Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Dienstag, 25. 04 17

25.04.17, 21:29 | 'RaffRaff'
Irgendwo habe ich gelesen, man solle sich die Erfolge jeden Tages vergegenwärtigen. Nun.
So habe ich gestern erstmals eine Küche bestellt. Das war schön, denn damit rücke ich dem Vermieterdasein wieder ein Stück näher. Und darunter stelle ich mir ja eigentlich nur vor, daß ich den großen Teil des Jahres meine Ruhe habe. So verbrachte ich also den Nachmittag statt in der Sonne im Auto, und den Abend in einem Küchenstudio. Zum Ausgleich regnete es heute, als ich heimgeradelt bin, in dicken, peitschenden Tropfen, sodaß ich ebenso durchnässt wie ausgekühlt daheim ankam. Besonders schön auf dem Heimweg ist immer die lange Ortseinfahrt, auf der alle stehen, während ich auf dem Trottoir an der Schlange aus Abgas und Bremslichtern vorbeidüse, auf den Pedalen stehend, und bei diesem Regen sicher nicht ganz das königliche Bild abgebe, das ich mir erhofft hatte. Mei. Da die Jacke unter beziehungsweise über allem anderen auch patschnass geworden war, kam sie mit einigem anderen Zeug gleich in die Waschmaschine. Und frohen Mutes wählte ich Synthetik statt Pflegeleicht, obwohl mir letzteres ja deutlich mehr entspricht. Und so kam die Wäsche ebenso patschnass aus der Maschine, wie ich zumindest die Jacke eine Stunde zuvor hineingestopft hatte. Mag sein, daß sie sauber geworden ist, im Moment tropft sie noch kläglich auf dem Wäscheständer. Der wiederum verbreitet neben der zu lobenden Luftfeuchtigkeit leider auch eine recht unangenehme Kühle in der Wohnung. Und so schaue ich immer wieder pikiert zu ihm hin, während ich am Schreibtisch sitze und mir einen Anzeigentext für meine Wohnung ausdenke. Garage, will ich schreiben, für Auto und Motorrad! Und ein Keller für ein halbes Dutzend Räder! Ein Raum, sie zu reparieren, eine Badewanne, um sie vorher abzuspülen. Aber ich denke dann doch noch einen Schritt weiter. Überhaupt Schritte denken. Als ob man die nicht radeln könnte! Dann müsste man nur in Pedalumdrehungen denken, was ja auch schneller geht und überhaupt. Ach ja, überhaupt. Pedale habe ich noch bestellt, und allerhand Gelöt rund um das Rad. Schutzbleche, Reifen, eine kleine Pumpe als Geschenk für eine begeisterte Radlerin. Holla, was habe ich hin und her verglichen, aber letztendlich nehmen mir Plattfüße so sehr die Lust am Radeln, daß ich schwere Reifen kaufe, die dagegen gefeit sein sollen. Man wird sehen, ihre zwei Zoll kleineren Brüder tun schon ein gutes Jahr solide Dienste am Alltagsrad. Am Alltagsrad, das so solide ist, daß es nun dem neuen Alltagsrad weichen soll, und was weiß denn ich, welcher Teufel mich jeden Tag reitet. Oder radelt, meinetwegen. Bis auf weiteres steht das neue Alltagsrad jedoch neben meinem Bett. Ganz einfach, weil an der Wand schon eines hängt. Ein anderes draußen am Balkon angekettet ist. Und im Keller steht ein drittes, nur verträgt der Keller hier nicht alle meine Räder. Was will man machen, und da ich gerade strohwitwernd tätig bin, kann ich auch vor dem Schlafengehen die groben Reifen auf dem Rad an der Bettkante streicheln und dem Lenker ein bißchen zuzwinkern, bevor ich zu Bett gehe. Das war gestern und wird heute wiederholt, weshalb ich nur schnell noch mit dem Sieg des heutigen Tages schließen möchte: Ich bin mit meinen Befürchtungen, aus dem Brief der Universität betreffend meines Promotionsverfahrens könne sich Ungemach ergeben, ein Stück vorangedrungen. Leider in dem Sinne, daß sich nun ganz sicher Ungemach ergeben wird. Für wen, ist noch nicht entschieden, hoffe ich, aber ich habe die Herren der Universität bereits des öfteren unterschätzt in dieser Hinsicht. Man versteht dort mehr von Politik als ich, und wenn das nur bedeutet, das allzu heiße Blut noch einen Moment länger vor der Tastatur und fern des Telefonhörers abkühlen zu lassen. Hitzkopf, Texaner, aber das kennen wir ja schon. Jedenfalls habe ich heute einen Plan geschmiedet, der einerseits jemandem die verdienten Meriten bringen soll, während er mir den Ärger ersparen dürfte. Im Bestfall. Während er mir im dümmsten Fall die - ach, von Erfolgen wollte ich reden. Nun, die Worte sind angekommen, die Winde wehen, ich werde mit den Stürmen segeln müssen. Aber auch das tue ich am besten ausgeschlafen und mit frischgeputzten Zähnen. Nun denn.
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