Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.

03.09.13, 22:14 | 'RaffRaff'
Möchte eigentlich niemand sonst etwas zur Rede unseres Bundesobergaucklers sagen? Keiner? Windbeutel und Würstchen mögen wir ja alle miteinander sein, und voller Angst vor den Lausitzer Wölfen obendrein, aber wir dürfen immerhin noch kritisieren. Hört, hört! und daß uns immer einer zuhört, auch wenn wir das vielleicht gar nicht wollen, das kommt unserem Obergauckler nicht über die Lippen, da schwelgt er lieber von der Vergangenheit, der Heimat und den Autobahnen. Nein, die lässt er dann doch weg. Gehören ja auch nicht hierher.
Warum also wählen, fragt er uns? Weil eine Regierung einen Rückhalt braucht, und das sind natürlich die Wähler. Aus diesem Grund wird im nächsten Jahr wohl auch das Mutterkreuz wieder eingeführt, sobald man sich einig ist, ob man das auch kriegen kann, wenn man männlich, weiblich, weißnich ist oder womöglich nicht einmal in der CDU! Um Positionen geht es also, wie immer in der Politik. Klare Positionen sind wichtig, also immer schön in Deckung bleiben, das wird Ihnen jeder Geheimgeneral bezeugen. Dann wird es bitter, und diese Bitterkeit bleibt mir so im Hals stecken, daß ich dazu nicht einmal mehr Böses sagen kann: die "selbstgewählte politische Ohnmacht" des Nichtwählers, damit keiner auch nur eine Sekunde darüber nachdenken muß, daß der Nichtwähler vielleicht euch einfach nur alle falsch und verlogen und so zum Kotzen findet, daß er weder seinen Wahlzettel noch seinen Sonntag mit euch beschmutzen will. Es geht nicht darum, daß "keine Partei [...] völlig überzeugt." Ich bin im Gegenteil sehr überzeugt. Nur leider nicht von euch. Ich will euch nicht. Euch alle nicht. Weil ihr mich nicht wollt, weil ich euch egal bin. Weil ihr, wenn ihr denkt, nur an euch, an die Partei, an die Macht und die Ruhe als erste Bürgerpflicht, und wenn das nicht klappt, wird aus einem Aufreger, einem Symptom, ein Programm gestrickt.
Und dann kommt der Hammer, der zerbröselt mir die Sätze, daß nur noch gallenbittere Brocken übrigbleiben: "Wer nicht weiß, was das Beste ist, wählt eben das weniger Schlechte." Mir wird übel. Das ist so falsch, so furchtbar falsch, etwas Schlechtes durch Wahl scheinbar zu legitimieren, nur weil alles andere zur Wahl Stehende noch schlechter scheint. Und das ist auf der anderen Seite so richtig, so klar und eindeutig, und daß uns das derart vor den Latz geknallt wird, das kotzt mich so an, daß ich es nicht einmal mehr beschreiben kann. Ihr habt es geschafft, diesen Staat so aufzuweichen, schimmlig wie ein altes Brot, daß wir keine Wahl mehr haben: Wir können niemanden mehr wählen, der irgendwelche Interessen vertritt außer seinen eigenen, und auch die nur für fünf Minuten, bis sich wieder alles geändert hat. Wir können niemanden mehr wählen, der auch nur eine Minute darüber nachdenkt, welche Auswirkungen denn eure Politik hat. Niemand, der einmal abwägt und die Risiken beurteilt und dann sagt, daß er auch nur glauben kann, weil keiner zwanzig Jahre in die Zukunft planen kann. Deshalb dürfen wir uns nur noch aussuchen, wer uns nebenbei am wenigsten wehtut, während er ganz woanders hinsieht. Das kleinste Übel sozusagen, und übel ist mir jetzt genug.

Mit Verlaub, Herr Obergauckler, Sie reden von Würstchen. Von Windbeuteln. Damit sind Sie nicht allein. Nicht allein da oben. Und damit meine letzte Bitte: Gehen Sie. Und nehmen Sie das ganze Pack da mit.

Rauchzeichen




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