bei etwa eintausend Euro im Monat. Für die Spielzahl könten wir also die zwölftausend Menschen eine ganze Weile versorgen - nämlich fast dreihundert Jahre. 291 Jahre und 8 Monate, und die Zahl ist tatsächlich so rund, wie sie sich anhört. Aber so lange lebt ja kein Mensch.

Ein Gebäude vielleicht stattdessen? So ein richtig großes, mit viel Beton und Buddelei? Was wäre denn da gerade dran - ach ja, ein Bahnhof. Der kostet jeden Tag was anderes, das weiß keiner so genau, aber die Vorsichtigen haben die Ordinate im Schaubild mal bei acht Milliarden aufhören lassen. Kann man machen, und mit der Spielzahl könnten wir also fünf solcher Bahnhöfe bauen, und dann bliebe noch ein kleiner Viertelbahnhof übrig, falls mal ein Gleis kaputt geht oder eine Scheibe aus dem Rahmen springt. Alles ja schon dagewesen. Ein anderes Bauwerk, den Berliner Flughafen nämlich, den könnten wir mit zweiundvierzig Milliarden vielleicht bezahlen - aber bauen können wir ihn deshalb noch lange nicht.
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