07.05.26, 21:59
Es bleibt als ebenso mühselige wie schmerzhafte Selbsterkenntnis, daß ich einen völlig falschen Weg eingeschlagen habe, der sich nicht mehr korrigieren lässt. Die Uhr tickt, die Zeit läuft. Dreißig Jahre kommst Du, dreißig bist Du, dreißig gehst Du. Ich war sogar unfähig, meine Unfähigkeit zu erkennen. Das könnte ein Segen gewesen sein. Diese Woche war es ein Regenbogen auf dem kurzen Heimweg vom Supermarkt, mit offener Jacke im strömenden Regen, und er endete im Norden. Immerhin, und damit soll dieser Abschnitt der bitteren Pille auch enden, bin ich diesen Weg bisher so gut gegangen, wie ich es vermocht habe. Kein Millionär geworden, und auch nicht reich genug, um wirklich für die sorgen zu können, für die ich die Verantwortung trage. Aber doch viel weiter gekommen, als es einem Bauernbuben vielleicht zugestanden wird, und dabei kaum je aushäusig geworden. Meine Freuden sind billig, oder sie bringen sogar noch etwas ein. Meine Bedürfnisse sind gering, und aus einem Loch im Socken kann ich noch immer ein Markenzeichen stricken. Not great, not terrible, sagte einst ein amerikanischer Präsident dazu.
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Nun also mutig an den Putz. So stehe ich also am Stadtrand beim Baustoffhändler am Schalter. Die Dame fragt, ob ich privat bin. Nun, sage ich, ich bin immer in der billigsten Firma. Sie lacht und schaut in ihren Bildschirm. Ist billig, brauchen wir nicht. Ich zahle den tatsächlich niedrigen Preis, lade von der Palette ins Auto, bis die Federn knirschen, und erst auf der Fahrt schaue ich den Lieferschein an, auf dem irgendein Name steht, dessen Adresse einige hundert Kilometer entfernt ist. Selten, daß mir ein freundlicher Handel so gelingt.
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Im Radio ein Bericht über die Forderung nach Barrierefreiheit auch im Bereich der Privatwirtschaft. Natürlich muß ein jeder zum Friseur, der nicht wie ich an den Rasierer gewöhnt ist, den er noch in Mark bezahlt hat. Doch ob sich für meine Friseurin in ihrem Kellerstübchen der Lift an der Kellertreppe jemals rechnen würde, oder ob sie dafür doch sehr lang umsonst arbeiten müsste? Seltsame Grenzen des Für und Wider haben wir erreicht.
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Vorbereitende Arbeiten: Den Putz in den zweiten Stock tragen, Sack um Sack. Die Uhr wird am Abend von einem ermüdenden Tag sprechen, ja nun.
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Vorbereitende Arbeiten: Die Sicherungen abschalten, die Schalter ausbauen. Irgendwo ist eine Potentialerde als Nulleiter verwendet, und ein wenig graust es mich standesgemäß. Aber vermutlich hat da jemand aus einer nachträglichen Not eine Tugend gemacht. Ich mache ein Foto und nehme mir vor, das im Sicherungskasten zu vermerken. Und vor der Idee, Licht und Lüfter getrennt zu schalten, ziehe ich den Hut - das habe ich in der Toilette sofort kopiert. Nun ist es am Nutzer.
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Vorbereitende Arbeiten: Abkleben. Klebeband und ich werden keine Freunde mehr, und fünf Türen sind einfach zu viel für die paar Meter Wand. Auf dem Boden das alte Vlies. Wofür ich das neue aufspare, ich weiß es noch nicht. Wird schon noch eine Baustelle kommen. Dann bin ich fertig, müde und sitze im Dunkeln.
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Vorbereitende Arbeiten, letzter Akt: Wasser auf die Wände. Wasser in den sauberen Eimer. Der Putzeimer bricht mein Ausklopfen auseinander, und die vorbereitenden Arbeiten erhalten einen Zwischenakt - ich radle zum Baumarkt um einen neuen Eimer, weil alle, aber wirklich alle tauglichen anderswo unabkömmlich sind. Es ist ein Jammer um einen Euro elf. Rührgerät in die Maschine spannen. Der Schwabe läuft um einen Mehrfachstecker, damit Balkonkraftwerk und Rührgerät gleichzeit arbeiten können. Ob es einen Cent sparen wird? Auf jeden Fall stolpere ich nicht über das Kabel. Eine Peinlichkeit gespart, immerhin.
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Nass in nass, und doch sind da die schmalen Ecken, die meine Zeit fressen. Beim Reiben ins Trocknende geraten, und schon bilden sich glatte Schmierstellen im Edelputz. Es ist ein Jammer, und ich würde wirklich gern besser putzen können, doch für Soloarbeiter sieht es am Ende recht passabel aus. Und so genau wie der Arbeiter sieht kein Nutzer hin.
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Ich weiß wenigstens, warum mich das Kreuzweh plagt, denke ich auf der Leiter, und von diesem Glück habe ich einst nur die Alten reden hören.
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Nachbereitende Arbeiten: Werkzeuge reinigen. Jede Kelle, Traufel, Scheibe. Und den neuen Eimer, den guten. Ich freue mich, daß nur ein, zwei Kellen Putz übriggeblieben sind, die in einem Müllsack ihr Ende finden. Ich habe auch schon, denke ich, Wände auf Null geschafft. Der Schwabenfrieden, mit leerem Eimer fertig zu werden.
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Vielleicht hatte der Freund doch recht, als er einst meinte, daß so einer wie ich heute nicht mehr gebaut würde. Vermutlich wegen Abgas oder Sicherheit oder so.
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Guter Nachtschlaf am offenen Fenster.
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Tags drauf die Kalkfarbe, für die ich mich entschieden habe, um dem Kalkputz nicht gleich wieder das Atmen zu erschweren. Aber ach, sie streicht so schlecht, es ist ein fleckiges Drama, jedes Mal. Dann Klebebänder abziehen und zusammenknüllen. Nicht mal dann wird es friedlich, das Teufelszeug. Die Vliese aufrollen, die Batzen zusammenkehren.
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Die Riesenwand im Wohnzimmer macht mir Sorgen. Ich sollte viel Zeit einplanen, und wie ich diese Fläche nass in nass... na ja. Vielleicht hänge ich einfach ein Bild auf.
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Dem alten Bauern sind die Kühe durch. Ich bin zwei Stunden entfernt, ich habe die Hände im Putz, und als er nochmal anruft, daß die Nachbarn helfen, saß ich schon im Auto. Nass in nass, jaja, aber wenn doch die Viecher raus sind?
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In diesem Moment, den das Erkennen braucht, bis das ganze runde Gesichtchen ein Strahlen wird, in diesem Moment bin ich ganz Furcht. Dann tränenvolles Glück. Es ist ein Wunder mit der Liebe.
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Nun also mutig an den Putz. So stehe ich also am Stadtrand beim Baustoffhändler am Schalter. Die Dame fragt, ob ich privat bin. Nun, sage ich, ich bin immer in der billigsten Firma. Sie lacht und schaut in ihren Bildschirm. Ist billig, brauchen wir nicht. Ich zahle den tatsächlich niedrigen Preis, lade von der Palette ins Auto, bis die Federn knirschen, und erst auf der Fahrt schaue ich den Lieferschein an, auf dem irgendein Name steht, dessen Adresse einige hundert Kilometer entfernt ist. Selten, daß mir ein freundlicher Handel so gelingt.
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Im Radio ein Bericht über die Forderung nach Barrierefreiheit auch im Bereich der Privatwirtschaft. Natürlich muß ein jeder zum Friseur, der nicht wie ich an den Rasierer gewöhnt ist, den er noch in Mark bezahlt hat. Doch ob sich für meine Friseurin in ihrem Kellerstübchen der Lift an der Kellertreppe jemals rechnen würde, oder ob sie dafür doch sehr lang umsonst arbeiten müsste? Seltsame Grenzen des Für und Wider haben wir erreicht.
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Vorbereitende Arbeiten: Den Putz in den zweiten Stock tragen, Sack um Sack. Die Uhr wird am Abend von einem ermüdenden Tag sprechen, ja nun.
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Vorbereitende Arbeiten: Die Sicherungen abschalten, die Schalter ausbauen. Irgendwo ist eine Potentialerde als Nulleiter verwendet, und ein wenig graust es mich standesgemäß. Aber vermutlich hat da jemand aus einer nachträglichen Not eine Tugend gemacht. Ich mache ein Foto und nehme mir vor, das im Sicherungskasten zu vermerken. Und vor der Idee, Licht und Lüfter getrennt zu schalten, ziehe ich den Hut - das habe ich in der Toilette sofort kopiert. Nun ist es am Nutzer.
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Vorbereitende Arbeiten: Abkleben. Klebeband und ich werden keine Freunde mehr, und fünf Türen sind einfach zu viel für die paar Meter Wand. Auf dem Boden das alte Vlies. Wofür ich das neue aufspare, ich weiß es noch nicht. Wird schon noch eine Baustelle kommen. Dann bin ich fertig, müde und sitze im Dunkeln.
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Vorbereitende Arbeiten, letzter Akt: Wasser auf die Wände. Wasser in den sauberen Eimer. Der Putzeimer bricht mein Ausklopfen auseinander, und die vorbereitenden Arbeiten erhalten einen Zwischenakt - ich radle zum Baumarkt um einen neuen Eimer, weil alle, aber wirklich alle tauglichen anderswo unabkömmlich sind. Es ist ein Jammer um einen Euro elf. Rührgerät in die Maschine spannen. Der Schwabe läuft um einen Mehrfachstecker, damit Balkonkraftwerk und Rührgerät gleichzeit arbeiten können. Ob es einen Cent sparen wird? Auf jeden Fall stolpere ich nicht über das Kabel. Eine Peinlichkeit gespart, immerhin.
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Nass in nass, und doch sind da die schmalen Ecken, die meine Zeit fressen. Beim Reiben ins Trocknende geraten, und schon bilden sich glatte Schmierstellen im Edelputz. Es ist ein Jammer, und ich würde wirklich gern besser putzen können, doch für Soloarbeiter sieht es am Ende recht passabel aus. Und so genau wie der Arbeiter sieht kein Nutzer hin.
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Ich weiß wenigstens, warum mich das Kreuzweh plagt, denke ich auf der Leiter, und von diesem Glück habe ich einst nur die Alten reden hören.
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Nachbereitende Arbeiten: Werkzeuge reinigen. Jede Kelle, Traufel, Scheibe. Und den neuen Eimer, den guten. Ich freue mich, daß nur ein, zwei Kellen Putz übriggeblieben sind, die in einem Müllsack ihr Ende finden. Ich habe auch schon, denke ich, Wände auf Null geschafft. Der Schwabenfrieden, mit leerem Eimer fertig zu werden.
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Vielleicht hatte der Freund doch recht, als er einst meinte, daß so einer wie ich heute nicht mehr gebaut würde. Vermutlich wegen Abgas oder Sicherheit oder so.
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Guter Nachtschlaf am offenen Fenster.
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Tags drauf die Kalkfarbe, für die ich mich entschieden habe, um dem Kalkputz nicht gleich wieder das Atmen zu erschweren. Aber ach, sie streicht so schlecht, es ist ein fleckiges Drama, jedes Mal. Dann Klebebänder abziehen und zusammenknüllen. Nicht mal dann wird es friedlich, das Teufelszeug. Die Vliese aufrollen, die Batzen zusammenkehren.
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Die Riesenwand im Wohnzimmer macht mir Sorgen. Ich sollte viel Zeit einplanen, und wie ich diese Fläche nass in nass... na ja. Vielleicht hänge ich einfach ein Bild auf.
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Dem alten Bauern sind die Kühe durch. Ich bin zwei Stunden entfernt, ich habe die Hände im Putz, und als er nochmal anruft, daß die Nachbarn helfen, saß ich schon im Auto. Nass in nass, jaja, aber wenn doch die Viecher raus sind?
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In diesem Moment, den das Erkennen braucht, bis das ganze runde Gesichtchen ein Strahlen wird, in diesem Moment bin ich ganz Furcht. Dann tränenvolles Glück. Es ist ein Wunder mit der Liebe.