Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Samstag, 2. 12 17

02.12.17, 08:49 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Letztes Jahr hast Du noch mit Deiner Pflegerin, die da schon längst zu Deiner engen Freundin geworden ist, gebacken. Große Stollen nach Rezepten aus ihrer Heimat. Viel früher warst Du zuständig für die Springerle, die ich am liebsten mag, wenn sie erst richtig hart sind. Wenn ich mich jetzt nach rechts drehe, sehe ich Dich von einem Bild lächeln. In der Küche warten die Ausstecherle, die ich im Frühjahr aus Deiner Küche gerettet habe, auf ihren heutigen Einsatz. Ich hoffe, Du schaust uns zu und lächelst, Oma.
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Donnerstag, 1. 12 16

01.12.16, 09:25 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Auf dem Heimweg vom Einkaufen gestern abend, den Rucksack auf, eine Tasche in der Hand, die kalte Luft findet hinter meinem Kragen hinab bis an die Brust, und ich möchte mich auf Dein Grab werfen und die gefrorenen Brocken Erde auftauen, ich möchte Dich wärmen, daß Du auch jetzt nicht frieren mußt, wo es dann doch noch Winter wird.

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"Ich hatt' einen Kameraden" haben sie gespielt für Dich. Und eines, das ich noch gar nicht gekannt habe:
'S ist Feierabend, 's ist Feierabend
Das Tagwerk ist vollbracht
'S geht alles seiner Heimat zu
Leis zieht herauf die Nacht."
Das summe ich jetzt oft ganz leise auf dem Heimweg im Dunkeln, wenn ich an Dich denke.
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Montag, 27. 08 12

27.08.12, 07:51 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Bob Dylan erzählt vom Zerbrechen, ich lade Bierkisten in den Kofferraum, und dann stehen die beiden neben mir, links und rechts, heute und damals, und wir bekommen das alle ganz elegant hin, fast mühelos, und dann lese ich Tage später das und bemerke, daß man schon ein Stück weit zerbricht, wenn man sich verliebt; nicht erst das Ende bricht uns, und das habe ich viel zu oft; ich liege in Trümmern, aber vielleicht macht das nichts. Ich weiß nicht, ob ich hoffen darf. Hoffen, daß es uns allen so geht. Und Juliette Lewis erzählt davon, daß einer die ganze Wucht der Welt vor sich hertragen muß, und erst jetzt lese ich, daß sie schreibt "You're given" statt "You're giving", und ihre gelobte Rotzigkeit hat mir das bisher verborgen, oder ich wollte nicht hören, und dann denke ich, daß ich ein Jahr dort leben sollte, oder zehn, nur um die Musik zu verstehen, die ich tausendmal höre und hundertmal singe. Daß mir nichts mehr entgeht, daß ich alle Botschaften aufnehmen kann, und vielleicht, wahrscheinlich, sicher ist auch das ein Fehler, zu glauben, man könne mit der gesamten Menge an Information dann die richtige Entscheidung treffen. Kann man nicht, man kann nicht wissen, und vor allem kann man wohl nicht richtig entscheiden, und für all das hoffe ich nicht mehr auf Vergebung, sondern nur noch auf Linderung, weil doch Erosion und Zerfall der Lauf ist, den wir nehmen, und da ist dann wieder Hoffnung, daß, wenn es schon so ist, dann wenigstens nicht so schlimm sein wird. Aber das ist zuviel verlangt, denn das ist das Schlimmste, weil wir nur leben, um nicht zu zerfallen, und tun es doch.
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Samstag, 8. 10 11

08.10.11, 12:37 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Alte Bilder drängen sich auf. Es muß Herbst sein.
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Freitag, 6. 08 10

06.08.10, 00:33 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Und die Namen all der Schönen, die habe ich längst vergessen.
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Freitag, 12. 03 10

12.03.10, 09:30 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Zufälle. Ich denke an Dich und daran, Dir zu schreiben. Das Telefon brummt, Du schreibst. In jedem Satz eine Spitze, und jetzt weiß ich wieder: Selbstgerechtigkeit, Überheblichkeit und eine Liebe zu sehr billiger Macht.
Deshalb bist Du dort und ich hier. Womöglich waren wir deshalb auch einmal gemeinsam.

Ich antworte nicht, ich mag mich nicht mehr verteidigen.
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Montag, 22. 02 10

22.02.10, 12:02 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Als wir Sonntagabends noch Essen gingen.
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Sonntag, 17. 05 09

17.05.09, 13:34 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Wie ich es hasse, Dein Leben als Ordner- und Dateinamen im Kopierfenster an mir vorüberziehen zu sehen, während ich Deine Daten sichere.
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Freitag, 13. 03 09

13.03.09, 10:46 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'
Flirte nicht mit den Damen vom Telefonservice! Sie werden Dir vor Aufregung, daß jemand mal nett zu ihnen ist, das falsche Paket schicken. Wenigstens der Preis stimmt.

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Weißt Du, wie lange ich schon nicht mehr im Schützenhaus war, frage ich Dich leise, und so schüchtern war ich auch schon lange nicht mehr. Wie man Orte verliert, und sie wiedergewinnen muß. Zurückerobern, denke ich mir, als ich unsere Jacken im Flur aufhänge.
"Ein ganz seltener Gast", jubeln sie, denn so schnell geht das hier nicht mit dem Vergessen. Sie kennen den kleinen Buben noch, kürzer als sein eigenes Luftgewehr, der auf einer Plastikkiste stehend schoß, im alten Schützenhaus noch, und danach saßen wir dann um einen Gasstrahler, ich fröstelnd auf dem Schoß meines Vaters. Sie kennen den grimmigen Jungen noch, der mit Schlepper und Kreiselegge die Bogenschießbahn planiert hat. Sie kennen den Kerl noch, der jedes Jahr nach den Arbeitsplänen fragt. Aber den, der hier sitzt und lacht und Darts spielt, sich auf die Schenkel klatscht und die Arme um jemanden legt, den kennen sie nicht.
Jugendwart, sagen sie, und plötzlich klingt das wie eine wunderbare Idee. Ich dürfte mittlerweile ein miserabler Schütze geworden sein, wende ich ein. Verlernt man nicht, und Du kannst ja rein zum Trainieren, und am Samstag ist Hauptversammlung.
Wie schnell sich ein Leben verschieben lässt, verrücken, um ein paar Zentimeter, und wie anders all das von hier aussieht.

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Mittwochabend schon. Jugendhaus, wie lang ist das her. Die Themen sind ähnlich, und als wir alte Bilder anschauen und vom Bauen reden, da werde ich wehmütig, und ich stelle die Füße auf die Bar, links und rechts der Bierkiste. Den Kopf an die Wand gelehnt schaukle ich auf dem Barhocker, bis mir wieder so wohlig ist, wie es immer war. Und ich möchte wieder mit, zum Radfahren, nach Italien, Spielen und Lachen, und beim Spielen und Lachen helfen.

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Ich stapfe über die Paletten, die Kapuze über den Kopf gezogen. Die Türklinke lässt sich nicht drücken, und der Tür zuliebe versuche ich es nicht mit Gewalt. Ich winke durchs Fenster, was habt ihr wieder für Lumpereien ausgeheckt? Die Tür geht einen Spalt auf, wir reden gerade über Dich. Also, sage ich, den Fuß schon in der Tür, dann bin ich ja richtig.

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Es wird spät und später, und wir entwirren Beziehungsgeflechte, wir entwirren das Verlassensein und die Hahnenkämpfe zweier um eine. Und als ich noch das Alter erwähne, das Alter, das Alter! da lächeln sie, weil mit fünfundzwanzig kann man sechsundzwanzig noch nicht verstehen. Vielleicht bin ich aber nur mal wieder völlig falsch, und die beiden haben recht, weiß der Teufel, ich hoffe es.

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"Kinder" und "Kopfschuß" habe ich in der Zeitung gelesen, und ich will das nicht lesen, ich will das nicht denken müssen, ich weiß nicht, was ich dabei fühlen soll. Und als er abends erzählt von seiner Schwester, die mit all den Kindern, ihren Schutzbefohlenen in den Keller geflüchtet ist, und sich tapfer Spiele ausgedacht hat, über Stunden, da weiß ich noch weniger, bin noch leerer, richtungslos taste ich, ohne Wände zu fühlen.
Mit den Details wächst der Schrecken, mit der Nähe das Unverständnis. Je weiter weg, umso einfacher und klarer. Und wenn man ganz weit weg ist, bleiben vielleicht nur noch Computerspiele und der Zugang zu Waffen, wird alles so klar, daß es nur noch falsch sein kann.

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Thank you for being a friend, singe ich, als ich zum Auto patsche, durch den ewigen Regen.
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Freitag, 6. 02 09

06.02.09, 20:16 | 'was von den Jahren uebrigbleibt'


Das war letztes Jahr. Bildbearbeitung lernen wir noch.
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