Dieseldunst
I'd rather be a forest than a street.
Mittwoch, 25. 08 10

25.08.10, 10:58 | 'Wie die Landjugend mein Leben zerstoerte'
Wir laufen von rechts ein. Also vom Publikum aus gesehen von links. Wenn die Bühne das zulässt, aber das weiß noch niemand. Wir laufen als zweite ein. Ich dachte, das ist nicht schlecht, aber nach der ersten Formation komme ich vorne zum Stehen. Und muß da bleiben.
Die erste Formation besteht darin, daß wir uns an den Händen fassen. Dann laufen alle im Kreis nach rechts. Sobald sich alle darauf geeinigt haben, wo rechts ist. Über die Schrittfolge Links-Hüpf-Links-Rechts kann ich nicht klagen, ich darf nur den mir gegenüber Hopsenden nicht zusehen. Womöglich sehe ich genauso aus.
Dann gehen wir in die bedenklich knackenden Knie. Und wieder hoch. Formation! Wir fassen uns an den Händen und schleudern eine der Damen durch die Luft. Sinnvoll ist es, dabei nicht direkt unter der Discokugel zu stehen. Sonst Kopfschmerzen.
Neu sortieren, die Herren nach hinten. Dann nach vorne, im Stechschritt, hoch die Beine, und sofort nach links abwandern. Also abtanzen. Oder so.
V-Formation, aha. Sind wohl kyrillische Buchstaben, ist aber auch ein russischer Tanz. Muß wohl so. Und klatschen. Drei Mal auf acht, während vorne Pirouetten gedreht und Rädchen geschlagen werden.
Auf dem Boden nach vorne, in einer obskuren Seitwärtsrolle, und immer schön die Beine nach oben schlagen! Strammstehen, Beinahespagat, wieder strammstehen. Auf den Rücken fallen lassen, nur ohne den Hintern. Der muß hoch. Die Beine auch, aber zum Glück nur abwechselnd. Mit gebrochenem Kreuz elegant aufstehen.
Acht Takte, um im Gewühl meine Partnerin wiederzufinden. Ich nehme sie in den Arm - Polka. Linksrum, rechtsherum, sie verdreht schon die Augen. Ganz nach vorne! gilt das Kommando, aber da stehen wir ja schon. Nun. Ich drehe sie nach rechts, dann nach links, und die Richtungen diskutieren wir auch noch einmal aus.
Noch einmal verschnaufen, Platz suchen, Partner finden, Mädchen in den Arm und festhalten. Jetzt schleudern. Dabei nicht loslassen. Sie krallt sich an meiner Brust fest. Schmerzhafte Sache, und eine Retourkutsche ist ziemlich unmöglich. Dafür rutscht sie mir langsam aus den verschwitzten Händen, während ich stramm weiter im Kreis wirble. Mir fällt meine Haftpflicht wieder ein. Und das Gerede! Mädchen durch Schaufenster geschleudert. Acht Takte noch.
Absetzen. Durchschnaufen.
Eine Minute siebenundfünfzig, verkündet Madame strahlend. Von zwanzig. Ich bin fix und alle.
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Sonntag, 19. 04 09

19.04.09, 12:44 | 'Wie die Landjugend mein Leben zerstoerte'
Nachdem ich neulich beim Ostertanz, den man hier übrigens den Hektarball nennt, noch einmal mitgeholfen habe, möglichst viel Bier abwechselnd auf den Boden und in mich hineinzuschütten und mich dabei großartig amüsiert habe, habe ich mich gestern auch noch zur Lehrfahrt nach Kroatien angemeldet. Fahren Sie mit Bauern fort, dann verpassen Sie schon hier kein schönes Wetter. Oder so.
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Freitag, 19. 12 08

19.12.08, 00:00 | 'Wie die Landjugend mein Leben zerstoerte'
Nachdem mein Wicht sich verschrieben, ich mein Gedicht schweigend ertragen, die erforderlichen Schnäpse für den Nikolaus und seinen Knecht besorgt und die kleine sportliche Aufgabe bewältigt hatte, mußte nur noch mein Ausweis herhalten, um meinen Anspruch auf das Päckchen zu beweisen. Aufgefallen: Ich sehe meinem Foto ähnlich. Frisur passt. Ohrring fehlt. Der Ausweis ist zweitausendunddrei abgelaufen. Frohes Fest.
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Mittwoch, 24. 09 08

24.09.08, 09:11 | 'Wie die Landjugend mein Leben zerstoerte'
Dieses Bild vom Sonntag, als ich mit der Geschirrkiste auf der Schulter über den Hof marschierte, mit dem Hemd der Landjugend und einem Stück Kuchen in der Hand.

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Nach sechs Stunden Spülen sind meine Hände immer noch nicht sauber.

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"Was nicht klebt ist auch kein Dreck!"
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Freitag, 9. 02 07

09.02.07, 10:13 | 'Wie die Landjugend mein Leben zerstoerte'
Hätten die gestern mich gefragt, ob ich das Amt übernehmen wollte, ich hätte mich sogar gefreut. Aber ich freu mich ja auch, wenn ich den Kleinen meines ersten Betriebes wiedersehe, dieses Unbeholfene und immer wieder der sichtbare Ruck, mit dem er sich sagt, daß Schüchternheit nicht weiterhilft. Ich freu mich auch, daß ich zum Fußballturnier eingeladen wurde. Und daß ich mir wieder einen oder zwei Namen gemerkt habe. Und daß ich dann spät, ganz spät noch gefragt wurde, wie wir das denn so machen mit der Fasnet, man sieht mich ja kaum. Außerdem ist heute tolles Wetter, und sowieso und überhaupt.
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Mittwoch, 13. 12 06

13.12.06, 22:14 | 'Wie die Landjugend mein Leben zerstoerte'
"Day of de feschd"

(Ja, aua. Von mir aus. Funktioniert nur in meiner Muttersprache. Mir doch egal.)
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Freitag, 10. 11 06

10.11.06, 11:41 | 'Wie die Landjugend mein Leben zerstoerte'
Und dieser ominöse dritte Zettel, der mir so gleich garnicht einfallen wollte, war für einen Tanzkurs. Woran merkt man eigentlich, daß so ein Tanzkurs speziell für die Landjugend gegeben wird?
Okay, mehr Jungs als Mädels. Das hat sich aber im Laufe des Abends gedreht, als die Jungs die Liste in die Finger bekamen. "Wieso steht mein Name da?" hörte man des Öfteren.
Gut, der Kurs beginnt spät. Um allen die Chance zu geben, auch den Melkern.
Aber das ist es alles nicht. Sie kommen nicht drauf.

Auf dem Zettel steht:
Tänze: Nur Tip-Fox!!!!!
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10.11.06, 10:54 | 'Wie die Landjugend mein Leben zerstoerte'
Gestern abend offiziell der Landjugend beigetreten. Mit Ausweis und so. Einladung zur Grünen Woche gleich weiterverschenkt, Einladung zum Weihnachtsbasteln aufgehoben. Dritter Zettel mit Einladung zu irgendwas leider verloren.
Und das ist es auch schon, dieses Landjugend-Dings. Ich sitze da, kenne niemanden, und fange an, mit allen zu reden. Einfach so. "Hallo, bist Du Bauer?" zählt seit gestern zu meinen liebsten Gesprächseröffnungen ever.
Und daß ich daraufhin mit drei mir völlig Unbekannten, von denen zwei spontan zu meinen Töchtern ernannt wurden - die haben mich die ganze Nacht mit "Papa" angeredet, verdammt! - noch ins B29 gedüst bin, und mir den wohl unverdientesten Korb aller Zeiten ("Bringst Du mir etwas zu trinken mit?" - "Wer bist Du überhaupt?" - "Ach, hau ab!") geholt habe, glaube ich ja selber noch nicht so ganz.
Immerhin war unser Taxi ein BMW.
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