Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Donnerstag, 30. 04 20

30.04.20, 15:43 | 'Entwachsen'
Die kleine Wohnung in der großen Stadt. In Form dieser winzigen, wie ein großes "L" geformten Schachtel, hatte mich damals die Wirklichkeit eingeholt. Auch die erhofften drei Jahre werden kein Wimpernschlag werden, sondern müssen durchlebt werden. Die Königin der Dreikaiserberge, sie wird in ihrer so geliebten Wohnung am anderen Ende der Stadt bleiben. Ich werde allein sein und ahne doch nicht, wie sehr. Der furchtbare Schlag und dieser tödliche, ewig verschneite Winter. Der Duft nach Pferden und Hund. Heizungsverweigerung. Mein eigener Herr, sinnlos Dinge in einer übriggebliebenen Pfanne zusammenrührend, singend und trinkend. Auf dem kleinen Balkon lesen, im Sommer dort schlafen. Das Rad neben dem Bett, das Rad im Flur, das den Weg nach draußen und zur Toilette versperrte. Helles Laminat, gelbe Wände. Das Rad an der Wand. Das Sofa vom Nachbarn aus der Straße: ein Wasserschaden. Das Bett vom Studenten, der zurück in die Heimat zog. Der kleine Park nebenan, den ich mir eroberte. Die Lehrerin aus gutem Hause, die sich am Morgen aufsetze und ihrer Schwester am Telefon gestand, sie sei nun doch geblieben. Mein Refugium zur Schreibzeit, meine nächtlichen Wanderungen vom Auto, das nur schwer einen Stellplatz in der Nähe finden wollte. Sonntagnachts, Freitag zurück. Glücklich die wenigen Abende unter der Woche, die einen Grund zur Heimfahrt boten. Der Diesel längst verfahren, das Leuchten glimmt nach. Das große, selbstgebaute Wandregal, der kleine Backofen über der Arbeitsplatte, die zwei Herdplatten eng an der Wand. Die wenigen Male, als Freunde da waren. Oft der Nachtschlaf eine Flucht. Aus den drei Jahren wurden vier, und dann noch zweieinhalb dazu. Das Gefängnis aus Verkehrs- und Kostenzwängen, die Spannung aus drei Betten, die ich vereinen wollte. Das Alleinsein gelernt, die Einsamkeit verschmeckt.

Heute habe ich alle Unterlagen weggeworfen.
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