Dieseldunst
In den Gelben Seiten unter Träumer.
Samstag, 11. 07 26

11.07.26, 23:24
Auf der Terrasse, fast zehn Meter über dem Boden, sitze ich, und weil derzeit kein Geländer an Bord ist, baumeln die Beine in der Luft, und ich spüre die Angst ganz langsam in sich zusammensinken. Höhe ist auch nur Gewöhnung, tippe ich ins Telefon, nippe am Bier zum Wochenende und horche der fernen Musik nach. Kommt sie vom Sportplatz oder aus dem Freibad? Ein Platschen würde mir helfen. Stattdessen Queen: Don't stop me now. The kids are alright, denke ich, winke den zitternden Lichtern auf dem Gegenhang zu und zähle die roten Blinkleuchten der noch ferneren Windräder. Wie bei vielen blinkenden Autos in einer Abbiegeschlange bildet sich ab und zu ein Muster, eine Art Lauflicht, immer von rechts nach links. Von unten duftet das trocknende Holz, das den Tag in der Sonne verbracht hat und Harz schwitzen musste. Ich überlege, ob ich aus Spaß an der Freude Mammutbäume setzen soll, doch wie soll ich die einst fällen, wenn ich erst achtzig bin? Ich denke an den alten, den wirklich alten Bauern, der sich mit neunzig einen neuen Schlepper kaufte, den er zu überleben gedachte. Das hat nicht geklappt, doch seine Zuversicht hat mich beeindruckt. Werde ich mir also mit achtzig einen Schlepper kaufen, um die großen Bäume fällen zu können. Nun. Bis dahin werde ich das Geländer wohl noch einmal erneuern müssen. Dann vielleicht mit Gerüst statt im Gurt zu sitzen. Mut ist nämlich auch nur Gewöhnung, glaube ich.
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